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Apocalypse Now?

Eine Deutung der Sonnenfinsternis 1999

Der Seher Nostradamus hinterließ uns nur an wenigen Stellen seiner mysteriösen Vierzeiler exakte Datumsangaben. Doch in der Centurie X,72 nennt er explizit den August (julianisch den Juli) 1999; dann erscheine "am Himmel ein großer Schreckenskönig"...
Aber was genau meinte er mit der zu erwartenden Himmelserscheinung? Etwa die sehr ungewöhnliche, auffällige Tageskonstellation als solche? Oder irgendein Flugobjekt - militärischer, astronomischer oder gar außerirdischer Natur? Dachte er eschatologisch (als frommer Jude) an die Ankunft des Gottessohnes bzw. der endzeitlichen Engel - oder brabbelte er eh nur wirres Zeug in seinen Bart hinein?
Unsere Starastrologin Teissier packte das grause Entsetzen ob des am Himmel stehenden Großen Kreuzes, und sie glaubte entsprechend, ihre Mitmenschen warnen zu müssen - tat dies jedoch ziemlich plump und unreflektiert: "Alles Explosive explodiert", lautete ihre öffentliche Vorhersage, "es kommt zu Kriegen oder Naturkatastrophen, zu einem Erdbeben oder Meteoritenaufprall. Oder zu Umweltvergiftungen. Oder zum Atomkrieg." Sie werde am 11. August keinesfalls in Deutschland weilen, sondern sich irgendwo im Süden aufhalten (was doch frappant an den 25.7.1525 erinnert, als - aufgrund einer von seinem Hofastrologen Carion prophezeiten Sintflut - Kurfürst Joachim samt Gefolge Berlin verließ und sich auf den nahegelegenen Kreuzberg begab).

Unheil durch SonnenfinsternisSeit den Anfängen der Astrologie wurden Finsternisse generell als Unheil verheißend gesehen, als Ankündigung von Krisen und Katastrophen. Nicht selten wurde das politische Überleben eines Reiches oder Herrschers damit in Verbindung gebracht (bzw. hing gar die Existenz des deutenden und berechnenden Astrologen davon ab).
Was bei einem möglicherweise historisch tatsächlich erfolgten Umsturz die jeweilige Ursache, und was die Wirkung war, lässt sich allerdings mit rein astrologischen Argumenten nirgendwo festmachen.
Bei einer Sonnenfinsternis spielen noch stärker (als bei der "normalen", "symbolischen" Horoskopdeutung) mythologisch-archaische Elemente hinein: Der Verfinsterungsvorgang wirkt wie ein gewaltiges, sich über Stunden hinziehendes, kosmisches Opferritual - bei dem unser aller Licht- und Wärmespenderin vom Mond regelrecht, Stück für Stück "aufgefressen" wird - sich dabei zusehends verfärbt, um sodann glücklicherweise wieder ausgestoßen zu werden... Ein schreckliches, zugleich aber ergreifendes (plutonisches) Schauspiel von Transformation, Erneuerung und Wandlung, Tod und Wiedergeburt - welches in jedem Menschen Urinstinkte bzw. Urängste wachruft, vermutlich Assoziationen weckt an die eigene Geburt.
Derart im Innersten aufgewühlt bzw. durch den sichtbaren himmlischen Zeugungs- und Geburtsprozess legitimiert, dürfte die bewusste Hemmschwelle der Bevölkerung beispielsweise in Rumänien (wo die Finsternis ihren Höhepunkt erreicht, am längsten sichtbar ist) deutlich abgesenkt sein, d.h. die Bereitschaft groß, entsprechende Umwälzprozesse auch im Politisch-Gesellschaftlichen "nachzuvollziehen".
Die Astrologengemeinde ist sich nun darüber uneins, was eine Finsternis genau bedeutet - das alte Dilemma unserer Zunft, kann doch eine "Neugeburt" auf den verschiedensten Ebenen erfolgen...
Aber auch über die Dauer ihrer Wirksamkeit gibt es unterschiedliche Meinungen: Die Tradition besagt, eine Sonnenfinsternis sei solange (in Jahren) gültig, wie sie (in Stunden) andauere - vom Eintritt des Mondes bis zu seinem Verlassen der Sonnenscheibe. Das hieße für die kommende Eklipse immerhin mehrere Jahre. (Sie ist damit jedoch nicht die längste Totale Sonnenfinsternis des Jahrhunderts; diejenige von 1991 etwa währte länger.) Dagegen meint M. Roscher, jede Sonnenfinsternis gelte genau ein Jahr (nämlich solange, bis das in die Ekliptik gerissene "Loch" wieder aufgefüllt sei). L. Koiner behauptet, die Eklipse sei vor allem eine Vorbereitung für die Große Konjunktion (von Jupiter und Saturn) des 28.5.2000 - welche ihrerseits ja für zwanzig Jahre gilt bzw. für das nächste halbe Jahrtausend die letzte des Erdtrigons ist (bevor wir uns im Dezember 2020 mit Wassermann in luftigere Gefilde erheben). Anfang Mai 2000, zeitgleich mit der voraussichtlichen Ausrufung eines palästinensischen Staates, erleben wir jedenfalls auch im Stier ein außergewöhnliches Stellium der sieben klassischen Planeten: Mond, Merkur und Venus diesseits, Mars, Jupiter und Saturn jenseits der Sonne...
Weitgehend einig ist man sich, dass am Tag der Finsternis selbst nicht mit großartigen dramatischen Ereignissen zu rechnen ist. Allerdings vermutlich in den Monaten und Jahren danach. Schließlich haben wir es unzweifelhaft mit einem Großen Kreuz zu tun, das zudem auf die Mitte der festen Zeichen zu liegen kommt.
Die fixen Zeichen repräsentieren jeweils die konzentrierte Essenz ihres Quadranten bzw. Elements, die vier Arten oder Richtungen des Seins - weswegen ihnen u.a. die kirchliche Ikonographie die Evangelisten zuordnete (Stier = Lukas, Löwe = Markus, Skorpion = Johannes, sowie Wassermann = Matthäus).
Die Mitten dieser fixen Zeichen sind in ihrer Bedeutung den Äquinoktialpunkten vergleichbar - nicht nur technisch (in der Verwendung als Spiegelpunkte), sondern als Zentrum und Tor zu jeweils einer fundamentalen Wirklichkeitsdimension. 15 Grad eines Fixzeichens gelten als besondere Kraftpunkte; das Brauchtum hat auf die entsprechenden Eliptikstellen kultische Jahresfeste gelegt, z.B. Lichtmess auf den 2. Februar (mitten im Winter).

Neben der Gültigkeitsdauer ist auch die Frage umstritten, welche Gebiete der Erdoberfläche jeweils von den (ob nun positiven oder negativen) Auswirkungen einer Finsternis betroffen sind: etwa die ganze Erde (für die es ja zumindest einen besonderen Neumond darstellt) - oder nur die speziellen Gegenden, über die der Mondschatten jagt, die also in der sog. Sichtbarkeitslinie liegen, d.h. in denen - wenn auch nur für Sekunden - eine vollständige Finsternis eintritt (in Berlin etwa wird "bloß" eine ca. neunzigprozentige Abdeckung der Sonnenscheibe erreicht).
Oder hat das Himmelsereignis vielleicht überall dort Relevanz, wo es beobachtet werden kann (einen wolkenfreien Himmel natürlich vorausgesetzt)?

Sichtbarkeitslinie der SF 99Auf ihrem mehrstündigen Weg bewegt sich die (Un-) Sichtbarkeitslinie, vom Atlantik kommend, über die englische Südküste nach Nordfrankreich, Belgien, Luxemburg, Stuttgart und München, über Teile Österreichs, Ungarns und Sloweniens nach Nordserbien, Rumänien, Bulgarien, die Türkei, sodann über Syrien, Irak, Iran, Süd-Pakistan und Nord-Indien - um schließlich im Golf von Bengalen zu enden.

Alle Finsternisse wiederholen sich ziemlich genau nach 18 Jahren (im Mondknoten- bzw. sog. Saroszyklus), verschieben sich dabei in ihrer Sichtbarkeit stets um mehrere Zeitzonen westwärts - enden jeweils etwa dort, wo ihr Vorläufer begann. So zog sich diejenige des 31.7.1981 vom Kaukasus über Kasachstan und das südliche Sibirien bis nach Sachalin. Vielleicht lässt sich von dieser Geographie ja eine Verbindung herstellen zum sowjetischen Debakel in Afghanistan, zu den Unruhen unter den Völkern am Südrand der Sowjetunion bzw. zum anschließenden Zusammenbruch des sowjetischen Weltreiches generell: Im November ´82 starb damals der langjährige SU-Führer Breschnjew (nach 18 Jahren an der Macht). Die alten Kreml-Herren nach ihm (Andropow und Tschernenko) starben jeweils binnen Jahresfrist, bevor im März ´85 Gorbatschow mit Perestroika und Glasnost ein neues Kapitel einläutete...

Der Mundanstrologe Troinski erstellte eine Hierarchie für die Gewichtung von Finsternishoroskopen. Demnach ist mit "Großereignissen" dann zu rechnen, wenn sich "Übeltäter" wie Saturn, Uranus oder Mars in Vier oder Zehn befinden, sowie die Finsternis selbst (d.h. Sonne, Mond) in einem Eckhaus. Die "verheerendste Wirkung" sei zu erwarten, wenn Saturn in Zehn und zugleich die Sonne in Eins stehe. Zudem seien kritisch: die Finsternis in Sechs, Acht oder Zwölf, sowie Mars oder Saturn in Zwölf. Positiv zu werten seien dagegen Mundanhoroskope, bei denen die Lichter in Neun und die klassischen "Wohltäter" in Zehn stünden.
Mit der Methode der Astrokartographie bzw. Relokation lassen sich somit - gemäß obiger Kriterien - auf der Weltkarte gefährdete Regionen relativ leicht ausmachen:
Für Westafrika und Westeuropa finden wir die Finsternis in Zehn, Mars in Eins, Saturn in Sieben, sowie Uranus in Vier. Genau auf dem IC sitzt der Neptun für den Längenmeridian London-Madrid.
Bezogen auf Berlin, Rom und Tunis steht die Finsternis direkt am MC (und Uranus am IC) - dafür Jupiter am Deszendent (und die ausgleichende Venus in Zehn).
Mars-Saturn wirkt von Zwölf nach Sechs in der Türkei bzw. im gesamten Nahen Osten. Für Ost- und Südafrika sowie für Bagdad steht zusätzlich Pluto am Aszendenten (wie zum Zeitpunkt des Golfkriegbeginns).
Für die Balkanhauptstädte Athen, Belgrad und Bukarest, sowie für Kiew und Moskau finden wir Mars-Saturn genau auf der Horizontalachse (Aszendent-Deszendent).
Im ominösen achten Haus steht die Finsternis, wenn man sie auf Pakistan und (das westliche) Indien berechnet.
Für Tibet stehen Uranus und Neptun in Eins, die Finsternis in Sieben, Saturn in Vier und Mars in Zehn.
Auf dem Deszendenten sitzt die Finsternis bezogen auf Peking, entsprechend Uranus auf dem Aszendenten (was eher unruhige Zeiten verspricht) - und außerdem Pluto am MC. Letzteres finden wir ebenso für Formosa (Taiwan) und Manila (Philippinen) - allerdings dort auch die Venus am Deszendenten.
Im sechsten Haus wäre die Finsternis für Japan und Korea lokalisiert, ebenso für West-Australien (hier noch Pluto am MC).
Für die Ostküste (den hauptsächlich besiedelten Teil) Australiens steht Mars in Acht (und Saturn in Zwei).
Uranus in Zehn, die Finsternis in Vier, sowie Neptun am MC (aber Jupiter in Eins) hätten wir in Auckland (Neuseeland).
Für Kuba (Havanna) sieht es besonders bedenklich aus: die Finsternis belegt den Aszendenten (entsprechend Uranus den Deszendenten), zugleich besetzt Mars haargenau das IC bzw. Saturn das MC.
Fast identisch stellt sich die Situation dar für Panama, Nicaragua (Managua) und Ecuador (Quito) - im Grunde für ganz Mittelamerika.
Für Mexiko (Mexico City) sieht die Lage ein wenig günstiger aus: nämlich die Finsternis in Eins, Uranus in Sieben, Mars in Vier, Saturn in Zehn, sowie Neptun am Deszendenten - aber der gute Jupiter in MC-Nähe...
Auf Washington, die Hauptstadt der USA bezogen, steht Mars-Saturn nicht mehr ganz auf der Vertikalachse; dafür aber in Detroit/ um die Großen Seen herum. Die Dunkelsonne selbst finden wir für den US-Osten im zwölften Haus, demgemäß Uranus in Sechs - d.h. dies gilt auch für die Weltleitbörse in New York (dort glänzt jedoch Venus am Aszendenten).
Im zwölften Haus befindet sich die Finsternis praktisch für ganz Südamerika; in Brasilien außerdem Saturn in Acht (bzw. Mars in Zwei).

Betroffen von Troinskis "schwerwiegenden" Finsterniskonfigurationen sind also viele Gebiete, über die ganze Erde verteilt. Was die Finsternis dort jeweils im einzelnen "ausrichtet", möchte ich ein Stück weit der Phantasie und Kombinationsgabe des Lesers überlassen. Dies kann sich jeder bis zu einem gewissen Grade selbst ausmalen - zumal nicht wenige der aufgelisteten Staaten und Regionen die vergangenen Monate in den Schlagzeilen waren - wegen politischer und/ oder wirtschaftlicher Probleme.

Ein ähnlich weitgestreutes Bild zeigt sich, wenn man eine andere Methode anwendet - und (auszugsweise) die Radices einzelner Nationen, Staaten sowie besonderer Ereignisse und Individuen betrachtet:
So wird beispielsweise die für Deutschland so sensitive Achse Mitte Stier-Skorpion tangiert (dort befanden sich u.a. der Mars von DDR und BRD bzw. die Sonne an jedem 9.11.).
Der Pluto - nicht nur des Finsternistages, sondern im Jahr 1999 von Mai bis November - befindet sich in Opposition zum Uranus der USA (und evtl. in Konjunktion mit ihrem Aszendenten, je nach angenommener Gründungszeit).
Die Finsternis bzw. ihr Mondknoten steht an der Position der Sonne des ersten Atombombenabwurfs (auf Hiroshima, am 6.8.45), in Konjunktion mit Israels Saturn und Mars-Pluto der Volksrepublik China, sowie in der Nähe des Uranus der New Yorker Börse - und hierzu natürlich der Eklipsen-Uranus in Opposition.
Bezogen auf das Horoskop des ersten motorisierten Fluges (der Gebrüder Wright, bei Kitty Hawk), steht die Finsternis auf dem Deszendenten; die kritischen Fluggrade von 4-6 Wassermann werden von Neptun im Verlauf des Jahres 2000 transitiert.
Bei Papst Johannes Paul II werden Venus-Merkur sowie sein absteigender Mondknoten im Stier von Saturn belastet.
Hillary Clintons Merkur/ Mond - Konstellation erfährt via Mars/ Saturn Schmerz und Leid...
Bei Kanzler Schröder könnte es relativ glimpflich abgehen - zumal die Finsternis auf seinen Jupiter plaziert ist.

Doch ist eine Schwarz-Weiß-Malerei eigentlich fehl am Platz. Keine Konstellation ist "nur gut" oder "nur schlecht". Das wichtigste Ergebnis der Entwicklung der Astrologie in den letzten Jahrhunderten war gerade das Verständnis, dass man auch von der Funktion und Wirkweise der klassischen "Übeltäter" konstruktiv sprechen sollte, d.h. sie zu sehen als dargebotene Wege zur Integration, Ganzheit oder Bewusstwerdung bzw. als Chancen zum seelischen Wachstum. (Es gibt sicherlich Aspekte und Transite, die "leichter" zu handhaben sind als andere; aber ist das Angenehme nicht unbedingt das Bessere...)
Hinzu kommt jenes sich bei einer Konkretisierung von Vorhersagen immer wieder stellende Problem, dass detaillierte Aussagen über Faktisches mit einem symbolischen System nur sehr eingeschränkt möglich sind. Aufgrund der Vieldeutigkeit der astrologischen Bilder sind Prognosen stets ein gewagtes Unterfangen - und eher dem Bereich von Spekulation oder Hellseherei, nicht aber einer direkten "Botschaft der Sterne" zuzuordnen.
Deshalb lasse ich die angeführten astronomischen "facts" hier auch relativ unkommentiert stehen - und beschränke mich (unten) auf eine Beschreibung des geistigen Gehalts, auf eine allgemein gehaltene Interpretation der Finsterniskonstellation bzw. auf die damit verknüpften, im Grunde für jeden Menschen relevanten Inhalte.

Ein weiterer Weg, uns der Bedeutung der Finsternis zu nähern, ist die Suche nach Parallelen oder Beziehungen zu früheren Eklipsen. Will man nicht Jahrhunderte zurückblättern, fällt zum einen die Verwandtschaft bzw. der Aspektbezug zur Finsternis vom 5.2.1962 auf (d.h. neun Monate vor der Kubakrise, als die Welt dem nuklearen Holocaust am nächsten stand): damals befanden sich Sonne, Mond, Merkur, Venus und Jupiter zwischen 15 und 18, Mars und Saturn auf 2-3 Grad Wassermann. Desweiteren weist die Finsternis des 21.8.1914 (unmittelbar nach Beginn des auf dem Balkan ausgelösten Ersten Weltkriegs) große Ähnlichkeiten auf: Die Sonne wurde auch damals in ihrem Stammzeichen "verschlungen"; Uranus stand wie heute im Wassermann; es herrschte ein Quadrat zwischen Mars und Saturn, eine Opposition zwischen Merkur und Jupiter, wie diesmal ein Trigon zwischen Venus und Jupiter, zwischen Saturn und der Finsternis ein Sextil, zwischen Mars und Uranus ein Trigon; Neptun befand sich in Opposition zu seiner heutigen Position, und der "königliche" Fixstern Regulus neben Sonne und Mond.
1962 war es Uranus gewesen, der am "würdevollen" Reguluspunkt stand, wohingegen 1999 die Venus dorthin tritt. Deren Qualität würde nun nach klassischer Deutung eher "Positives" verheißen, nämlich Ausgleich und Versöhnung. Doch steht zugleich der - für sich schon nicht gerade harmlose - Pluto beim "gewalttätigen", "kriegerischen" Fixstern Antares - und beim Dunkelmond Lilith, was wiederum Anlass gibt zu schlimmen Mutmaßungen, bösen Befürchtungen.

Im Grunde bestätigt die Fixsternastrologie die übliche Interpretation - bei der man, wenn man sich von dem bedrückenden Großen Kreuz nicht erschlagen lässt, im Beiseitetreten eine keineswegs "ungünstige" Aspektfigur des Finsternistags ausmacht: nämlich ein T-Quadrat zwischen Merkur, Jupiter und Neptun, mit anhängender Venus. Die Eklipse enthüllt auf diese Weise ein Doppelgesicht - welches ontologisch vielleicht immer besteht: wo viel Schatten, ist auch viel Licht bzw. das Rettende nie fern...

Um herauszufinden, wann sich die an die Finsternis gekoppelten Inhalte auslösen, bietet sich eine Untersuchung der zugehörigen Transite an:
(Hinsichtlich der Inhalte selbst war die dritte Märzwoche aufschlussreich - als Mars auf zwölf Grad Skorpion stillstand; die in den nächsten Jahren vermutlich drängenden Themen und Konfliktherde klangen damals an: So kam es u.a. zu Toten bei Zusammenstößen in Tschetschenien und Nordirland, zum Rücktritt Lafontaines und der EU-Kommission (und entsprechenden Krisen in Bonn und Brüssel); in Rambouillet scheiterten die Kosovo-Friedensverhandlungen, während Polen, Ungarn und Tschechien neue NATO-Mitglieder wurden. Interessant auch der 24.4., als der Mondknoten die Finsternisstelle überlief (zusammen mit dem Mond, während einer Opposition von Mars zu Sonne/ Saturn): Die NATO feierte ihr fünfzigjähriges Jubiläum; gleichzeitig, von der UNO nicht legitimiert, wurde Rest-Yugoslawien bombardiert. Und in Peking kam es völlig überraschend zur friedlichen Großdemonstration einer Qui-Gong-Sekte.)

In den zwölf Monaten nach der Finsternis überläuft die Sonne den Mars-Punkt am 9.11.99, die Uranusstelle (gemeinsam mit dem Mond, d.h. als Neumond) am 5.2.2000, den Saturnpunkt (mit Merkur) am 8.5.2000. Theoretisch könnte die Sonne zu diesen Terminen latente Probleme oder Keime des Neuen aktivieren - zu erwarten ist solches aber eher nicht, zumal sie noch geschwächt ist (sich noch von ihrer "Verschlingung" erholen muss), sowie andere Konstellationen wie etwa Jupiter-Uranus oder Venus in der Waage gegen eine negative Eskalation sprechen.
Saturn als Transitor lässt sich im Jahresverlauf Zeit, pendelt ca. acht Monate lang um seine Finsternisposition. Dabei steht er zwar im September `99 still bzw. überläuft seine Radixstelle rückwärts - gleichzeitig befindet sich aber die (mildernde) Venus auf zwanzig Löwe (der direkten Finsternisstelle).
Der laufende Mars erreicht die Position des Uranus Mitte Dezember. Richtig eng dürfte es aber erst Mitte April 2000 werden, wenn er, zusammen mit Saturn, auf dessen Finsternispunkt trifft. Ende August 2000 schließlich überläuft Mars die Finsternisposition der Sonne (auf 18 Löwe), während Uranus dazu eine exakte Opposition bildet.
Dieser wiederum wirft seinen exakten Gegenschein zu dieser Stelle dann noch ein halbes Jahr lang (bis Januar 2001), wobei er Ende Oktober 2000 auf 16,9 Grad stationär wird - d.h. bei Mars/ Saturn des Eklipsenhoroskops vernehmlich anklopft (wenn es dann nicht irgendwo "rumpelt", würde mich das schon sehr wundern).
Neptun schließlich transitiert den fraglichen Bereich (15 bis 19 Wassermann) erst in fünf, sechs Jahren (2004-2006).

Dethlefsen pflegte - in Abwandlung eines Goethezitats - zu sagen: "Alles Sichtbare ist nur ein Gleichnis." Wichtiger als die beobachtbaren, vordergründigen Geschehnisse ist stets ihre (dahinterliegende) Bedeutung - d.h. die Frage, welchem Zweck die Phänomene der Erscheinungswelt dienen, für was sie uns die Augen öffnen sollen, was aus unserer Innenwelt sie widerspiegeln. Hier hat die symbolische Sprache der Astrologie ihren größten, unschätzbaren Wert: sie vermag uns den konkreten Ereignissen zugrunde liegenden Sinn näherzubringen.
Im folgenden sollen deshalb die Komponenten des doppelten und einfachen T-Quadrats usw. im einzelnen untersucht werden: damit wir den Gehalt der Finsternis verstehen, damit wir die Qualitäten erkennen, welche hinter den - wie auch immer gearteten - äußeren Erscheinungen stecken. Mit solcher Astro-Analyse soll versucht werden, der generellen politischen (= mundanen) Lage, der "sozialpsychischen, kollektiven Gestimmtheit" auf die Spur zu kommen. Dabei stellen die unterschiedlichen Aspekte des Finsternishoroskopes gewissermaßen die diversen Facetten des bevorstehenden Zeitabschnittes bzw. der konkreten Situationen und Ereignisse zur Jahrtausendwende dar.

die Sonnenfinsternis berechnet auf BerlinDie Opposition Mars-Saturn ist - mit nur drei Bogenminuten Orbis - der engste Aspekt innerhalb des Großen Kreuzes. Es handelt sich hierbei um eine Überdruck-Situation: Zum einen stauen sich aus der Vergangenheit (Skorpion) angesammelte, verfehlte Aktivitätsmuster ("Sünden") an. Zugleich werden aufkeimende (Neuerungs-) Impulse von Konvention und Tradition unterdrückt, abgeblockt - so dass nach außen hin eine Art Scheinruhe entsteht, eine Pattsituation zwischen politischem Kampf und Repression. Typisch in solcher Zwickmühle ist die Widerstandssuche bzw. Schattenprojektion: Anstatt das Unbefriedigte und Ungeklärte bei sich selbst wahrhaben zu wollen, wird es als unerwünschte Aggression personifiziert im Außen gesehen, wird hartnäckig schwarz-weiß gemalt. "Böse Buben" wie Osama bin Laden, Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic sind offensichtlich so dreist, sich unserem "guten, berechtigten" Wollen entgegenzustellen! Das erforderliche Geraderücken der Verhältnisse bzw. "notwendige Befrieden" legitimiert in der Folge die eigene Gewaltanwendung, d.h. selbst gemein zu sein...

Zu Mars-Saturn gesellt sich das Quadrat Mars-Uranus - so dass zu befürchten steht, dass sich das angehäufte (und bislang gut verwahrte) Brennmaterial plötzlich entzündet, es zur Entladung/ Explosion, zum großen Knall kommt. Uranus als solcher steht für eine Unterbrechung der Kontinuität, dass beispielsweise ein bestehendes Gebäude umstürzt. Mit Mars zusammen kommt es zum Zersplittern, Verpuffen von Energie, zu deren heftigem Hervorschießen. Politisch wären Revolten zu erwarten, eine Auflehnung gegen Fremdbestimmung, das Abschütteln von Knechtung (zumindest der Versuch).

Saturn-Uranus gilt als "Scheidungskonstellation", als Indikator einer "Trennung des nicht miteinander Vereinbaren". Hier reiben sich Konservatives und Progressives, Normen und Reformen, Old Age vs. New Age. (Beide Kontrahenten sind stark: Uranus befindet sich in seinem Hauszeichen, verstärkt von Neptun; Saturn seinerseits ruht im beharrendsten der Erdzeichen, gestützt von Jupiter.) Spürbar sind erhebliche Spannungen und Dissonanzen, gesellschaftliche Widersprüche bzw. Spaltungstendenzen. Meist wird solange wie möglich versucht, das Auseinanderstrebende zusammenzuhalten (irgendwie zu "vernageln"), das Unpassende unter den Teppich zu kehren - d.h. Rahmen und Fassade werden mit Mühe aufrecht erhalten. Hinter dem überkontrollierten "keep smiling" bzw. "business as usual" vernimmt man jedoch ein deutliches Ächzen und Rumoren. Das "Knirschen im Gebälk" ist ein Folge des inneren Drucks, das vermeintlich "Unbequeme" doch zu erlauben, bzw. anstehenden Veränderungen nicht auf Dauer im Wege zu stehen. Es ginge darum, "Freiheit und Notwendigkeit" zu verbinden, zu einer neuen Integration/ Synthese auf höherer Ebene zu gelangen, besser geeignete (im Grunde unkonventionelle) Maßstäbe des Zusammenlebens zu errichten!

Sonne-Mond (der Neumond bzw. die Finsterniskonjunktion selbst) ist hier eher formell oder archetypisch zu deuten: Die Vermählung ("chymnische Hochzeit") der Lebenslichter signalisiert die Zeugung einer neuen Phase, den Beginn eines neuen Zyklus (dessen "Geburt" in der Regel etliche Monate später erfolgt). Da bei dieser "kosmischen Kopulation" der Mond dominant ist bzw. die Sonne ganz schön in Mitleidenschaft gezogen wird, wird anschließend auch das bewusste Handeln (beispielweise der Regierungen) unterliegen - das Unbewusst-Instinktive, Irrational-Launenhafte des Volkes dagegen auf dem Vormarsch sein.

Mond-Mars heißt Aufwühlung, heftige Emotionen, innere Konflikte. Es herrscht eine Angst vor Attacken (vor dem "schwarzen Mann"), ein durch frühere Traumata hervorgerufenes Bedrohungsgefühl. Unter Umständen wird Einschneidendes (wie der Verlust von Nahestehenden) wieder erlebt - dessen Zweck das Erringen von Selbstbestimmung ist, eigenständig zu agieren (was im Moment des Schmerzes zugegeben niemanden tröstet).

Mond-Saturn weist auf eine Belastung des Volkes, auf Nöte bzw. eine gewisse Depression. Der Gürtel muss enger geschnallt werden, Wünsche und Bedürfnisse heißt es zurückzustellen/ sich erstmal zu versagen. Von "denen da oben" reglementiert, beschnitten oder bestraft zu werden, wirft die Individuen jedoch auf sich selbst zurück (und ist von daher, langfristig gesehen, auch positiv).

Bei Mond-Uranus geht es im Grunde ebenfalls um Individualisierung, um die (ur-) eigene Identität von Völkern oder Volksgruppen. Hier kommt aber das Unterdrückte hoch; in einem Stimmungsumschwung mögen gar festgezurrte Bande bzw. gezogene Staatsgrenzen überrannt werden. Das Zerbrechen der Heimat ist dann meist mit unkontrollierten Flüchtlingsströmen gekoppelt. In jedem Fall wäre mit nervöser Aufregung zu rechnen, mit viel Unruhe und Hektik, einem Schrillen der emotionalen Alarmglocke - denn die vertraute Umgebung scheint bedroht, das Gewohnte an Schutz und Geborgenheit wird gestört.

Sonne-Mars bedeutet schlicht "enorme Power". Es ist viel Kraft und Energie im Spiel, vorhanden ein starker Drang, produktiv zu sein, etwas zu bewegen/ in Gang zu setzen. Die Gefahr liegt in der zu scharfen (Über-) Reaktion, sich leicht angegriffen zu fühlen bzw. schnell zu glauben, sich wehren zu müssen, auf "rote Tücher" regelrecht abzufahren - und so unversehens in Streiteren zu geraten.

Sonne-Saturn steht für "harte Zeiten", für Mühen und Entbehrungen. Es sind schwere Brocken zu wälzen, ein Berg an Arbeit türmt sich auf. Drückende Pflichten müssen endlich erledigt werden, bestimmte Notwendigkeiten lassen sich nicht länger aufschieben. Saturn wirkt gerade hier als Entwicklungsbremse; er verschafft die erforderliche Zeit zum Wachsen, Ausreifen, Klarwerden: und zwar freiwillig (wenn wir auf seine Stopzeichen und Warnungen hören) oder gezwungen - indem er das allzu heillose, in die Sackgasse führende Treiben zum Stillstand bringt. Der "Hüter der Schwelle" kann sich als böser, sanktionierender Vatergott zeigen - oder als liebevoller, behütender Schutzengel. Dabei geht es ihm darum, dass wir unsere Angelegenheiten regeln, uns konzentrieren auf das wirklich Wichtige, in unserem Zusammenleben Form und Inhalt in Einklang bringen.

Sonne-Uranus schlägt einen neuen Rhythmus an. Hier kann jederzeit Unerwartetes passieren. Die Konstellation bringt frischen Wind in festgefahrene Situationen/ verhärtete Strukturen, stellt das Existierende infrage. Von daher steht sie für gesellschaftlichen Fortschritt, politischen Umbruch, für Utopien, Veränderung, eine Auflockerung der Verhältnisse. Technische Neuerungen fallen hierunter, speziell in der Datenverarbeitung, im Flugwesen und Weltraum. Aber auch Unabhängigkeits-, Freiheitsbestrebungen, aus "Gefängnissen" jeglicher Art auszubrechen.
Sowohl die Sonne (in ihrem Zeichen Löwe) als auch Uranus (im Wassermann) stehen stark. Von daher symbolisiert die Planetenkombination einen archetypischen Konflikt zwischen selbstherrlichem Ich und übergeordneter Gruppe. Dabei wäre zum einen wichtig, dass man - beispielsweise als Nation - durchaus seine Eigenart zeigt, seine Individualität ausgestaltet/ bewusst zum Ausdruck bringt - andernfalls kann es zu unverständlichen Unfällen oder gar Übergriffen von außen kommen. Zum anderen bedarf es aber auch der funktionierenden "peer group", d.h. ein Gleicher unter Gleichen zu sein, über Freunde und Verbündete zu verfügen. Gefragt ist ein Geist der Brüderlichkeit - nicht Egoismus oder einseitige Dominanz!

Das Quadrat Merkur-Jupiter gehört zu den hoffnungsvolleren Aspekten. Es geht dabei um eine Auseinandersetzung zwischen Glauben und Wissen, zwischen einem eher sachlichen, "vernünftigen" Intellekt - und einer "höheren" Einsicht/ einer Art religiösen Erkennens. Dem Verstand stellt sich die Sinnfrage, zu reflektieren über das Wieso und Warum (gerade auch des sog. "Bösen"). Gefragt ist ein ganzheitliches, perspektivisches Denken - sei dies in ökologischer Hinsicht oder politisch-integrativ, d.h. sich mittels internationaler Diplomatie fremden Gesichtspunkten zu öffnen.

Ähnlich begegnen sich bei Merkur-Neptun Mythisch-Jenseitiges und Nüchtern-Diesseitiges. Logik steht gegen Vision, Kritik und Skepsis gegen irrationale Träume. Günstigenfalls öffnet sich unser Begreifen für mystische Inspirationen, bzw. wir wagen uns solchen anzuvertrauen. Im negativen Fall erliegen wir blendenden Täuschungen, verkennen die Realitäten, schätzen Situationen falsch ein. Gerechnet werden sollte mit einer kollektiven Verwirrung, mit einer Art Orientierungsverlust (angesichts der Krise), mit einer gewissen Lähmung und Hilflosigkeit. Bei unlösbar scheinenden Konflikten lässt sich leider auch die Ausgrenzung von Randgruppen kaum vermeiden ("Schwarzes-Schaf-Konstellation").

Das Trigon Venus-Jupiter ist so ziemlich die optimistischste Konstellation, die man sich denken kann. Sie bedeutet eine angenehme, anmutig-ästhetische Stimmung, ein sinnenfrohes "Ja" zur irdischen Existenz (zumal da in Erdzeichen) - platt gesprochen "alles Gute": Wohlstand, Aufschwung, Glück in der Liebe... Der Aspekt steht für Soziales, Zwischenmenschliches schlechthin, für Gemeinschaftswerte, eine Erfüllung im Miteinander/ gegenseitigem Unterstützen. Das Religiöse ist wichtig - d.h. Sicherheit und Gewissheit zu gewinnen durch geistige Verbundenheit, einen gemeinsamen Bezug auf "Höheres". Als Versöhnungs- und Friedensaspekt dürfte uns Venus-Jupiter einen konstruktiven Ausblick bescheren in oder nach dem "Schlamassel", für welches andere Planeten-Akteure verantwortlich zeichnen. Doch gibt es auch hier Schattenseiten: Es gilt, sich zu lösen von Dingen wie Status und Geltung bzw. wegzukommen von jeglichem (Ver-) Urteilen und Moralisieren (dann wäre es mit dem Verständnis füreinander nicht weit her).

Venus-Neptun hat (auch als Quinkunx) Bezug zu materiellen Spekulationen, zu illusorisch aufgeblähtem Buch-Geld, finanziellen Einbußen... Die Konstellation will unsere Verankerung in Feinstofflichem, dass wir Verbindung kriegen zu den Engeln, eine Stütze finden in Transzendentem, Spirituellem. Dazu lässt das Schicksal so manchen "schönen Schein" bzw. Trug des Grobstofflichen ("Maya") platzen wie eine Seifenblase. Der größte Fehler wäre (unter dieser Ägide), krampfhaft zu klammern an irgendwelchem Besitzstand. Die bestehenden Ängste produzieren nämlich erst recht Verlusterfahrungen. Hinterher hängt man dann schön in der Luft bzw. manövriert sich, im Kontrast zur realen Unmöglichkeit, in ein aus paradiesischen Sehnsüchten gebautes Wolkenkuckucksheim...

Jupiter-Neptun schließlich ist die religiöse Konstellation par excellence; die Planetenkombination hat speziell Bezug zur katholischen Kirche bzw. zum Papsttum (markiert oft dessen Schwächung). Hier existiert ein (höheres) Wissen um andere Wirklichkeiten: ein Glaube an die Vorsehung, an Irrationales, auch Ökologie: die Überzeugung, dass alles mit allem zusammenhängt. Umfangreiche Geschäfte - vor allem im Tempel der Moderne, an der Börse - mögen zu der Einsicht führen, dass Profit allein nicht selig macht, d.h. in eine gewisse Perspektivlosigkeit münden (ein Loch, das dann von Glaube und Ethik gefüllt wird). Eine Gesinnung von Toleranz, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft wäre typisch für diese Konstellation, ein Erstarken der Menschenfreundlichkeit bzw. des Humanitären schlechthin.

Neben den besprochenen Horoskopelementen sollte man nicht den etwas abseits stehenden (unaspektierten) Pluto im Schützen (noch bis 2008) vergessen - der zumindest indirekt, via Jupiter, doch an den Finsternisgeschehnissen beteiligt ist, dem Schützeherrscher jedenfalls seine Färbung gibt.
Um es kurz zusammenzufassen: Plutos Schützedurchgang steht u.a. in Verbindung mit religiösem Extremismus bzw. Fundamentalismus (und andererseits mit Problemen der etablierten Kirchen), mit Hegemonialbestrebungen (nach Weltherrschaft), mit gesteigerter Fremdenfeindlichkeit sowie einer Ausweitung des organisierten Verbrechens. Vermutlich kommt es vermehrt zu seismischen Aktivitäten (Erdbeben, Vulkanismus), zu ökologischen Unglücken, vielleicht gar unter Beteiligung der Kernkraft. Aus geistiger Sicht bedeutet diese Plutophase einerseits eine Art Läuterung ("Fegefeuer"), wobei uns moralische Altlasten einholen - andererseits aber auch die Geburt eines neuen Mythos bzw. dessen Regeneration. Die "alten Götter" sterben; das bisher zügellose Wachstum, hemmungslose (materialistische) Konsumdenken dürfte an einen End- und Wende-Punkt gelangen - d.h. es stellt sich kollektiv die Sinnfrage.

Zugleich kommt die Uranus-Neptun-Konjunktion von Anfang der Neunziger langsam in Schwung: Neptun befindet sich jetzt mit Uranus zusammen in dessen Zeichen, und erst 2011/ 2012 verlässt Uranus die Fische und Neptun den Wassermann, so dass dann die Konstellation zumindest mundan nicht mehr besteht (aber als Impuls nichstdestotrotz weiterwirkt). Politisch bedeutet Uranus-Neptun (aus dem Steinbock kommend) schlicht eine Emanzipations-Bewegung, eine Strömung hin zu mehr Demokratie und Freiheit - welche jedoch, da sie eher instinktiv, unbewusst gesteuert abläuft, erhebliche Widerstände von seiten der herrschenden Strukturen gewärtigen muss. Unterprivilegierte Schichten, unterdrückte Ethnien drängen nach Gleichberechtigung; es kommt zur Parzellierung, Abspaltung immer kleinerer Gruppen, zur fortschreitenden Differenzierung/ Individualisierung innerhalb der Volksgemeinschaften. Internationalismus und Föderalismus sind deshalb gefragt, Vielfalt ("Multikulti") anstatt singulärer Dominanz etwa der westeuropäischen Kultur. "Global denken, regional handeln" wäre ein passendes Motto - was allerdings einen deutlichen kollektiven Bewusstseinssprung voraussetzt. Auch wirtschaftlich will Uranus-Neptun Dezentralisierung, d.h. einen offenen, liberalen Weltmarkt, den Abbau von Monopolen/ Giganten à la Microsoft.
Derzeit leistet zwar der schützige Pluto dem Fusions- und Wachstumsfieber noch Vorschub. Im Steinbock angelangt (ab 2009) dürfte jedoch das Ende der Machtkonzentrationen erreicht sein. Spätestens mit Unterstützung eines Pluto im Wassermann (2024) werden die neuen Medien und die unaufhaltsame Vernetzung den Sieg davontragen - und mit ihnen der Geist einer weltweiten Verbundenheit, geprägt von gegenseitiger Akzeptanz, jenseits aller Schranken.

Verschlingung der SonneWas also tun, wenn der Weltuntergang vor der Tür steht? Sollen wir möglichst weit fliehen, uns Archen bauen oder Lebensmittelvorräte bunkern? Elisabeth Teissier benimmt sich m.E. ziemlich dumm (um nicht zu sagen mit ihren Ratschlägen verantwortungslos); sie denkt falsch herum, zäumt das Pferd von hinten auf, hat im Grunde nicht verstanden, worum es in der Astrologie (als "wissendem Spiegel") geht. Schließlich existiert kein Stern da draußen, der nicht schon in uns drinnen wirkt (dixit Paracelsus). Das schreckliche Mahnkreuz am Firmament ist nur das Symptom, nicht aber die Wurzel des Problems. Uns kann grundsätzlich nur geschehen, wofür wir die Resonanz oder Affinität in uns tragen. Wer sein Leben in Ordnung bringt, sich bemüht um Einklang mit sich selbst und seiner Bestimmung, der bietet einem destruktiven Saturn beispielsweise keinerlei Angriffsflächen - sprich: auf den hat der böse Schicksalsgott schlicht keinen Appetit...
Wer einigermaßen mit sich stimmig geht, halbwegs in seiner Mitte ruht, der hat nichts zu befürchten, der ist "geschützt" inmitten der schlimmsten Katastrophe, bzw. der befindet sich stets zur rechten Zeit am rechten Ort.
Wieviele faule Kompromisse gehen wir tagtäglich ein, wie oft verschieben wir eigentlich Nötiges, dringend zu Erledigendes - an diesem Punkt wäre anzusetzen, nicht erschrocken unter irgendwelchen düsteren Omina zu erstarren! (Falls es das erbarmungslose Kismet gibt, können wir dem Ziegelstein, der uns auf den Kopf fallen soll, eh nicht entrinnen - sondern der findet seinen Weg auch ins kuschelige Bett.) Dass der bloße Kauf eines Flugtickets gen Süden keinen seelischen Inhalt ändert, dürfte klar sein. Für das, was uns im Außen zustößt, ist unser Gemütszustand die Crux. "Gefährlich" kann es nur werden, wenn wir unseren dunklen Flecken permanent ausweichen, alles Schattenhafte aus uns hinausdrängen, uns partout gegen ein weiteres Wachsen, Entwickeln und Intergrieren bestimmter Persönlichkeitsseiten sperren. Der Schlüssel zum Umgang mit der vermeintlichen Apokalypse wäre folglich Bewusstheit, Selbsterkenntnis und - daraus folgend - Selbstliebe.

Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: In meinem Radix berührt das fatale doppelte T-Quadrat fast auf die Bogenminute genau kritische Planeten - gemäß mittelalterlicher Astrologie eine sichere Unfall-, wenn nicht Todeskonstellation... Meine innere Stimme spricht jedoch ganz anders. Ich will am 11.8. unbedingt die (Un-) Sichtbarkeitslinie aufsuchen, die Finsternis feiern als einmaliges, spirituelles Jahrhundertereignis - und hoffe, dass in Süddeutschland dann die Sonne scheint.

(geschrieben im Frühjahr `99)

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