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Das Pränatal

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Einer Anregung von R. Jakubowitz folgend, berechnete ich für etliche Leute das vorgeburtliche Solar. Die Ergebnisse waren äußerst aufschlussreich, zeigten bei den Betreffenden stark spürbare Seiten - die sich in der Radix nicht so ohne weiteres auffinden ließen. (Fast schien mir das Pränatal - wie ich es nennen will - das bessere Geburtshoroskop zu sein.)

Machen wir zur theoretischen Ableitung zunächst einen Exkurs:
1. In W. Döbereiners "Rhythmenlehre" spielen Solare eine zentrale Rolle. Sie dienen zugleich als Septare, gelten also ebenso für ein Jahrsiebt (z.B. für den Zeitraum von 7-13), in der Vergrößerung bzw. höheren Oktave auch für 49 Jahre (49-97), usw. Die vom Geburtshoroskop und seinen Konstellationen angezeigten Inhalte "schwingen" sozusagen in der Zeit; sie werden in periodischen Abständen ausgelöst oder aktuell, d.h. tauchen zu bestimmten (festgelegten) Zeitpunkten an die Oberfläche. Verdichtungs- bzw. Kristallisationspunkte dieser "Wellenbewegungen" sind die Solare (die übrigens konsequent auf den Geburtsort berechnet werden).
2. Aus der Antike (zuletzt aber auch von Troinski) wurden uns verschiedene Techniken der Direktion überliefert: ein Tag oder ein Grad entspricht einem Jahr (oder Monat) nach der Geburt. Bei dieser Methode - auf die bei aller sonstigen Skepsis selbst Kepler schwörte - handelt es sich wohlgemerkt um rein analoge Folgerungen, ohne irgendeine konkrete (astronomische) Grundlage. Ganz in der Logik astrologischen Denkens beruht die Direktion auf einem abstrakten Symbolismus, unter Verzicht auf jedwede physikalisch greifbare "Ursache" (wie man sie u.U. einem Transit zuschreiben könnte).

Die empirischen Beobachtungen in der Arbeit mit dem Pränatal führten mich nun zu der These, dass es das vorige Leben darstellt. Begründung:
Uroboros - Anfang und EndeDas Geburtshoroskop gilt als Solar speziell für das erste Lebensjahr. Zugleich steckt in diesem Jahr nach der Geburt - nach dem Gesetz von Mikrokosmos = Makrokosmos bzw. "wie im Großen, so im Kleinen" - das ganze Leben drin: in konzentrierter, verfeinerter Form, von den aktivierten Urprinzipien her. Symbolisch bzw. verkürzt leuchten in den ersten zwölf Monaten alle wesentlichen Themen der künftigen Persönlichkeit und Existenz auf (nebenbei bemerkt ein hochinteressantes Feld für den Astroforscher).
Wenn nun das "Solar Null" (= die Radix) der Code dieses Lebens ist, dann ist logischerweise das Solar -1 (das Pränatal) ein Gleichnis für die letzte Inkarnation. Das Solar +1 (oder Postnatal) ermöglicht Aussagen bzgl. der nächsten Verkörperung, das Solar +2 enthüllt die übernächste, usw. usf. Das aktuelle Leben (oder Geburtshoroskop) wird so zum natürlichen Schnittpunkt von Entwicklungslinien, die in die Vergangenheit wie in die Zukunft reichen...

Dieses Modell stimmt mit jenen (medialen) Hinweisen überein, dass der Sonnenstand der Inkarnationen gleich bleibe (vgl. die Beiträge in Meridian 3,4,(5)/ 83). Aufgrund der Gesetzmäßigkeiten der Solarberechnung wird dennoch der Horoskopschwerpunkt jedesmal verlagert. Die Sonne befindet sich jedes Jahr (oder Leben) in einem neuen Quadranten - und mit ihr in der Regel Merkur und Venus. Das MC wandert immer zwischen 80 und 95 Grad vorwärts; und in gleicher Weise - je nach Breitengrad des Geburtsortes - der Aszendent. Der Mond bewegt sich von Solar zu Solar etwa um ein Anderthalbquadrat (125-145 Grad) voran, Mars um vier bis acht Zeichen, Jupiter um eines (rückwärts durch die Häuser springend).
Somit sind für die Ego-Persönlichkeit in jedem "Leben" völlig unterschiedliche Aufgabenstellungen und Erfahrungsmöglichkeiten gewährleistet (während das Selbst identisch bleibt).

Auf eine Diskussion, ob es frühere Leben überhaupt gibt, will ich mich nicht einlassen. Manche glauben daran bzw. verfügen über subjektive Evidenzerlebnisse; andere berichten gar von "Beweisen". Hartgesottene Naturwissenschaftler oder Kirchenchristen überzeugen zu wollen (welche eh die Astrologie verdammen bzw. mit beißendem Spott überziehen) scheint mir ein fruchtloses Unterfangen. Klar ist, dass wir bei Eintritt in diese Welt keine tabula rasa sind, sondern schon ganz spezifische Eigenschaften besitzen.
Das Pränatal kann nun erhellen, welche Vorerfahrungen, welche erworbenen Talente, Ängste, usw. wir mitbringen. Und das Postnatal schildert, wo die Reise hingeht, was nach diesem Leben auf dem Plan steht.
Sicher ist es ein heißes Eisen/ ein gefährliches Spielzeug, per Knopfdruck (am PC, mit einer Astro-Software) durch die Zeiten und Inkarnationen geistern zu können. Zumal bei der heutigen Neu-Gier auf alles, was mit dem Thema "Reinkarnation" zu tun hat... Doch möchte ich warnen: Es sind selbstverständlich nicht die faktischen Vorexistenzen (mit exakten Angaben zu Jahrhundert und Ort), sondern lediglich deren Entsprechungen, die man seinen Klienten mithilfe der Solartechnik anbieten kann. Genaugenommen werden sogar nur Komplexe mit Relevanz für dieses Leben angezeigt - die Radix bleibt ja der Bezugs- und Angelpunkt des Ganzen. Die vorgeburtlichen Solare beschreiben "bloß" den psychischen Gehalt der jeweiligen Vorleben. (Allerdings befasst sich die Astrologie sowieso fast nur mit psychologischen Inhalten.) Unter diesen Einschränkungen sind aber die Aussagen, die das Pränatal über die letzte Inkarnation erlaubt, stichhaltig und fundiert. Sie sind in der Analogie - nach der der Sternenwissenschaft eigenen Logik, s. "Das astrologische Paradigma"- mehr als stimmig! Vor allem haben wir hier, was Aussagen über Karma und Dharma angeht, ein ungleich differenzierteres Instrumentarium (nämlich komplette Horoskope) zur Hand, müssen uns nicht mit Saturn, Pluto oder mit den (doch überstrapazierten) Mondknoten herumschlagen...

Ich möchte auffordern, mit der Technik einfach zu experimentieren.
Nach meinen Untersuchungen und Erfahrungen tritt gerade beim Pränatal Erstaunliches Helmut Kohlzutage: Dinge, die man schon immer in sich fühlte (und in der Radix vergeblich suchte), Charakterzüge, welche latent/ aus dunkler Erinnerung ihre Wirksamkeit entfalten, Eigenheiten, zu denen - in der Projektion, bei anderen Menschen - eine besondere Affinität oder Resonanz besteht (für die ein instinktiver Zugang/ spontanes Verständnis vorliegt). Schließlich lassen sich auch, im Stil einer Tarotbefragung, Pränatal, Radix und Postnatal nebeneinander legen: so gewinnt man zusätzliche Hinweise darauf, was beispielsweise einem Ereignis vorausgeht und was ihm nachfolgt.

Vermutlich ist die Methode für die Selbsterfahrung am fruchtbarsten.Doch wollen wir uns zur Objektivierung mal - kurz, stichwortartig - anschauen, was sie bei Helmut Kohl zu leisten vermag. (Um mich nicht in wilden Spekulationen über seine früheren oder künftigen Inkarnationen zu verlieren, bleiben die Deutungen auf das Jetzt bezogen; so können sie zudem besser überprüft werden.)
Das Pränatal soll Kohls Ausgangsgrundlage umschreiben, das Postnatal seine Perspektive:

Kohls PränatalDer Schütze-Aszendent des Pränatals erklärt schön seine physische Größe und Beleibtheit, seinen Berufsoptimismus bzw. die ausgestrahlte Jovialität. Dass diese gut rüberkommt, verdeutlicht des Aszendentenherrschers Konjunktion mit dem MC-Herrscher in Fünf. Sein augenscheinliches Ess-Motto "Lust und Genuss" passt frappierend, wunderbar zu Venus-Jupiter in Stier! Den Konservativismus und die Selbstdisziplin erkennen wir an Saturn in Eins sowie am Steinbockmond (übrigens exakt der Mondstand der Weimarer Republik). Die Sonne am IC steht geradezu klassisch für Heimat- und Traditionsverbundenheit, zeigt uns den (gemütlichen) Familienmenschen - an diesem Kardinalpunkt in gewissem Sinne aber auch den "Vater aller Deutschen". Das T-Quadrat Mond-MC-Pluto (letzterer in Sieben, auf andere gerichtet) kündet schließlich von Macht und Dominanz, versinnbildlicht des Volkes Leitbild und Führer, das Massenidol. - alles Punkte, die aus der Radix (mit der Haus-Zwölf-Sonne) nicht so deutlich ablesbar sind!
Kohls PostnatalIm Postnatal stellt sich uns mit Mars am Aszendenten ein ausgesprochen energetischer, selbstsicherer Mann vor (nach Döbereiners Rhythmen sollte er dies seit seinem fünfzigsten Lebensjahr sein). Aszendent Löwe erzählt vom "Adel", von jenem Glanz und Gloria, inmitten dessen "unser Herrscher" stolziert. Seine Regierungsgeschäfte, Amt und Würde werden von der Sonne beim MC repräsentiert (an denen noch Jupiter hängt). Auf "Ruhm und Ehre" weist der Aszendentenherrscher in Zehn in Kombination mit dem MC-Herrscher in Eins. Das Quadrat zwischen Mond und Saturn (inkl. Pluto) wiederholt deren Thematik aus dem Pränatal; seine Selbstunterdrückung bzw. Abschottungstendenz ist nun allerdings einen Zacken schärfer. Die Konjunktion des Mondes mit dem Fixstern Spica ließe eventuell auf Erfolg schließen... Aber des Kanzlers Stellung ist keineswegs so stark und stabil wie sie scheint! Mit Venus Opposition Neptun (dieser außerdem in Zwei, jene in den Fischen) ist ihm auch viel Schwäche und Verletzlichkeit zu eigen - und er kann nicht mit Geld umgehen. Auf die Dauer (prognostisch) wäre demnach mit einem Verlust seiner Position und seiner Geltung zu rechnen; mit Uranus in Zehn dürfte dies zudem ein plötzlicher Fall, ein überraschender Sturz werden.

(geschrieben Ende '95)

wer weiß?