Andreas Hergovich: Die Psychologie der Astrologie
Verlag Hans Huber, Bern 2005, 210 S., 32 Abb., 22 Tab., ISBN 3-456-84195-7

Der Verlag preist das Buch an als „erste wissenschaftliche Abhandlung zur Astrologie“. Doch schon die Darstellung der astrologischen Geschichte ist fehlerhaft. Von Kepler und Cicero werden einseitig nur die Argumente contra, nicht auch diejenigen pro Astrologie aufgelistet; insgesamt ist sein historischer Abriss oberflächlich, etwas wirr bzw. unsystematisch (im Gegensatz zu Stuckrad, obwohl sich der Autor auf diesen häufig bezieht). Ein Großteil des Buches schildert sodann empirisch-statistische Untersuchungen, die angeblich die astrologischen Aussagen widerlegen – wobei die dabei angeführten Tests meist primitiv sind, etwa nur die Sonnenzeichen vergleichen. Die Tauglichkeit der Statistik zur Überprüfung der astrologischen Symbolik wird an keiner Stelle grundsätzlich infrage gestellt; auch Gauquelins Arbeiten werden – etwas schadenfroh – extensiv in die Mangel genommen. Der generelle Tenor: Astrologie sei nicht falsifizierbar, beruhe auf Illusionen bzw. subjektivem Glauben. Sie sei eine falsche Darstellung der astronomischen Verhältnisse (wobei u.a. das bekannte Argument vom 'dreizehnten Sternzeichen' bemüht wird).
Wie viele sog. Skeptiker will Hergovich nicht begreifen, dass es sich bei der Astrologie um keine Naturwissenschaft handelt - sondern um eine Geisteswissenschaft, der man mit gängigen wissenschaftlichen Konzepten und Methoden jedenfalls nicht beikommen kann, deren Symbole nicht konkret-materiell zu verstehen sind. Es handelt sich bei dem Buch um keine „Psychologie der Astrologie“, sondern bestenfalls um eine 'Psychologie der Astrologiegläubigkeit', darauf abzielend, die Astrologie als un- oder „pseudo-wissenschaftlich“ zu entlarven; sie wird ohne nähere psychologische Begründung in die Kategorie „kognitive Täuschung“ gesteckt.
Hergovich (Jg. 1965) ist Professor für Sozialpsychologie in Wien und aktives Mitglied der GWUP („Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“) – eines Vereins, der sich die Bekämpfung jedweder Esoterik auf die Fahnen geschrieben hat. Zu diesem Zweck lädt die Gesellschaft gern zu Veranstaltungen ein, die ähnlich wie der Titel dieses Buches im Grunde ein Etikettenschwindel sind: Esoterikfans sollen angelockt werden, um sie von ihrem 'Irrglauben' zu bekehren. Zur GWUP gehört auch Michael Kunkel mit seinem „Wahrsagercheck“, der regelmäßig zu Jahresende an Nachrichtenagenturen eine Sammlung mit den falschen Prognosen von Hellsehern und Astrologen des abgelaufenen Jahres versendet (was von den Medien stets bereitwillig aufgegriffen wird). Die Ideologisiertheit des Vereins wird von dem Soziologen Edgar Wunder in seinem Ausstiegsbericht ausführlich beschrieben. Die Untersuchungen der GWUP sind keineswegs neutral, sondern ihre Ergebnisse stehen schon von vorneherein fest.
Fazit: das Buch ist - trotz des Professorentitels seines Autors – ein tendenziöses Machwerk und niveaulos.

(verfasst 2007)