Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie - von den Anfängen bis zur Gegenwart
C. H. Beck Verlag, München 2003, 413 Seiten, ISBN 3406509053

Große Geister der Menschheitsgeschichte waren Astrologen: u.a. der Mediziner Paracelsus, die Theologen Thomas von Aquin und Melanchthon, die Naturwissenschaftler Roger Bacon, Cardano und Kepler…
In einem spannend wie ein Roman geschriebenen Buch zeigt uns Stuckrad die Astrologie als integralen, ja prägenden Bestandteil der abendländischen Kultur. Dabei scheut sich der Religionswissenschaftler in seiner geschichtlichen Betrachtung auch nicht, die in akademischen Kreisen sonst so verpönten Wörter „Esoterik“ und „Hermetik“ in den Mund zu nehmen. Ja, er sieht gar „eine erstaunliche Kontinuität astrologischer Traditionen“, eine über die Jahrtausende bemerkenswerte Konsistenz des astrologischen Deutungssystems – im Unterschied etwa zu den heutigen Naturwissenschaften.
Auf diese Weise rehabilitiert Stuckrad die verachtete alte Sterngucker-Wissenschaft; er holt sie – und zwar wissenschaftshistorisch begründet – aus ihrer Schmuddelecke heraus, gibt den Astrologen ihren Stolz und ihre Würde zurück.
Das Thema wird in sieben Kapiteln behandelt: von den mesopotamischen Anfängen, über die Gnosis, das „bunte“ - d.h. überhaupt nicht finstere - Mittelalter bis in die Neuzeit. Gerne hätte man noch mehr gelesen zu arabischen Autoren wie al-Kindi oder auch zu Peter Abaelard – doch muss sich der Autor bei seinem historischen Streifzug verständlicherweise auf das Wesentliche begrenzen. (Bemerkung: Es gibt unter dem Titel „Das Ringen um die Astrologie“ aus dem Jahr 2000 vom selben Autor ein wesentlich umfangreicheres, aber auch deutlich teureres Werk zu dem Thema.) Ebenso beschränkt sich Stuckrad sinnvollerweise auf die westliche Astrologie (untersucht also nicht auch die indische, chinesische oder die indianische Astrologie) - ist dabei jedoch umfassend und zugleich tiefgründig bzw. komprimiert.
Für einen Wissenschaftler fast überflüssig zu erwähnen ist sein ausführliches Personen- und Sachregister. Im Anhang findet sich darüber hinaus noch eine Zeittafel, sowie, eine wahre Fundgrube für den interessierten Leser, ein auf dem neuesten Stand befindliches Literaturverzeichnis; beide nach den Buchkapiteln geordnet.
Ein sehr lesens- und lohnenswertes Buch!

(verfasst 2006)