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Zum deutschen Wesen sollen hier empirische Beobachtungen vorgestellt
werden speziell zur Rolle Neptuns - auf dessen Manifestationen man in
Deutschland zuhauf stößt, vor allem in den Neuen Bundesländern.
(Die astrologische Bedeutung Neptuns wird ausführlich erklärt
in dem Beitrag über Uranus-Neptun.)
An Neptun-Analogien in Deutschland wäre zuvorderst zu nennen die
Weite der Landschaft, die unberührte, verwunschen anmutende Natur,
die romantischen Idyllen bzw. dünn besiedelten Landstriche Ostdeutschlands
mit ihrem hohen Erholungswert.
Der Wasserreichtum ist enorm. Als Folge der Eiszeit wimmelt es in Mecklenburg
und Brandenburg nur so von Gewässern (Spreewald, Mecklenburgische
Seenplatte). Goethe bezeichnete Berlin respektlos als "Sandwüste".
Doch fördert man inmitten der Stadt, aus der Tiefe des kargen Urstromtals
zwischen Spree und Havel, ein ausgezeichnetes Mineralwasser. Der Grundwasserpegel
ist so hoch, dass die Fundamente des Berliner Doms und des Palastes der
Republik (ehemals Sitz der Volkskammer) praktisch im Wasser liegen. Die
Bauaktivitäten am Potsdamer Platz
und um den Reichstag konnten die Wassermassen kaum eindämmen; es
entstanden ganze Baggerseen, auf denen Kähne hin und her schipperten.
Bei so viel untergründigem Wasser sind die Erfolge ostdeutscher Schwimmer
und Schlittschuhläufer nur konsequent.
Eine wunderschöne Analogie ist auch das ORB-Aquarium. Nach Sendeschluss
zeigt die Potsdamer Anstalt (statt eines rauschenden Bildschirmflimmerns)
seine bunten Fische, untermalt von ruhiger, klassischer Musik.
Die DDR wurde oft als Nischengesellschaft bezeichnet; das Leben pulsierte
nur in den Lauben und Datschen, d.h. in privaten Rückzugsräumen
und Fluchtpunkten. Mitten im hochindustrialisierten Europa, entlang des
politisch so brisanten Eisernen Vorhangs ging es ausgesprochen gemächlich
und beschaulich (um nicht zu sagen verschlafen) zu, war buchstäblich
"nix los". Über Jahrzehnte blieb es still, war man stumm,
wurde nicht aufgemuckt, Frust und Unmut nicht artikuliert. Dem Westdeutschen
war die künstliche, abgeschirmte Welt mit ihrem "Spielgeld"
(aus Neptuns Metall Aluminium) ein unbeschriebenes Blatt, ein weißer
Fleck auf der Landkarte.
Die Staatsführung wollte bewusst einen anderen Weg beschreiten als
der kapitalistische Westen, bot ihren Bürgern zum Ausgleich für
den Freiheitsentzug und den Mangel an Konsumgütern Sozialleistungen
zum Nulltarif - und nahm eine heruntergekommene, am Ende fast irreparable
Bausubstanz bzw. den Staatsbankrott inkauf. Der offizielle Traum einer
sozialistischen Utopie konnte nur aufrechterhalten werden durch Überschuldung,
mit regelmäßigen Zuschüssen an Westgeld sowie mithilfe
eines weitverzweigten Geheimdienstes, der in beispielloser Akribie die
eigenen Bürger beschnüffelte.
Von der DDR-Kultur hat nur weniges überlebt. Wichtige Repräsentanten
wurden ausgebürgert bzw. suchten ihr Heil im Westen. Bezeichnenderweise
geblieben sind von den aufwendigen DEFA-Produktionen nur die kitschigen
Märchenfilme - und der Exportschlager Sandmann.
"Plaste und Elaste aus Schkopau" war ein geflügeltes Wort,
einer der wenigen Slogans, die sich dem Transit-Reisenden einprägten
(zumal an der Elbbrücke bei Dessau gut platziert). Neben den Buna-
und Leuna-Werken an der Saale gab es riesige Kombinate für synthetische
Produkte u.a. in Bitterfeld, das berüchtigt war ob seiner verpesteten
Luft. Die Karosserie des Musterautos Trabant wurde aus eben diesen Materialien
hergestellt.
Durch die verlorenen Weltkriege wurde Deutschland lange Zeit international
zurückgesetzt; speziell die DDR war kaum anerkannt. Ihre Bürger
fühlten sich minderwertig, vernachlässigt, vom Wohlstand ihrer
Westverwandten ausgeschlossen. Sie waren zu Zuschauern der Weltereignisse
verdammt (illegal, via Westfernsehen), wobei die glitzernde TV-Werbung
ihre Sehnsüchte weiter schürte. (Dabei waren die Wunschträume
im sog. Tal der Ahnungslosen - jene Gegenden Sachsens, die kein West-Fernsehen
empfangen konnten - eher noch stärker.) Bis heute empfinden sich
die "Ossies" als Deutsche zweiter Klasse, als zu kurz gekommen
(und jammern entsprechend), als unverstanden bzw. hegen großes Misstrauen
- nunmehr gegen die Wessies.
Der chronische Bevölkerungsschwund in Ostdeutschland war nicht nur
Resultat der Flucht- und Ausreisewellen; die DDR hatte auch die niedrigste
Geburtenrate Europas. Aufgrund der Perspektivlosigkeit verlassen noch
immer scharenweise junge Ostler ihre Heimat - auf der Suche nach dem Gold
des Westens.
Andererseits waren diese "Unglückseligen" im Herbst '89
fähig zu einer ausgesprochen friedlichen, gewaltfreien Revolution.
Typisch Neptun, wusste am 9. November von den Verantwortlichen keiner
richtig Bescheid; Gerüchte schwirrten umher, die Mauer öffnete
sich wie durch ein Wunder über Nacht, mehr oder weniger aus Versehen.
In jenen Tagen war eine sanfte, behutsame, bezaubernde, fast feierlich
zu nennende Stimmung in der Luft; die Atmosphäre war wie von Engeln
erfüllt.
Ein typisches traumhaft-visionäres, Millionen von Besuchern verzauberndes
Neptun-Ereignis stellte auch die Verpackung des Reichstags durch Christo
dar - eine "Verpuppung" vor dem Umzug des Parlaments nach Berlin.
Die hohe Armut und Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland ist eigtl. nur eine
Fortsetzung früherer Verhältnisse. Mit den neuen Ländern
leidet (und litt) auch Berlin an einer erheblichen Wirtschafts- und Produktivitätsschwäche.
Von der EU ausgewiesen als Fördergebiet, ist der Osten eine Art kollektiver
Sozialfall; er hängt "am Tropf" wie ehedem West-Berlin.
Die herrschende Not und Überlebensangst als "Aufbau Ost"
zu bezeichnen war ein recht zynischer Euphemismus der Regierung Kohl (weshalb
bisweilen die böse Antwort kam, dass nur der Mohn auf den brachliegenden
Feldern blühe).
Die Oder-Flut im Sommer 2002 und die daraufhin einsetzende gesamtdeutsche
Solidaritätswelle ist die jüngste Illustration der Rolle Neptuns
für Deutschland bzw. speziell für Ostdeutschland.
Die Einverleibung der DDR "infizierte" gewissermaßen die
ganze Republik mit Neptun, warf sie finanziell und ökonomisch deutlich
zurück. Im Gegenzug wuchsen aber auch Sensibilität und "Medialität",
das sog. Spirituelle. Den Ostdeutschen ist eine erstaunliche Empfänglichkeit
für Mystik, Esoterik, usw. zu eigen (nicht nur bei der Walpurgisnacht
auf dem Brocken). Sie besitzen ein instinktiv-natürliches Gespür
für diese Dinge - allerdings intuitiv, ohne großen theoretischen
Überbau (ohne die typisch westliche Überfrachtung), ohne unbedingt
religiös sein zu müssen bzw. an Gott zu glauben.
In der Parteienlandschaft ist im Gefolge der Einigung unerwartet ein neues,
exotisches Element aufgetaucht: die PDS.
Vielen wäre es am liebsten, wenn sie sich nach der Wende in Luft
aufgelöst hätte/ einfach verschwunden wäre, doch dürfte
sie noch eine wichtige Rolle spielen, auch wenn ihre (gewählten!)
Vertreter gemieden bzw. vom Establishment ständig "angepinkelt"
werden. Anscheinend darf jeder die Altkommunisten ungestraft schmähen
("Pfui" rufen) - und diese nehmen die Sündenbockrolle auch
noch schuldbewusst an, senken reumütig den Kopf, schämen sich
ob ihrer schlimmen Vergangenheit. Eine neue Qualität auf der öffentlichen
Bühne stellten auch die hausbackenen, oft bärtigen, ungepflegt
wirkenden - aber idealistischen - Ossies dar - wenngleich wir vom tolpatschig
auftretenden Kohl (mit seinem betonten 12. Haus) einiges gewohnt waren...
Nach der neuen Einheit und Kür zur Hauptstadt ist Berlin
immer noch identitätslos. Man ist ratlos, wie eine Neubestimmung
zu erfolgen habe. Es herrscht Lethargie, von einem dynamischen Aufbruch
zu neuen Ufern kann keine Rede sein. Die Stadtplanung versagt und wirkt
oft wie Kraut und Rüben; es fehlt die ordnende Hand, um ein dauerhaftes
Konzept zu entwickeln. Durch den Wegfall der Mauer entstand in der Mitte
der Stadt ein riesiges Loch, welches durch die Baumaßnahmen noch
weiter aufgerissen wurde.
Zum
über hundert Jahre alten Neptunbrunnen in zentraler Lage (ehemals
Schlossplatz, jetzt Alexanderplatz) weist die City-West eine exklusive
Parallele auf: nämlich die Thermen im Europa-Center, wo man zwischen
Gedächtniskirche und KaDeWe, über den Dächern Berlins ein
Freibad genießen kann, unweit der Stricher und Dealer des noch immer
schmuddeligen Bahnhof Zoo, aber unter dem Schutz des Mercedessterns
Berlin kann ungeniert die schmutzigste, am meisten verwahrloste deutsche
Großstadt genannt werden - zwischen ihr und dem schmucken München
liegen Welten. Schon am frühen Morgen treffen sich an den Straßenecken
versumpfte Alkoholiker zum Stelldichein. Auf den Bürgersteigen sammelt
sich tonnenweise achtlos weggeworfener Müll und Hundekot - dessen
die Stadtreinigung kaum Herr wird. Das Stadtbild ist vielenorts geprägt
von kaputten Häusern, verwilderten Grundstücksbrachen, ödem
Schuttgelände - noch immer sichtbaren Spuren der kriegsbedingten
Zerstörung und Teilung. Nicht selten wurde aus der Not aber auch
eine Tugend gemacht, wurden monotone Fassaden kreativ bemalt (gerade die
Mauer), in Baulücken eine neue Architektur gewagt; doch ist an den
entstandenen Schäden noch lange zu reparieren.
Dem Betrachter fällt auch die Menge an Schrottplätzen auf (z.T.
in unmittelbarer Nachbarschaft vornehmer Hotels), sowie die große
Anzahl von (überwiegend mit Plunder bestückten) Flohmärkten,
Trödel- und Second-Hand-Läden. Zwar sind Dschungel und Siff
grundsätzlich der Nährboden allen Wachstums, gedeihen die Keime
einer künftigen Blüte und Frucht am besten auf Unrat bzw. Dung.
Allerdings scheint man in Berlin so manches allzu lasch zu handhaben -
astrologisch gesehen lässt man es am stützenden Skelett, an
einer saturninen Bändigung der rohen, anarchischen Kräfte missen
(trotz der Tradition preußischen Drills).
Die hauptstädtische Kulturlandschaft ist unglaublich schillernd und
vielfältig, besitzt nach Meinung von Fachleuten jedoch mehr Masse
als Klasse. (Entsprechend lässig, leger pflegt man die Etikette,
z.B. beim Opernbesuch - anything goes.) In den verschiedensten Bereichen
wirkt die Stadt noch immer, als hätte man ihr "den Kopf abgeschnitten".
Es fehlt die wirkliche Qualität oder Elite (auch im Spitzenfußball,
Stichwort Hertha BSC). Wer vormals von den Topleuten etwas auf sich hielt
bzw. Karriere machen wollte, ging in der Regel nach Westdeutschland. Das
generelle Niveau hebt sich nur langsam - hauptsächlich seit man ungebremst
aus dem Potential junger Osttalente schöpfen kann.
Zu Mauerzeiten zog der Status West-Berlins als entmilitarisierter Zone
massenhaft Außenseiter ("Drückeberger","Simulanten")
an. Der aus sich heraus nicht lebensfähige Torso bot ein weites Feld
für Aussteiger und Verweigerer jeder Colour. Die Insellage der "Stadt
zwischen den Welten" hatte ein "crazy flair", eine breitgefächerte
alternative Szene, gewährte Raum für allerlei experimentelle
"Projekte". Hier fanden die "Schmuddelkinder" ihr
Schlupfloch, fühlten sich in ihrem Nest pudelwohl. Punks, Chaoten
und Autonome inszenierten (und inszenieren noch immer) alljährlich
zum 1. Mai in Kreuzberg Straßenschlachten mit der Polizei. Eine
Vielzahl sogenannter Rollheimersiedlungen okkupierte vor allem den rechtsfreien
Raum entlang der Mauer - sowie nach der Grenzöffnung das Niemandsland
des vormaligen "Todesstreifens".
Nach der Wende bewegte sich auch der Schrecken des Bürgertums, die
Hausbesetzerszene, gen Osten, in die Bezirke Mitte, Friedrichshain und
Prenzlauer Berg, um in dort leerstehenden, maroden Häusern ihr "Unwesen"
zu treiben. Gleichzeitig fühlte sich die Avantgarde aus Mode und
Kunst magisch angezogen von dem ehemals verfemten (weil jüdischen)
Scheunenviertel an der Oranienburger Straße.
Die historische Mitte der Stadt wurde auch in anderer Hinsicht "kultig",
"trendy": hier konzentrieren sich noch immer die "Vibes"
der Technoszene. Deren Locations sind in halbverfallenen Ruinen der DDR-Ära
(im wahrsten Sinne des Wortes in Schuppen) untergebracht; hier agieren
die angesagtesten DJs. Dass Berlin die Hochburg der Rave-Bewegung ist,
demonstriert das jährliche Spektakel der Love Parade (deren Anfänge
ebenfalls bis 1989 reichen). Die Technomusik gilt immerhin als einziges
Kulturprodukt, welches momentan eine deutsche Domäne ist, von hier
in alle Welt exportiert wird. Mag sie der älteren Generation auch
grauenhaft, entmenscht vorkommen, ist diese Musikart doch ein neptunisches
Phänomen par excellence: sie führt bei den Tänzern zur
Trance, zu psychedelischen Rauschzuständen - mit oder ohne Einnahme
von Ecstasy.
Das heutige Stadtgebiet Berlins besaß schon vor der Teilung mehr
als nur ein Zentrum. Der Zusammenschluss zum Groß-Berlin von 1920
(1.10., 0 Uhr, das Geburtshoroskop mit einem maximalbedeutsamen Neptun)
vereinte sieben Großstädte - von denen Berlin-Cölln nur
eine war - mit zig dazwischenliegenden Landgemeinden. Noch heute kann
man deren kleine, Jahrhunderte alten Dorfkirchen sehen, z.T. von Hochhäusern
eingekeilt. Noch immer gibt es in der Stadt viele kulturelle und merkantile
Zentren, bildet jeder Kiez eine Welt für sich.
Mit ihrer Heterogenität und Regionalität ist die Hauptstadt
ein trefflicher Spiegel des Landes - welches ja auch von altersher etliche
geografische und wirtschaftliche Knotenpunkte besitzt (weit mehr als beispielsweise
Frankreich oder England), in seinen Mentalitäten und Dialekten bunt
ist wie keine andere Nation. Oder verstehen sich etwa der Alemanne und
der Friese, der Vogtländer und der Münsterländer? Der deutsche
Partikularismus kommt nicht von ungefähr: vor 1800 war die Landkarte
des Reichs ein einziger Flickenteppich, bestehend aus wirr ineinander
verwobenen Herrschaftsgebieten und Konfessionalitäten. - Insofern
ist Deutschland wiederum ein adäquates Abbild Europas, wäre
die föderale Struktur der Bundesrepublik für die EU äußerst
zukunftsträchtig.
Eine weitere klassische Neptun-Analogie ist die weltweit führende
Chemie- und Pharma-Industrie (mit BASF, Bayer, Hoechst, Schering). Erst
Neptuns Entdeckung Mitte des 19. Jahrhunderts brachte in Deutschland die
Industrialisierung richtig in Schwung. Die daraus erwachsenden gesellschaftlichen
Missstände, die Technisierung des Lebens und die Umweltbelastung
führte dann als erstes in Deutschland zu sichtbaren Gegenreaktionen:
zur Bismarckschen Sozialgesetzgebung, zur Jugendbewegung Weimars, zur
fortschrittlichen Naturschutzgesetzgebung des Dritten Reichs, zur Partei
der Grünen. - Zweifelsohne muss die ungezügelte, rücksichtslose
Ausbeutung von Ressourcen eingeschränkt werden. Doch ist die Lösung
der ökologischen Probleme nicht in einem kopflosen "Zurück
zur Natur" zu finden. Gefragt wäre vielmehr Umwelttechnologie
(worin Deutschland seine Spitzenposition weiter ausbauen sollte) - getreu
dem homöopathischen Prinzip, dass das potenzierte Gift heilt.
International führend war Deutschland auch lange als Beitragszahler
der UNO und in der Entwicklungshilfe; insbesondere das private Spendenaufkommen
ist riesig. Die UN-Friedenseinsätze (Blauhelme) häufen sich.
(Allerdings sollte das überschwemmende Mitgefühl ebensowenig
blind machen - d.h. Almosen nicht nach dem Gießkannenprinzip zu
verteilen, sondern sinn- und planvoll einzubetten in eine Gesamtstruktur,
die den Bedürftigen wirklich hilft.) Die humanitäre Ader ließ
uns auch jede Menge Bürgerkriegsflüchtlinge bzw. Asylanten aufnehmen;
Multikulti ist ein tröstlicher Fortschritt gegenüber der NS-Zeit,
wo es noch alles "Artfremde" abzuwehren bzw. auszumerzen galt.
Heute hat der Gesetzgeber dagegen größte Mühe, die Grenzen
dicht zu machen, den Zustrom der Hungernden und Verfolgten zu regulieren/
in den Griff zu bekommen.
Wenn man von einem deutschen Volkscharakter sprechen will, so wird
uns von außen stets Neptunisches bescheinigt: wir seien Romantiker,
naiv, verträumt, irrational, unmodern bzw. technologiefeindlich -
oder einfach nur "komisch", wir hätten Komplexe, ein geringes
Selbstbewusstsein... Weltpolitisch wird dies geringe Selbstwertgefühl
sichtbar an der meist versteckt vorgetragenen, kaum direkt und offensiv
vertretenen Position (im eigentümlichen Kontrast zur wirtschaftlichen
Stärke und Dominanz), auch an der erbärmlichen Bettelei um einen
Sitz im UNO-Sicherheitsrat. Tatsächlich herrscht in diesem wohlhabenden,
herausgeputzten Land hinter den Kulissen große seelische Not bzw.
emotionales Elend; der Glanz der äußeren Fassaden, der imposant
errichteten Bauten täuscht. Doch gelten wir auch als Volk der Dichter
und Denker, aufgrund unserer Inspiration als "Asiaten Europas",
wurde auf dem Gebiet der Metaphysik, in Musik und Literatur, in Philosophie
und Psychologie Beispielloses geschaffen.
Astropsychologisch gesehen, untergräbt Neptun immer dann und dort,
wo der wahren Bestimmung nicht gefolgt wird. Der Herrscher der letzten
Phase des Tierkreises produziert dumpfe Schuldgefühle, wenn wir vage
spüren, irgendwo gefehlt, "gesündigt" zu gaben. Dann
kommt es zu Orientierungslosigkeit und Leere, zu Unklarheit und Verwirrung.
Die typischen deutschen (Neptun-) Krisen wollen also wegführen von
allzu Vordergründigem, hin zu immateriellen Werten. Gefragt zur Überwindung
der Arbeitslosigkeit etwa wären Esprit und Phantasie! Wahrscheinlich
tut uns aber gerade ein "Nichtstun" mal gut; wer im normalen
deutschen Alltagsstress steckt, braucht nicht von ungefähr so viele
Urlaubstage im Jahr (im Vergleich zu anderen Ländern) bzw. ist regelmäßig
"reif für die Insel"...
1990 legte ich in der Zeitschrift "Meridian" eine astrologische
Analyse Deutschlands vor, ausgehend von den Farben der Nationalflagge.
Zugeordnet zu "Schwarz" wurde dabei das Prinzip Steinbock-Saturn,
d.h. der deutsche Gehorsam ("Ordnung als erste Bürgerpflicht"),
Disziplin und Beherrschung, der typische Ernst und Tiefsinn, das Steife,
Förmliche ("Kalte"), die Abgrenzung bzw. (Selbst-) Unterdrückung.
Zu "Rot" wurde Widder-Mars assoziiert, Aggressiv-Kämpferisches
(um nicht zu sagen Kriegerisches), Fleiß und Tüchtigkeit, die
sportlichen Erfolge sowie die Auto- und Stahlproduktion. Des Deutschen
berühmt-berüchtigte Arbeitsamkeit wäre demnach abzuleiten
aus der Kombination Schwarz-Rot, d.h. der Konstellation Mars-Saturn. Gold
ist traditionell Löwe-Sonne; hierzu passt die geografische Lage im
Herzen Europas, die ehemalige Kaiserwürde, Hitlers Swastika und die
Funktion als "Motor", als ökonomische Pumpe der EU. Diese
"herrschaftliche Rolle" Deutschlands verharrt derzeit am meisten
im Schlaf - wie der mythische Barbarossa im Kyffhäuser - bzw. wurde
bisher eher unbewusst-negativ gelebt; unser "Licht" ist irgendwie
gedämpft, in seiner Ausstrahlung getrübt.
Hier setzt
nun m.E. der Krisenplanet Neptun an: Auffällig in Mundanhoroskopen
Deutschlands sind die Neptunverbindungen, gerade Aspektverbindungen mit
der Sonne - was die Nation eben lähmt, in ihrem Selbstgefühl
betäubt, sowie Verdrängungs- und Kompensationsmechanismen auf
den Plan ruft. Durch Neptun versiegt natürlich auch die unwillkürliche
Durchsetzungskraft ("Power") des Mars bzw. wird auf Abwege geleitet.
Vor allem aber der steinböckische Ehrgeiz und Organisationseifer
hat es schwer. Neptun verlangt ein Loslassen der Kontroll- und Steuerbedürfnisse,
zwingt zur Beschäftigung mit "ganz anderen Dingen". Der
ehemalige Kanzler Kohl (mit Saturn am Steinbock-MC) verunglimpfte diese
Neigungen einmal als "Kollektiven Freizeitpark"; andererseits
forcierte der Altkanzler (der ja gleichfalls eine Neptun- bzw. Haus-Zwölf-Betonung
hat) unser - ebenso neptunisches - Aufgehen in der EU; er wollte oder
konnte der Bevölkerung nicht die existenzielle Angst nehmen vor dem
Verlust der gewohnten DM als Halt.
Neben den erwähnten Faktoren taucht in Horoskopen Deutschlands und
seiner Politiker immer wieder auch das Prinzip Waage oder Venus auf -
was eine Funktion von Ausgleich/ Vermittlung bedeutet, einer Brückenbildung
zwischen Ost und West, Nord und Süd, der Auseinandersetzung bzw.
Partnerschaft mit anderen Nationen.
Und der Vollständigkeit halber wäre noch die Achse bei ca. 15
Grad Stier-Skorpion zu nennen, welche in deutschen Mundan-Horoskopen häufig
von Planeten besetzt ist, und die für eine Spannung zwischen dem
Festhalten und Opfern steht, für Materielles vs. Geistiges.
Aus all den genannten Punkten ein reguläres Horoskop (mit Aszendent,
Sonne, Mond, usw.) zu zimmern, ist ein praktisch unmögliches Unterfangen
- obwohl eine klare Hierarchie (was primär, was sekundär sei)
wünschenswert wäre, um deutungstechnisch nicht der Beliebigkeit
anheim zu fallen. Es scheinen hier, ganz wie bei einem Individuum, unterschiedliche
Persönlichkeitsschichten vorzuliegen: relativ oben liegen Steinbock-Saturn
und Widder-Mars, darunter das Neptunische - welches einerseits Quell der
äußerlich eindrucksvollen Performance ist, andererseits vom
sog. "Preußischen" überdeckt wird. Zuunterst bzw.
-innerst in der deutschen Kollektivpsyche würde ich das Prinzip Löwe-Sonne
ansiedeln.
In diesem Modell fungiert Neptun als eine Art Zwischenglied, als Kanal
sowohl nach innen als auch nach außen. Er sensibilisiert auf den
verschiedensten Gebieten, lässt feinstoffliche Signale ("Visionen")
empfangen, weist auf Lösungsmöglichkeiten für entstandene
Schwierigkeiten. Kurzum, Neptun verfeinert, sublimiert langfristig des
Deutschen primitive Kraft und Sauberkeitsfixierung, bringt Gespür
für seine eigentliche Aufgabe. Wenn der aufwühlende Gott des
Dreizacks um 2012 in sein eigenes Zeichen eintritt (und den ersten Zyklus
seit seiner Sichtung vollendet hat), dürften seine subtilen Energien
und Wirkungsmechanismen in Deutschland noch deutlicher zutage treten.
Dies gilt aber auch für andere von Neptun geprägte Nationen
- beispielsweise für die USA mit ihrer Hauptstadt Washington.
(ursprünglich geschrieben 1997)
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