Jan van Helsing: Buch 3 (Der Dritte Weltkrieg)
Ewert Verlag, Lathen 1996, 371 Seiten, diverse Abbildungen, ISBN: 3-89478-573-X

Helsings Vorläuferbände wurden zu regelrechten Kultbüchern, veranlassten u.a. den Spiegel zu einem ausführlichen Verriss unter dem Titel "Draculas Ufo" (51/ 96). Dass Deutschlands führendes Politmagazin über die "Spinner des New Age", etc. gern Kübel mit Jauche ausgießt, ist uns ja nicht unbekannt. Der Autor der "Geheimgesellschaften" ist dem Spiegeljournalisten gleich ein doppelt rotes Tuch: nämlich okkult und (vermeintlich) rechts...

Sicher sind die "Geheimgesellschaften I und II" ein abenteuerliches Werk, ist der Wahrheitsgehalt der vermittelten Infos schwer zu beurteilen bzw. das Ganze grenzt etwas an Paranoia. Doch liest sich die Darstellung sehr packend/ spannend (besitzt Romanqualitäten), und eine gewisse Schlüssigkeit ist ihr nicht abzusprechen. Einige Inhalte (wie die Hintergründe des Kennedymords) sind schon vor längerem an die Öffentlichkeit durchgesickert. Mit einer gewissen Distanz betrachtet sind Helsings Verschwörungstheorien in jedem Falle phantasievoll, wenn nicht amüsant, unterhaltsam - für den an Science Fiction, Tesla, Ufos, Atlantis, Innerirdischen u. dgl. Interessierten.
(Obwohl es der Autor subjektiv natürlich sehr ernst meint - Jungianer würden ihn ob seiner ungeheuren Energie als "Mana-Persönlichkeit" kategorisieren; aus astrologischer Perspektive trägt er in seinem missionarischen Enthüllungsdrang Züge eines Plutonikers, der sich zwanghaft mit Dunklem, Schattenhaftem beschäftigt. Doch gibt es das "absolut Böse" - ist es nicht vielmehr eine Projektion bzw. steckt dahinter nicht Ungelebt-Unterdrücktes, Unerlöstes in einem selbst?)
Dass die Bände innerhalb kürzester Zeit aufs Papier gebracht wurden, merkt man an den orthographischen und grammatikalischen Fehlern, von denen es in den Büchern wimmelt. Vermutlich ist daran aber auch der - etwas unseriös, zwielichtig erscheinende - Verlag nicht unbeteiligt.

"Noch ein Buch zum Weltuntergang..." wird so mancher sagen (denn die Apokalypse hat Konjunktur). Doch ist Helsings eigentliche Intention Hoffnung zu geben, Mut und Risikobereitschaft zu wecken, die Chance eines Neuanfangs zu begreifen. Gerade in der abschließenden Stellungnahme - ähnlich wie in den Schlusskapiteln der ersten Bände, wo er vor einer Negativfixierung auf die "Illuminaten" warnt - finden wir sehr tiefe esoterische Einsichten (mag Schivas "kosmischer Humor", die göttliche "lila" auch etwas kurz kommen). Die Autoren (Mitautor ist Franz von Stein) geben sich in keinster Weise dogmatisch oder sektiererisch, appellieren vielmehr an unser kritisches (Selbst-)Bewusstsein, an Mündigkeit und Verantwortung (die Zukunft liege in unserer Hand). Der Leser soll aufgerüttelt werden, um sich nicht mehr manipulieren zu lassen bzw. der Gehirnwäsche der Medien zu erliegen. (Den leicht erhobenen Zeigefinger, die implizite Forderung nach radikaler Transformation - gemäß dem Motto "wer sich nicht ändert, muss sterben" - gilt es zu übersehen. Schließlich ist die Grundaussage richtig, dass wir uns von materiellen Verhaftungen - sprich "Maya" - besser lösen sollten.) Was tun, wenn die Welt demnächst in Flammen steht? Es gelte auf die eigene Intuition zu achten, im Hier und Jetzt zu sein, Gottvertrauen zu haben, auf die innere Stimme zu hören - dann werde man zur rechten Zeit am rechten Ort das Richtige tun... (Leider wird dieser Rat vom Verlag durch dessen Werbung für Lebensmittelpakete in Notzeiten konterkariert.)

Im "Buch 3" sind eine beeindruckende Anzahl von Visionen, Vorhersagen, Channelings, etc. zur Jahrtausendwende zusammengestellt (u.a. Fatima, E. Cayce, Nostradamus), ergänzt durch eine ausführliche Bibliographie - eine Recherche, die an Umfang und Gründlichkeit ihresgleichen sucht! Zum geschilderten Szenario von 1998 oder 1999 gehören Krieg, wirtschaftlicher Zusammenbruch, Erdbeben, Naturkatastrophen, ein Polsprung, die Kollision mit einem Himmelskörper - und viele Menschenopfer (doch ist die Katastrophe wie gesagt abwendbar). Danach stehe uns ein Goldenes Zeitalter bevor, das gelobte Wassermannzeitalter, eine Epoche spirituellen Bewusstseins und zwischenmenschlicher Kooperation.
Die z.T. antiken und aus verschiedenen Kulturen (von den Hopis, Mayas, aus Tibet) stammenden Prophezeiungen weisen überraschende Übereinstimmungen auf - aber dies mag daran liegen, dass an ein archetypisches Muster gerührt wird: der Mythos ist ja nie objektiv, wirklich im faktischen Sinne! (Schon zur letzten Jahrtausendwende wurde das Weltenende erwartet, und auch Luthers Zeitgenossen beunruhigte eine astrologische Sintflutprognose - deren Ursache in Gottes Zorn über den allgemeinen Sittenverfall vermutet wurde...) Das subjektive Moment der Schauungen wird daran deutlich, dass der Bayer in erster Linie seine bayrische Heimat betroffen sieht, der polnische Seher sieht Polen im Brennpunkt des zu erwartenden Geschehens, der Amerikaner die USA, der Katholik konzentriert sich auf Maria, den Papst und die Kirche, usw. usf. Manche Formulierung entstammt noch dem Kalten Krieg - wenn von der Sowjetunion die Rede ist, den Bolschewisten...
Insgesamt ist die Vielfalt der Seherstimmen - in ihrer eigentümlichen, das Kollektivbewusstsein spiegelnden Drastheit - durchaus lesenswert. Allerdings sollte man über ein stabiles Gemüt verfügen, eine Ader für Fantasy haben bzw. nicht alles für bare Münze nehmen.

Für den Fachmann geradezu ärgerlich ist jedoch der langatmige astrologische Anhang. Auf nahezu sechzig eng bedruckten Seiten listet eine unbekannte Autorin akribisch, aber relativ sinnlos einen Wust an Ereignissen der letzten Jahrhunderte auf (anhand früherer Konstellationen, Transite, Finsternisse), fast die gesamte abendländische Geschichte abdeckend. Den Döbereiner-Epigonen freut es zwar, wenn von Zyklen und Rhythmen (dem Wiederaufschwingen früherer Konjunktionen) die Rede ist. Doch haben die geschilderten Aspekte und Geschehnisse nur sehr entfernt bzw. nur sehr generell mit denen der nächsten Jahre zu tun. Die Kunst der Mundanastrologie liegt in der Kürze, in der Beschränkung auf einige wesentliche, entscheidende Linien! In dieser Hinsicht ist die vorliegende Analyse ein Negativbeispiel: es wird nicht klar, wie die angeführten Ereignisse konkret und im Detail mit der Jahrtausendwende zusammenhängen, es wird nicht inhaltlich stringent argumentiert, "astro-logisch" begründet und Schlussfolgerungen gezogen. Erklärt wird letztlich alles und nichts, der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet - damit Öl auf die Mühlen unserer Gegner gegeben. Der Gesamtwert von "Buch 3" wird dadurch beeinträchtigt, verliert an Konzentration und Prägnanz (zum Glück dürften die wenigsten Leser Elisabeth Schlittmeiers Ausführungen verstehen bzw. zu Ende lesen). Das einzig Interessante am Astrologieteil ist die Horoskopgrafik der totalen Sonnenfinsternis vom 11.8.1999 (deren Sichtbarkeitslinie auch auf Mitteleuropa fällt). Es ist dies eine geballte, sehr gespannte Konstellation (doppeltes T-Quadrat, welches die Mitte aller Fixzeichen besetzt). Der Sommer 1999 ist übrigens eines der wenigen von Nostradamus explizit genannten Daten...

(verfasst 1997)