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Ein
Berliner Kutscher berichtet (aus dem taxi magazin,
August 1996)
Taxifahren gibt einem viel Zeit und Material zum Nachdenken: was so alles
passiert bzw. dass gerade nichts passiert... Deshalb sei es mir erlaubt,
einmal aus einer "etwas anderen Ecke" einiges zum täglichen
Einerlei zu sagen. Vorneweg zum Begriff "Esoterik": Diese geht
kurz gesagt davon aus, dass alles Geschehen seinen Sinn oder vielmehr
eine verborgene Bedeutung hat. Meine nachfolgenden "merkwürdigen"
Gedanken sollen nun nützliche Anregungen sein oder auch nur "Kutte"
belustigend unterhalten.
Ein befreundeter Kollege meinte mal lapidar: "Wenn du müde
bist und schlechte Laune hast, kriegste Scheiß Fahrgäste!"
Dethlefsen nennt diesen Zusammenhang "Gesetz der Resonanz oder Affinität
(Verwandtschaft)" - was meint, dass die mir begegnende Kundschaft
meinen jeweiligen Zustand widerspiegelt, (unbewusst) ganz schön was
mit mir selbst zu tun hat (und der Eigenerkenntnis dienen kann). "Wie
außen, so innen", hieße dies etwas anders formuliert.
Unter Umständen stoßen Taxierlebnisse mich recht grob darauf,
dass irgendetwas nicht in Ordnung bzw. aus den Fugen geraten ist, sei
es nun privat oder im Betriebsklima: gerade dann erwischt mich nämlich
eine Blitzampel, kommt es zu einem Zahlungsstreit, geschieht ein VU (=
Taxijargon für "Verkehrsunfall") oder mir wird der Wagen
vollgekotzt...
An
entfesselten Aggressionen und anderem Ärger mit Fahrgästen haben
wir aus esoterischem Blickwinkel durchaus unseren Anteil. Solche Vorfälle
sind eben kein Zufall, sondern auf einer unterschwelligen (Schicksals-)
Ebene folgerichtig, transportieren eine Botschaft, wollen uns etwas sagen.
"Dumme Missgeschicke" unterlaufen beispielsweise gern auf der
"letzten Tour" - wenn man eigtl. Feierabend machen wollte/ sollte,
jedoch die Grenze/ ein Ende nicht findet. Aber auch wenn man zu übermütig,
euphorisch (scheinbar "gut drauf") ist, holt einen irgendein
"Dämpfer" bald wieder auf den Boden zurück.
Wer andererseits "schlecht drauf" ist, keine rechte Lust bzw.
negative Gedanken hat, macht garantiert wenig Kasse! An manchen Tagen
scheint man ja regelrecht die "Krätze" zu haben: eine Kurzstrecke
folgt der anderen, oder eine Halte läuft solange, bis man selbst
vorne steht, und dann nicht mehr... In solchen Phasen den Wagen zu waschen,
zu saugen, etc., dient nicht nur dem subjektiven Wohlgefühl. Die
investierte Arbeit und Zeit lohnt sich. Je mehr Sorgfalt und Liebe man
reinsteckt, desto mehr springt am Ende in klingender Münze heraus!
Wenn wir uns über andere Verkehrsteilnehmer aufregen (speziell wegen
Kollegen "kocht das Blut" ja desöfteren), so ist das eine
sog. "Schattenprojektion": im Grunde schimpfen wir über
verdrängte Seiten von uns selbst, ärgern uns darüber, dass
jene Typen genau das tun, was wir uns nicht erlauben (aber insgeheim doch
gerne tun würden). Mittels abgrenzenden Moralisierens (über
die "Rüpel", "Idioten", "Penner", usw.)
müssen wir unsere - doch oft enge - Identität aufrechterhalten.
Dabei könnte uns das, was uns am abartigsten, am weitesten entfernt
erscheint, viel über uns selbst (über das eigene Unbewusste)
erzählen...
Meines Erachtens liegt auch bedrohlichen Vorkommnissen (bis hin zu Überfällen)
eine zu starre Abschottung von den Fahrgästen zugrunde. Eine Lösung
für kritische oder emotional aufgeladene Situationen wäre, irgendwie
eine "Brücke"/ einen Kontakt zum Gegenüber herzustellen,
etwa über ein Gespräch, oder einfach nur den Leuten ruhig in
die Augen zu sehen. Nach meiner Erfahrung werden so Distanz und Spannungen
abgebaut, legen sich die Ängste. (Wer sich andererseits aufrüstet,
zieht das Gewaltpotential eher an!)
Magische Mechanismen laufen ebenfalls ab im Taxigeschäft: So wird
- nach dem "Gesetz der Serie" - ein Halteplatz oft mehrmals
nacheinander angesprochen (der erste Funkruf dient mir als Hinweis, mich
dorthin zu bewegen). Instinktiv wird auch jeder eine vormals oder in der
aktuellen Schicht günstige Halte erneut ansteuern...
Zwar kommt es mir selbst abergläubisch vor - aber schon der Ordnung
halber sortiere ich meine Geldscheine (die Köpfe mich anblickend),
streiche sie glatt (lasse sie nicht zerknittert); in den Etablissements
der schönen Frauen zieht das angeblich die zahlungskräftige
Kundschaft an.
Aus Sicht der Numerologie (Zahlensymbolik) lassen sich folgende Bemerkungen
zu den verwendeten Logos von Innungs-Funk und Ackermann (grünes Dreieck
bzw. rotes Quadrat) machen: Die "Vier" oder das Quadrat steht
für "das Kreuz der Materie", ist ein Zeichen für Härte,
Mühe, Plackerei, für eine gewisse Hemmung, Reibung, einen Mangelzustand.
Man beachte auch das Omen des Namens: der "ackernde Mann"! Die
"Drei" ist andererseits eine geistige ("heilige",
"vollkommene") Zahl, man denke nur an die christliche Dreieinigkeit;
d.h. das Dreieck ist ein Glücks- oder Erfolgszeichen. Zwar sollte
dessen Spitze im Idealfalle eigtl. nach oben zeigen; aber Innung fährt
mit Sicherheit besser (gewinnträchtiger), das Geschäft läuft
hier leichter. Andere, gerade "Stumme" (Taxen ohne Funk), machen
diesen Nachteil mit dem "guten Stern" auf ihrer Motorhaube zumindest
ein Stück weit wett... Während die WBT gewerbepolitisch über
deutlich mehr Einfluss ("Jupiter") verfügt, dürfte
beim Ackermann Taxi-Funk die grundlegende Ordnung, Struktur, etc. ("Saturn")
solider sein. Innungsfahrer werden mehr zur Bequemlichkeit und Großspurigkeit
neigen (da verwöhnt), Ackermannfahrer dagegen zum Sperrigen, Widerspenstigen,
Bissigen (s. die rote Farbe).
Bei einem freien Funkausruf stimme ich nur selten in das Schreikonzert
der zig Kollegen ein, empfinde das als einen Kraft- und Nervenaufwand
am falschen Platz. Lieber versuche ich meine "Fühler" auszustrecken,
zu "wittern", wo aktuell der "Schwerpunkt" ist (welche
Halte gerade läuft oder "ohne" ist bzw. wo ich möglicherweise
der einzige meiner Funkfirma bin). Halteplätze abzufragen geht dabei
gegen mein "Berufsethos"; ich will es auf anderem Wege wissen...
Intuition - die man glaube ich schulen kann - spielt eine große
Rolle in unserem Metier. Die Kundenströme sind ja von Tag zu Tag,
von Kiez zu Kiez, von Stunde zu Stunde verschieden. In diesen "Fluss"
hineinzurutschen, die "rhythmischen Schwingungen" oder den "Puls"
des ökonomischen Kreislaufs "medial" zu erspüren ist
mein besonderer Ehrgeiz. (In der Esoterik spricht man von "Zeitqualität"
bzw. davon, seinen "Mikrokosmos" in Einklang zu bringen mit
dem Makrokosmos.)
Dabei heißt es allerdings, flexibel zu sein, offen (für das,
was kommt); es gilt nicht zu verkrampfen, kein sog. "Ego" aufzubauen.
Man muss lernen, dem "Ruf" seiner Eingebungen zu folgen. Starrsinnig
("dickköpfig") an einer Halte zu kleben wäre verkehrt
- "viereckige Reifen" bringen einem ja nichts bzw. vertreiben
mit ihrer Ausstrahlung sogar die Kundschaft. Dies mag bedeuten, von einem
Halte-Platz wieder wegzufahren, obwohl man dort schon eine halbe Stunde
stand, oder aber an denselben zurückzukehren, wenn er plötzlich
läuft. Der Ort tristester Einöde scheint mir übrigens „Otto
Lilienthal“ (Flughafen Tegel) zu sein, den ich mir kaum noch antue.
Man sollte sich auf nichts versteifen, keiner fixen Idee unbedingt und
mit aller Macht nachjagen. Mit Gewalt geht gar nichts im Geschäft!
Gerade für das sog. „Greifen“ scheint mir ein bewusstes
Treibenlassen angesagt, eine Art meditatives "Gelassen- und Gewahrsein".
Man kann auch so vorgehen (wie ein Freund von mir, der sich für
seinen PKW gerne bei "höheren Mächten" einen Parkplatz
"bestellt" - es klappt in der Tat oft), sich z.B. für das
Ende der Schicht auf eine Tour in seine Heimatgegend zu programmieren.
Ob man dies nun Beten, Positiv Denken oder Magie nennt (bzw. so etwas
überhaupt tun sollte), wäre ein anderes Thema...
Bestimmt kommen solche Zusammenhänge den meisten Kutschern abwegig
(wenn nicht "schräg") vor. Vielleicht sind meine Überlegungen
aber doch für manchen Zündstoff genug, um sein Erleben und Handeln
zu reflektieren, auf das eine oder andere mehr zu achten bzw. einige der
angesprochenen Tipps spielerisch auszuprobieren.
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