zurück zur Seite "Spezial"
Freiheit oder Determinismus?
Adler und Kroete

Wir sind festgelegt und frei. Die beiden Alternativen schließen sich nicht aus bzw. gelten jeweils in Abhängigkeit vom eingenommenen Standpunkt oder Blickwinkel. Mit unserem Anteil am Transzendenten, Göttlichen, am <Himmel> (des vierten Quadranten) sind wir frei – ganz wie der Schöpfer selbst.
Atlas Festgelegt sind wir jedoch auf der Ebene von Körper, Seele und Geist – und zwar gebunden im Grunde durch unsere mangelnde Bewusstheit, d. h. durch die ungenügende Integration des Jenseitigen in unser Ego (unser Wollen, erster Quadrant), unser Handeln (zweiter Ouadrant) und unser Denken (dritter Ouadrant).
Zwar sind diese unsere Existenz, unser Leben und unsere Vorstellungen nicht in allen Einzelheiten bzw. in all ihren konkreten Ausgestaltungen vorherbestimmt; es gibt einen gewissen Variationsspielraum innerhalb der Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten jeder Ebene (jedes Quadranten). Dieser „kleinen“ (materiellen, subjektiven und ideellen) Freiheit sowie den Gesetzen der Trägheit/ Schwerkraft, der Ursache-Wirkung und des Karma übergeordnet sind jedoch die Bestimmung (das sog. Dharma, zehnte Phase), die „große“ Freiheit (elfte Phase) und die Wunder des göttlichen Seins bzw. dessen Gnade (zwölfte Phase).
W. Blake: Urizen - Saturn Das generelle Ziel, das „Ergebnis“ und die Zukunft eines Menschen (bzw. alles Geschaffenen) ist - nach Form und Bedeutung – „grob“ festgelegt. Hierbei setzt das Überpersönliche/ Transzendente (des vierten Quadranten), von dem sich alle Schöpfung weg- und zugleich hin- entwickelt, die Maßstäbe. Die Inhalte des mundan vierten Quadranten geben den Rahmen vor für alles irdische und individuelle Sein und Werden, stellen dessen „genetische“ Muster zur Verfügung. Diese Determinierung durch den vierten Quadranten ist aber eigentlich eine befreiende „Bestimmung“, eine „Bestimmung zur Freiheit“ bzw. eine von unserem unbewussten („Höheren“) Selbst vermutlich in aller schöpferischen Freiheit getroffene Entscheidung.
Determinierend im negativen Sinne - d. h. nicht befreiend, erlösend, sondern zwingend, abhängig machend - sind jedoch die Gesetzmäßigkeiten der anderen drei Quadranten oder Ebenen: insbesondere die Bilder der Vergangenheit, unsere mitgebrachten Prägungen (achte Phase). Aus der Sicht von Ego/ Wollen, Subjektivem (unseren Wünschen) und unseren gemachten Vorstellungen scheinen zwar die Phasen bzw. Energien des vierten Quadranten negativ und lästig - weil hindernd (Saturn), aufhebend (Uranus) bzw. auflösend (Neptun). Diese Perspektive ist aber stets eine kurzfristige, „kurzsichtige“, welche den eigenen Anfang und das Ende, den eigenen Urgrund nicht berücksichtigt…

(Original aus meinem Buch „Lebendige Astrologie“, 1989)