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URANUS-NEPTUN
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Medusenhaupt

Fratze Gottes oder Glocken des Neuen Zeitalters?

Es gibt unterschiedliche Wege, sich der jetzigen* Konjunktion zu nähern, ihre mögliche Aussage zu ergründen. Man kann die historischen Vorläufer, d.h. den Kontext früherer Konjunktionen, auch zu jenen Zeitpunkten geborene, herausragende Individuen untersuchen, oder - nach klassischer, bewährter astrologischer Denkweise - die von der Tradition überlieferten Planeten- und Zeichenanalogien betrachten und kombinieren.
Jede dieser Zugangsweisen soll hier beschritten werden.

HISTORISCHE VORLÄUFER (frühere Uranus-Neptun - Konstellationen)

  • 1953-56 (Uranus/ Krebs Quadrat Neptun/ Waage): Es gab Aufstände in der DDR, in Polen und Ungarn; ansonsten im damaligen Ostblock die Phase der Entstalinisierung.
    In Nordafrika (Ägypten, Algerien, Sudan) und Ostasien (Laos, Kambodscha, Vietnam) erfolgten Unabhängigkeitskriege.
  • 1905-12 (Uranus/ Steinbock, wie heute, Opposition Neptun/ Krebs): Revolutionen und Verfassungsänderungen in China, Portugal, Russland, der Türkei;
    eine Erdbebenserie vor allem rund um den Pazifik und in Zentralasien, u.a. das berühmte Erdbeben von San Francisco sowie dasjenige von Messina; der Tunguska-Meteor (Sibirien)
  • 1866-72 (Uranus/ Krebs Quadrat Neptun/ Widder): nationale Einigung in Italien und Deutschland;
    nach dem Sezessionskrieg erhielten in den USA Schwarze die Bürgerrechte
  • um 1822 (Konjunktion im Steinbock, wie heute): es ereigneten sich Freiheitskriege in Mittel- und Südamerika (u.a. wurden Brasilien, Mexiko, Peru unabhängig; Monroedoktrin) und im Süden Europas (Griechenland, Portugal, Serbien, Spanien, Süditalien);
    (kulturell:) Romantik, deutsche Klassik (Goethe, Beethoven/ Schubert, Hegel)
  • um 1650 (Konjunktion im Schützen): nach dem Westfälischen Frieden (Dreißigjähriger Krieg) kam es in Europa zu einer Stärkung der Territorialstaaten gegenüber der kaiserlichen Zentralgewalt:
    während der vorhergehennden Opposition Geburt von Galilei
  • um 1479 (Konjunktion im Schützen): das Zeitalter von Renaissance, Humanismus, geistiger Säkularisierung (Abkehr von kirchlicher Dominanz);
    Persönlichkeiten wie Dürer, Erasmus, Luther, Leonardo da Vinci und Kopernikus
  • um 1308 (Konjunktion im Skorpion): die ersten Anfänge parlamentarischer Demokratie (französische Generalstände, englisches Unterhaus);
    Dantes Göttliche Komödie

Dem Sextil von 1966-68 (Uranus/ Jungfrau, Neptun/ Skorpion) kann - wegen der zeitlichen Nähe zu heute, und da es die erste Verbindung beider Planeten seit der großen Wassermannkonjunktion (aller klassischen Planeten) des Februars 1962 ist - eine besondere Aussagekraft zugebilligt werden:
Damals gab es im Nahen Osten den Sechstagekrieg, in China die Kultur-Revolution, in Europa den Prager Frühling, in Fernost außerdem den Vietnamkrieg; in den USA kam es zu Rassenunruhen (Martin Luther King), zur Anti-Vietnam- und Hippie-Bewegung (Beatles), in Deutschland und Frankreich zu Studentenunruhen (APO, 68er)

Die Konjunktionen erfolgen im Abstand von 171 Jahren regelmäßig zweimal nacheinander im selben Zeichen. Die nächsten beiden (um 2164 und 2336) werden im Wassermann stattfinden. Die jetzige ist die erste Konjunktion seit der "Entdeckung" Neptuns; d.h. dessen zu erwartende Wirkung ist stärker, sein Gewicht/ Beitrag dieses Mal voraussichtlich deutlicher.

einige PERSÖNLICHKEITEN, welche zur Zeit der vorigen Konjunktion geboren wurden:

  • Friedrich Engels, 28.11.1820, 21 h 45 OZ, Barmen
  • Theodor Fontane, 30.12.1819, Neuruppin (ohne Zeit)
  • Karl Marx, 5.5.1818, 2 h OZ, Trier
  • Louis Pasteur, 27.12.1822, 2 h OZ, Dole/ F
  • Johann Strauß, 25.10.1825, 2 h OZ, Wien
  • Queen Victoria, 24.5.1819, 4 h 15 GMT, London
  • die heutige Stadt London, 15.3.1824, 9 h 21 GMT

Trotz der zugegeben selektiven Auswahl können diese immerhin als typische bzw. exponierte Vertreter ihrer Zeit gelten (damit auch als "Träger" der Qualität Uranus-Neptuns); sie sind von herausragender Bedeutung für die folgende - z.T. gar nach ihnen benannte - Epoche. Charakterisierbar wären die aufgeführten Personen als keineswegs engstirnige, sondern weite Geister, als Pioniere, mit bahnbrechenden Entdeckungen/ Visionen über ihren räumlichen wie zeitlichen Horizont hinaus.

PLANETEN- UND ZEICHENANALOGIEN

Vorbemerkung:
Die nachfolgende Behandlung der an der Konjunktion beteiligten Faktoren ist eine analytische, differenzierende, ein Versuch der klaren Gliederung des Themas.
Untersucht werden verschiedene Ebenen oder Bereiche der Wirksamkeit - insbesondere was die Symbole individuell-psychologisch und was sie kollektiv/ mundan bedeuten (d.h. bezogen auf das vierte und das zehnte Haus bzw. auf die unteren Quadranten vs. die oberen). Möglich wäre natürlich auch die spezielle Bezugnahme auf andere Phasen, etwa auf die siebte (d.h. Denken und Beziehungen) oder auf das zweite Haus (die existenzielle, soziale und rechtliche Sicherung), doch scheinen Vier und Zehn am vordringlichsten, die vertikale Achse die wichtigste.
Die langsam laufenden Planeten besitzen eh kollektiven Charakter, d.h. ihre Wirkung und Einflussnahme hat in erster Linie zu tun mit dem Zeitgeschehen. Zudem werden sie momentan, über ihre Stellung im Steinbock, mundan sowieso auf das MC bezogen (bzw. auf dessen Gegenpol, das IC).
Strukturell vorgegangen, ein weiter Bogen soll u.a. deshalb gespannt werden, um keine vorschnellen interpretativen Schlüsse zuziehen, um am Ende eine vollständigere Zusammenschau (Synthese) zu halten. Durch die Beleuchtung vieler Facetten, mithilfe mannigfacher Assoziationen ist eine Erhellung des ganzen Bildes besser möglich. (Im Kreisen um eine Frage wird die jeweilige Sache seelisch rund, abgeschlossener, ihr symbolisch-mythologischer Gehalt klarer/ bewusster.) Dabei lassen sich leider gewisse Überschneidungen sowie Wiederholungen nicht vermeiden; aber ein solches Prozedere ist der Astrologie - als nicht-linearem Weltbild (wo "alles mit allem zusammenhängt" bzw. miteinander verwoben ist) - wesensgemäßer als ein naturwissenschaftliches, positivistisches oder gar statistisches Vorgehen.

Uranus

Auch die weltlichen Geschehnisse z.zt. der Entdeckung eines Planeten geben wichtige Hinweise, ermöglichen Rückschlüsse auf dessen Bedeutung. Aus den parallelen Zeitereignissen lassen sich relevante Aussagen ableiten über die Wirkung und Natur des entdeckten Planeten, zumindest über einige bedeutsame, mit ihm zusammenhängenden Kräfte.

Zum Zeitpunkt der ENTDECKUNG von Uranus (1781) erkämpfte sich mit den USA erstmals eine Kolonie die Unabhängigkeit vom Mutterland. In dem neuen bundesstaatlichen Gebilde und in der Französischen Revolution erlangten die allgemeinen Menschenrechte der europäischen Aufklärung eine verfassungsmäßige Realisierung/ ihren ersten politischen Durchbruch.
Die geflügelten Worte "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" können somit unmittelbar auf Uranus übertragen werden.
Außerdem erfolgten in jener Zeit technische Neuerungen, wegbereitende Erfindungen für die Industrielle Revolution (Dampfmaschine, Spinnmaschine und mechanischer Webstuhl).

Die ABSTRAKTE BEDEUTUNG von Uranus (wie sie sich auch aus der Tradition von Wassermann und Haus Elf ergibt) lässt sich folgendermaßen umreißen:
Uranus steht für alles Unerwartete, Außerordentliche, Plötzliche, für einen Bruch mit Altem, für die Erschütterung des Konkreten/ Bestehenden. Bildhaft wäre er "Blitz und Donner", eine Spannungsentladung, ein Knalleffekt. Er unterbricht jegliche Kontinuität, bewirkt einen Sprung aus der Bahn bzw. Entwicklung; er hebt Einseitigkeiten und Zentrierungen auf, befreit aus Festgefahrenem bzw. von Fixierungen/ Abhängigkeiten. Er steht für das Prinzip der Veränderung und Infragestellung, auch für Verunsicherung.

INDIVIDUELL-PSYCHOLOGISCH wirkt Uranus als Drang nach Ungebundenheit und Unabhängigkeit, d.h. möglichst nicht vereinnahmt zuwerden. Im Wunsch nach Selbstbestimmung wird allergisch gegen Bedrängung oder Bevormundung reagiert; es wird aufbegehrt gegen Autoritäten, opponiert gegen Verharrung und Verkrustung. Uranus-betonten Personen ist etwas Besonderes, Individuelles zu eigen, man kann sie in keine Schablone pressen. In ihrer Bereitschaft für Abenteuer und Risiko ist niemand gegen Überraschungen gefeit.
Typisch wären Nervosität und Unruhe, Unstetes, Sprunghaftigkeit und Hektik. Vorhanden ist eine Anfälligkeit für Irritationen, generell für seelisch-emotionale Störungen (symptomatisch das "Flattern im Bauch"); man neigt zur Aufregung, Übererregung und Spannung. Gegenüber allem Gefühlsmäßigen ist grundsätzlich eine innere Entfernung, Distanz notwendig; soziale und emotionale Bindungen werden geflohen. Speziell bei Transiten oder Auslösungen wirkt Uranus wie ein Wachrütteln, wie aus den Gleisen werfend, gewissermaßen "die Weichen umstellend", d.h. als eine Art Instabilität. Seine Wirkung mag gar an einen Schock heranreichen, als existenzielle Bedrohung wirken, begleitet von seelischen Reaktionen jähen Entsetzens - er hilft aber auch aus Sackgassen heraus!
Vor allem gedanklich bzw. erkenntnismäßig symbolisiert Uranus das Aufleuchten neuer Möglichkeiten, interessanter Assoziationen und Intuitionen; es kommen einem brillante Einfälle und Eingebungen, man sieht die Dinge von einer höheren Warte, aus der Vogelperspektive.

POLITISCH-MUNDAN steht Uranus für gesellschaftliche Umstrukturierung - für Zukunft und Fortschritt, für das Progressive, Moderne, für Reformen, Neuerungen, für alles vermeintlich Unkonventionelle. Er 'regiert' die heutigen Medien bzw. Techniken gerade in der Kommunikation (Telefon, Funk, Satellit), Elektrizität und EDV bzw. Innovationen generell.
Weltanschaulich bedeutet er soziale Utopien, Ideen der Volkssouveränität, Freiheit und Emanzipation; er steht für Humanität, überhaupt Demokratisierung, für ein Eintreten gegen Unterdrückung ("Tyrannen"), für Antiautoritäres, eine Auflehnung gegen staatliche oder kirchliche Obrigkeiten, er verlangt nach Internationalismus, Kosmopolitischem. Im Sozialen repräsentiert er Freunde und Bundesgenossen ("Gleichgesinnte"), den Zusammenschluss zu Cliquen oder Interessensgruppen (beispielsweise die Gewerkschaften); er ist ein Symbol für die Jugend.
Metereologisch/ klimatisch manifestiert er sich besonders in (Wirbel-)Stürmen.

Neptun

Zur Zeit der ENTDECKUNG Neptuns (1846) erwachte in Europa zum einen die Schicht des Bürgertums - zum anderen der Nationalismus. Dies führte einerseits zur Aufsplitterung des Kontinents (zu neuen Nationalstaaten auf dem Balkan), andererseits zu ersten parlamentarischen bzw. demokratischen Gehversuchen in Frankreich und Deutschland (1848, Paulskirche). Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der "Ismen": des Darwinismus, des Marxismus (Kommunistisches Manifest 1848), des Anarchismus, des Antisemitismus, des Kapitalismus, des Atheismus, aber auch des Spiritismus ("Startschuss" der Bewegung ebenfalls 1848). Zugleich begann die materialistische Naturwissenschaft (u.a. die heutige Schulmedizin) ihren Siegeszug.
Im Gefolge der Industrialisierung kam es zur massenhaften Landflucht, zur Verstädterung und damit zur sozialen Frage. Hunger, Armut und Bevölkerungswachstum führten zu regelrechten Auswanderungswellen (vor allem nach Amerika). Doch entwickelte sich auch auch ein gewisses Selbstbewusstsein des Proletariats.
Wirtschaftlich herrschte der Liberalismus (Freihandel) - mit seiner Betonung der Meere bzw. Flotten, wodurch schließlich erstmals ein Weltmarkt entstand (dominiert vom Inselreich Großbritannien).

ABSTRAKT, als Prinzip, symbolisiert Neptun (bzw. Fische, das zwölfte Haus) die Auflösung des Gewordenen. Zugleich repräsentiert die letzte Stufe des astrologischen Entwicklungszyklus aber auch das grenzenlose Reich aller Möglichkeiten und Potenzen. Es ist dies die letzte Wirklichkeit, die Versammlung der wirkenden Urbilder ("Archetypen") - d.h. der latenten Keime bzw. versteckten Anfänge alles Neuen. Neptun symbolisiert das Jenseitige, Transzendente, das Unsichtbare, Metaphysische, Nichtmanifeste, das Unbegreiflich-Unfassliche ("Mysteriöses" wie das Nirwana), das Nicht-Kalkulierbare. Seine Energie wirkt subtil und geheimnisvoll (z.B. als sog. Zufall), chaotisch und archaisch.

INDIVIDUELL/ PSYCHOLOGISCH ist Neptun ausgesprochen schillernd und vieldeutig, schwer formulier- und greifbar, nicht kalkulierbar. Er kann alles Mögliche sein, ist in jedem Fall aber irrational: als Herr der Träume, Phantasien, Hoffnungen und Sehnsüchte, der unerfüllbaren Wunschvorstellungen. Er symbolisiert alles Verklärte, mit einem Zauber Behaftete, insbesondere auch Verzerrungen, etwa die Maya der Verliebtheit. Er bedeutet Verschwommenheit, Unklarheit über sich selbst (eine undeutliche Identität), die Entfremdung vom eigenen Wesen. Sein "ir-realer" Charakter führt gern zur Desillusionierung, zu herben, bitteren Enttäuschungen, sich etwas schmerzlich versagen zu müssen. Er repräsentiert das (kollektive) Unbewusste, das Verdrängte; er überflutet das Bewusstsein mit nicht integrierten, schwer verdaulichen Inhalten. Er ist verantwortlich für Lähmungen des Willens bzw. der Handlungsfähigkeit, für Schwächen und Verwirrungen des Verstandes; er produziert Orientierungslosigkeit, einen Verlust geistiger wie materieller Gewissheiten - dass nichts mehr richtig funktioniert. Diese Symptome gehen u.U. einher mit Sucht, Rausch und Betäubung. Man kann durch ihn in eine angstvolle Krise oder unabsehbare Krankheit geraten, in ein Loch/ eine Leere fallen. Gerade bei Transiten ist das subjektive Empfinden gähnender Abgründe nicht unüblich - wobei sich die "höhere Oktave der Venus" keineswegs so sanft verhält wie gern in der Literatur beschrieben: unter Neptun kann ein enormes Grauen hochsteigen (wenn vorausgehende Hinweise des Schicksals nicht beachtet wurden).
Sozial bedeutet er (bzw. Haus Zwölf) Isolation und Einsamkeit, ein Unverstandensein oder Fremdheitsgefühl, verbunden mit entsprechendem Minderwertigkeits- bzw. Schuldempfinden (wegen des Andersseins). Dies zieht einen phasenweisen Rückzug nach sich, dass man Zugriffen ausweicht, sich am liebsten verbirgt bzw. unauffällig und konturlos agiert, aus der Stille/ dem Hintergrund heraus handelt. Neptun ist zuständig für unendliches Mitleid und Mitgefühl, für ein zartes Empfinden (auch Verletzbarkeit), für Sensibilität, Gespür, sogar für Visionen, Ahnungen; er schenkt eine Antenne für Übersinnlich-Mystisches (Medium oder Kanal zu sein), eine Ader für Grenzüberschreitendes, für Bewusstseinserweiterung, für Meditation und Spirituelles (für den "Heiligen Geist"); Zustände der Entrückung oder Verzückung sind mit ihm nichts Ungewöhnliches.
Beim Umgang mit Neptun-Krisen heißt es, an Äußerlichkeiten (d.h. an vermeintlich Sicherheit bietenden Dingen) nicht zu sehr festzuhalten, seine Steuerungsbedürfnisse auch loslassen zu können, Geschehnisse zuzulassen, sich einzulassen, sich dem Fluss der Ereignisse vertrauensvoll zu überlassen.

MUNDAN wird Neptun bzw. Zwölf dem Gesundheitswesen zugeordnet, zu Krankheiten (von Döbereiner zur Krebs-Krankheit), zu Krankenhäusern, Sanatorien und zur damit verbundenen Fürsorge, zum Humanitären überhaupt. Der zwölften astrologischen Phase unterstehen alle Armen, Bedürftigen und Schwachen bzw. die gesellschaftlichen Randgruppen (Zwölf galt klassisch als "Haus der Feinde"); außerdem die Elendsviertel, sozialen Krisen, siechende Not, Hunger und Missstände, die sog. Dritte Welt.
Generell wäre Neptun Atmosphärisches zuzuschreiben, Strömungen und Stimmungen bzw. Kollektivphänomene: Bewegungen wie Fundamentalismus, Sozialismus und Populismus - die uns einen "Wohlstand für alle" verheißen, das Risiko der Gleichmacherei leider inbegriffen. D.h. Neptun steht ebenso für Ent-Individualisierung (z.B. in Form der Überflutung durch die Strahlen der künstlichen TV-Flimmerwelt); er bedeutet Ver-Massung, ausufernden Konsum (via Automation und Chemie-/ Plastikprodukte); er symbolisiert die daraus resultierende Umweltvergiftung - jedoch auch das wachsende ökologische und spirituelle Bewusstsein (eines "Alles ist eins").
Klimatisch zeigt er sich u.a. in Überschwemmungen.

Uranus-Neptun

ABSTRAKT ist dies die Kombination der letzten Phasen des astrologischen Zyklus. Beide Planeten verkörpern überpersönliche,"entsubjektivierte" Wahrheiten, repräsentieren die höchste, immaterielle Wirklichkeit, den jeweiligen "Anteil des Himmels" an einem geschaffenen Ding. Für Materielles und Seelisches bringt Uranus-Neptun nach Döbereiner einen "Schock verdrängter Wahrheit" ans Tageslicht. Dies bedeutet im Konkreten mancherlei Strudel und Wirren; bildhaft kann man sich die Kombination vorstellen als "Quirl", welcher alles vermeintlich unverrückbar Bestehende aufrührt und aufwirbelt; oder als die vom Sturm aufgepeitschten Wogen des Unbewussten...

INDIVIDUELL-PSYCHOLOGISCH heißt Uranus-Neptun, gerade als Transit, dass die Bezugspunkte der äußeren Welt verloren gehen, dass jeglicher feste Halt schwindet; dass das Ich Riesenängste aussteht vor seiner Überwältigung bzw. vor seinem Untergang. Die individuelle Seele fürchtet sich vor Unbekannt-Drohendem, wird evtl. gepackt von Panik und Verzweiflung, reagiert mit Schrecken, Verstörung und Hilflosigkeit. Es ergibt sich ein "Karussel-Effekt": je schneller sich das Rad (in Gestalt äußerer Ereignisse) dreht, je höher das Drehmoment, desto dringlicher wird die Notwendigkeit, in die eigene (innere) Mitte zu gelangen. So wird jedes Individuum auf sich selbst zurückgeworfen, auf seine ureigene Kraft und Stärke.
Doch sind auftretende Krankheiten, Zusammenbrüche, Dramatik und Destruktivität gerade im Seelischen oft vordergründig; die Humanistische Psychologie sieht diese als negative Reaktionen auf die vormalige Unterdrückung der inneren Natur. Positiv gesehen, werden durch existenzielle Krisen und Umbrüche sogar neue Kreativität bzw. schöpferische Kräfte freigesetzt: diese können die einströmenden unbewussten Energien in richtiger Weise handhaben und jeder noch so schwierigen oder chaotischen äußerlichen Situation Herr werden.
Im Grunde geht es bei Krisen um inneres Wachstum, um eine Wandlung des Ichs, eine Überwindung des Egos - was bedeutet, der eigentlichen Identität oder Essenz, seinem Wesen (und damit seinem Schicksal, seiner Bestimmung) näherzukommen. Nützlich und hilfreich wäre in jedem Falle eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für Veränderungen, eine Art innerlich gefestigter Flexibilität (so paradox es sich anhört) - um alles Bedrohliche zu kanalisieren, um jene erschreckenden, "bösen", usw. Impulse des Unbewussten anzunehmen. Mit Uranus-Neptun tauchen immer neue (anfänglich stets grobe, rohe, unbehauene) Aspekte der Persönlichkeit auf - die aber letztlich auf Erweiterung und Differenzierung zielen, auf seelische Verfeinerung und Integration.

MUNDAN symbolisiert Uranus-Neptun weltweit sich überstürzende (uns überrollende) Ereignisse, die jenseits des bisher Vorgestellten liegen, die Vorhandenes auf den Kopf stellen, Verhältnisse umdrehen bzw. umkrempeln - wobei die Ursachen von Geschehnissen stets nebelhaft verschwommen bleiben, schleierhaft, uns im Unklaren belassen.
Es kommt zu nationalen Erhebungen, zu einer Individualisierung von Volksgruppen, zur Selbstbestimmung bzw. angestrebten Teilhabe an der Macht durch unterprivilegierte Völker und Bevölkerungsschichten. Flüchtlingsströme wollen nicht abebben. Innenpolitisch ist gleichfalls mit Unruhen zu rechnen, mit verstecktem Aufruhr, mit einem Erstarken des Sozialrevolutionären - jedoch nicht unbedingt mit einem Wachsen der Lobbies und Verbände (als den klassischen Kollektiv-Organisationen). Allgemein entsteht das Bedürfnis nach mehr Kooperation, nach Zusammenschluss von Interessensgemeinschaften. Ein neuer Zeitgeist, sowie eine diesen verkörpernde Generation (eine vormalige Minderheit) tritt auf den Plan - und zwar auf kulturellem, geistigem und politischem Gebiet. Wie in der Weimarer Republik (mit Aszendent Wassermann, eingeschlossenen Fischen) dürfte anfänglich eine Aufsplitterung und Polarisierung der gesellschaftlichen Kräfte in Links und Rechts erfolgen, nach einer gewissen Zeit aber eine Einheits- oder Sammelbewegung auftreten - die von ihrer Funktion her dem Nationalsozialismus vergleichbar wäre, jedoch mit Sicherheit keinen Führerkult pflegt (sowie sich auszeichnet durch Toleranz für Gegner und Andersdenkende).
Geistige Einheit und Solidarität werden auch nötig sein, um der gestiegenen Komplexität, der vielfältigen sozialen Wirklichkeit konstruktiv gerecht zu werden. Uranus-Neptun belebt uralte, fundamentale Grals-Ideale wieder; die Konstellation reaktiviert höchste, heilige Werte und Prinzipien.
Meteorologisch sind unter Uranus-Neptun Unwetterkatastrophen zu erwarten sowie Erdrutsche; in geologischer Hinsicht auch Erdbeben.

SPIRITUELL gesehen bedeutete bisher jede Uranus-Neptun - Konjunktion einen maßgeblichen Schritt in der menschlichen Bewusstseinsentwicklung, eine neue Etappe im geistigen Wachstum, insbesondere im Hinblick auf die Erkenntnis, dass Gott oder das Göttliche sich gerade auch in Mensch und Natur befindet bzw. inkarniert ist.
Der aktuelle Zyklus von 24 (bzw. 23) Konjunktionen der beiden Planeten begann um 575 v. Chr. Es war dies eine weichenstellende bzw. prägende Epoche (vom Philosophen Jaspers als "Achsenzeit" bezeichnet) - in der u.a. durch Buddha, Laotse, die Upanischaden und Pythagoras (dessen Geburt damals war) eine kosmologische Saat ausgeworfen wurde, die erst lange Zeit später Früchte trug.
Jede der bisherigen Konjunktionen lässt sich sehen als eine Erhöhung oder Beschleunigung der geistigen Schwingungsfrequenz. Dabei wurden jeweils in einer "Revolution" die herrschenden Wertvorstellungen bzw. das Weltbild einer ganzen Epoche erschüttert/ über den Haufen geworfen. In der Folge entstand ein neues Gottesbild und Weltverständnis, eine erneuerte, intensivierte Spiritualität.die menschenfressende Göttin Kali Analog zum tanzenden Schiva, der Menschenleiber zertritt, sind dabei dem Heiligen oder Numinosen nicht nur angenehme Seiten zu eigen. Doch aus der Perspektive der höchsten Realität ist es nur unsere begrenzte Wahrnehmung, welche Geschehnisse für schrecklich, furchtbar oder teuflisch erklärt (vgl. die Stelle in der Bhagavad Gita, als Arjuna den Anblick von Krischnas ganzer Wirklichkeit - nämlich ohne äußere Form bzw. Hülle - nicht erträgt).

Steinbock (bzw. Saturn, das MC)

ist ABSTRAKT definierbar als Struktur oder Form, als Rahmen, Formierung bzw. Einschränkung. Das Steinbock-Prinzip beschneidet übermäßiges Wachstum, korrigiert falsche Entwicklungen - was besonders der vierten und fünften Phase, d.h. dem Subjektiv-Lebendigen weh tut. Die zehnte Phase repräsentiert das Allgemeingültige und Wichtige, das Bedeutende schlechthin - sowie die jeweils individuelle Aufgabe und Bestimmung (das Dharma). An der Pforte zur letzten Wirklichkeit (dem vierten Quadranten) lässt der "Hüter der Schwelle" (Saturn) nur das Echte und Stimmige bestehen und passieren. Das zeitlos Wahre ist ihm dabei Richtschnur und Maßstab. Die zehnte Phase symbolisiert die Ordnung als solche, die Koordination oder das "Kreuz" von Zeit und Raum; sie befindet sich am Schnittpunkt der Zeit - zwischen derem qualitativem und quantitativem Aspekt.

PSYCHOLOGISCH bedeutet Steinbock das Überich oder Gewissen (die innere Stimme bzw. Zensur), d.h. auch eine tendenzielle Unterdrückung, Disziplinierung und Kontrolle unerwünschter Regungen (von Bedürfnissen und Schwächen). Es droht die Gefahr einer Abtrennung von Wünschen (sich zu maßregeln/ erziehen); leicht entstehen Hemmungen, Verhärtungen, Blockaden und Komplexe. Einschränkungen, Härten und Verzicht mögen notwendig erscheinen, Anspannung, Stress, Nöte und Lasten das Leben schwer (d.h. einem zu schaffen) machen, zu bedrückender Angst (= Enge) führen. An einen gestellte Anforderungen sowie angestrebte Leistungen brauchen Zeit, Ausdauer und Geduld; sie bedürfen eines langsamen Vorgehens, Schritt für Schritt. Für langwierige, mühsame Prüfungen ist ein erheblicher Arbeitsaufwand zu erbringen - die Fähigkeit solches auszuhalten jedoch gegeben. Auftretende äußere Probleme, Widerstände und Hindernisse sollten ernst genommen werden. Sie wären als "Stopschilder" zu verstehen, wollen den rechten Weg weisen. Saturn will schlicht eine Konzentration auf das Wesentliche/ wirklich Wichtige, er verlangt Klarheit und eindeutige Stellungnahme. Dazu gehört auch die ehrliche innere Bestandsaufnahme, das Bewusstwerden des eigenen Schattens (der dunklen Persönlichkeitsanteile) - als Voraussetzung und Grundlage persönlicher Reife. Diese befähigt dann dazu, auch äußere Pflichten und Verantwortung zu tragen - weil man sich auf sich verlassen kann, an und in sich einen stabilen Rückhalt gefunden hat.

MUNDAN symbolisiert Steinbock die politische Ordnung: Staat, Recht und Gesetz (sowie deren Hüter, Polizei und Beamtentum); desweiteren den Gesetzgeber, d.h. das Parlament, in gewissem Sinne auch die den Staat lenkende Regierung, in Deutschland gerade den Kanzler mit seiner Richtlinienkompetenz. Steinbock/ Saturn steht für Überlieferung und Tradition, für gesellschaftliche Normen und Konventionen, für Sitten und Gebräuche, für den Moralkodex an Geboten und Verboten.

Uranus im Steinbock (bzw. in 10, Uranus-Saturn)

bedeutet ABSTRAKT eine Grenzsprengung; die Konstellation symbolisiert eine brüchige, sich wandelnde Form. Im Bild bröckeln/ stürzen morsche Mauern, es ergibt sich Ohrensausen oder ein "ohrenbetäubender" Knall (astromedizinisch zählen die Ohren zu Saturn). Stabilität, Sicherheit und Ordnung werden bedroht, Altes reibt sich mit Neuem, Konservativ-Bewahrendes mit Revolutionär-Fortschrittlichem, Freiheit prallt auf Notwendigkeit. Es spannt, zieht, "knirscht". Nach Döbereiner weist Saturn-Uranus auf eine Verbindung von eigentlich Unvereinbarem, auf einen Widerspruch zwischen Form und Inhalt, zwischen Innerem und Äußerem.

PSYCHOLOGISCH geht es mit Saturn-Uranus um eine Infragestellung eingefahrener Denk- und Handlungsgewohnheiten. Gerade ein Transit deutet auf erforderliche Veränderungen des beruflichen, existenziellen und beziehungsmäßigen Rahmens, auf eine einschneidende Richtungsänderung, eine fällige Umorientierung/ Umstellung. Es gelte, seine originalen, ureigenen Maßstäbe oder Richtlinien zu finden und zu entwickeln!
Die starken inneren Dissonanzen führen jedoch gern zur Scheinharmonie, d.h. bestehende Probleme schönfärberisch und ästhetisierend zu übertünchen, somit im Unechten, Unstimmigen zu erstarren bzw. stecken zu bleiben. Es mag zur Trennung vom bisherigen Umfeld (zur "Scheidung") kommen - mit der Absicht des Schicksals oder Höheren Selbst, in der Persönlichkeit angelegte ursprüngliche Impulse zu erwecken bzw. wieder lebendige Prozesse anzuregen.
In gewissem Sinne verlangt die Konstellation eine Quadratur des Kreises - die Synthese äußerst differenter Persönlichkeitsanteile.

POLITISCH-GESELLSCHAFTLICH bedeutet Uranus im Steinbock eine angespannte, "knisternde", explosive Lage, Erneuerungs- und Umbruchsituationen; im engeren Sinne auch Gesetzesbrüche, Unfälle, Bombengefahr und Attentatsversuche. Zu erwarten sind Erschütterungen des Staatengefüges (innenpolitisch wie international) - kompensatorisch aber auch das krampfhafte bzw. beschwichtigende Klammern an überkommenen, zwischenzeitlich inhaltsleeren, hohlen Maximen und Strategien.

Neptun im Steinbock (bzw. in 10, Neptun-Saturn)

wäre ABSTRAKT eine Grenz-Auflösung oder auch die Ausgrenzung und Eindämmung alles Transzendenten, Mystisch-Okkulten. Die Stellung könnte sich als der Versuch erweisen, Phantastisch-Irrationales in die irdische Realität/ das Diesseits einzubauen, im Idealfall mit dem Resultat einer Klarheit über Schein und Sein. Döbereiner spricht bei Saturn-Neptun von der notwendigen "Trennung der Welten" bzw. von einem "Inseldasein" (auf einer Insel dürfen die privaten Träume gelebt werden). Da das saturnine Gefäß die Fülle Neptuns nie fassen kann, bedeutet die Kombination in der Regel eine Aufweichung althergebrachter Strukturen (getreu dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein") - mit dem Ergebnis verschwommener Konturen, einem Verwischung der Unterschiede bzw. von Fäulnis und Zersetzung.

PSYCHISCH besteht bei dieser Konstellation die Gefahr von Sicherheits- und Kontrollverlust, einer Außerkraftsetzung der bewussten Verhaltens-Steuerung, sprichwörtlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Seines Unbewussten Herr zu werden ("Balken auf Wasser zu bauen") ist ein nahezu aussichtsloses, in jedem Fall aber mühseliges Unterfangen. Wahrscheinlicher ist psychische Inflation, vom Unterbewussten überschwemmt zu werden, oder das Auftreten einer Realitätsverkennung bzw. einer gewissen Nachlässigkeit im Alltag. Symptomatisch für Saturn-Neptun wäre der Mangel an Maßstäben, sich unklar zu sein über Richtig und Falsch, desweiteren Inkonsequenz, Haltlosigkeit und Disziplinschwäche (eine Sache nicht bis zu ihrem Ende durchzuziehen). Schwer fällt die Selbstabgrenzung: insbesondere dann,wenn es einem Dritten schlecht geht; man bezieht dies schnell auf sich selbst - begleitet von Schuldgefühlen, sich grundsätzlich zuständig/ verantwortlich zu empfinden, überall glauben helfen zu müssen.
Äußerem Druck wird nach Möglichkeit ausgewichen, die einschränkenden gesellschaftlichen Normen werden gern verdrängt; Anrüchiges und Verfemtes ziehen an, es entstehen Probleme mit der Wahrheit/ Ehrlichkeit bzw. mit der öffentlichen Moral. Man glaubt sich seine Bedürfnisse nur "außerhalb", sprich: im Abseits erfüllen zu können - was zu sozialen Anfeindungen führt, vor allem aber zu Versagensgefühlen bzw. zu der Angst, den "normalen" Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Im Stillen wird sehr an unerfüllten Sehnsüchten gelitten. Bei jeder "nüchternen" Desillusionierung sollten die gehegten Träume oder Ideale im Inneren aber durchaus bewahrt, nicht aufgegeben oder unterdrückt werden; der Punkt wäre, nicht in eine beziehungslose Phantasie- und Scheinwelt abzugleiten (die Welten trennen zu können). Den (leicht ausufernden) Ängsten gilt es sich soweit als möglich zu stellen, daraus keine seelischen Komplexe, Verhärtungen bzw. Abkapselungen entstehen zu lassen. Man sollte das Unbewusste festhalten, aber auch loslassen können; d.h. auf dessen Botschaften wäre aufmerksam zu hören, auf das (darin verborgene) Spirituelle, Transzendente hingebungsvoll zu bauen. Zielrichtung wäre eine (im Realen, Weltlichen) praktizierte Spiritualität, eine Art meditativer Haltung, Achtsamkeit und Offenheit für Inspirationen und "Offenbarungen".

GESELLSCHAFTLICH bringt Neptun im Steinbock politische Krisen und Wirren, die Gefahr von Chaos, Anarchie und Gesetzlosigkeit, einen drohenden Zerfall von Recht und Ordnung - allgemein einen schleichenden Niedergang bzw. Sittenverfall. Es kommt zu Skandalen, Intrigen und Demagogie, zur "schmutzigen Politik" und zu einer entsprechenden Politikverdrossenheit, zu steigender Kriminalität, Korruption (Mafia, "Staatsfeinde"), zu Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit, zur Drogenproblematik und zu Seuchen wie Aids. Saturn-Neptun steht für die Auflösung alter Ordnungsstrukturen, für das Hinwegschwemmen von Mauern, Barrieren und Grenzen durch eine Massen-Bewegung (vgl. den 9.11.1989, 18 h 57, Mauerfall in Berlin). Es fallen hierunter aber auch die Ausgrenzung und Vertreibung von Fremden (sog. unerwünschten Personen), gesellschaftliche Außenseiter überhaupt, Sonderlinge, andere Existenzweisen bzw. alternative Lebensformen oder Subkulturen (die sich in die Nischen zurückziehen). Neptun im Steinbock "regiert" bzw. aktiviert alle sozial Schwachen und Benachteiligten, die von der öffentlichen Wohlfahrt Ausgeschlossenen - mit den dazugehörigen karitativen Organisationen und Institutionen. Vordergründig angesagt ist bei der Konstellation eine sozialere Politik und Regierung; im Grunde jedoch geht es um die Eingliederung bzw. Anerkennung ideeller, höherer, wahrhaft christlicher Werte.

Uranus-Neptun im Steinbock

vereinigt ABSTRAKT alle drei Phasen des mundan Vierten Quadranten. Diesen nennt Döbereiner die "Causa Finalis", d.h. den letztendlichen Zweck, die Bestimmung, Bedeutung, Aufgabe und Zielrichtung eines Lebens bzw. einer Entwicklung. Im Vierten Quadranten findet sich Kosmisches, Überpersönliches, das eine Person, das Individuum/ Subjekt Überschreitende; hier liegt das die Dinge Bestimmende, seinerseits aber nicht Bestimmbare. Enthalten sind darin drei Varianten des Schicksals; Neptun, Uranus und Saturn wirken als "Schicksalsregulative" auf die Planeten/ Phasen der anderen Quadranten ein, wenn diese sich nicht mehr bestimmungsgemäß entwickeln, nicht mehr im Einklang stehen mit den ihrem Wesen zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten. Im Grunde klagt die Kombination Uranus-Neptun im Steinbock einen fundamentalen Richtungswechsel ein - und zwar auf allen Lebensgebieten.

PSYCHOLOGISCH entspricht dieser Konstellation bzw. dem Vierten Quadranten das Selbst, die Mitte der Persönlichkeit. Hier geht es um Individuation und Bewusstseinserweiterung, um die Integration neuer, vormals unbewusster Inhalte und Dimensionen, um das Erreichen eines vertieften Selbstbewusstseins. Für das Individuum bedeuten die letzten drei Phasen oder Urprinzipien, dass das altgediente Schiff des Ichbewusstseins (die Nussschale existenzieller/ privater Verhältnisse) in gefährlicher Weise schlingert, trudelt, vom geplanten Kurs abzuweichen droht. Von außen betrachtet drehen dann etliche durch (in Psychose, Hysterie); aus der Sicht des Selbstes bzw. Himmels sind die dramatischen Prozesse, die furchtbaren Ereignisse jedoch nur äußerlich destruktiv. Denn alle zur Manifestation drängenden Inhalte des Unbewussten gebärden sich in ihrer Dynamik anfänglich stets aggressiv und gewalttätig, sind jedoch bloß vermeintlich böse und negativ. Im Verlauf eines Erwachsenwerdens ist (in einer pubertären Durchgangsstufe) die Trennung von Gewohntem, von alten Mustern und Komplexen unabdingbar, eine Zerstörung von Projektionen und Ego-Strukturen, eine Lösung und Befreiung von überkommenen Selbstkonzepten unausweichlich. Wie in einem schamanistischen Heilungs- bzw. Initiations-Prozess müssen das Ich, Gefühl und Verstand hinsichtlich transzendenter, übergeordneter Ziele neu ausgerichtet werden - wobei u.a. Werte wie Wahrhaftigkeit gefragt sind. "Widerstand gegen den psychophysischen Wandel, gegen das Abbröckeln der normalen Daseinskonstitution gehört seit jeher zum Verwandlungsablauf, die Abweisung des Neuen und Unbekannten ist dabei ein nur allzumenschliches Motiv. Dasein bedeutet Wandel; doch der Sprung von einer dreidimensionalen zu einer mehrdimensionalen Wahrnehmung und Erfahrung stellt die vollendetste Form der Veränderung dar" (Holger Kalweit in einem Diskurs über Schamanismus).

MUNDAN bedeutet die Konstellation u.a. Krisen und Einbrüche des Wirtschaftslebens (Inflation, Börsenkrach). Sie provoziert die Notwendigkeit eines Krisenmanagements - da die alten Lösungskonzepte versagen, sich als nicht mehr tragfähig erweisen. Insbesondere die Systeme von Sozialversicherung und Steueraufkommen werden überfordert. Überall scheint es drunter und drüber zu gehen ("Sturmfluten" auch im übertragenen Sinne). Die gesellschaftliche Mehrheit fühlt sich unzufrieden mit den Verhältnissen - bzw. die allgemeine Bedürfnislage verschiebt sich. Im Zusammenhang mit einem gewachsenen Selbstbewusstsein der Einzelnen kommt es zu Aufbegehren und Aufsässigkeit, zu Tumulten; Streiks lähmen das öffentliche Leben. Wie in einem Krieg aller gegen alle macht jeder, was er will. Im Großen wie im Kleinen spalten sich fortschreitend (krebsartig) Bestandteile des Ganzen ab, wollen selbständig werden. Unterdrückte Schichten und Gruppierungen werden sich ihrer selbst bewusst, die allen gemeinsame Linie, das Bewusstsein der Gemeinschaft und Verbundenheit bzw. die Einigkeit geht "flöten" - mit der Konsequenz von Separatismus, Austritten aus einer bestehenden Union und deren schrittweiser Parzellisierung. Überkommene gesellschaftliche Privilegien wie die des Besitzbürgertums schwinden durch Umsturzbewegungen dahin; traditionelle Herrschaftsstrukturen und Machtblöcke werden zerschlagen.
Zuzuordnen wäre der Konstellation auch die Kernspaltung bzw. -fusion als die zutiefst der Materie innewohnende - und potentiell gefährlichste (da verstrahlende, verseuchende) Kraft.
Es geht den auf uns einströmenden Energien um humanere und sozialere Strukturen: auf sämtlichen Gebieten, auch in der Wissenschaft. Gefragt sind mehr Ganzheitlichkeit, eine Verbindung von Wissenschaft mit Kunst und Glauben sowie deren ökologische Orientierung. In erster Linie handelt es sich bei Uranus-Neptun aber um neue gesellschaftlich-kulturelle Impulse. Unsere Aufgabe ist, trotz oder vielmehr zugleich mit der (durch die Technik/ Automation bedingten) Gefahr zunehmender Anonymität und Vermassung die eigene Persönlichkeit zu entwickeln bzw. jedem Menschen auf individuelle, persönliche Weise zu begegnen. Auf die Wirtschaft übersetzt wäre echter Gemeinschaftssinn angesagt - gepaart mit kreativem Individualismus. Dies würde interessensbedingte Verbindungen oder Assoziationen (keine Zwangs-Kollektivinstitutionen) bedeuten, den jeweiligen Situationen angepasste (wandelbare) Einrichtungen, jenseits von starren, alles Lebendige erstickenden Organisationen oder Konventionen - wie etwa von Rudolf Steiner als 'Soziale Dreigliederung' skizziert.
Die verschütt gegangene Einheit, der allem und allen dennoch gemeinsame Geist wäre auf einer höheren (bewussteren) Ebene wiederzufinden, in internationaler Hinsicht jenseits eines nur bürokratisch vereinten Europas oder einer bloß organisatorischen UNO. Die Zusammenarbeit von Gruppen und Nationen hätte die Eigenart bzw. Rechte der einzelnen Mitglieder ausdrücklich zu berücksichtigen.
Künftig werden nur noch dezentrale politische Gliederungen ("global denken, regional handeln") praktikabel sein. Angesagt sind föderale bzw. partikulare Strukturen - eher Staatenbünde als Bundesstaaten. Auf die EU bezogen hieße dies ein Europa der Regionen, eine Vernetzung von Gruppen, die miteinander auf der Grundlage allseits respektierter Unabhängigkeit kommunizieren bzw. ihre Beziehungen pflegen..
Der fortschreitenden Entfaltung und Selbstbewusstwerdung einzelner Individuen entspricht im großen Maßstab die steigende Komplexität und Ausdifferenzierung der Völker und Gesellschaften. Diese werden internationaler bzw. multikulturell. Angesichts der vielen Splittergruppen ist im Konzept einer "Einheit in der Vielfalt" der gesellschaftliche Konsens umso wichtiger, bedarf es politischer Sicherungen bzw. funktionierender Entscheidungsstrukturen, welche gerade auch Minderheitsvoten nicht ausschließen (vgl. den Runden Tisch gegen Ende der DDR). Erforderlich wäre ein basisdemokratisches, unmittelbareres Politikverständnis - wobei nicht einige Prozentpunkte mehr oder die vielen Nichtwähler einer Fraktion über Jahre hinaus zur Herrschaft verhelfen.

SPIRITUELL gesehen geht es um eine Überschreitung des nackten (geist-, seelenlosen) Materialismus und Rationalismus, um ein neues Zusammenhangs- bzw. Einheitsdenken (mystischer Natur: denn alles ist in allem und mit allem verbunden). Wir sollen uns bewegen in Richtung eines neuen Geistes von Brüderlichkeit, Teilen und Liebe. Vielleicht erleben wir mit Uranus-Neptun sogar die Manifestation des Kosmischen Christus - oder, im Sinne des Neuen Testaments, endlich die "Ausgießung des Heiligen Geistes". Jedenfalls will das Transzendente, Übersinnliche, Parapsychische (Licht, Logos), als Utopie verkleidet, in der materiellen Welt Gestalt annehmen, im Schoß der Erde empfangen werden. So gesehen wären Uranus-Neptun die "Glocken", die ein Neues Zeitalter einläuten, die ein Einfließen eines höheren Bewusstseins in die verschiedensten Bereiche irdischer Existenz (ins Arbeitsleben, in die Wirtschaft, die Kultur, in Wissenschaft und Technik) ermöglichen - wobei keine Übergangszeit reibungslos verläuft, solch grundsätzliche Umstellung nie ohne "Geburtswehen" über die Bühne geht. Nicht von ungefähr spricht die Findhorn-Offenbarung davon, dass die alte Welt erst vergehen muss, bevor das Neue zum Vorschein kommen kann ("emergence").
Die zu erwartenden seelisch-emotionalen und wirtschaftlich- politischen Kataklysmen sind eine Art "Fratze Gottes", d.h. sie treffen nicht den Kern der Sache. Sie treten vielmehr in den Hintergrund, sobald man um die eigentliche Absicht, das Ziel/ die Finalität der Geschehnisse weiß. Ein Anliegen von Uranus-Neptun ist gerade, wegzukommen vom traditionellen Gottesbild, nicht mehr jenen sentimentalen, kitschigen, grundverkehrten Vorstellungen vom "guten" Gott bzw. "lieben Jesulein" anzuhängen. Denn der "Himmel" des Vierten Quadranten lässt sich nunmal nicht vereinnahmen, er ist für das Ego und das Subjektive (den Ersten und Zweiten Quadranten) unfasslich, wirkt in seiner Gewalt und Herrlichkeit ungeheuerlich, schreckenerregend, katastrophal.
Mit Uranus-Neptun kann man die Distanz und das Unverständnis dafür, was Gott bzw. das Schicksal wirklich ist, überwinden. Langfristige Frucht der Konstellation wäre ein unmittelbares, direktes Verhältnis zum Göttlichen - wofür der Terminus "Erleuchtung" nicht unpassend scheint. Offizielle Stellvertreter oder Repräsentanten Gottes, eine kirchliche Hierarchie im weltlichen Sinne dürften sich jedenfalls erübrigen. Auf der Tagesordnung steht (zumindest perspektivisch), Gott als in jedem Einzelnen wohnend zu begreifen (in Form des Höheren Selbst) - sowie individuell ein Mittler (Medium), d.h. offen und durchlässig - wörtlich "per-sonans" - zu sein für die jeweils aktuellen Anregungen und Hinweise des Jenseits. Dies führt in der Konsequenz zu einer Spiritualisierung des täglichen Lebens, zu einem Verständnis des Alltags als Ritual oder Gottesdienst, zur geistigen Kommunion (Einstimmung bzw. attunement) mit anderen Ebenen der Schöpfung (mit Naturgeistern, "UFOs" oder Engeln).Kunde vom Himmel Zum Glück lassen sich diese neu erworbenen Fähigkeiten nicht egoistisch (schwarzmagisch) verwenden; sie lassen sich nicht manipulieren (von den unteren Quadranten für deren Zwecke einspannen). Die alten Konzepte von Macht und Dominanz ziehen hier nicht mehr.
Idealtypisch oder esoterisch kann die Kombination der drei letzten Phasen des astrologischen Zyklus den drei (miteinander zusammenhängenden) Eigenschaften von Brahman - dem absoluten Göttlichen bzw. vedantischen Gottesbewusstsein - zugeordnet werden: Sat-Chit-Ananda wäre übersetzbar als das Sein (etwa Steinbock), Bewusstsein (astrologisch Uranus) und Glückseligkeit (s. Neptun) des Allerhöchsten. Dieser Zustand ließe sich platt übersetzen als "Erkenntnis und Freude darüber, dass alles Geschehene wie Geschaffene in Ordnung ist - so wie es ist". Eine Parallele von Uranus-Neptun im Steinbock ließe sich auch ziehen zur hinduistischen Trinität Brahma-Vischnu-Schiva sowie zum christlichen Dogma der Dreieinigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist).

Ausblick

Im eigentlichen und engeren Sinne ist die Konjunktion wirksam von 1991 bis 1994. Akute Zuspitzungen, gerade in kollektiver Hinsicht, ergeben sich jeweils in den Monaten April und September/ Oktober - wenn Uranus und Neptun stationär sind.
Als Individuum ist man davon besonders betroffen, wenn im Radix-Horoskop eine Besetzung von 14 bis 24 Grad der kardinalen Zeichen vorliegt.
Zugleich befindet sich Saturn (seit 1991) im Wassermann, was mundan der Konstellation Saturn-Uranus entspricht, somit auch der Stellung des Uranus im Steinbock bzw. diesen verstärkend. Ab 1994 befindet sich Saturn in den Fischen, bildet also mundan die Konstellation Saturn-Neptun, dem Neptun im Steinbock entsprechend bzw. diesen verstärkend. Da Saturn in beiden Zeichen (vor allem in den Fischen) relativ schwach steht, werden die großen wie kleinen Probleme und Spannungen weltweit nicht mehr so zu halten/ zuzudecken sein wie bei der Saturn-Uranus-Konjunktion im Steinbock (anno 1988). 1996 wechselt Uranus dann in den Wassermann, d.h. in sein eigenes Revier - wo er sich mit all seinen "revolutionären" Entsprechungen deutlich zum Ausdruck bringen dürfte. 1998 folgt ihm Neptun, was symbolisch wiederum einer Uranus-Neptun-Konstellation gleichkommt. Dasselbe gilt für den Aufenthalt des Uranus im (Neptun-) Zeichen Fische ab 2004. Ab 2012 läuft dann Neptun durch sein eigenes Herrschaftsgebiet, was ein Hochschwemmen verdrängter und unterdrückter Inhalte erwarten lässt.
Die Konstellation Uranus-Neptun bleibt uns also noch eine Weile erhalten. Die Endphasen des astrologischen Kreises sind bis ins nächste Jahrtausend hinein betont und aktiviert; die schicksalshaften Krisen und Herausforderungen zur Bewusstseinserweiterung und -umstellung bzw. die jeweiligen Chancen zum individuellen Wachstum sind weiterhin gegeben.

* (geschrieben im Herbst 1992)

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