Hartmut Warm: Die Signatur der Sphären – Von der Ordnung im Sonnensystem
Keplerstern Verlag, Hamburg 2001 bzw. (2. Auflage) 2004, 448 S., über 200 s/w Abb., 16 Farbtafeln, ISBN 3-935958-12-9

Hartmut Warm erbringt den Nachweis, dass den Abständen und Bewegungen der Planeten unseres Sonnensystems eine erstaunliche Geordnetheit und Harmonie zugrunde liegt. So offenbaren sich dem Betrachter der planetaren Strukturen über die Zeiträume hinweg eine Reihe geometrischer Figuren, sowie, in Übertragung auf die Akustik, die musikalischen Akkorde der Terz, Quart, Quint, usw.
Damit befindet sich der Autor in der Tradition der – von Monochord und Tetraktys ausgehenden – pythagoräischen Sphärenharmonie bzw. in der Nachfolge von Johannes Kepler. Dieser hatte vor vierhundert Jahren in seinem Buch 'Das Weltgeheimnis’ die Platonischen Körper (Dodekaeder, Ikosaeder, etc.) zur Abstandsbestimmung der Planeten herangezogen, und in seinem Alterswerk 'Weltharmonik’ jubiliert: „Die Himmelsbewegungen sind nichts als ein ununterbrochener Gesang für mehrere Stimmen!“ Der ehemals kaiserliche Hofmathematiker wird durch Warm ergänzt und korrigiert – wobei dessen mit modernsten astronomischen Berechnungsmethoden gefundenen Entdeckungen nicht weniger phänomenal sind als die des Ahnherrns der heutigen Astronomie und Astrologie: So zeigen Venus und Erde in ihrer Interaktion am Himmel ein wunderschönes Pentagramm, während Mars dazu ein Quadrat bildet. Zwischen Jupiter und Uranus enthüllt sich über die Jahrhunderte ein Hexagramm, die Konjunktionen von Jupiter und Neptun bilden über die Jahrtausende ein nahezu perfektes Zwölfeck (s. auch "Die Signatur der Sphären").
Natürlich wäre es für einen Astrologen naheliegend, den im Verhältnis der Planeten zueinander auftretenden Zahlenwerten jeweils bestimmte Bedeutungen zuzuordnen. Doch, ganz Naturwissenschaftler, enthält Warm sich hier weitgehend der zahlenmystischen Deutung bzw. metaphysischen Spekulation. Dies mag dem Esoteriker auf den ersten Blick befremdlich und unbefriedigend erscheinen, ist aber gar nicht schlecht: So kann nämlich unser Verstand offen bleiben für die Ästhetik der Phänomene, kann sich unser Herz, ungehindert durch voreilige Interpretationen, vom Zauber der Figuren und Proportionen anrühren lassen…
Dass die in unserem Sonnensystem herrschende wundersame Ordnung ein Produkt blinden Zufalls sei, mag man nach der Lektüre des Buchs jedenfalls nicht mehr glauben. Insofern gibt uns Warm - in einer von den Naturwissenschaften über weite Strecken sinnentleerten Welt – das Gefühl der Geborgenheit, einer existenziellen Verankerung im Kosmos wieder.
Die mathematischen Berechnungen, gerade die statistischen Abschätzungen (der Unwahrscheinlichkeit bzw. Nichtzufälligkeit der gefundenen Himmelsfiguren) sind zugegeben anspruchsvoll, stellen hohe Anforderungen an die intellektuellen Fähigkeiten des Lesers. Auch die Ausführungen zur Harmonielehre sind für einen Laien bzw. Nicht-Musiker nicht gerade einfach. Doch – die Mühe lohnt sich!

(verfasst 2005)