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Neptun und die Deutschen

Eine ostalgische Analogiensammlung,
vom Kleinen zum Großen

Zum deutschen Wesen sollen hier empirische Beobachtungen vorgestellt werden speziell zur Rolle Neptuns - auf dessen Manifestationen man in Deutschland zuhauf stößt, vor allem in den Neuen Bundesländern. (Die astrologische Bedeutung Neptuns wird ausführlich erklärt in dem Beitrag über Uranus-Neptun.)

An Neptun-Analogien in Deutschland wäre zuvorderst zu nennen die Weite der Landschaft, die unberührte, verwunschen anmutende Natur, die romantischen Idyllen bzw. dünn besiedelten Landstriche Ostdeutschlands mit ihrem hohen Erholungswert.
Der Wasserreichtum ist enorm. Als Folge der Eiszeit wimmelt es in Mecklenburg und Brandenburg nur so von Gewässern (Spreewald, Mecklenburgische Seenplatte). Goethe bezeichnete Berlin respektlos als "Sandwüste". Doch fördert man inmitten der Stadt, aus der Tiefe des kargen Urstromtals zwischen Spree und Havel, ein ausgezeichnetes Mineralwasser. Der Grundwasserpegel ist so hoch, dass die Fundamente des Berliner Doms und des Palastes der Republik (ehemals Sitz der Volkskammer) praktisch im Wasser liegen. Die Bauaktivitäten am Potsdamer PlatzPotsdamer Platz 1997 und um den Reichstag konnten die Wassermassen kaum eindämmen; es entstanden ganze Baggerseen, auf denen Kähne hin und her schipperten.
Bei so viel untergründigem Wasser sind die Erfolge ostdeutscher Schwimmer und Schlittschuhläufer nur konsequent.
Eine wunderschöne Analogie ist auch das ORB-Aquarium. Nach Sendeschluss zeigt die Potsdamer Anstalt (statt eines rauschenden Bildschirmflimmerns) seine bunten Fische, untermalt von ruhiger, klassischer Musik.
Die DDR wurde oft als Nischengesellschaft bezeichnet; das Leben pulsierte nur in den Lauben und Datschen, d.h. in privaten Rückzugsräumen und Fluchtpunkten. Mitten im hochindustrialisierten Europa, entlang des politisch so brisanten Eisernen Vorhangs ging es ausgesprochen gemächlich und beschaulich (um nicht zu sagen verschlafen) zu, war buchstäblich "nix los". Über Jahrzehnte blieb es still, war man stumm, wurde nicht aufgemuckt, Frust und Unmut nicht artikuliert. Dem Westdeutschen war die künstliche, abgeschirmte Welt mit ihrem "Spielgeld" (aus Neptuns Metall Aluminium) ein unbeschriebenes Blatt, ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Die Staatsführung wollte bewusst einen anderen Weg beschreiten als der kapitalistische Westen, bot ihren Bürgern zum Ausgleich für den Freiheitsentzug und den Mangel an Konsumgütern Sozialleistungen zum Nulltarif - und nahm eine heruntergekommene, am Ende fast irreparable Bausubstanz bzw. den Staatsbankrott inkauf. Der offizielle Traum einer sozialistischen Utopie konnte nur aufrechterhalten werden durch Überschuldung, mit regelmäßigen Zuschüssen an Westgeld sowie mithilfe eines weitverzweigten Geheimdienstes, der in beispielloser Akribie die eigenen Bürger beschnüffelte.
Von der DDR-Kultur hat nur weniges überlebt. Wichtige Repräsentanten wurden ausgebürgert bzw. suchten ihr Heil im Westen. Bezeichnenderweise geblieben sind von den aufwendigen DEFA-Produktionen nur die kitschigen Märchenfilme - und der Exportschlager Sandmann.East Side Gallery, Berlin
"Plaste und Elaste aus Schkopau" war ein geflügeltes Wort, einer der wenigen Slogans, die sich dem Transit-Reisenden einprägten (zumal an der Elbbrücke bei Dessau gut platziert). Neben den Buna- und Leuna-Werken an der Saale gab es riesige Kombinate für synthetische Produkte u.a. in Bitterfeld, das berüchtigt war ob seiner verpesteten Luft. Die Karosserie des Musterautos Trabant wurde aus eben diesen Materialien hergestellt.
Durch die verlorenen Weltkriege wurde Deutschland lange Zeit international zurückgesetzt; speziell die DDR war kaum anerkannt. Ihre Bürger fühlten sich minderwertig, vernachlässigt, vom Wohlstand ihrer Westverwandten ausgeschlossen. Sie waren zu Zuschauern der Weltereignisse verdammt (illegal, via Westfernsehen), wobei die glitzernde TV-Werbung ihre Sehnsüchte weiter schürte. (Dabei waren die Wunschträume im sog. Tal der Ahnungslosen - jene Gegenden Sachsens, die kein West-Fernsehen empfangen konnten - eher noch stärker.) Bis heute empfinden sich die "Ossies" als Deutsche zweiter Klasse, als zu kurz gekommen (und jammern entsprechend), als unverstanden bzw. hegen großes Misstrauen - nunmehr gegen die Wessies.
Der chronische Bevölkerungsschwund in Ostdeutschland war nicht nur Resultat der Flucht- und Ausreisewellen; die DDR hatte auch die niedrigste Geburtenrate Europas. Aufgrund der Perspektivlosigkeit verlassen noch immer scharenweise junge Ostler ihre Heimat - auf der Suche nach dem Gold des Westens.
Andererseits waren diese "Unglückseligen" im Herbst '89 fähig zu einer ausgesprochen friedlichen, gewaltfreien Revolution. Typisch Neptun, wusste am 9. November von den Verantwortlichen keiner richtig Bescheid; Gerüchte schwirrten umher, die Mauer öffnete sich wie durch ein Wunder über Nacht, mehr oder weniger aus Versehen. In jenen Tagen war eine sanfte, behutsame, bezaubernde, fast feierlich zu nennende Stimmung in der Luft; die Atmosphäre war wie von Engeln erfüllt.
Ein typisches traumhaft-visionäres, Millionen von Besuchern verzauberndes Neptun-Ereignis stellte auch die Verpackung des Reichstags durch Christo dar - eine "Verpuppung" vor dem Umzug des Parlaments nach Berlin.
Reichstagsverhüllung 1995 Die hohe Armut und Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland ist eigtl. nur eine Fortsetzung früherer Verhältnisse. Mit den neuen Ländern leidet (und litt) auch Berlin an einer erheblichen Wirtschafts- und Produktivitätsschwäche. Von der EU ausgewiesen als Fördergebiet, ist der Osten eine Art kollektiver Sozialfall; er hängt "am Tropf" wie ehedem West-Berlin. Die herrschende Not und Überlebensangst als "Aufbau Ost" zu bezeichnen war ein recht zynischer Euphemismus der Regierung Kohl (weshalb bisweilen die böse Antwort kam, dass nur der Mohn auf den brachliegenden Feldern blühe).
Die Oder-Flut im Sommer 2002 und die daraufhin einsetzende gesamtdeutsche Solidaritätswelle ist die jüngste Illustration der Rolle Neptuns für Deutschland bzw. speziell für Ostdeutschland.
Die Einverleibung der DDR "infizierte" gewissermaßen die ganze Republik mit Neptun, warf sie finanziell und ökonomisch deutlich zurück. Im Gegenzug wuchsen aber auch Sensibilität und "Medialität", das sog. Spirituelle. Den Ostdeutschen ist eine erstaunliche Empfänglichkeit für Mystik, Esoterik, usw. zu eigen (nicht nur bei der Walpurgisnacht auf dem Brocken). Sie besitzen ein instinktiv-natürliches Gespür für diese Dinge - allerdings intuitiv, ohne großen theoretischen Überbau (ohne die typisch westliche Überfrachtung), ohne unbedingt religiös sein zu müssen bzw. an Gott zu glauben.
In der Parteienlandschaft ist im Gefolge der Einigung unerwartet ein neues, exotisches Element aufgetaucht: die PDS. Vielen wäre es am liebsten, wenn sie sich nach der Wende in Luft aufgelöst hätte/ einfach verschwunden wäre, doch dürfte sie noch eine wichtige Rolle spielen, auch wenn ihre (gewählten!) Vertreter gemieden bzw. vom Establishment ständig "angepinkelt" werden. Anscheinend darf jeder die Altkommunisten ungestraft schmähen ("Pfui" rufen) - und diese nehmen die Sündenbockrolle auch noch schuldbewusst an, senken reumütig den Kopf, schämen sich ob ihrer schlimmen Vergangenheit. Eine neue Qualität auf der öffentlichen Bühne stellten auch die hausbackenen, oft bärtigen, ungepflegt wirkenden - aber idealistischen - Ossies dar - wenngleich wir vom tolpatschig auftretenden Kohl (mit seinem betonten 12. Haus) einiges gewohnt waren...

Nach der neuen Einheit und Kür zur Hauptstadt ist Berlin immer noch identitätslos. Man ist ratlos, wie eine Neubestimmung zu erfolgen habe. Es herrscht Lethargie, von einem dynamischen Aufbruch zu neuen Ufern kann keine Rede sein. Die Stadtplanung versagt und wirkt oft wie Kraut und Rüben; es fehlt die ordnende Hand, um ein dauerhaftes Konzept zu entwickeln. Durch den Wegfall der Mauer entstand in der Mitte der Stadt ein riesiges Loch, welches durch die Baumaßnahmen noch weiter aufgerissen wurde.
Neptunbrunnen, BerlinZum über hundert Jahre alten Neptunbrunnen in zentraler Lage (ehemals Schlossplatz, jetzt Alexanderplatz) weist die City-West eine exklusive Parallele auf: nämlich die Thermen im Europa-Center, wo man zwischen Gedächtniskirche und KaDeWe, über den Dächern Berlins ein Freibad genießen kann, unweit der Stricher und Dealer des noch immer schmuddeligen Bahnhof Zoo, aber unter dem Schutz des Mercedessterns…
Berlin kann ungeniert die schmutzigste, am meisten verwahrloste deutsche Großstadt genannt werden - zwischen ihr und dem schmucken München liegen Welten. Schon am frühen Morgen treffen sich an den Straßenecken versumpfte Alkoholiker zum Stelldichein. Auf den Bürgersteigen sammelt sich tonnenweise achtlos weggeworfener Müll und Hundekot - dessen die Stadtreinigung kaum Herr wird. Das Stadtbild ist vielenorts geprägt von kaputten Häusern, verwilderten Grundstücksbrachen, ödem Schuttgelände - noch immer sichtbaren Spuren der kriegsbedingten Zerstörung und Teilung. Nicht selten wurde aus der Not aber auch eine Tugend gemacht, wurden monotone Fassaden kreativ bemalt (gerade die Mauer), in Baulücken eine neue Architektur gewagt; doch ist an den entstandenen Schäden noch lange zu reparieren.
Dem Betrachter fällt auch die Menge an Schrottplätzen auf (z.T. in unmittelbarer Nachbarschaft vornehmer Hotels), sowie die große Anzahl von (überwiegend mit Plunder bestückten) Flohmärkten, Trödel- und Second-Hand-Läden. Zwar sind Dschungel und Siff grundsätzlich der Nährboden allen Wachstums, gedeihen die Keime einer künftigen Blüte und Frucht am besten auf Unrat bzw. Dung. Allerdings scheint man in Berlin so manches allzu lasch zu handhaben - astrologisch gesehen lässt man es am stützenden Skelett, an einer saturninen Bändigung der rohen, anarchischen Kräfte missen (trotz der Tradition preußischen Drills).
Die hauptstädtische Kulturlandschaft ist unglaublich schillernd und vielfältig, besitzt nach Meinung von Fachleuten jedoch mehr Masse als Klasse. (Entsprechend lässig, leger pflegt man die Etikette, z.B. beim Opernbesuch - anything goes.) In den verschiedensten Bereichen wirkt die Stadt noch immer, als hätte man ihr "den Kopf abgeschnitten". Es fehlt die wirkliche Qualität oder Elite (auch im Spitzenfußball, Stichwort Hertha BSC). Wer vormals von den Topleuten etwas auf sich hielt bzw. Karriere machen wollte, ging in der Regel nach Westdeutschland. Das generelle Niveau hebt sich nur langsam - hauptsächlich seit man ungebremst aus dem Potential junger Osttalente schöpfen kann.

Zu Mauerzeiten zog der Status West-Berlins als entmilitarisierter Zone massenhaft Außenseiter ("Drückeberger","Simulanten") an. Der aus sich heraus nicht lebensfähige Torso bot ein weites Feld für Aussteiger und Verweigerer jeder Colour. Die Insellage der "Stadt zwischen den Welten" hatte ein "crazy flair", eine breitgefächerte alternative Szene, gewährte Raum für allerlei experimentelle "Projekte". Hier fanden die "Schmuddelkinder" ihr Schlupfloch, fühlten sich in ihrem Nest pudelwohl. Punks, Chaoten und Autonome inszenierten (und inszenieren noch immer) alljährlich zum 1. Mai in Kreuzberg Straßenschlachten mit der Polizei. Eine Vielzahl sogenannter Rollheimersiedlungen okkupierte vor allem den rechtsfreien Raum entlang der Mauer - sowie nach der Grenzöffnung das Niemandsland des vormaligen "Todesstreifens".
Nach der Wende bewegte sich auch der Schrecken des Bürgertums, die Hausbesetzerszene, gen Osten, in die Bezirke Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg, um in dort leerstehenden, maroden Häusern ihr "Unwesen" zu treiben. Gleichzeitig fühlte sich die Avantgarde aus Mode und Kunst magisch angezogen von dem ehemals verfemten (weil jüdischen) Scheunenviertel an der Oranienburger Straße.
Die historische Mitte der Stadt wurde auch in anderer Hinsicht "kultig", "trendy": hier konzentrieren sich noch immer die "Vibes" der Technoszene. Deren Locations sind in halbverfallenen Ruinen der DDR-Ära (im wahrsten Sinne des Wortes in Schuppen) untergebracht; hier agieren die angesagtesten DJs. Dass Berlin die Hochburg der Rave-Bewegung ist, demonstriert das jährliche Spektakel der Love Parade (deren Anfänge ebenfalls bis 1989 reichen). Die Technomusik gilt immerhin als einziges Kulturprodukt, welches momentan eine deutsche Domäne ist, von hier in alle Welt exportiert wird. Mag sie der älteren Generation auch grauenhaft, entmenscht vorkommen, ist diese Musikart doch ein neptunisches Phänomen par excellence: sie führt bei den Tänzern zur Trance, zu psychedelischen Rauschzuständen - mit oder ohne Einnahme von Ecstasy.
Das heutige Stadtgebiet Berlins besaß schon vor der Teilung mehr als nur ein Zentrum. Der Zusammenschluss zum Groß-Berlin von 1920 (1.10., 0 Uhr, das Geburtshoroskop mit einem maximalbedeutsamen Neptun) vereinte sieben Großstädte - von denen Berlin-Cölln nur eine war - mit zig dazwischenliegenden Landgemeinden. Noch heute kann man deren kleine, Jahrhunderte alten Dorfkirchen sehen, z.T. von Hochhäusern eingekeilt. Noch immer gibt es in der Stadt viele kulturelle und merkantile Zentren, bildet jeder Kiez eine Welt für sich.
Mit ihrer Heterogenität und Regionalität ist die Hauptstadt ein trefflicher Spiegel des Landes - welches ja auch von altersher etliche geografische und wirtschaftliche Knotenpunkte besitzt (weit mehr als beispielsweise Frankreich oder England), in seinen Mentalitäten und Dialekten bunt ist wie keine andere Nation. Oder verstehen sich etwa der Alemanne und der Friese, der Vogtländer und der Münsterländer? Der deutsche Partikularismus kommt nicht von ungefähr: vor 1800 war die Landkarte des Reichs ein einziger Flickenteppich, bestehend aus wirr ineinander verwobenen Herrschaftsgebieten und Konfessionalitäten. - Insofern ist Deutschland wiederum ein adäquates Abbild Europas, wäre die föderale Struktur der Bundesrepublik für die EU äußerst zukunftsträchtig.
Eine weitere klassische Neptun-Analogie ist die weltweit führende Chemie- und Pharma-Industrie (mit BASF, Bayer, Hoechst, Schering). Erst Neptuns Entdeckung Mitte des 19. Jahrhunderts brachte in Deutschland die Industrialisierung richtig in Schwung. Die daraus erwachsenden gesellschaftlichen Missstände, die Technisierung des Lebens und die Umweltbelastung führte dann als erstes in Deutschland zu sichtbaren Gegenreaktionen: zur Bismarckschen Sozialgesetzgebung, zur Jugendbewegung Weimars, zur fortschrittlichen Naturschutzgesetzgebung des Dritten Reichs, zur Partei der Grünen. - Zweifelsohne muss die ungezügelte, rücksichtslose Ausbeutung von Ressourcen eingeschränkt werden. Doch ist die Lösung der ökologischen Probleme nicht in einem kopflosen "Zurück zur Natur" zu finden. Gefragt wäre vielmehr Umwelttechnologie (worin Deutschland seine Spitzenposition weiter ausbauen sollte) - getreu dem homöopathischen Prinzip, dass das potenzierte Gift heilt.
International führend war Deutschland auch lange als Beitragszahler der UNO und in der Entwicklungshilfe; insbesondere das private Spendenaufkommen ist riesig. Die UN-Friedenseinsätze (Blauhelme) häufen sich. (Allerdings sollte das überschwemmende Mitgefühl ebensowenig blind machen - d.h. Almosen nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, sondern sinn- und planvoll einzubetten in eine Gesamtstruktur, die den Bedürftigen wirklich hilft.) Die humanitäre Ader ließ uns auch jede Menge Bürgerkriegsflüchtlinge bzw. Asylanten aufnehmen; Multikulti ist ein tröstlicher Fortschritt gegenüber der NS-Zeit, wo es noch alles "Artfremde" abzuwehren bzw. auszumerzen galt. Heute hat der Gesetzgeber dagegen größte Mühe, die Grenzen dicht zu machen, den Zustrom der Hungernden und Verfolgten zu regulieren/ in den Griff zu bekommen.
Wenn man von einem deutschen Volkscharakter sprechen will, so wird uns von außen stets Neptunisches bescheinigt: wir seien Romantiker, naiv, verträumt, irrational, unmodern bzw. technologiefeindlich - oder einfach nur "komisch", wir hätten Komplexe, ein geringes Selbstbewusstsein... Weltpolitisch wird dies geringe Selbstwertgefühl sichtbar an der meist versteckt vorgetragenen, kaum direkt und offensiv vertretenen Position (im eigentümlichen Kontrast zur wirtschaftlichen Stärke und Dominanz), auch an der erbärmlichen Bettelei um einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat. Tatsächlich herrscht in diesem wohlhabenden, herausgeputzten Land hinter den Kulissen große seelische Not bzw. emotionales Elend; der Glanz der äußeren Fassaden, der imposant errichteten Bauten täuscht. Doch gelten wir auch als Volk der Dichter und Denker, aufgrund unserer Inspiration als "Asiaten Europas", wurde auf dem Gebiet der Metaphysik, in der Musik (Bach, Mozart, Beethoven) und Literatur, in Philosophie und Psychologie Beispielloses geschaffen.
Astropsychologisch gesehen, untergräbt Neptun immer dann und dort, wo der wahren Bestimmung nicht gefolgt wird. Der Herrscher der letzten Phase des Tierkreises produziert dumpfe Schuldgefühle, wenn wir vage spüren, irgendwo gefehlt, "gesündigt" zu gaben. Dann kommt es zu Orientierungslosigkeit und Leere, zu Unklarheit und Verwirrung.
Die typischen deutschen (Neptun-) Krisen wollen also wegführen von allzu Vordergründigem, hin zu immateriellen Werten. Gefragt zur Überwindung der Arbeitslosigkeit etwa wären Esprit und Phantasie! Wahrscheinlich tut uns aber gerade ein "Nichtstun" mal gut; wer im normalen deutschen Alltagsstress steckt, braucht nicht von ungefähr so viele Urlaubstage im Jahr (im Vergleich zu anderen Ländern) bzw. ist regelmäßig "reif für die Insel"...
1990 legte ich in der Zeitschrift "Meridian" eine astrologische Analyse Deutschlands vor, ausgehend von den Farben der Nationalflagge. Zugeordnet zu "Schwarz" wurde dabei das Prinzip Steinbock-Saturn, d.h. der deutsche Gehorsam ("Ordnung als erste Bürgerpflicht"), Disziplin und Beherrschung, der typische Ernst und Tiefsinn, das Steife, Förmliche ("Kalte"), die Abgrenzung bzw. (Selbst-) Unterdrückung. Zu "Rot" wurde Widder-Mars assoziiert, Aggressiv-Kämpferisches (um nicht zu sagen Kriegerisches), Fleiß und Tüchtigkeit, die sportlichen Erfolge sowie die Auto- und Stahlproduktion. Des Deutschen berühmt-berüchtigte Arbeitsamkeit wäre demnach abzuleiten aus der Kombination Schwarz-Rot, d.h. der Konstellation Mars-Saturn. Gold ist traditionell Löwe-Sonne; hierzu passt die geografische Lage im Herzen Europas, die ehemalige Kaiserwürde, Hitlers Swastika und die Funktion als "Motor", als ökonomische Pumpe der EU. Diese "herrschaftliche Rolle" Deutschlands verharrt derzeit am meisten im Schlaf - wie der mythische Barbarossa im Kyffhäuser - bzw. wurde bisher eher unbewusst-negativ gelebt; unser "Licht" ist irgendwie gedämpft, in seiner Ausstrahlung getrübt.
Hier setzt nun m.E. der Krisenplanet Neptun an: Auffällig in Mundanhoroskopen Deutschlands sind die Neptunverbindungen, gerade Aspektverbindungen mit der Sonne - was die Nation eben lähmt, in ihrem Selbstgefühl betäubt, sowie Verdrängungs- und Kompensationsmechanismen auf den Plan ruft. Durch Neptun versiegt natürlich auch die unwillkürliche Durchsetzungskraft ("Power") des Mars bzw. wird auf Abwege geleitet. Vor allem aber der steinböckische Ehrgeiz und Organisationseifer hat es schwer. Neptun verlangt ein Loslassen der Kontroll- und Steuerbedürfnisse, zwingt zur Beschäftigung mit "ganz anderen Dingen". Der ehemalige Kanzler Kohl (mit Saturn am Steinbock-MC) verunglimpfte diese Neigungen einmal als "Kollektiven Freizeitpark"; andererseits forcierte der Altkanzler (der ja gleichfalls eine Neptun- bzw. Haus-Zwölf-Betonung hat) unser - ebenso neptunisches - Aufgehen in der EU; er wollte oder konnte der Bevölkerung nicht die existenzielle Angst nehmen vor dem Verlust der gewohnten DM als Halt.
Neben den erwähnten Faktoren taucht in Horoskopen Deutschlands und seiner Politiker immer wieder auch das Prinzip Waage oder Venus auf - was eine Funktion von Ausgleich/ Vermittlung bedeutet, einer Brückenbildung zwischen Ost und West, Nord und Süd, der Auseinandersetzung bzw. Partnerschaft mit anderen Nationen.
Und der Vollständigkeit halber wäre noch die Achse bei ca. 15 Grad Stier-Skorpion zu nennen, welche in deutschen Mundan-Horoskopen häufig von Planeten besetzt ist, und die für eine Spannung zwischen dem Festhalten und Opfern steht, für Materielles vs. Geistiges.
Aus all den genannten Punkten ein reguläres Horoskop (mit Aszendent, Sonne, Mond, usw.) zu zimmern, ist ein praktisch unmögliches Unterfangen - obwohl eine klare Hierarchie (was primär, was sekundär sei) wünschenswert wäre, um deutungstechnisch nicht der Beliebigkeit anheim zu fallen. Es scheinen hier, ganz wie bei einem Individuum, unterschiedliche Persönlichkeitsschichten vorzuliegen: relativ oben liegen Steinbock-Saturn und Widder-Mars, darunter das Neptunische - welches einerseits Quell der äußerlich eindrucksvollen Performance ist, andererseits vom sog. "Preußischen" überdeckt wird. Zuunterst bzw. -innerst in der deutschen Kollektivpsyche würde ich das Prinzip Löwe-Sonne ansiedeln.
In diesem Modell fungiert Neptun als eine Art Zwischenglied, als Kanal sowohl nach innen als auch nach außen. Er sensibilisiert auf den verschiedensten Gebieten, lässt feinstoffliche Signale ("Visionen") empfangen, weist auf Lösungsmöglichkeiten für entstandene Schwierigkeiten. Kurzum, Neptun verfeinert, sublimiert langfristig des Deutschen primitive Kraft und Sauberkeitsfixierung, bringt Gespür für seine eigentliche Aufgabe. Wenn der aufwühlende Gott des Dreizacks um 2012 in sein eigenes Zeichen eintritt (und den ersten Zyklus seit seiner Sichtung vollendet hat), dürften seine subtilen Energien und Wirkungsmechanismen in Deutschland noch deutlicher zutage treten. Dies gilt aber auch für andere von Neptun geprägte Nationen - beispielsweise für die USA mit ihrer Hauptstadt Washington.

(ursprünglich geschrieben 1997)

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