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Das Fische-Zeitalter, das Christentum und die Naturwissenschaft


DerAion, Gaia und die vier Jahreszeiten

Im Jahre 7 v.Chr. kam es zu der relativ seltenen coniunctio aurea, einer dreifachen Großen Konjunktion (von Jupiter und Saturn), sogar unter Beteiigung von Mars, im Sternbild der Fische. Kepler identifizierte diese "Königs-Konstellation" mit dem neutestamentlichen Stern von Bethlehem - und legte Christi Geburt auf dieses Jahr fest.

Aufgrund der Präzession, dem langsamen Pendeln der Erdachse um den Pol der Ekliptik, verschieben sich die astronomischen (die mit bestimmten Fixsternen verbundenen) Zeichen allmählich gegenüber den astrologischen. (Zur Zeitenwende, bevor der nördliche Fisch vom Frühjahrspunkt der Erde überlaufen wurde, waren Sternbilder und Tierkreiszeichen noch in etwa deckungsgleich.) Der astrologische Widderpunkt bewegt sich in ca. 25730 Jahren (dem sog. Platonischen Jahr) einmal rückwärts durch die zwölf siderischen Sternbilder. Dem jeweiligen Zeichenaufenthalt des kardinalen Tierkreispunktes während eines solchen "Platonischen Weltenmonats" oder Äons wurde besonders in der mittelalterlichen und in der arabischen Geschichtsbetrachtung große Bedeutung zugemessen.
Allerdings sind die verschiedenen Sternbilder am Himmel unterschiedlich groß (nie exakt dreißig Grad) - und die einzelnen Zeitalter demgemäß eigentlich deutlich kürzer oder länger als ein Zwölftel bzw. 2100 Jahre. Außerdem besitzen die Zeichen unscharfe Grenzen (es ist nicht klar, wo das eine genau aufhört und das andere anfängt). Hürlimann setzt in ihrem Lehrbuch für das Sternbild der Fische 36° - und somit 2600 Jahre für das Fische-Zeitalter - an (von 100 v.Chr. bis zum Jahr 2500). Andere Autoren gehen von bis zu 3300 Jahren aus, die das jetzige Zeitalter dauern soll (von 400 v.Chr. bis 2900 n.Chr.), da sich das Sternbild der Fische über fast 45° erstrecke.
Was auch immer man von den Spekulationen rund um das beginnende Wassermann-Zeitalter halten mag: bis zu einem definitiven Ende des Fische-Zeitalters ist es jedenfalls noch eine Weile hin!

ICHTHYSDer Fisch tauchte als Identifikationssymbol bei den Christen etwa um das Jahr 200 auf. Er war ein weitverbreitetes Bildmotiv in der frühchristlichen Kunst (u.a. in den Katakomben Roms), diente als Erkennungszeichen und als magisches Schutzzeichen (Amulett).
Das griechische ICHTHYS wurde gern als Akrostichon verwendet (als aus Anfangsbuchstaben zusammengesetztes Wort) und bedeutete übersetzt: Jesus Christus, Gottes Sohn und Erlöser. Das Bad im Taufbecken (piscina, wörtlich "Fischteich") sollte Christus 'herbeiziehen'; Neubekehrte wurden als "pisculi" (Fischlein) bezeichnet. Heute ist das Zeichen bei bekennenden Christen oft als Autoaufkleber zu sehen.
Im Neuen Testament am bekanntesten ist die Geschichte der "Wundersamen Mehrung" von fünf Broten und zwei Fischen zur Speisung von Tausenden. Auch als Auferstandener teilt Jesus im Evangelium mit den Jüngern Brot und Fisch - welche als Zeichen ihrer Gemeinschaft (der Eucharistie bzw. Teilhabe Gottes) gelten. Jesu Jünger waren überwiegend Fischer; sein Auftrag an die Apostel und ihre Netze (speziell an die Petristen) lautete: "Werdet Menschenfischer!" - eine Symbolik, auf die auch der "Fischerring" des Papstes zurückgeht.
Im Mittelalter sah man Jesus als "ersten Fisch", als Verkörperung des Neuen Zeitalters: gestorben als letzter Widder (Opferlamm), um als Fisch bzw. Gott im Menschen wiederzukehren... Strenggläubige Katholiken dürfen das Fleisch von Fischen (im übertragenen Sinne dasjenige Christi) auch freitags bzw. während der Fastenzeit zu sich nehmen.

Fische-Analogien: Für die Interpretation hat das Zeichen der Fische zwei Seiten, eine Doppelnatur: Positives wie Negatives, Über- und Unterbewusstes. Es ist einerseits das Chaos, andererseits aber auch das Reich aller Möglichkeiten und Potenzen, das alchemistische "Pleroma" bzw. die "materia prima" (Ausgangsbasis) einer Arbeit. Wie das Meer ist es das Reservoir allen Lebens, welches von dort emporsteigt; ein Fischer holt daraus - symbolisch wie psychologisch - neue Bewusstseinsinhalte ans Tageslicht.
Die Münchner Rhythmenlehre hat ja im "Weg der Aphrodite" eine rückwärtige Entwicklungsperspektive auf den Tierkreis: im zwölften Haus bzw. in den Fischen zeigt sich ein neuer Inhalt zum ersten Mal, d.h. noch unbestimmt, ungestaltet, roh, undifferenziert. Das "Urwasser" der letzten Phase des Tierkreises ist der wirre und trübe Zustand vor jeder Schöpfung, die "massa confusa" des alchemistischen Prozesses, noch vor einer Ordnung des Kosmos. Der Fisch entspricht als Kaltblüter, als primitive - wenn auch belebte, bewusste - Urform einer primitiven, archaischen Seelenschicht.
Ein neu auftauchender Bewusstseinsinhalt ist immer erstmal erschreckend und bedrohlich (vermeintlich destruktiv). Er löst Ängste aus, von ihm überschwemmt zu werden, darin unterzugehen oder zu ertrinken, dass sich das Ich/ die Persönlichkeit in ihm auflöst. Er gibt aber auch die Hoffnung und Aussicht auf Erlösung, auf eine Verbindung mit dem Transzendenten, mit dem als numinos (göttlich) Empfundenen.
Der so ganz andere ("jenseitige") Bereich der Fische zeigt Licht und Schatten: er ist ergreifend, faszinierend, entrückend ("mystisch"), zu Loslassen und Hingabe ermunternd, überirdische ("himmlische") Glückseligkeit gewährend. Er ist aber auch in den bisherigen Kategorien nicht fassbar, in seiner Grenzenlosigkeit unbegreiflich, das Gewohnte vernichtend ("Nirvana", "nigredo" = das alchemistische Nichts bzw. die Schwärze).
Beispielhaft für das Wirken dieses zwölften Arhetyps ist die Erzählung von "Jonas und dem Walfisch": Der sich seiner höheren Aufgabe verweigernde Held wird vom dunklen Unbewussten verschluckt und erst als Gewandelter an die hellen Gestade eines neuen Bewusstseins geworfen.
Psychologisch stehen die Fische für Phantasien, Träume, irrationale Sehnsüchte, für mit einem verklärenden Zauber Behaftetes, aber auch für eine Nichterfüllung (Desillusionierung) dieser Wünsche, für Unklarheit, Verschwommenheit und Orientierungslosigkeit in der "normalen" Welt. Schmerzliches Ergebnis dieses Kontrastes bzw. dieser Spannung kann eine Krankheit oder Krise sein, ein Rausch, eine Sucht oder Betäubung, Ängste und Grauen, Einsamkeit und Isolation, Schwäche oder Lähmung. Die Fische haben geistige und triebhafte Aspekte; sie sind instinktiv (unbewusst), aber auch inspirierend.

Ungeheuer der TiefeDie Fische sind nicht nur "lieb und sanft, fein und zart". Ihre Schattenseite sind versteckte Aggressionen, ein verdrängtes Ego (das zwölfte Haus galt vormals als "Haus der geheimen Feinde" ); sie täuschen gerne sich und andere über die realen Gegebenheiten hinweg, agieren eher indirekt, benutzen nicht selten "krumme Wege".
Dies gilt historisch leider auch für das Christentum: eine allumfassende Liebe oder Agape wurde oft nur nach innen (im internen Zirkel) praktiziert, das Ideal der Bergpredigt (Feindesliebe) fand kaum Anwendung im Umgang mit fremden Völkern und Kulturen (den "Heiden" oder "Barbaren"). Die Schauergeschichten der Kolonialzeit und Sklaverei berichten davon, wie grausam, unterdrückerisch und ausbeuterisch, gewalttätig und brutal die Erfinder von Demokratie und Menschenrechten außerhalb Europas agierten. Bestialitäten wie die Konzentrationslager fallen ebenso hierunter (begangen von Vertretern eines Kulturvolkes, welches Bach und Beethoven hervorgebracht hatte). In den Fischen steckt auch ungezähmtes, Nicht-Sublimiertes, das "Ungeheuer in der Tiefe".

Sogar das Karitative der Christen (den Armen und Bedürftigen zu helfen) hat etwas Zwiespältiges. Es scheint, als ob Seuchen und Epidemien, Elend und Not in der sog. "Dritten Welt" dort erst zusammen mit dem christlichen Abendländer Einzug hielten. Und das praktizierte Mitleid und Mitgefühl der humanitären - oft kirchlichen - Institutionen lindert die Missstände in den Entwicklungsländern heute nicht wirklich, schreibt die sozialen Benachteiligungen und Ausgrenzungen eher fort.
Mit der astronomischen Entdeckung des Fische-Herrschers Neptun kamen im 19. Jahrhundert politische Bewegungen auf, die ein "Paradies auf Erden" in Aussicht stellten (Kommunismus, Sozialismus), mit gleichen Rechten für alle.
So schön sich diese im Grunde "urchristlichen" Utopien anhören, ist doch die Gefahr solcher Heilslehren in der Kollektivierung zu sehen, in einer Gleichmacherei und Vermassung (Ent-Individualisierung ) - eine Gefahr, die dem wachen und kritischen Bewusstsein neuerdings auch durch die (neptunischen) Medien, insbesondere durch die einlullende Wirkung der TV-Flimmerwelt droht.
Künstliche Welten werden heute aber auch für den konkreten Alltag erzeugt: gemeint sind die allgegenwärtigen Plastikprodukte (ebenfalls eine Neptun-Analogie), erfunden von der Chemie, vor dem Hintergrund des Versprechens der Konsumindustrie eines "Wohlstands für alle". Die hemmungslose Anwendung und unüberlegte Umsetzung gerade der chemischen Naturwissenschaft ist maßgeblich verantwortlich für die mittlerweile globale Ausmaße annehmende Umweltvergiftung sowie die bevorstehende ökologische Katastrophe.

Die Denker des Vorderen Orients gingen zu Beginn des Fische-Zeitalters alle von einer Dichotomie (einer Spaltung, Gegenüberstellung) von Körper und Geist aus. Das in dieser Region entstandene Christentum war in seiner Leibfeindlichkeit bzw. Verteufelung der "finsteren" materiellen Welt - als böse, sündig - und in den damit verknüpften Schuldgefühlen zwar nicht so extrem wie die diversen gnostischen Strömungen; aber es verwies die Gläubigen letztlich ebenso auf Immaterielles, auf ein Jenseits, auf eine Rettung aus dem irdischen Jammertal durch den Heiland - dessen Reich eben "nicht von dieser Welt" war. Bei dieser Ausgangsposition ist es bis zu einer Spiritualisierung des Stofflichen bzw. bis zu einer "Heiligung" des Körpers ein weiter Weg, hin zu einer durchgängig monistischen Weltkonzeption (die Gott in allem sieht), welche in anderen Kulturen und Weltreligionen eigtl. selbstverständlich ist, etwa in der hinduistischen.
Zur Erfolgsgeschichte des Christentums gehört, dass es seine Erlöserfigur nahtlos mit der herrschenden hellenistischen Philosophie verbinden konnte, gerade mit dem Dualismus Platons, mit dessen Lehre der zwei Ebenen: dem Reich der Ideen im Gegensatz zur sinnlichen Welt, der Welt der Urbilder einerseits vs. derjenigen der Abbilder, Gegenstände und Erscheinungen. Vorzüglich passte zu ihm auch die Logos-Lehre: "Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott..." In der Theologie des Johannes-Evangeliums galt Christus als der fleischgewordene Logos. Der 'Logos' wurde ja von den Griechen als die den Kosmos durchwaltende geistige (naturgesetzliche) Ordnung verstanden. Aus diesem Konzept leiteten sich die für die späteren Naturwissenschaften so entscheidenden Geistesdisziplinen der Logik (des schlüssigen Denkens und Beweisführens) und der Mathematik ab.
Vom Neoplatonismus bzw. von der Trennung in - abstrakt-ideelle, von den Phänomenen losgelöste - Theorie und (konkreter) Empirie zeigte sich besonders der Kirchenvater Augustinus beeinflusst. Sein "ich zweifle, also bin ich" nahm des Descartes "ich denke, also bin ich" aus dem 17. Jahrundert schon vorweg.

Die Tiefenpsychologie sieht das Problematische des Gottesbildes im Christentum darin, dass es einseitig nur positiv ("gut") ist, und das Böse, Negative, Destruktive (den "Teufel") ausschließt - etwa im kitschigen Bild des "lieben Jesulein" in der Krippe. Ein gesundes, integres Selbst- und Gottesbild zeichnet sich jedoch eigentlich aus durch Vollständigkeit (nicht durch eine überirdische "Vollkommenheit"); wirkliche Ganzheit ist eher banal (nicht "heilig"), und bedeutet immer eine Versöhnung von Gegensätzen!
Die Tendenz des Christentums zum Nur-Guten konstellierte von vorneherein den Schatten bzw. die Figur des Antichristen. Dieser Gegenspieler Christi tauchte im Neuen Testament schon früh auf (in den Johannes-Briefen des 2. Jahrhunderts und in der Apokalyptik des Urchristentums). Es hieß, dieser würde in der "Endzeit" als "falscher Prophet" auftreten, mithilfe beeindruckender Wunder die Weltherrschaft an sich reißen, zum Glaubensabfall verführen, eine allgemeine Unmoral und Unordnung bringen. Im Mittelalter wurden die verschiedenen Schismen (Glaubensspaltungen) als sein Wirken angesehen. Luther und der Papst belegten sich gegenseitig mit diesem Etikett.


die PräzessionsbewegungC.G. Jung sah den Antichristen nicht mehr personifiziert, sondern in den - seit der Aufklärung betonten - Geistesströmungen des Materialismus, des Atheismus und Intellektualismus, bzw. im generellen Glaubensverlust der Moderne. Nach ihm erreichte die Präzessionsbewegung den Meridian des zweiten Fisches im 16. Jahrhundert (z.zt. von Renaissance und Reformation). Im astronomischen Sternbild steht der zweite Fisch quer (im Quadrat) zum ersten, zeigt also eine gewisse Gegenläufigkeit, und wurde jedenfalls von der Präzession frühestens um das Jahr 1200 angetroffen - so dass sich seine entgegengesetzten Strebungen erst danach ganz entfalten konnten. Der erste Fisch zeigt eine Vertikalbewegung, er ist nach oben gerichtet, sozusagen jenseitsbezogen, himmelstrebend - wie die Baukunst der Gotik. Der zweite Fisch dagegen ist horizontal ausgerichtet, die Intention des ersten mehr oder weniger durchkreuzend, auf das Diesseits bezogen, auf eine Welteroberung/ Bewältigung der Natur hin angelegt ("machet euch die Erde untertan"), d.h. eher realistisch als idealistisch gesinnt.
Diese Zwitternatur der Fische, das "objektive" Wissen vs. subjektivem Glauben, die Kontroverse "Wissenschaft statt Religion" drückt die typische abendländische Geistesspaltung aus.

Herz JesuDass mit der Christus-Figur etwas im Argen liegt bzw. die Entwicklung des Gottesbildes im Christentum noch nicht beendet ist, zeigt die Bewegung der Herz-Jesu-Verehrung. Sie erlebte im Spät-Mittelalter eine Blüte und wurde im 18. Jahrhundert besonders von der Aufklärung (der "Vernunft-Religion") bekämpft. Ihre Symbolik beruht mythologisch darauf, dass Jesu Seite, als er noch am Kreuz hing, durch die Lanze des Longinus - eines römischen Soldaten, eines Vertreters der weltlichen Macht - geöffnet wurde und sein Blut herausfloss. Das Herz-Jesu-Motiv steht einerseits für des sich hingebenden Erlösers schmerzhafte, mitfühlende Liebe zur Welt, für eine Verwundung des Heilands - aber auch für eine Krise der aus ihm hervorgegangenen Kirche.
Diese Krise soll auch überwunden bzw. der christliche Mythos fortgeschrieben werden durch die um 1200 im Abendland auftauchenden Legenden vom Gral. Der Gral wird dabei überwiegend als Gefäß gesehen (als Kelch des Abendmahls und des Josef von Arimathäa), mit welchem das Blut des von der Lanze angebohrten Gekreuzigten aufgefangen wurde. Der Gralskönig (bezeichnenderweise ein "Fischerkönig") war ebenfalls verletzt und krank und konnte nur durch die richtige, anteilnehmende (Fisch-)Frage des Parzival ("was fehlt dir, Oheim?") geheilt werden.

Die Longinus-Lanze spielte im Grals-Ritual eine große Rolle, aber auch das Hervorzaubern von Brot - wie im neutestamentlichen Wunder der Vermehrung von Brot und Fisch. Das Zeichen Jungfrau, dem ja traditionell das Getreide oder dessen Ernte zugeordnet wird (Spica, die "Kornähre", einer der hellsten Fixsterne, befindet sich im Sternbild der Jungfrau), steht den Fischen entgegengesetzt - und ergänzt bzw. vervollständigt diese, stellt aber auch deren dunkle, noch unbewusste ("negative") Seite dar. Jungfrau und Fische gehören im christlichen Mythos von vorneherein zusammen: Jesus wurde von einer Jungfrau (Maria) geboren - wie im Vorläufermythos des hellenistischen Ägypten der Sonnengott Aion durch die Jungfrau Kore.
Das Erdelement bzw. die Materie-Bezogenheit des Zeichens Jungfrau (im Gegensatz zum Wässrig-Seelischen der Fische) wird innerhalb des Christentums interessanterweise vor allem vom Protestantismus verkörpert - der ja historisch erst mit dem Überlaufen des zweiten Fisches entstand. Nach Luthers Reformation entwickelten sich - ganz nach Jungfraumanier - immer mehr partikulare (einzelne) Teile, Landeskirchen und Sekten, es kam zu einer immer größeren Zersplitterung der ursprünglich einen Kirche - wohingegen sich der Katholizismus auf fischige Weise nach wie vor als weltumspannend (universell) versteht, einen Alleinvertretungsanspruch pflegt, magisch-mystische Rituale praktiziert (Segnungen, Weihrauch, etc.), an Wunder, Engel und Heilige glaubt, sowie diese im Bedarfsfall auch anruft. Evangelische Theologen sind vergleichsweise nüchtern und sachlich, sie konzentrieren sich auf die Schrift-Analyse (auf das geoffenbarte "Wort Gottes"), und betreiben u.a. eine kritische Leben-Jesu-Forschung. Die Mitglieder der abtrünnigen jungen Kirchen erwiesen sich zudem mit ihrer Weltzugewandtheit und Arbeitsdisziplin als ausgezeichnete Geschäftsleute, gerade in der Neuen Welt (Amerika). Der Soziologe Max Weber schrieb vor hundert Jahren einen bekannten Essay darüber ("Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus") und führte darin besonders die "innerweltliche Askese" der Calvinisten sowie die Sparsamkeit und "rastlose Arbeit" der Puritaner als Beleg an.

Jungfrau steht für ein effektives Ausnützen und Verwerten der jeweils zur Verfügung stehenden Ressourcen, für - marxistisch gesprochen - verdinglichte, entfremdete, letztlich industrialisierte (statt sinnhafte) Arbeitsbedingungen, für eine Ausbeutung der Natur. Prinzipiell geht es dem Antipoden der Fische um eine Bewusstheit von Gegensätzen - anstelle einer unbewussten "unio mystica", eines gleichgültigen "alles ist eins". Der Weg von den Fischen zur Jungfrau führt von der alles verschmelzenden Einheit (dem Uroboros) zur differenzierten, vereinzelnden Vielfalt. Es geht bei der Jungfrau um Diskrimination (Unterscheidung) und Sonderung, um eine detaillierte Analyse der Gegebenheiten, um Exaktheit und Präzision gerade in der Wahrnehmung und Beobachtung. Insofern ist sie auch ein Signum der modernen Naturwissenschaften.
Deren Ära wurde um 1600 eingeleitet durch Francis Bacon und seinen Empirismus. Er sah das Experiment und die Induktion (Folgerung aus den Tatsachen) als die wichtigste Quelle von Erkenntnis, erfand das Falsifikationsprinzip, forderte eine praktische Nutzanwendung der Wissenschaft (ein Finden von "Naturgesetzen" zum Zwecke der "Naturbeherrschung"), und wandte sich ausdrücklich gegen die bisherigen Erkenntnismethoden von Intuition und Analogieschlüssen.


Goya - Der Schlaf der Vernunft gebiert UngeheuerJungfrauen-gemäß traten in der Renaissance auch neue optische Entwicklungen auf die Bühne: um 1300 schon die Brille, um 1600 das Mikroskop und das Fernrohr. Der Rationalismus von Descartes im 17. Jahrhundert entmythologisierte die Welt weiter, sah den biologischen Körper als Maschine, lediglich kausalen Gesetzen unterworfen. Die Philosophie der Aufklärung versuchte sämtliche existenziellen Gegebenheiten gedanklich zu durchdringen, und so des Menschen Angst vor der dunklen Nachtwelt zu vertreiben. Der Gipfel der Säkularisierung wurde während der Französischen Revolution mit dem "Kult der Vernunft" erreicht, welcher die krchlichen Gottesdienste ersetzen sollte.
Psychologisch gesehen, wurden durch solche "Zivilisierung" (Entdämonisierung) der "irrealen" Geister und Gespenster diese jedoch nicht beseitigt, sondern nur nach innen verdrängt - woraus sich in der Neuzeit die massenhaft auftretenden ("auto-aggressiven") Seelenkrankheiten sowie die destruktiven politisch-gesellschaftlichen Systeme und Strukturen erklären.
Die archaische Wildheit und der Schrecken der Natur wurde von der Naturwissenschaft nur oberflächlich hinweggezaubert; trotz aller (oft durch Statistiken gestützte) Planung und Sicherheitsbestrebung wurden die irrationalen Bedrohungsgefühle, die "Kollateralschäden" der Neurosen und Psychosen in den Individuen nicht weniger.
Den Höhepunkt an naturwissenschaftlicher "Gottlosigkeit" stellte im 19. Jahrhundert sicherlich Darwins Vererbungslehre dar, in dessen Theorie der "natürlichen Auslese" im Grunde der Zufall regiert (nicht von ungefähr wehren sich christliche Fundamentalisten gerade gegen ihn am heftigsten). Sein "survival of the fittest" (Überleben des am besten an die Umwelt Angepassten) ist ein Jungfrau-Motiv par excellence.
Interessanterweise entstand zeitlich parallel zum (eher angelsächsischen) Triumphzug von Naturwissenschaft und Technik, gerade in Deutschland, um 1800 als Gegenbewegung die Philosophie des Idealismus. Sowie die (musikalische und literarische) Romantik - welche den Begriff des Unbewussten propagierte, und durch die das Thema "Psychologie" erstmals gesellschaftlich breit diskutiert wurde. Im Kontrast zur vernunftbetonten Aufklärung kultivierte das Bürgertum damals die Fische-Tugenden einer schwärmerischen Innerlichkeit und Empfindsamkeit, von Weinen und Schwäche, Rückzug und Einsamkeit. Nicht zu vergessen den "Magnetiseur" Mesmer, der zu jener Zeit seine psychotherapeutische Hypnose-Methode entwickelte und damit große Erfolge erzielte.


Andererseits tragen die Rituale der Naturwissenschaft heutzutage durchaus religiöse Züge: So wird der gigantische LHC-Teilchenbeschleuniger unter dem CERN gern als "Kathedrale" der Wissenschaft bezeichnet. Forscher (nicht nur Ärzte) kleiden sich bevorzugt in Weiß, ganz wie die antiken Priester bei ihrem Tempeldienst. Über ihre Arbeit an der Materia, der vergöttlichten Großen Mutter, sprechen sie meist ehrfurchtsvoll - schließlich sind sie dem "heiligen" Geheimnis der Schöpfung auf der Spur (was die Welt im Innersten zusammenhält). Man will die subtilen, unsichtbaren Schleier der Maya (Fische) durchdringen, indem man das Kleinste, Feinste herausdestilliert (Jungfrau).
Das Staunen und die Bewunderung der breiten Öffentlichkeit über die erzielten Erfolge ist riesig, der Glaube an die Fortschritte der Technik, an das von Menschenhand Machbare, nahezu grenzenlos. Flugschauen ziehen mit ihrer Mischung aus Akrobatik und technischer Beherrschung Massen an. Die Mondlandung wurde vor einem Milliardenpublikum regelrecht zelebriert und übt bis heute eine ungeheure Faszination aus, wird immer wieder dokumentiert.
Hat also Klingsor - der schwarzmagische, die Natur manipulierende Gegenspieler des kranken Gralskönig - am Ende gesiegt?

FraktalDie Polarität Fische - Jungfrau zeigt sich auch dort, wo die Naturwissenschaft an ihre Extreme stößt. Etwa im sog. Lokalitätsproblem der Quantenphysik: innerhalb des Atoms ist die genaue Position des (sich schnell bewegenden) Elektrons zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht feststellbar, sondern lediglich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Je kleiner die Teilchen werden, desto mehr entzieht sich die Materie anscheinend dem menschlichen (messenden) Zugriff, wie ein Trickster. Verrückterweise ist auch bei der Feststellung des Charakters von Licht das jeweilige Versuchsergebnis nicht mehr unabhängig vom Beobachter bzw. von dessen - zwangsläufig intervenierender - Beobachtung (Welle-Teilchen-Dualismus). Eine Voraussetzung der Naturwissenschaft, die cartesianische Trennung von Ich und Welt, zwischen Subjekt und Objekt, gilt in diesem Mikrobereich nicht mehr. Gerade im Subatomaren erweist sich die "Einheit aller Dinge", dass eine Isolierung der einzelnen Elemente letztlich unmöglich ist.
"Esoterisch" wird es auch in der Chaostheorie; es ist, als ob hier der alte Hermes Trismegistos grüßt ("wie im Großen, so im Kleinen"): in einem vordergründigen Chaos enthüllen sich endlose, selbstähnliche Muster (Fraktale), selbst im kleinsten Detail. Die nähere Untersuchung der einzelnen Faktoren eines Regelkreises in der Kybernetik (Systemtheorie) zeigt, dass die Welt eben doch nicht so einfach (mechanisch, monokausal) gestrickt ist wie gedacht, sondern als ein komplexes Ganzes gesehen werden muss, in welchem (neptunisch) alles mit allem zusammenhängt.
Vielleicht sind hier auch Ansätze für eine Weiterentwicklung der Astrologie zu finden. Sie entstand in ihrer heutigen Form schließlich ebenso vor 2000 Jahren bzw. erlebte im Hellenismus ihre erste Blüte (Ptolemäus). Und sie trägt deutliche Fische-Charakteristika, lässt sich etwa in ihrer Symbolbedeutung nicht festlegen, entzieht sich den statistischen Überprüfungsversuchen. Ihre Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen; allerdings beruht auch sie auf der platonischen Spaltung in Ideenwelt (Archetypen) und Welt der konkreten Phänomene.

Wie geht es weiter mit dem Fische-Zeitalter, was kommt danach? Auf Osterm folgt bekanntlich Pfingsten, in astrologischer Sprache, (in ein paar hundert Jahren) das Wassermann-Zeitalter. Der Wassermann schüttet (im Bild) schöpferische, innovative Energien aus, er bringt das Wasser des Lebens, befruchtet die Erde neu. Er ist das einzige Sternbild, das einen Engel (Cherub, den Engel der Weisheit) darstellt, und symbolisiert das Bewusstsein des Göttlichen in jedem einzelnen Menschen (dessen Gottes-Ebenbildlichkeit). Er steht für die Überwindung von Gegensätzen, für deren Integration und Synthese auf einer neuen Ebene.
Gesellschaftlich bzw. politisch bedeutet Wassermann universale Humanität und soziale Gerechtigkeit, jenseits von Hierarchien, d.h. eine Realisierung der Ideen der Französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Symmetrische, gleichberechtigte Beziehungen (Freundschaften) werden in ihm wichtig, Gruppendenken und -aktivitäten - wie jetzt ansatzweise schon in den Neuen Technologien und Medien sowie im Internet ersichtlich. (In dem von Merlin initiierten Runden Tisch sitzt der Gralskönig selbst nicht mit am Tisch - wohl aber der Geist der alle Ritter verbindenden Gralssuche.) Sich assoziierende Netzwerke und die freie Verfügbarkeit von Information (open source) werden zunehmen, die Kulturen dadurch internationaler bzw. kosmopolitischer werden.
Erkenntnistheoretisch bedeutet Wassermann ein Erstarken der Intuition als Erkenntnisweg, eine Überbrückung der Kluft zwischen Geist und Materie. Ausgehen kann man von einem respektvolleren Umgang mit der Natur, von einem ganzheitlicheren (holistischen) Wissenschaftsverständnis (Naturverehrung statt -beherrschung), von einer Sicht auf die Objekte der Welt als belebt, beseelt (spiritus bzw. anima mundi). Die künftige Naturwissenschaft dürfte Charakteristika des Löwen (des Gegenpols von Wassermann) aufweisen, d.h. die zu untersuchenden Gegenstände nicht als tot, sondern als lebendige Organismen begreifen (wie die Erde in Lovelocks Gaia-Hypothese) - auf die man sich als grundsätzlich gleichgestellte Wesen partnerschaftlich bezieht (Eros statt Logos, Kooperation mit der Natur statt Bio-Technologie).
Im Zeitalter des Wassermann dürfte es zu einer Abkehr vom Fische-Dualismus kommen, zu einem neuen Monismus (Einheitsdenken), der den Geist - oder Lebensstrom - als Kontinuum bzw. als in allen Dingen immanent (innewohnend) erkennt.

Literatur: Jung, Carl G., Aion, GW 9/2, Zürich 1951