ASTROLOGIE UND WISSENSCHAFT

Gegen die Astrologie wird von außen immer wieder der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit erhoben. Astrologisches Denken sei Spekulation, Einbildung, mystisch, im Grunde Humbug, ein überholter, unhaltbarer Aberglaube. Vielenorts herrscht Unverständnis darüber, wie sich im 20. Jahrhundert intelligente Menschen überhaupt mit so etwas Irrationalem beschäftigen können. Schließlich sei man aufgeklärt und lebe nicht mehr im Mittelalter. Die Wissenschaft habe ja bewiesen, daß es sich bei Blitz und Donner nicht um das Einwirken von Göttervater Zeus handle. Nichtsdestotrotz halten die Astrologen hartnäckig an ihrem Fachgebiet als Wissenschaft fest. Sie pochen vehement auf die Tradition und - vor allem - auf ihre persönliche Erfahrung. Den etablierten Wissenschaften gegenüber fühlen sie sich allerdings chronisch in einer Position der Unterlegenheit, Schwäche und Minderwertigkeit. Häufig wird (geradezu zwanghaft) das eigene Denken und Tun zu rechtfertigen, verteidigen oder "beweisen" versucht. Paradoxer- (oder naiver-) weise legen Astrologen in Auseinandersetzungen gern selbst die Maßstäbe ihrer Gegner (der etablierten Wissenschaften) an. Dabei hätten sie solches Gebaren gar nicht nötig, ist dies der "Königin der Wissenschaften" eigentlich unwürdig.

NATUR- VS. GEISTESWISSENSCHAFT: DER STREIT IN DER PSYCHOLOGIE

Nachfolgend soll am Beispiel der Psychologie - an die sich die Astrologie zusehends annähert - aufgezeigt werden, dass die Berechtigung der (darin dominierenden) naturwissenschaftlichen Orientierung äußerst fragwürdig ist. Die Kontroverse zwischen einer physiologisch-experimentellen und einer geistig-verstehenden Psychologie begleitet diese Wissenschaft seit ihren akademischen Anfängen.
Forderungen der naturwissenschaftlichen Richtung an psychologische Forschungsergebnisse sind u.a.

  • Allgemeingültigkeit
  • Objektivität
  • Nachprüfbar- und
  • Wiederholbarkeit

Über die Seele, als Gegenstand der Forschung, sollen kausale Gesetzmäßigkeiten herausgefunden, menschliches Verhalten erklärt und vorhergesagt werden, und zwar nach dem Schema "wenn - dann" (ursächlichen Bedingungen und daraus folgenden Wirkungen).
Der naturwissenschaftliche Ansatz, (unreflektiert) übernommen aus Physik und Biologie, setzte sich historisch weitestgehend durch. Doch die vorzeigbaren Ergebnisse der Psychologie sind bis heute (trotz oder gerade wegen dieser Methoden) vergleichsweise dürftig. Während die populärwissenschaftliche Psychologie boomt, steckt ihre "studierte Schwester" offensichtlich in der Sackgasse. Die Vorwürfe von geisteswissenschaftlicher Seite an die herrschende Psychologie weisen auf Probleme von sehr prinzipieller Natur:

DIE KRITIK AN DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN PSYCHOLOGIE

Naturwissenschaftliche Psychologie muss sich - per definitionem - von ihrem methodischen Ansatz her beschränken auf das Sichtbare, das physisch Greifbare am Menschen. Ihr Hauptaugenmerk gilt der Frage, wie psychische Phänomene gemessen und in empirisch-quantitative Daten umgewandelt werden können. Dabei ist der Pferdefuß die sog. Operationalisierung (Messanweisung): sie entscheidet darüber, wie und was seelische Dinge im Konkreten sind bzw. ob sie überhaupt existieren. Der Gegenstand einer Untersuchung wird zwangsläufig nur reduktiv, ausschnitthaft erfasst - gemäß dem Motto "Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst". Grundsätzlich ist die hierbei übliche Zuordnung von Zahlen zu psychischen Phänomenen (die sog. Skalierung) inhaltlich eigentlich nie gerechtfertigt. Die generell jeder instrumentellen Messung zugrunde gelegte Vorstellung von Linearität verfehlt die natürliche Vielschichtigkeit und Komplexität lebendiger Prozesse.
Gerade im Experiment, der klassischen naturwissenschaftlichen Forschungssituation, erweist es sich zunehmend, dass die strenge Trennung von Subjekt und Objekt undurchführbar bzw. unhaltbar ist. So verfälschen die inneren Annahmen und Hypothesen der Versuchsperson (z.B. über den Untersuchungszweck) systematisch die Ergebnisse und auch die Einflüsse des Versuchsleiters sind nicht völlig eliminierbar (s. "Sozialpsychologie des Experiments"). Speziell Laborexperimente, welche den Großteil psychologischer Forschung bestreiten, sind künstlich, synthetisch, erbringen verzerrte Resultate und haben daher nur minimale Gültigkeit. Der praktische Nutzen, die reale Anwendbarkeit (äußere Relevanz) solchermaßen hervorgebrachten Wissens ist ziemlich gering, eigentlich kaum nennenswert bzw. höchstens im negativen Sinne gegeben: in der experimentellen Standardsituation wird der Mensch passiv, fremdbestimmt gehalten, seine Reaktionsmöglichkeiten sind eingeschränkt - in marxistischer Terminologie eine Reproduktion gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse. Die geschichtliche und soziale Seite des Menschen wird in der Regel ignoriert, der Mensch als isoliertes Individuum aufgefasst. Anlage und Aufbau eines Experiments sollen offiziell der wissenschaftlichen Sicherheit und Kontrolle dienen, verraten jedoch ein sog. technisches Erkenntnisinteresse, d.h. Manipulations- und Steuerungsbedürfnis, für welches der Einzelne (das Individuum) nicht zählt, sondern als beliebig austauschbar bzw. verfügbar angesehen wird. Im naturwissenschaftlichen Modell ist der Mensch außenbestimmt (am deutlichsten in der behavioristischen Reiz-Reaktions-Gleichung), determiniert durch vererbte Gene, die Umwelt sowie biographische Ereignisse. Eine Vorwärtsentwicklung, eine Überwindung der Vergangenheit ist im kausalen Ursache - Wirkungsschema nicht vorgesehen.
Naturwissenschaftliche Psychologie geht an ihrem Gegenstand vorbei. Sie ist in grotesker Weise eine "Psychologie ohne Seele". Bei ihren Methoden geht das spezifisch Menschliche verloren. Die wissenschaftliche Manier der Neutralität und Objektivität ist der Wirklichkeit entfremdet. Die sog. Standardisierung will Lebendig - Subjektives (worauf es gerade ankäme) als "Fehlerquelle" ausschließen - und gebiert im Resultat ein totes, unfruchtbares Wissen.
Mit dem Aufschwung des Materialismus im 19. Jahrhundert wurden der Mensch und die Seele mehr und mehr wie ein Ding/ eine Sache behandelt, in der Vorstellung reduziert auf physiologische Vorgänge (die "Nerven") oder gedacht als mechanisch funktionierende Maschine: eine Apparatur von Zahnrädern, Keilriemen und Schalthebeln, angetrieben durch die Verbrennung äußerlich zugeführten Kraftstoffes.Menschenbild vor hundert Jahren Die Aufgabe der Psychologie (als naturwissenschaftliche Disziplin) war das Auffinden, "Dingfestmachen" der inneren Bestandteile des "Uhrwerks Mensch". Atomistisch (gemäß dem antiken Atommodell) betrachtete man die Seele als zusammengesetzt aus bestimmten Faktoren, Elementen, festen Bausteinen - die es nur noch zu "entdecken" galt. Den Ablauf seelischer Reaktionen hielt man wie auf Newtons Billardtisch für berechenbar: je nachdem, in welchem Winkel die Kugeln aufeinanderprallten.
Das physikalische Weltbild existiert nicht mehr in dieser Einfachheit und Eindeutigkeit. So entziehen sich in der Quantenphysik die Nuklearteilchen dem experimentellen Zugriff, gibt es einen fließenden Übergang von Materie und Energie, von Beobachter und Beobachtetem. Und die Chaosforschung berichtet über die Unmöglichkeit der Vorhersage komplexer Vorgänge (d.h. der meisten in der Natur). Dennoch orientiert sich die akademische Psychologie in falschem Eifer noch immer an jenem überholten Modell. Typisch dafür ist das Beispiel der Gehirnphysiologie: Eigentlich kam die sog. Lokalisationstheorie (die Zuordnung von Körperfunktionen zu bestimmten Gehirnregionen) über erste Ansätze nie hinaus; sie steht heute vor einer Fülle von Widersprüchen und hat in der Erklärung der Bewusstseinsprozesse praktisch versagt. Dennoch wird sie beibehalten bzw. vulgärpsychologisch vertreten - weil sie so gut in das materialistische Weltbild passt. Unorthodoxe Theorien wie die von Pribram, welcher - in Anlehnung an die Holographie - Bewusstsein als Interferenz, als Muster von Wellen über das Gehirn ansieht, widersprechen zu sehr dem herrschenden Dogma, um anerkannt zu werden. Pribram gilt als abenteuerlich, wird als spekulativ abgetan bzw. ignoriert, "riecht" zu sehr nach Metaphysik und Mystik - obwohl er sich in frappanter Übereinstimmung mit modernster Physik befindet, wo Licht nicht nur Teilchen-, sondern auch Wellencharakter besitzt.
Zentrale Fragen, beispielsweise was Psychisches überhaupt sei, was Seele, Bewusstsein, Geist, Trieb, Energie oder Leben ausmache oder die Frage wer/ wann/ warum/ wie "die Billardkugeln anstoße" bleiben im naturwissenschaftlichen Ansatz unbeantwortet, bzw. tauchen erst gar nicht auf. Solche Fragestellungen fallen schon vom methodischen Ansatz her unter den Tisch - wo in der Untersuchung alles grobstofflich, konkret, faktisch sein soll, in materialistischer Fixierung auf die Bewegungen toter Körper gestarrt wird.
In der Schulpsychologie finden sich kaum größere Theorien oder übergreifende Konzeptionen. In endloser Folge werden unzusammenhängende, unverbindlich nebeneinander stehende Einzelhypothesen produziert. Angesichts der Tatsache, dass über entscheidende Punkte wie den Gegenstandsbereich keine Einigkeit besteht, sowie kosmologische Prämissen, weltanschauliche Grundannahmen nicht einmal diskutiert, sondern konsequent ausgespart werden, ist das Theorienwirrwar eigentlich nicht verwunderlich. Es mangelt an einer Orientierung, an einem Wertmaßstab, anhand dessen die unterschiedlichen Forschungshypothesen und -ergebnisse eingeordnet werden könnten. In methodischer Anleihe aus der Biologie sucht man sein Heil in detaillierter Analyse (Sezierung) des (labortechnisch tiefgefrorenen, sterilen) Seelenstoffes. Die prozessualen, lebendigen Einheiten werden aufgespalten, zersplittert, bis schließlich nur noch sinnlose Fragmente übrig sind. Das Ganze, der Zusammenhang, das Seelentypische wird verunstaltet, die Verbindung der Einzelteile bzw. das Gesamtbild dann nicht mehr ersichtlich. Das Wesenhafte, Eigentümliche seelischer Prozesse ist am Ende unmöglich rekonstruierbar, die Ergebnisse solcher Psychologie sind sinnlos, trivial.
Geistesgeschichtlich verantwortlich für dies radikale, einschneidende Vorgehen der Naturwissenschaft ist unser spezifisch abendländisches Erbe, die Logik. Mit ihr als linearer, eindimensionaler Darstellungs- und Sichtweise stehen wir vor erheblichen Problemen bei zyklischen Abläufen (wo Anfang und Ende zusammentreffen) sowie bei vielschichtigen, mehrpoligen (in sich widersprüchlichen) Merkmalen oder Faktoren - wie sie in lebenden Organismen üblicherweise vorkommen. Eigentümlich an der - zur Zeit Platos entstandenen - Logik ist, dass sie Dinge trennen, auseinanderdividieren, isolieren, vom Kontext zu lösen vermag - in einer Schärfe, wie dies vorher oder außerhalb unseres Kulturkreises nicht möglich war. In anderen Kulturen sind die Wahrnehmungs- und Denkstrukturen ganz anderer Natur, wie etwa Whorf am Beispiel der Hopi-Indianer und ihrer Sprache zeigte. Das Aufkommen der Logik, des solipsistischen Selbstbezugs des Denkens auf sich, brachte auch eine veränderte, distanzierte, entfremdete Haltung zu Natur und Seele mit sich, welche sich mit der Renaissance und Reformation endgültig Bahn brach.

DIE POSITION DER GEISTESWISSENSCHAFTLICHEN PSYCHOLOGIE

Die geisteswissenschaftliche Psychologie beruht auf einem völlig anderen Menschen- und Weltverständnis. Zentral bei ihr sind Konzepte wie Sinn, Ganzheit und Werte. Der Mensch wird in seinem Denken und Tun gesehen als zweckgerichtet, intentional, entwicklungs- bzw. wachstumsfähig, gilt als potentiell selbstbewusst und entscheidungsfrei. Das Individuum als Subjekt wird betont, die subjektive Perspektive besonders gewürdigt - als Ausgangspunkt jeglicher Erfahrung, also auch der Forschung. In Gegenbewegung zur naturwissenschaftlichen Richtung geht es bewusst um qualitative anstelle quantitativer Methoden: "Psychologica psychologice" ist die Maxime, d.h. die Psychologie habe ihre eigenen, ihrem Gegenstand gemäße Untersuchungs- und Anwendungstechniken zu finden und zu entwickeln.
"Die Natur erklären wir, die Seele verstehen wir", formulierte Dilthey vor hundert Jahren und stellte damit der naturwissenschaftlichen Kausalität die geisteswissenschaftliche Analogie kontrastierend gegenüber. Geistiges lässt sich nur mit dem Geist erkennen, lautet der Grundansatz. Naturwissenschaftliche Beweissucht sind verfehlt, können Metaphysisches nicht fassen. Die Methode des Verstehens bedeutet ein Wiederfinden des Ichs, des eigenen Geistes, der eigenen Seele im Du. Voraussetzung für Fremdverstehen ist die Introspektion, die Einsicht in sich selbst. Um jemanden von innen wahrzunehmen, seine jeweilige Innenwelt zu verstehen, bedarf es der seelischen Identifikation und emotionalen Wertschätzung. Damit man sich dabei im anderen bzw. in der eigenen Subjektivität nicht verliert oder Täuschungen obliegt, bedarf es eines geistigen Rückhalts, Orientierungs- und Kategoriensystems. Wissenschaftliches Hineinversetzen (Einfühlen) erfordert klare, deutliche geistige Bezugspunkte, einen Ordnungs- und Sinnzusammenhang für das zu Verstehende. Erkennen muss sich auf geistige Muster und Strukturen, auf einen Rahmen beziehen wie etwa Jungs Archetypenlehre oder Sprangers objektiven Geist. Diese metaphysischen Schemata bzw. Seelenbilder haben ihre eigene, nicht-aristotelische Logik, eine eigene, nicht naturwissenschaftlich beweisbare innere Schlüssigkeit und Stimmigkeit, auch immanente Lösungswege und Entwicklungsperspektiven.
Einer Seelenproblematik gegenübergestellt, gewinnt der Geisteswissenschaftler seine Objektivität durch das Wiederfinden geistiger Ordnungsstrukturen im konkreten Einzelfall. Diese Objektivität geht zwar vom Individuellen, Persönlichen aus, ist also erfahrungsbezogen. Indem der Forscher im Erkenntnisprozess aber zu übergeordneten Kategorien vordringt, transzendiert er das Subjektive - ohne allerdings, wie der Naturwissenschaftler, den Bezug zu seinem lebendigen Gegenstand zu verlieren.

VOM MYTHOS DER NATURWISSENSCHAFT
Das Blendwerk der Statistik

Die Verwendung von Statistik gilt in den Naturwissenschaften allgemein als Kriterium von Wissenschaftlichkeit (u.a. bei der Verleihung eines akademischen Titels). Die Empirie (Datengewinnung) wird regelrecht darauf zugeschnitten, wie sie sich am besten statistisch verrechnen lasse. Das heißt, eine Fragestellung (Forschungsidee, Theorie) unterwirft sich den Maßstäben und impliziten Grundannahmen des statistischen Weltmodells und somit dem Diktat einer Rechentechnik. Doch ist es nicht ausgemacht, ob z.B. psychische Faktoren überhaupt quantitativ (als Zahlen) angemessen abbildbar sind. Das - für statistische Prozeduren notwendige - metrische Skalenniveau wird in den Sozialwissenschaften praktisch nie errreicht. Darüber hinaus ist das Grundkonzept der Zufälligkeit, der statistischen Normal- oder Zufallsverteilung, hinsichtlich seelischer Dimensionen nicht sehr sinnfällig. Statistische Ergebnisse können ihrem Anspruch bzw. Ruf des "Beweisenkönnens" nicht gerecht werden; sie sind nie absolut eindeutig interpretierbar. Man kann mit ihnen stets auch für eine andere mögliche (Alternativ-) Hypothese plädieren. Denn es gibt keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Theorie und Beobachtung. Beobachtungen sind noch keine BeweiseHypothesen müssen immer erst "operationalisiert", konkretisiert werden. Und bei ihrer konkreten "Übersetzung", beim "Herunterschrauben" abstrakter Gesetzeszusammenhänge, geht zwangsläufig Wesentliches der ursprünglichen Aussage verloren - was dem Forscher bei Nichterfolg seiner Untersuchung die Gelegenheit liefert zur Entschuldigung und Ausflucht (Exhaustion), um seine ursprüngliche Hypothese dennoch beibehalten zu können.
Gerade in Fragebögen wird ein theoretisches Konstrukt (wie z.B. "Angst") meist so simplifiziert, eindimensional gefasst (u.a. fällt der Gegenpol weg, ebenso Abwehr- und Verdrängungsmechanismen), dass sich das Ergebnis am Ende eigentlich beliebig interpretieren lässt. Grundsätzlich können Ja/ Nein- oder gestufte Antworten komplexen seelischen Sachverhalten nie gerecht werden. Und die Kreuzchen auf dem Testbogen geben eh keinerlei Gewähr, ob die Antworten (meist Selbsteinschätzungen) wirklich den Tatsachen entsprechen. Gerne wird gemäß sozialer Erwünschtheit geantwortet. Und nicht erfasst wird die momentane emotionale Befindlichkeit der Befragten (sog. situative Fehlerkomponente). Trotz "Signifikanz" - einem statistisch bedeutsamen Ergebnis - sind die Effekte realiter fast immer nur schwach (s. Gauquelin), zeigen die absoluten Zahlen kaum nennenswerte Unterschiede zwischen den Testgruppen - jedenfalls bei weitem nicht so deutlich, wie sie theoretisch zu erwarten wären. Eine statistische Praxisregel besagt sogar, dass man seine Stichprobe nur groß genug machen muss, um Signifikanzen zu erhalten.
Gauquelin ließ von vorneherein nur statistisch prüfbare Hypothesen zu. Dafür musste er jedoch die Bedeutungsfülle der astrologischen Symbole erheblich reduzieren, sie zu einfachen Merkmalslisten einengen. Mit ihrem Ja/ Nein - bzw. Plus/ Minus - Charakter können solche Listen dem astrologischen Symbolgehalt nicht mehr gerecht werden, gehen an Wesentlichem vorbei. Die Ganzheitlichkeit, Vielschichtigkeit schon eines einzelnen astrologischen Faktors geht verloren, der inhaltliche Bezug zum ganzen Horoskop (von dem ein Planet in seiner Position und Funktion ja integraler Bestandteil ist), bzw. zu Dingen wie Schicksal oder Sinn sowieso. Übrig bleibt eine Primitivastrologie, welche über das Niveau der Boulevardpresse, d.h. einen Unterhaltungs- und Belustigungswert, nicht hinausgeht.
Statistik ist unpersönlich, entindividualisierend, entmenschlichend. In ihr wird das Einzigartige, Individuelle, das Wertvollste, Höchste des Menschseins, nivelliert - und zwar schon im einfachen Balkendiagramm. Heutzutage geht von Zahlen, Kurven und Diagrammen eine regelrechte Magie, eine hypnotisch-suggestive Wirkung aus. Suggeriert wird Wissenschaftlichkeit, Objektivität, "Wahrheit", doch handelt es sich eigentlich um Zahlenspiegelei, um eine Gaukelei, denn bewiesen wird dadurch nichts. Über Zusammenhänge von Ursache und Wirkung wird keine Aussage getroffen.
Es ist erschreckend, wie sehr die materialistisch quantitative Sichtweise, das Denken und Reden in Prozenten und Wahrscheinlichkeiten uns alle erfasst, unser Alltagsbewusstsein durchsetzt hat. Dabei wäre es gerade für Astrologen naheliegend, Zahlen nicht als anonyme, sinnleere Einheiten zu verwenden. Gelten doch schon seit Keplers wegweisender Aspektlehre (bzw. schon bei Pythagoras) die Zahlen als "Qualitäten", als metaphysische, ideelle Größen. Wie können dann Astrologen - die täglich mit solchen Urqualitäten, Urprinzipien umgehen - geistige Inhalte mit physikalischen Methoden, d.h. am Leisten ihrer ignoranten Gegner messen wollen?
Diese Aufgabe eines Kernstücks der eigenen Überzeugung ist in religiöser Terminologie nichts anderes als ein Glaubensverrat bzw. Götzendienst, eine Anbetung des goldenen Kalbs, eine Opferung des Allerheiligsten an fremdem Altar. Psychologisch oder biografisch kommt es einem Abschneiden der eigenen Wurzeln gleich; existentiell läuft es auf eine Selbstvernichtung hinaus. Statistische Methoden sind dort angebracht, wo es um eine erste Sichtung geht, wo in neu gewonnenem empirischen Material eine vorläufige Ordnung zu schaffen ist. Statistik eröffnet die Möglichkeit, nach vorgegebenen Kriterien Daten zusammenzufassen - per Computer erfolgt dies zudem noch recht schnell. Die jeder Forschung vorauszugehenden Hypothesen, das eigene Nachdenken und Überlegen kann sie jedoch keinesfalls ersetzen - geschweige denn eine Theorie beweisen.

DIE VERMEINTLICHE OBJEKTIVITÄT

In der Öffentlichkeit herrscht noch weitgehend ein naives Bild von Wissenschaft. Mit dem Begriff "wissenschaftlich" verbindet man die Vorstellung einer gesicherter Erkenntnis, von absolut Richtigem. In Forschern und Wissenschaftlern vermutet man gerne unhinterfragt Seriosität, Redlichkeit, ein hohes Ethos. Dabei müsste eigentlich stutzig machen, dass die Halbwertzeit wissenschaftlicher Erkenntnisse immer geringer wird, angeblich gesicherte Theorien oft schon innerhalb einer Generation hochoffiziell "beerdigt" werden. Was als wissenschaftlich gilt oder anerkannt wird, ist in hohem Maße abhängig von historischen, kulturellen und soziologischen Faktoren. Das Etikett "wissenschaftlich" ist jedenfalls kein Garant für Objektivität, Rationalität oder gar Wahrheit.
Im Grunde ist die von den Naturwissenschaftlern stets propagierte und geforderte Objektivität ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt sie nicht, kann sie gar nicht geben. Jedes Erkennen (wie Wahrnehmen, Beschreiben, Urteilen) ist subjektiv und damit relativ, geht nämlich von bestimmten Voraussetzungen/ Vorannahmen aus (s. Kants transzendentale A-priori-Kategorien). Es gibt keine unmittelbare Erfahrung. Eine Beobachtung ist immer vermittelt durch die vorhandenen Wahrnehmungs- und Denkstrukturen (oder Messgeräte). Empirisches Material wird nur mithilfe einer Hypothese geschaffen und immer bewertet im Lichte einer schon vorhandenen Theorie. Dass die strenge (kartesianische) Trennung von Subjekt und Objekt undurchführbar ist, Beobachter und Beobachtetes eine untrennbare Einheit bilden, zeigt gerade die Quantenphysik: die Art ihrer Ergebnisse ist abhängig vom Versuchsaufbau; d.h. die naturwissenschaftliche Programmatik führte sich zumindest in der Physik selbst ad absurdum.
Subjektivität ist im Forschungsprozess nicht völlig ausschaltbar; sie kann bestenfalls kontrolliert oder standardisiert werden. Wissenschaftliche Objektivität ist eine Frage der Definition, abhängig von den getroffenenen Übereinkünften der Wissenschaftler bzw. von deren (subjektivem) Glauben, dass ihre Instrumente das Gemeinte tatsächlich messen. Der naturwissenschaftliche Ansatz beruht auf im Prinzip willkürlichen (transzendenten) Setzungen, auf einmal beschlossenen Annahmen, Dogmen bzw. Glaubenssätzen - über das, was als "richtig", "wahr", "rational", "objektiv" usw. zu gelten habe.
Wissenschaft ist zum guten Teil aber auch eine Machtfrage: So wie sich die Mehrheit der Forscher geeinigt hat (in sehr unklaren, undurchsichtigen Prozeduren), wird ein Kanon von Wahrnehmungs-, Denk- und Prüfmethoden formuliert, um das vermeintlich "Unwissenschaftliche", "Irrationale", "Subjektive", etc. auszuschließen. - So weh es tun mag: auch unsere liebgewonnene Naturwissenschaft ist - wie jedes Weltbild - lediglich eine Konstruktion. Sie erfasst nur einen Ausschnitt, einen Bruchteil der lebendigen Wirklichkeit. Der Wissenschaftsanalytiker Kuhn zeigte, dass sich Forschungsansätze (Paradigmen) so grundsätzlich unterscheiden können (wie z.B. das Ptolemäische und das Kopernikanische Weltbild), dass sie nicht direkt miteinander vergleichbar, theoretisch wie praktisch unvereinbar (inkommensurabel) sind. Jedes Paradigma besitzt eine ihm eigene Sprache bzw. verwendet - teilweise dieselben - Begriffe auf verschiedene Weise. Jedes verfügt über eigene Wahrnehmungsarten, eigene Erfahrungswege und Forschungsmethoden, eine eigene Auffassung von Rationalität und Wahrheit - und natürlich eine eigene Kosmologie (Einbettung in das Weltganze). Externe, "objektive" Kriterien zur Prüfung des Wahrheitsgehaltes eines Paradigmas können nicht erstellt werden. Es gibt keine allgemeingültigen Richtlinien zur Beurteilung eines kompletten Weltbildes; von außen ist keines widerlegbar. (Eine Bewertung wäre höchstens möglich bzgl. Eigenschaften wie innere Konsistenz, Stringenz, Schlüssigkeit bzw. ob sich das Paradigma auf die Forschungspraxis befruchtend auswirke.) Selbst zu fragen nach der äußeren Relevanz, der praktischen Anwendung bzw. Nützlichkeit, oder nach ethischen Implikationen - z.B. ob ein wissenschaftlicher Ansatz individuellem Wachstum, der Selbstverwirklichung, dem Wohle der Menschheit diene - hieße, ein fremdes Weltbild heranzuziehen und zum Maßstab zu nehmen.
In der Geschichte der Wissenschaften erfolgten Paradigmenwechsel - die Ablösung eines etablierten Forschungsprogramms - stets dadurch, dass sich dessen Ungereimtheiten (Anomalien) mehrten, das Paradigma außerdem unter gesellschaftlich-kulturellem Druck stand, und schließlich an seinen inneren Widersprüchen zerbrach. In der akademischen Psychologie wird seit Jahren über eine solche veränderte Orientierung diskutiert: weg von der naturwissenschaftlichen Ausrichtung, hin zu einer stärkeren Subjektbetonung.
Dem Wissenschaftstheoretiker Feyerabend ist die "anerkannte" Wissenschaft suspekt. Er hält die heute beherrschende Stellung bzw. das Diktat der Naturwissenschaften für ungerechtfertigt. Schließlich erbringe jedes Weltbild Resultate bzw. erzeuge Erfahrungen ("Tatsachen"), die es unterstützen. Was "Wissenschaftlichkeit" überhaupt ausmacht, lässt sich nicht definieren, nicht verbindlich festlegen. Keinesfalls garantiert werden kann nach Feyerabend die Güte einer Forschung mittels Aufstellen bestimmter methodischer Regeln (wobei man diese in der Praxis sowieso nie einhält bzw. die fruchtbarsten Forschungsergebnisse interessanterweise oft Folgen von Regelverletzungen sind). Und die bloße Macht und Dominanz eines wissenschaftlichen Ansatzes kann natürlich ebensowenig Wahrheit verbürgen, eher im Gegenteil.
Die moderne Wissenschaft steht laut Feyerabend dem Mythos demnach näher als man glaubt. Sie ist "nur eine der vielen (möglichen) Formen des Denkens, die der Mensch entwickelt hat" - und nicht unbedingt die beste. Sie sei "auf ihren Platz zu verweisen ..." Will man trotz solcher Relativierungen noch ernsthaft Wissenschaft betreiben, so wäre sie schlicht zu sehen als "Beschreiben", "Artikulieren", "Formulieren", als ein "Auf-den-Begriff-Bringen" von Beobachtungen bzw. als ein schrittweises Herausschälen der hinter den Phänomenen liegenden Strukturen und Zusammenhänge. Der Geist des Forschers, seine - zugegeben subjektive - Haltung/ Einstellung, sein persönlicher Versuch der Unvoreingenommenheit, sein authentisches Ringen um Wahrheit und Überwindung von Selbsttäuschung scheinen dabei wichtiger zu sein als das strikte Befolgen von methodischen Vorschriften (im Sinne von Goethes "wer immer strebend sich bemüht ")…

AN IHREN FRÜCHTEN SOLLT IHR SIE ERKENNEN

Die schlimmen Auswirkungen der Naturwissenschaft werden in unseren Tagen immer deutlicher: So wie Faust sich dem Mephisto verschrieb, danach in der Welt allerlei Unheil anrichtete, so wirkt die materialistisch gesinnte Naturwissenschaft in ihrer radikalen Einseitigkeit todbringend und zerstörerisch. In der Psychologie wird der Mensch entseelt, beinahe als materieller Gegenstand bzw. Tier behandelt (Behaviorismus, Verhaltenstherapie). Durch den Verlust geistiger Werte, in verlorener Ehrfurcht vor der Natur als Gottes Schöpfung, wird an dieser kurzsichtig und egoistisch Raubbau betrieben. Die fortschreitende Umweltzerstörung muss über kurz oder lang zu Naturkatastrophen führen.
Wie der mythologische Prometheus "entriss" die Physik den Göttern das Geheimnis des Aufbaus der Materie, das "Feuer" der Kernenergie. Was ist, wenn nur ein GAU passiert, stehen uns dann entsprechend titanische (radioaktive) Qualen bevor?
Als Zwillingsbruder der Naturwissenschaft sieht das kapitalistische Wirtschaftssystem den Menschen als "Produktivkraft", als ein Mittel zur Gewinnvermehrung, als austauschbare Ware und manipulierbares Objekt. Es wird verkauft und produziert, was Gewinn verspricht. Skrupel, ein Nachdenken über Konsequenzen (z.B. bei der Waffenproduktion) sind fehl am Platz. Ressourcen der Dritten Welt werden in imperialistischer Manier rücksichtslos geplündert und ausgebeutet, fremden Kulturen so ihre Existenzgrundlage entzogen. Die angeblich weltanschaulich so "neutrale" Naturwissenschaft und Technik lässt sich für gewissenlose Zwecke besonders leicht einspannen bzw. instrumentalisieren.
Eine grundsätzliche, fundamentale Wandlung scheint vonnöten. Vor Galilei und Descartes, vor der Spaltung von Geist und Körper, Subjekt und Objekt ging man mit der Welt einfühlsamer um. Die Menschen empfanden sich damals als nicht so von ihrer Umgebung getrennt. Folglich waren Gewalt, Missbrauch der Kräfte, auch sozialer Terror (KZs) nicht in dem Ausmaß bzw. nicht so systematisch möglich wie heute. Im Mittelalter waren Denken und Tun noch mit Werten, mit Geist und Gott verbunden. Diese Instanz gilt es in unserer Zeit wieder - erneuert, z.B. als Selbst - in das offizielle Welt- und Seinsverständnis (d.h. auch in die Wissenschaft) einzuführen.

PSYCHOLOGIE DER ASTROLOGEN
Der nagende Minderwertigkeitskomplex

Zu einem der ältesten Wissenssysteme, das über einen uralten und größtenteils bewährten, ungeheuren Erfahrungsschatz verfügt, passt es eigentlich nicht, sich von den - im Grunde unreifen - Naturwissenschaften an den Pranger stellen zu lassen. Astrologie kann mit mindestens ebenso großer Berechtigung gelten wie andere Beschreibungen der Wirklichkeit. Doch der Berufsstand der Astrologen vermag den derzeit dominanten kollektiven Maßstäben, der gesellschaftlich gängigen Weltanschauung nicht zu entgehen und übernimmt einfach die Bewertungen von außen. So wird die eigene Erfahrungsweise, die eigene Weltsicht gegenüber derjenigen der Naturwissenschaft als minderwertig betrachtet, d.h. es werden eine eigentlich fremde Art der Wahrheitsfindung, externe Prüf- und Beweismethoden auf den ureigenen Wissensbereich bezogen.
Die scheinbar überzeugende Sicherheit der Naturwissenschaften fungiert als Messlatte, zu der man aufblickt. So erfolgt schrittweise ein Ausverkauf, ein Aufgeben von Grundpositionen. Der "kosmische Faktor" gilt etwa nur noch als ein Faktor unter vielen; zu berücksichtigen seien außerdem noch moderne, "wissenschaftliche" Faktoren wie Erbe, Umwelt, Milieu, Religion, Sitte, Landschaft, historische Epoche, Kultur, usw.
Die Gesellschaft kann dem Astrologen als Vertreter einer offiziell überholten, primitiven Wissensform (eines Relikts aus "finsterer Urzeit") natürlich keinen Status, keine wirkliche Anerkennung zubilligen. Doch obwohl vom Establishment verachtet/ mit Schimpf und Schande überhäuft (oft völlig unqualifiziert bzw. unter Zuhilfenahme der gesellschaftlich zur Verfügung stehenden Autorität, wie beispielsweise in der Deklaration des "Humanist"), biedert sich die Astrologie den wissenschaftlichen Honorabilitäten an, will - wieder einmal - Einzug an den Universitäten halten.
Doch zur astrologischen Tätigkeit gehört es mit Notwendigkeit dazu, Außenseiter, Waldschrat oder auch Kräuterhexe, nomadisierende Zigeunerin zu sein - gerade in solch materialistischer, atheistischer Epoche. Der Astrologe muss Einzelgänger, statuslos sein, damit seine Kanäle zum Transzendenten, Überpersönlichen geöffnet bleiben (s. Döbereiner), seine Verbindung zu den Symbolen, zu Bedeutung und Sinn bestehen bleibt. Er ist "Sprachrohr der Götter", ein Übersetzer, Mittler zwischen Himmel und Erde. Wenn er sich verweltlicht, materiellen Werten und Versuchungen erliegt, "reißt" sein "Draht nach oben", gehen ihm seine Fähigkeiten abhanden. Es ist sogar von enormem Vorteil, außerhalb der Gesellschaft zu stehen, d.h. nicht abhängig zu sein, sich gerade nicht einbinden, geistig normieren, maßregeln oder korrumpieren zu lassen - auch nicht von der eigenen Herde/ der Bezugsgruppe (dem astrologischen Berufsstand). - Denn wer etwas zu verlieren hat, und sei es nur seinen guten Ruf, ist nicht mehr frei die Wahrheit zu sagen.

DREH DICH NICHT UM, DER SCHARLATAN GEHT UM!

Um ihre mangelnde soziale Reputation wettzumachen, grenzen sich Astrologen gern gegen sog. "unseriöse Kollegen" ab, schützen sich die verschiedenen Schulen mittels Prüfungsordnungen gegen vermeintlich "schwarze Schafe". Treffen Vertreter unterschiedlicher Richtungen aufeinander, ist es beinahe schon Gewohnheit, dass es zum bösen Hickhack kommt, dass sich die Kontrahenten gegenseitig schmähen, niedermachen, des Irrglaubens bezichtigen. Die Heftigkeit der Reaktionen, das Ausmaß der Empfindlichkeiten weist darauf hin, dass es dabei nicht nur um die Sache gehen kann, sondern um sehr persönliche, nahegehende, jeden innerlich aufwühlende, emotionale Punkte. Psychologisch gesehen handelt es sich bei dem Phänomen um einen sog. Schattenkampf, liegt ein Stellvertretergefecht des Astronomen Schatten (aus MAD)(eine Art Spiegelfechterei) vor. Im auserkorenen Gegner werden Eigenschaften verfolgt, bekämpft und auszumerzen versucht, die gerade auch in einem selbst bestehen, die man aber nicht wahrhaben will, sie vielmehr unterdrückt bzw. als unerwünscht, "böse" verdrängt. Kein Astrologe will verantwortungsloser Scharlatan, machthungriger Schwarzmagier, usw. sein - jeder ist es aber irgendwo auch. Keiner will unredlich arbeiten, tut es an einer Ecke aber doch und vermag sich dies nicht einzugestehen. So werden diese Seelenanteile auf die Umwelt/ den "anderen" projiziert, nach dem Motto "ich bin nicht so, aber der...".
Im gleichen Atemzug werden die in der astrologischen Praxis so wichtigen mystischen, irrationalen (medialen, intuitiven) Elemente ausgegrenzt, weit von sich gewiesen. Diese Haltung verschließt einerseits den Zugang zum Numinosen (Unaussprechlichen, Unbegreiflichen, Heiligen), welches für einen transformierenden Effekt des Beratungsgesprächs doch so bitter benötigt wird. Zum anderen aber erhalten die unbewussten, nicht integrierten Seelenanteile gerade durch ihre Bekämpfung energetische Nahrung, bläht sich der Schatten auf, wird das Gegenteil erreicht: durch lauthalse Verurteilung, Aussperrung und Abspaltung verbreiten sich Unseriosität und Scharlatanerie noch mehr, treten sie dem seinen Schatten in die Umwelt Projizierenden in der Folge noch bedrohlicher von außen entgegen.
Eine fruchtbarere, dem eigenen Wachstum und persönlicher Ganzheit (sowie der astrologischen Sache dienlichere) Umgangsweise wäre die Selbstbewusstwerdung, das ehrliche Erkennen und liebende Annehmen dieser Schwachstellen. D.h. jeweils bei sich selbst zu sehen, was man nicht haben will, was man dabei aber so wenig bzw. nur einseitig negativ kennt. (Psychologisch gesehen liegen Schätze verborgen speziell im Verteufelten, Verabscheuten, s. Alchemie und Tantra.) Man sieht sich selbst gerne als Vertreter einer modernen, aufgeklärten, "wissenschaftlichen", "rationalen", überhaupt der "wahren" Astrologie. Kollegen werden dagegen als Ketzer verdammt bzw. der weltlichen Inquisition überantwortet, d.h. medienwirksam diffamiert.
Unsinnig auch die chronische Rechtfertigung gegenüber der eigene Wege gehenden Tochter Astronomie. Wer sich ständig abgrenzen muss, der hat es nötig; der muss sein einseitiges Ego, sein schwaches Selbstbewusstsein auf diese Weise schützen bzw. stärken. Vom "Schatten" verfolgt werden kann eigentlich nur derjenige, welcher sich seiner selbst nicht sicher ist. Ein Stück Selbsterkenntnis täte not. Eine solche könnte auch den latenten Egoismus und Größenwahn zurechtrücken: denn wo ein Minderwertigkeitskomplex herrscht, hält man sich (in Kompensation) insgeheim immer auch für den Größten.
Vor diesem Hintergrund sind auch Bestrebungen zu sehen, Astrologie zu institutionalisieren, ihre Inhalte zu normieren und verschulen, als festumrissenen Wissensstoff ("abgepackt" und nicht gerade billig) käuflich anzubieten, Schüler zu zensieren bzw. an sie Titel zu vergeben. Abgesehen von der inneren Selbstentfremdung (Abtrennung unliebsamer, projizierter Seeleninhalte, s.o.) bleibt mit jeder Kanonisierung und Dogmatisierung eines Wissenssystems früher oder später auch der Inhalt auf der Strecke, gibt es dann nur noch wenig Freiraum für neue Entwicklungen.
Dabei ist die Prüfung oder Gewährleistung der Qualität eines Astrologen mithilfe formeller Kriterien sowieso unmöglich - so wie auch die beste demokratische Verfassung mit korrupten Bürgern nicht funktionieren kann. Entscheidend ist nie der Buchstabe, sondern immer der Geist. Jede Reglementierung verringert auf Dauer das Niveau, die Güte eines Wissensgebiets - da immer der Durchschnitt/ das "Normale" zum Maßstab genommen wird, ein Genie etwa durch alle Maschen fällt. Der Geist weht, wo er will. Verkirchlichung tötet ihn, legt ihn in Ketten bzw. drängt ihn ins Unbewusste (mit negativen Auswirkungen auch auf einen selbst, da man entscheidende eigene Anteile unterdrückt). Der verdrängte Geist (Inhalt) zeigt sich uns in der Außenwelt mit der Fratze des Scharlatans. Im Laufe der - individuellen wie kollektiven - Geschichte kommt er dann irgendwann unkontrolliert bzw. zerstörerisch an die Oberfläche - um die Einseitigkeit unseres Bewusstseins zu korrigieren.
Solange Astrologie nicht als im wesentlichen spiritueller Natur begriffen wird, kann der einzelne Astrologe kein Vertrauen in seine Sterndeutung haben. Ohne solches Gegründetsein glaubt er dann panisch, sein Gedankengebäude mit manipulativen Eingriffen/ Steuerungsversuchen vor dem drohenden Untergang retten zu müssen. (Doch aus geistiger Warte ist anzunehmen, dass mit der Sternenkunde höhere Mächte betraut sind, welche sehr wohl wissen dürften, was, wann und wie in dieser Sache das richtige Procedere ist).

ASTROLOGISCHE ERKENNTNISTHEORIE
Zentrale paradigmatische Setzungen

In der Regel werden die Bestandteile eines Horoskopes symbolisch aufgefasst. Das heißt, die astrologischen Faktoren sind nicht konkret zu verstehen. Die Planeten, Zeichen, Häuser, usw. sind Verschlüsselungen, Hinweise, Indikatoren für METAPHYSISCHE URPRINZIPIEN: etwa so wie ein Thermometer bzw. die Quecksilbersäule die Temperatur nicht selbst ist oder macht. Die Planeten etc. sind Sinnbilder, Gleichnis des Transzendenten. Die "Himmelsschrift" gibt Aufschluss bezüglich geistiger Sinnzusammenhänge, übergeordneter Bedeutungsstrukturen. Das astrologische System geht davon aus, die Grundprinzipien des Lebens schlechthin abzubilden (psychologisch verstehbar als Archetypen, als kategoriale Grundmuster von Erleben und Verhalten). Als urtümliche Bilder (ideelle Ordnungseinheiten oder geistige Schemata) sind die Elemente des astrologischen Weltbildes komplex. Sie enthalten stets auch den Gegenpol (psychologisch u.a. Verdrängungs- und Abwehrmechanismen, Kompensationen und Übersteuerungen) und beziehen sich immer zugleich auf mehrere Ebenen (u.a. auf Physisches, Emotionales und Mentales).
Das Verhältnis "Sterne - Erde/ Mensch" ist kein kausales, keine logisch-lineare Abfolge von Ursache und Wirkung. Dies bedeutet, dass ein - naturwissenschaftlicher bzw. verifizierbarer - direkter Schluss von Gestirnständen (physikalisch-astronomischen Gegebenheiten) auf irdische Ereignisse nicht möglich ist (höchstens auf das sog. Astrale, d.h. Gemütszustände). Die astrologischen Wirk-Gesetze funktionieren vielmehr nach Art der ANALOGIE, d.h. es besteht ein inhaltliches Entsprechungsverhältnis ("wie oben, so unten") zwischen den abstrakten, metaphysischen Bereichen und irdischen Verhältnissen. Statt Kausalität (einer Vergangenheits-Determinierung) herrscht im astrologischen Denken eher Finalität, eine Bestimmung von der Zukunft her, auf ein Ziel, eine Entwicklungsabsicht hin (deutungstechnisch auf den IV. Quadranten bezogen).
Die Auffassung von der "Zeit" ist dabei eine grundsätzlich andere als in den Naturwissenschaften: Die Zeit gilt nicht als eine Abfolge anonymer, sinn- und wesenloser Einheiten (kein "Dauerton", bei dem jeder Moment dem nächsten gleicht), sondern als eine sinnvolle, geordnete, lebendig-rhythmische Bewegung von Qualitäten (Melodie von Akkorden, "Sphärenmusik"). So gesehen finden gerade gleichzeitig stattfindende, synchrone (nämlich innerlich verwandte) Vorgänge besondere Beachtung.
Der grundsätzliche Ansatz- und Bezugspunkt des astrologischen Paradigmas ist dem der Naturwissenschaft diametral: Der Standpunkt der Astrologie ist geozentrisch (erdbezogen); sie geht vom menschlichen Subjekt, d.h. von der SUBJEKTIVITÄT aus. Der Begriff "subjektiv" ist hier nicht abwertend gemeint - eher realistischer, ehrlicher, im Sinne Kants zu verstehen, für den jedes Wahrnehmen subjektiv, von individuellen oder situativen Voraussetzungen abhängig ist. Subjektivität bedeutet jedenfalls keineswegs eine Willkür im Erfahren/ Wissen. Falls eine überpersönliche Warte, das Gewinnen eines Abstands zum "Nur-Subjektiven" überhaupt möglich ist, dann fungiert das Subjektive nämlich gewissermaßen als "Schleuse" zur Objektivität: So wie in der Humanistischen/ Transpersonalen Psychologie und Therapie die Transzendenz bzw. das Selbst nur über den Weg des Emotionalen erreichbar ist (s. Rogers' Aufmerksamkeit für die Gefühle oder Grof's Durcharbeiten von Traumata). Das Seelische gilt als notwendige, zu durchschreitende Schicht, um zu transpersonalem Erleben vorzudringen.
Im Döbereinerschen Dreischritt der Quadranten wäre entsprechend das Empfinden (Innere, Subjektive, das Handeln, "Menschliche" des II. Quadranten) die Vorstufe zum Allgemeingültigen (Entsubjektivierten, Bedeutenden, "Wahren" des IV. Quadranten). Anders gesprochen: Nur wer durch die "innere Hölle" ging, ist in der Lage, sich außerhalb seiner selbst zu stellen, sich von sich selbst zu distanzieren, von seinen Bedürfnissen, Gelüsten, Süchten, usw. zu abstrahieren, d.h. potentiell objektiv zu sein. Solche Objektivität ist unbeabsichtigbares Ergebnis, eine Folge durchstandener Erlebnisse. Sie ist keinesfalls beliebig abruf- oder steuerbar, beruht auf persönlichen Erfahrungen, ist Produkt von Reife bzw. grenzt an Gnade.
Die Dichotomie oder Polarisation von Subjekt und Objekt ist typisch abendländisch. Gemeinsam mit der Unterscheidung von Geist und Körper liegen ihre Wurzeln in der griechischen Philosophie, im Platonismus bzw. in der Gnostik. Mit der Quantenphysik (Heisenbergs Unschärferelation) wurde die gespaltene Weltsicht im 20. Jahrhundert eigentlich überwunden (was jedoch noch nicht überall durchgedrungen ist). Einen monistischen Gegenimpuls bildete bereits das Christentum mit dem Konzept der "Inkarnation Gottes im Fleisch", des Selbstes in der Materie.
Die klassisch naturwissenschaftliche, polarisierende Sicht greift nicht bei der (viel älteren) Astrologie; Begriffe wie Theorie und Empirie werden ihr nicht gerecht. Als eigenständige Kosmologie entzieht die Astrologie sich fremden Schemata bzw. Kategorisierungen. Sie ist sowohl subjektiv wie objektiv, theoretische Aussagen sind in ihr mit empirischen Beobachtungen verwoben. Sie ist weder das eine noch das andere, steht als Wissensgebiet vielmehr jenseits dieser Trennung. Sie ist umfänglicher, ganzheitlicher, eingebettet in ihren eigenen weltanschaulichen Kontext. Astrologie existierte schon lange vor der abendländischen Geistesspaltung, sie ist archaischer - und in gewissem Sinne auch moderner.
Von der Gesellschaft und den Medien wird verkannt, dass heute viele nicht "noch", sondern "wieder" an die Astrologie glauben. Astrologie muss kein "primitiver Kinderglaube" - an finstere, verflossene Gottheiten - sein, sondern ist auch zu sehen als eine bewusste, durch Krisen gereifte Überzeugung des Eingeordnetseins in größere (Sinn-) Zusammenhänge. Die neuerliche Hinwendung zur Astrologie ist Teil einer spirituellen Bewegung, die sich individuell wie kollektiv gegen Sinnlosigkeit, Atheismus und Materialismus wendet. Das wiedererwachte Interesse an der Astrologie ist auch ein Ergebnis der generellen gesellschaftlichen Psychologisierung, d.h. des verstärkten individuellen wie kollektiven Prozesses der Selbstbeobachtung/ -kritik und -infragestellung, der zunehmenden (Selbst-)Bewusstwerdung. Das Phänomen zeigt Parallelen zur naturnahen Lebensweise, welche heute nicht mehr instinktiv, sondern bewusst, begründet erfolgt: angesichts der zu befürchtenden ökologischen Katastrophe begreift man sich wieder als integralen Teil des Ganzen.

ASTROLOGISCHER ERKENNTNISPROZESS

Aus wissenschaftsanalytischer Sicht besitzt Astrologie einerseits eine empirische Grundlage, nämlich die konkreten Beobachtungen, Erfahrungen mit den Auswirkungen von Konstellationen; andererseits verfügt sie auch über eine theoretische Verankerung - vor allem über die Überlieferungen, was eine Konstellation abstrakt, als Idee/ Bild bedeutet. Astrologische Erkenntnis umfasst gewissermaßen beide Ebenen, Theorie wie Empirie. Sie ist ein dialektischer, ZYKLISCHER PROZESS zwischen beobachteten Tatsachen und Modellvorstellungen - wobei keine Seite/ Ebene der anderen vor- oder übergeordnet ist. Reale Geschehnisse füllen die tradierten Muster und Schemata aus, bestätigen, ergänzen oder korrigieren die metaphysischen Wirkstrukturen (bzw. unser Verständnis von diesen). Die urtypischen Bilder, Symbole ihrerseits lenken als geistige Kategorien die Wahrnehmung, sie dienen uns als Begriffsstrukturen zur Einordnung und Bewertung konkreter Gegebenheiten - etwa in dem Sinne, wie Plato vom "Wissen als Wiedererinnern" sprach oder Steiner von seiner Geisteswissenschaft als dem "Wiederfinden geistiger Inhalte in der physischen Welt". Astrologisches Erkennen ist sowohl deduktiv (theoriengeleitet) als auch induktiv (aus Beobachtungen schließend); der Erkenntnisprozess bewegt sich von beiden Polen zugleich vorwärts bzw. nähert sich im Nacheinander, Wechsel dieser Ebenen allmählich der Wahrheit an. Bei einer Geburtsbildinterpretation geht es darum, idealtypische Muster, Ordnungsstrukturen festzustellen und sie auf das Leben des Horoskopeigners zu übertragen. Da die Symbolbilder deutlich umrissen und in sich schlüssig bzw. stimmig sind, kann die Deutung nicht beliebig/ völlig aus der Luft gegriffen sein. Doch wegen der Bildhaftigkeit und Komplexität der Symbole empfiehlt es sich auch, bei seinen interpretativen Ausführungen einen möglichst weiten assoziativen Rahmen, Spielraum für Phantasie, etc. zu belassen, nicht zu konkretistisch zu werden. In anderer Richtung gilt es, die Erlebnisse, Probleme, Fragestellungen des Klienten in astrologische Termini zu übersetzen, d.h. das Berichtete in der Symbolik des Horoskops aufzuspüren. Schilderungen des Horoskopeigners helfen dem Astrologen "auf die Sprünge": um seine Hypothese zu testen, welche Konstellation für ein (umgangssprachlich dargestelltes) Problem zuständig sei, fragt der Astrologe nach, beschreibt sodann das Symbolbild (dessen Symptome und Lösungen) genauer, erhält eventuell vom Klienten wiederum neue Reaktionen, Rückmeldung, Aufschlüsse, usw. In solchem Hin und Her, im lebendigen Dialog oder Austausch entfaltet sich immer klarer, worum es geht, schält sich (phänomenologisch) immer prägnanter der eigentliche Problemkern heraus, kommt der verborgene Zusammenhang, das zugrunde liegende Wesen des Themas langsam aber sicher zum Vorschein.
Erleichternd im Umgang mit dem Horoskopeigner ist die zusätzliche Verwendung der - auf den ersten Blick ganz unastrologischen, dem Wesen nach gesprächstherapeutischen Methode des einfühlenden Verstehens. Diese hilft den Klienten wirklich wahrzunehmen, ihn in der Beratung dort abzuholen, wo er steht. Die Einfühlung ermöglicht vor allem aber, wegzukommen von der rein abstrakten, bloß theoretischen, immer zurechtgelegten, subjektiv-verzerrten eigenen Horoskopsicht. Bei der Rückübersetzung der vom Klienten empfangenen Gefühlsbotschaften wird der Astrologe zu einem ganzheitlichen, nicht nur "kopfbetonten", sondern gerade auch emotional lebendigen Verständnis der Symbolik gezwungen.
In der intensiven Begegnung von Klient, Astrologe und Symbolbild kann sich eine nicht geringe Dynamik entwickeln - gerade wenn Emotionen angesprochen und aktiviert werden. Noch vor wenigen Jahrhunderten begriff man ein solches Setting als Magie, als "Geisterbeschwörung", galten die Planeten als Götter, die mehr oder weniger in allen Menschen wirksam waren... Im Kreisen um Konstellationen oder Seelenkomplexe kann eine vergleichbare Aufladung, Spannung bzw. Faszination der Beratungsatmosphäre erfolgen (die sich als Ergriffenheit, "Ekstase" beim Astrologen sogar in körperlichen Entfremdungs-Symptomen bemerkbar machen kann). Tritt diese Überflutung durch unbewusste Inhalte auf, gilt es, sich wieder bewusst dem Horoskopbild (als neutraler, objektiver Grundlage), den tatsächlich vorliegenden Symbolen zuzuwenden. Nur so kann man der "Besessenheit" entrinnen. In der Magie wurden die "Geister gebannt", indem man sie benannte bzw. nach ihrem Namen fragte (der erste Schritt, um sie dem Bewusstsein einzuverleiben). Für den Astrologen als Mittler "zwischen den Welten" (Medium) ist es wichtig, sich in jene Bereiche hineinzubegeben, die astralen Energien zu handhaben (die ja ein hervorragendes Vehikel der Transformation darstellen). Er darf jedoch nicht kippen, keiner Seite verfallen, weder der magisch-phantastischen noch der nüchtern-rationalen - sondern muss die Mitte halten, bei sich selbst bleiben (vgl. "Ki" im Zen). Gegenüber anderen mantischen Systemen besitzt die Astrologie den eminenten Vorzug, dass sie auf einer eindeutig beobachtbaren und exakt berechenbaren Grundlage beruht (welche zudem noch den Zeitfaktor berücksichtigt), sie hat sozusagen immer einen Anker in der Realität. Auf diese "hard facts" kann und soll sich jede weitschweifende, eventuell "vergaloppierende " Deutung beziehen.
Der Erkenntnis-Vorsprung der Astologie gegenüber den etablierten Wissenschaften sind die ihr bereits zur Verfügung stehenden abstrakten Ordnungskategorien. Die astrologischen Symbole sind ein einzigartiger Zahlencode, einen welchen die Naturwissenschaft verzweifelt sucht (u.a. in den genetischen Bausteinen), eine Chiffre von Funktionszusammenhängen, welche als sinnvolles Ordnungssystem gerade der Psychologie völlig ermangelt (auch Jungs Archetypen sind bei weitem nicht so klar und übersichtlich geordnet wie das astrologische System). Der Astrologe kann sich von den in der Tradition vorgegebenen "objektiven geistigen Strukturen" (Spranger) leiten lassen. Zum Verstehen von Phänomenen hat er bewährte Kategorien bzw. Schemata zur Hand; durch die Kenntnis der überlieferten Bilder weiß er um die mit jeder Konstellation verbundenen Mechanismen, um deren spezifische Dynamik. Kurzum, im Gegensatz zum akademischen Wissenschaftler muss der Astrologe nicht "bei Null" beginnen.
Dabei spielen in der Astrologie die offiziell verpönten Erkenntniswege der Medialität, Evidenz oder Intuition eine wichtige Rolle. Wer diese Erkenntniswege von vornherein in den Bereich des Vor- oder Unwissenschaftlichen verweist, verschließt sich wesentlichen Quellen - bzw. hört an dem Punkt zu denken auf, wo es interessant wird. Denn diese Methoden müssen keine mystischen Erscheinungen, keine unerklärlichen, "übernatürlichen" Vorgänge bleiben. Sie sind der bewussten Analyse/ näheren Untersuchung und Erforschung durchaus zugänglich; sie sind weiter differenzier- und spezifizierbar, (geistes-) wissenschaftlich ausbaufähig. Die sog. dunklen (okkulten) Pfade des Wissens sollen und müssen vom Licht des Bewusstseins durchdrungen, allgemeiner zugänglich, verständlicher werden.
So beschreibt etwa die KREATIVITÄTSFORSCHUNG, inwiefern die Evidenz (das sog. Aha-Erlebnis) eines Künstlers bestimmten Bedingungen, regelhaften Voraussetzungen unterliegt. Das kreative Geschehen zeigt mit seinen Phasen große Ähnlichkeit zum astrologischen Erkenntnisprozess:
Anfänglich erfolgt eine intensive, vor allem mental-verstandesmäßige/ analytische Beschäftigung mit dem Thema, ein Sammeln von Material (u.a. brain-storming), die Produktion von Assoziationen (amplifikatorisch im Sinne Jungs, d.h. die Beleuchtung eines Inhalts von verschiedenen Seiten). Die zweite Phase ist gekennzeichnet durch ein äußeres Blockiertsein, durch Frustration, Zurückgezogenheit und Ruhe, bei gleichzeitiger innerer Krise/ Depression (also überwiegend unbewussten Aktivitäten). Während dieser "Inkubationszeit " wird als Drittes die "Erleuchtung" geboren, durch welche sich die vorherigen Puzzlestücke zu einem neuen Gesamtbild ordnen, die thematische Gestalt sich vervollständigt. In der letzten Stufe ("Verifikation") wird die gefundene Konzeption schließlich überprüft, einer kritischen Realitätskontrolle unterzogen, sowie praktisch umgesetzt, in ihren Details ausgearbeitet…
Die naturwissenschaftliche Haltung des Prüfens, Hinterfragens, der Kritik (und Selbstkritik) ist zeitgemäß, für uns heute richtig und notwendig. Zusammen mit der Entwicklung des Ichs/ der Individualisierung ist sie in der psychologischen und kulturellen Evolution die wichtigste Errungenschaft der vergangenen Jahrhunderte. Diese kritische Haltung überwand die mittelalterliche Naivität, die romantische Schwärmerei, unsere Gefangenschaft im Mythos, unser blauäugiges "Nur-Glauben". Doch sollten Form und Inhalt nicht verwechselt, das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden: naturwissenschaftliche Denkmethodik ist nicht gleichbedeutend mit einem halsstarrigen, materialistischen Leugnen der Existenz geistiger Welten - sondern ließe sich gerade auch auf sog. Mystisches oder Archaisches anwenden. Die Methoden des Beschreibens, Vergleichens, Zergliederns und Abstrahierens könnten die "geheimnisvollen Gegenstände und Gestalten" der geistigen Welt genauer und klarer fassen. Im Rahmen der Astrologie sollten diese Geisteskräfte speziell auf das astrale (Zwischen-) Reich gerichtet werden - auf jenes Gebiet, worauf sich die Gültigkeit astrologischer Symbole vermutlich erstreckt, von woher sich wahrscheinlich die funktionelle Wirkung des Prinzips der Synchronizität erklärt und wo sonst nur vage, dunkel und verschwommen die Geisteskräfte des Intuitiven und Medialen hineinreichen - um dort gewisse Gleichförmigkeiten, Regelmäßigkeiten, Strukturen, Entwicklungsgesetze, etc. zu erkennen (vgl. die geisteswissenschaftlichen Ansätze Diltheys und Steiners).
Als moderne Geisteswissenschaft hätte die Astrologie jedoch zuvorderst ihre (größtenteils unbewussten) Voraussetzungen zu klären. Sie hätte sich ihrer - historischen wie inhaltlichen - Verwurzelung im Magischen und Medialen bewusst zu werden, sie müsste ihre okkulte Vergangenheit, ihr archaisches, mystisches Erbe und Wesen annehmen. Täuschung und Selbsttäuschung lassen sich auf diesem Gebiet nicht vermeiden - doch dies ist bei den angeblich "objektiven" Wissenschaften nicht anders. Im Magischen oder Psychischen kann Täuschung reduziert werden über den Weg der Projektionsrücknahme, d.h. durch Selbstbewusstwerdung, kritische Selbsterkenntnis. Während psychologisch gesehen dies eine Annäherung an das Selbst bewirkt, bedeutet es esoterisch oder initiatorisch einen Zugang/ Durchbruch zur Transzendenz. Nur eine Verbindung zum Spirituellen verbürgt Wahrheit; und der Weg dorthin führt paradoxerweise über den Gegenpol, die Rationalität...

ASTROLOGIE = MERKUR-NEPTUN

Astrologie umschließt sowohl Arithmetik (Berechnung, Computerprogramme, usw., mundan die 3./6. Phase), als auch verborgenes, geheimes Wissen (Mystik, Okkultes, die 12. Phase). Sie rührt einerseits an überirdische, schicksalshafte, angstauslösende, dem Verstand dunkle, unergründliche Zusammenhänge; andererseits trägt sie Merkmale einer Wissenschaft, sammelt empirisches Material, untersucht, beschreibt, analysiert, vergleicht, usw.
Die Notwendigkeit rationalen Vorgehens in der Astrologie wird gemeinhin unterschätzt. Doch selbst in der Deutung der - für Außenstehende vagen, verschwommenen, verwirrenden - Symbolbilder sind wissenschaftliche Prüfkriterien (der Schlüssigkeit, Stimmigkeit, inneren Logik) anzuwenden. Und vor allem bei prognostischen Methoden (Direktionen, Progressionen, Solaren, Auslösungen) sind in der Praxis äußerste Präzision gefragt. Bei jedem Interpretieren ist eine gesunde Portion merkurialer Skepsis angebracht, ein Stück nüchterner Selbstkritik, Selbsthinterfragung bzw. Projektionsabbau, um nicht den eigenen Täuschungen (Selbstspiegelungen, Illusionen) auf den Leim zu gehen. Es bedarf eines sachlichen Realitätsbezugs, einer Thomas-Haltung (welcher heißt der Zwilling): "wenn ich nicht sehe die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben…"
Zum überzeugten - und überzeugenden - Umgang mit einem metaphysischen System wie der Astrologie gehört aber auch ein Glaube, das Vertrauen in die Wirksamkeit nichtstofflicher Prinzipien, an höhere, transzendente (neptunische) Wirkmechanismen wie Fügung oder Vorsehung.
In seiner Praxis geschehen dem Astrologen sogenannte parapsychologische Phänomene wie Ahnungen, Eingebungen, Intuitionen, Evidenzen, Medialität. In Verbindung mit den Symbolen stellen sich Assoziationen, Phantasien, Träume und andere unbewusste Prozesse ein. Astrologie ist der Versuch, Irrationales, Phantastisches, Unglaubliches zu fassen, es zu beschreiben und zu benennen, in seinen Bedingungen zu untersuchen und zu erklären, "Ungeheuerliches" via Erkenntnis dem Bewusstsein begrifflich einzuverleiben.
Das Wissensgebiet der Astrologie umfasst das Jenseits und das Diesseits, verbindet die geistige Potentialität des Himmels mit der materiellen Kristallisation der Erde. Als Mittler zwischen Kosmos und Mensch ist dem Astrologen zur Aufgabe gestellt, diese gegensätzlichen Welten zu versöhnen, eine Brücke zu schlagen zwischen Vernunft und Logik einerseits und Geheimwissen, Vorsehungsglauben andererseits, beides in seiner Person zu integrieren, eine Synthese - und damit auch seine persönliche Ganzwerdung zu vollbringen.
Diese Funktion von Merkur-Neptun "zwischen den Welten" bringt mental und emotional erhebliche Probleme mit sich. Ein Mensch, der unter dieser Konstellation steht, entscheidet sich nicht selten für nur eine der beiden Seiten: er ist entweder ein Träumer, "Spinner", "schwebt über allen Wolken"; oder er ist ein hartgesottener, überkritischer Realist, ein leidenschaftlicher Verfolger der "Schlammflut des Okkultismus" (Freud). Man unterliegt damit gern Wahrnehmungstäuschungen, macht sich selbst etwas vor (der Wunsch als Vater des Gedankens), man ist gefährdet von Unklarheit, geistiger Verwirrung, Verschwommenheit und Konzentrationsstörungen, damit verbunden Orientierungslosigkeit - und wird geplagt von Selbstzweifeln. Das Unbewusste wird zwar zu ergründen versucht, doch häufig auch ein raffinierter Schleier, ein Netzwerk der Begriffe über das "dunkel gähnende Loch" (der eigenen Wurzeln, Vergangenheit, Herkunft) geworfen - so allerdings das akute Thema der eigenen Identität nicht wirklich angegangen, vielmehr tabuisiert, totgeschwiegen.
Resultat solchen Rationalisierens ist oft eine große Empfindlichkeit bzw. Feinnervigkeit einerseits, im Grunde aber ein schlechter Umgang mit emotionalen Angelegenheiten, eine Lähmung, Hilflosigkeit in der Konfrontation mit seelischen Dingen. Aufgrund eines gestörten Urvertrauens wird Merkur-Neptun oft sehr von Misstrauen beherrscht. Der mit dieser Konstellation Geborene fürchtet von anderen hintergangen, betrogen, ausgenutzt zu werden - lässt aber auch gerne (zu) viel mit sich machen.
Sozial befindet er sich sowieso am Rande der Gesellschaft, ist Außenseiter - weil anders, fremdartig, ein "schwarzes Schaf" der Herde. Er wird leicht missverstanden, kann sich - gerade wegen seines emotionalen Reichtums, der inneren Komplexität - nur schwer verständlich machen bzw. kaum unzweideutig artikulieren. Den - üblicherweise unangemessenen - Erwartungen seiner Umwelt kann auch der Astrologe kaum entsprechen; Außenstehenden mag dies vorkommen wie Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit oder gar Schlampigkeit gegenüber den Anforderungen der Konvention. Vorbeugend, zum persönlichen Schutz bzw. aus Angst außen vor zu bleiben, wird z.T. eine Scheinanpassung vollzogen (mit seriösem Mantel, Schminke oder Krawatte)…

DIE SINNORIENTIERUNG DER ASTROLOGIE

Wie in der Psychotherapie ist auch in der Astrologie die Persönlichkeit des Forschers/ Beraters von entscheidender Bedeutung. Persönliche Integrität bzw. Reife, ethische Grundüberzeugungen sind für die Qualität der Arbeit ausschlaggebender als die bloß fachliche Qualifikation oder regeltreue Anwendung einer Methodik. Von außerhalb, mit fremden - im Grunde stets subjektiven, willkürlichen - Maßstäben ist die Güte eines Astrologen eigentlich nicht zu beurteilen. Bei etwaigen Prüfungen stößt man doch immer wieder auf Wölfe im Schafspelz, eventuell aber auch auf wirkliche Persönlichkeiten (im Sinne von Maslows Selbstverwirklichern) - welch letztere grundsätzlich von vielschichtiger, ambivalenter, schillernder bzw. paradoxer Natur sind. Individuierte Menschen weisen auch negative, schattenhafte Charakteristika auf, haben jedoch ihre inneren Gegensätze auf einer höheren Ebene überwunden/ integriert - d.h. sie lassen sich mit den existierenden, zurechtgelegten Schemata nicht fassen, entziehen sich im Grunde jeder Kontrolle und Überprüfung.
In fast allen Therapierichtungen ist die Selbsterkenntnis (via Eigentherapie) Bestandteil und Bedingung des Ausbildungsprogramms. Das Aufarbeiten persönlicher Traumata, das Zurücknehmen von Projektionen, das Annehmen und Sich-Versöhnen mit den dunklen Aspekten der Persönlichkeit (mit dem "Schatten") sind Voraussetzungen für eine Eignung zum Berater oder Therapeuten. Dabei hat sich gezeigt, dass nur durch Regeneration der eigenen negativen Prägungen neue, echte, lebendige, kraftvolle Werte erwachsen und erst dann anderen überhaupt sinnvolle Führung gegeben werden kann. Nur wer in seine "Unterwelt hinabstieg", tiefgehende persönliche Krisen schon durchstanden hat, ist anschließend in der Lage, anderen hilfreich zur Seite zu stehen, ihnen wirklich etwas zu vermitteln/ positiv zu geben. Nur der "im Geiste Wiedergeborene" (religiös gesprochen) hat die Fähigkeit und Energie, jemandem ernsthaft zuzuhören, sich in ihn hineinzuversetzen, mitzufühlen bzw. betroffen zu sein, sich menschlich zu engagieren.
In der heutigen Astrologie ist der Mangel an deutlich sichtbaren (expliziten) Werten ein großes Manko. Seit die Astrologie ihrer religiösen Einbettung verlustig ging/ ihres kosmologischen Kontextes entkleidet wurde, vermag sie auf die (mehr denn je drängende) Frage von Ursprung und Bestimmung des Menschen keine Antwort mehr zu geben.
Wie in der Naturwissenschaft fallen metaphysische Kategorien wie die des Sinns aus der "rein astrologischen Betrachtung" heraus (sogenannte "Aussagegrenze"). Mit Fragen nach dem "warum" (z.B. einer schwierigen Konstellation) muss der Klient woanders (bloß wohin?) bzw. nach Hause geschickt werden. Seit ihrem nachmittelalterlichen Verfall haftet der Astrologie schließlich noch das Menetekel des Fatalismus an, d.h. sie operiert mit einem Schicksalsbegriff, welcher überwiegend negativ aufgefasst wird oder deterministisch ist. Die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgekommene Psychologische Astrologie jedoch kennt sogenannte "bewusste" und "unbewusste" Realisierungen von Konstellationen. Im Gegensatz zur früheren Astrologie verfügt sie also über eine existenzielle Perspektive. Sie geht implizit von einer Maxime aus, die etwa lautet: "Hin zu mehr Bewusstheit!" Zudem verspürt sie eine pädagogische Mission, nämlich dem Menschen mehr über sich selbst (wie in den Symbolen verschlüsselt) zu erzählen.

HUMANISTISCHE ASTROLOGIE

Humanistische Psychologie (oder Astrologie) geht noch einen Schritt weiter: Ziel der zunehmenden Bewusstwerdung (der persönlichen Entwicklung oder Individuation) ist das sogenannte Selbst. Dieses zeichnet sich vor allem aus durch Ganzheitlichkeit, durch das Vorhandensein einer neuen seelischen Ordnung auf höherer Ebene. Mit dem Selbst als regulativer Zielvorstellung geht es der Humanistischen Astrologie in besonderem Maße um Integration/ Synthese, um eine Aussöhnung der unterschiedlichen miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteile (resp. astrologischen Faktoren).
Eigentlich sind Werte, Zielrichtungen bzw. der Evolutionsgedanke in der Astrologie schon immer implizit enthalten. Schließlich erfasst sie den fortschreitenden Entwicklungsprozess eines Organismus, Wesens oder Gegenstands im Gang durch die Elemente, in der Abfolge der zwölf Phasen, sowie im Dreischritt der Quadranten. Gemäß letzterem System erfolgt derzeit - im Makrobereich von Politik/ Gesellschaft/ Kultur, wie im Mikrobereich des Individuums - gerade eine Schwerpunktverlagerung von der materiellen Dominanz des I. Quadranten zu den überpersönlichen Werten des IV. Quadranten. (Solch Bewegung vom Ego zum Selbst verläuft in der Regel allerdings nicht ohne Krisen und Schmerzen.) Auf die tägliche Beratungspraxis übertragen, bedeutet dies: Es geht zunehmend weniger um den Lottogewinn, dagegen mehr um das Seelenheil; das vormals "böse" Schicksal erscheint langsam wieder in einem günstigeren Licht (siehe das steigende Interesse an den äußeren Planeten, den früheren "Übeltätern").
In der modernen astrologischen Literatur werden erlittene Enttäuschungen, Leid, Verluste, Niederlagen und Traumata als sinnvoll beschrieben, als durchaus notwendig, wichtig und richtig, als im Grunde befreiend, zur inneren Wirklichkeit führend - eine Sicht, welche die Klienten zumindest ansatzweise (in der Rückschau bzw. im intensiven inneren Nacherleben) teilen können. Es ist ein Phänomen der letzten Jahrzehnte, dass die astrologischen Prinzipien praktisch nur noch als innerseelische Kräfte aufgefasst werden. Daraus lässt sich ein interessanter Analogieschluss ziehen: So wie im Einzelnen die Beschäftigung mit dem Seelischen (mundan der II. Quadrant) den Nährboden bereitet für einen Durchbruch des Selbst (mundan IV. Quadrant), so dürfte die moderne Psychologische Astrologie Durchgangsstadium sein für ein künftig spirituelles Astrologieverständnis. (Der Quadrantendreisprung lässt darüber hinaus makrokosmisch aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Psychologisierung ebenfalls als nächste Stufe eine Art spiritueller Kultur erwarten.)

WER A (ANALOGIE) SAGT, MUSS AUCH G (GOTT) SAGEN

Kein Wissen kann sich selbst begründen und beweisen; jedes Wissen setzt ein noch Höheres voraus, als seinen Grund, und dieses Aufsteigen hat kein Ende." (Fichte)

Nicht nur persönlich, auch für jeden Erkenntnisweg stellt sich die Gretchenfrage: wie hältst du's mit Gott? alles geht von Einem ausWenn dessen Existenz anerkannt wird, dann wäre (inhaltlich wie methodisch) alles auf ihn zu beziehen; wenn nicht, dann müsste das eigene Denken und Tun mit gleichrangigen, d.h. ebenso fundamentalen weltanschaulichen Prämissen legitimiert werden.
Es ist üblich, dass sich die Vertreter eines Wissenssystems an diesem Punkt der Stellungnahme entziehen. Solches Ausweichen stellt aber ihr komplettes Wissensgebäude auf unsicheren Boden. Allein um der Ganzheit Rechnung zu tragen, müsste eine Art Glauben, zumindest die Ehrfurcht/ Achtung vor der Schöpfung wieder integraler Bestandteil jeder Wissenschaft und Forschung werden. (Ähnlich zu integrieren wären auch Seelisch-Emotionales und die Kunst.)
Dabei hat Religiosität oder Spiritualität im Grunde nichts mit einer Kirche, nichts mit Institutionen zu tun - eher im Gegenteil: Das Transzendente kann kein toter Schriftgott oder ein Gott der Gebote sein, sondern wirkt als lebendige Kraft, als Präsenz, die vom einzelnen erfahren wird bzw. zu der sich das Individuum in Beziehung setzt. In der Humanistischen und Jungianischen Therapie spielen Werte, Sinn und Glaube bzw. der Archetyp Gottes die zentrale, alles entscheidende Rolle. Auf diesen Punkt stößt jeder Klient/ Suchende im Verlauf seiner Selbstwerdung (Individuation).
Für die Transpersonale Bewegung (als jüngster Richtung der Psychologie) ist der Mensch nicht mehr durch Zeit und Raum begrenzt, sind metaphysische Dimensionen eine Selbstverständlichkeit. (Da das Geistige einen wesentlichen Teil der menschlichen Natur ausmacht, sollten sich eigentlich auch die offiziellen, d.h. akademischen Wissenschaften mit diesem Gebiet beschäftigen.) Die intensive Beschäftigung mit der Astrologie führt beinahe zwangsläufig zu einer Vertiefung des persönlichen Glaubens. Denn zum einen lernt man sich selbst über sein Horoskop immer besser kennen, nähert sich damit seinem inneren Wesen (dem gottverwandten Selbst) an. Und in der täglichen Beratungs-Praxis gerät man dann darüber ins Staunen, vermag mit seinem menschlichen Verstand nicht zu begreifen, wie bei all der Verwobenheit und Komplexität so vieler Schicksale auf Erden offensichtlich doch zugleich so viel Sinn und Ordnung besteht - so dass sich die Überzeugung regelrecht aufdrängt, dass jene nur von einer höheren Instanz gelenkt/ gestiftet sein kann.
Der Glaube gibt dem Berater die nötige persönliche Verankerung; er hilft ihm, die grundsätzlichen und existentiellen Fragen seiner Klienten zu beantworten. Dabei fügt sich das astrologische Wissen sehr gut ein in eine religiöse oder spirituelle Weltanschauung, vermag diese zu ergänzen durch psychologische Zusammenhänge/ Differenzierungen sowie eine zeitliche Lokalisierung von schicksalshaften Ereignissen und Erlebnissen. Ein Astrologe, der bewusst verbunden ist mit der inneren spirituellen Präsenz, der in Kontakt steht mit der lebendigen geistig-schöpferischen Quelle, ist sogar in der Lage, die Thematik eines Klienten mit geistigem Auge (hellsichtig, d.h. astrologieunabhängig) zu erfassen. Er kann feststellen, welche Verwirklichungsebene der Symbole jeweils vorliegt; er kann - von der Warte des Geistigen, Transzendenten, Schicksalshaften - vertiefte, intuitive, treffsichere Deutungen geben (wobei die solchermaßen gewonnenen Erkenntnisse natürlich am Horoskop zu überprüfen bzw. mit jenem zu kombinieren wären).
Schließlich ist das Eindringen in die Sternenweisheit auch ein Einweihungsweg. Die "himmlische Sophia" erschließt, "enthüllt" sich nicht jedem und nie auf einen Schlag. Auf diesem Weg erweist sich das astrologische Wissen schon bald als unerschöpflich: nach Ankunft auf der einen Stufe/ Ebene bzw. im einen Raum des Wissens eröffnen sich dahinter immer noch weitere, zuvor unvermutete. In jeder Initiation bedarf ein neu zu erlangender Grad der intensiven Vorbereitung, erfordert jede Vertiefung geistigen Erkennens eine Art Prüfung, eine Arbeit an sich selbst, an der eigenen Seele - man muss eingestimmt, reif sein für das Wissen. Im Vorwartsschreiten durch den Tempel des Wissens erfolgt eine persönliche Verwandlung, Transformation - man bleibt nicht derselbe, der man mal war. Der Zugang zu den weiter innen liegenden Räumen ist zwar mit großen Anstrengungen und Mühen verbunden, wird stets aber auch erlebt als "Geschenk des Himmels", als ein Stück Gnade. Alles Neue kommt überraschend; die günstigste Voraussetzung ist jedoch eine religiös-rezeptive Seelenverfassung, eine devotionale Haltung. (Irgendeine Tür, ein Rest des Wissens dürfte dabei wohl immer geheim, verborgen, unaufklärbar/ nur der Ahnung überlassen bleiben.)
Die auf uns überkommene Astrologie ist eigentlich ein "Trümmerhaufen", dessen Bruchstücke aus völlig verschiedenen Zeiten und Kulturen stammen - und zum Teil nicht einmal die Grundelemente (wie Tierkreiszeichen, Planeten) miteinander gemein haben. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass Astrologie in allen Epochen und Kulturkreisen inmitten eines religiös-metaphysischen Rahmens stand - sei es nun in Babylonien, in der Gnosis, bei den Arabern, im Mittelalter, in Indien, China, bei den Mayas oder bei den Indianern.
Atheismus ist modern. Es passt in unsere materialistisch-naturwissenschaftliche Zeit, dass von Gott nicht mehr gesprochen wird (eine große Scheu davor besteht, das Wort überhaupt in den Mund zu nehmen). Dabei wären das Metaphysische, eine Sinnhaftigkeit, Konzepte wie Evolution, Karma oder Dharma eigtl. "missing links" (fehlende Schlüsselglieder in der astrologischen Begründung/ Ableitung, die dort reinpassen, wo die astrologische Theorie versagt/ nicht mehr weiter weiß). Denn wie erklärt man sich z.B., wieso man jahrelang mit einem bestimmten Partner zusammen ist (oder war), mit dem "rein astrologisch" gar nicht so viele bzw. keine klassischen Berührungspunkte vorhanden sind (außer man konstruiert solche Zusammenhänge umständlich über Sekundärhoroskope und Nebenfaktoren), wohingegen es in anderen, "kosmisch weit günstiger gestimmten" Begegnungen einfach nicht "funkt"? Oder man denke an Zwillingsgeburten, wo die Persönlichkeiten im Typus und Wesen z.T. äußerst verschiedenartig sind - was sich mit den Prinzipien von Analogie oder Kompensation doch nur unbefriedigend erklären lässt.
Das Transzendente, Heilige ist im astrologischen System eigtl. ausdrücklich enthalten, nämlich im (mundan) IV. Quadranten (wohingegen die anderen Quadranten dem Körper, der Seele und dem Geistig-Mentalen zugeordnet sind). In der Finalität des IV. Quadranten - mit den Planeten Saturn, Uranus und Neptun - steht dem beratenden Astrologen ein vorzügliches Mittel zur Verfügung, um Sinn zu stiften, um ein Individuum mit seinem Schicksal zu verbinden, ihm Perspektive, Richtung, Hinweise zu geben auf die ureigene Bestimmung.
Wie gut sich Spirituelles in das Gebäude der Astrologie einfügt, soll der nachfolgende kleine "Gottesbeweis" zeigen; denn aus einer konsequenten Fortführung des Analogieprinzips (der Kernmethode astrologischen Denkens) ergäbe sich logisch zwingend die Existenz eines metaphysischen Wesens oder Seins. Vorausgeschickt sei, dass in der modernen (Symbolischen) Astrologie die Himmelskörper nicht selbst als die Wirkfaktoren, sondern nur als physische Repräsentanten (materielle Entsprechungen) der eigentlichen - abstrakten, metaphysischen, nichtstofflichen - Wirkprinzipien gelten.Himmelsleiter
Wer nun die den astrologischen Urprinzipien zugehörigen Symbolketten oder Entsprechungsebenen noch weiter zurückverfolgt (gewissermaßen Jakobs Himmelsleiter einige Sprossen nach oben klettert), stößt gemäß Analogieprinzip irgendwann auf ein "Prinzip der Prinzipien", auf die Metaebene des Metaphysischen. Dieses Jenseitige nun muss innerlich den astrologischen Wirkfaktoren entsprechen, enthält darüberhinaus aber diese auch in sich. Es ist noch abstrakter, noch immaterieller - eben das allumfassende Göttliche. (Im menschlichen Maßstab wäre dieses oberste Prinzip äquivalent dem Selbst, welches die unterschiedlichen Seelenkräfte auf höherer Ebene vereinigt.)
In gnostischer Terminologie lautet dieselbe Gedankenführung: So wie die Dinge der physischen Welt eine Realisation (Manifestation) der astrologischen Urprinzipien (eventuell planetarer Engel) sind (deren Energien über etliche Stufen bis in die materielle Welt hinabreichen), so sind die kosmischen (astralen) Kräfte ihrerseits Ausdruck (Emanation) einer dahinter verborgenen Urkraft/ transzendenten Entität.
Oder im Stile Platos argumentiert: Wo immer es im Denken Hierarchien, z.B. eine Rangordnung von Werten gibt, etwa die in der astrologischen Interpretation gängige Unterscheidung von mehr oder weniger negativen/ unerlösten vs. positiven/ erlösten Realisierungsformen einer Konstellation, da muss konsequenterweise immer auch eine "Pyramidenspitze", etwas Idealtypisches existieren, d.h. ein oberster, absoluter, vollkommener Wert oder Inhalt gegeben sein.
Der Analogieschluss hat einen Verweischarakter. Er trägt in sich den Hinweis auf Geistiges, setzt als abstrahierende (geistige) Methode die Existenz einer metaphysischen Ebene schon voraus (die Gemeinsamkeit von Dingen/ ihre Entsprechung, das ihnen zugrunde liegende Prinzip ist nicht stofflicher, sondern ideeller Natur). Für einen Materialisten ist es folglich eigtl. illegitim, den Analogieschluss überhaupt zu verwenden - denn ohne Geist keine Analogie. Als im Grunde geisteswissenschaftliche Methode enthält die Analogie kosmologische Implikationen. Sie lässt sich nicht von ihrem - letztlich religiösen - Kontext lösen, als "pure" Technik verwenden. Die Verwendung des Analogieprinzips durch einen Astrologen impliziert dessen Bejahung eines transzendenten Seins. Denn Analogieschlüsse sind bedingt durch das Vorhandensein einer absoluten Wirkebene noch jenseits der astrologischen Archetypen. D.h., in seiner täglichen Praxis geht jeder Astrologe von metaphysischen Prämissen aus; bewegt er sich zumindest unbewusst auf religiösem Terrain.
Das astrologische Denkgebäude ist innigst mit einem metaphysischen Hintergrund verwoben, wurzelt zutiefst in einem spirituellem Urgrund. Eine säkularisierte, naturwissenschaftliche (völlig "von Gott gereinigte") Astrologie kann - wie die naturwissenschaftliche Psychologie - im Grunde nur widersprüchliche, banale, sinn- und wertlose Ergebnisse hervorbringen. Astrologie kann ihres metaphysischen Gewands nicht ohne Identitätsverlust (d.h. nicht ohne wesentliche Entstellung bzw. existenzielle Verstümmelung) entkleidet werden. Eine Astrologie ohne Gott hieße eine Astrologie ohne Analogie.

Zusammenfassung: ZWÖLF ANTI-THESEN ZUR BEWEISBAR- BZW. WISSENSCHAFTLICHKEIT DER ASTROLOGIE

I. Die vielgerühmte STATISTIK ist erkenntnistheoretisch immer nachgeordnet, ersetzt keine Theorie. Sie kann strenggenommenen nichts beweisen, erlaubt keine Aussagen über Ursache und Wirkung (stets sind jede Menge Alternativhypothesen möglich). Reine Signifikanzen sind oft banal. Und anonymes Zahlenwerk verliert eh den Bezug zum Individuellen/ typisch Menschlichen. Statistik impliziert eine Sinnlosigkeit des Daseins (das von Einstein verworfene "Würfeln Gottes") bzw. den Materialismus. Zur Datensichtung wäre sie vertretbar (solange der Rahmen für den Einzelforscher überschaubar bleibt) - jedoch nicht als methodisches Diktat/ Apodiktum.

II. Die in der Psychologie - und in Astrologietests - häufig verwendeten FRAGEBÖGEN reduzieren komplexe, lebendig-zyklische Zusammenhänge zu linearen, eindimensionalen Konstrukten bzw. Faktoren. Die anzukreuzenden Merkmalslisten erfassen nur Vordergründiges; sie enthalten nie den Gegenpol, geschweige die Abwehr- und Verdrängungsmechanismen. Stattdessen fließen Fehleranteile des Settings ein, der momentanen Befindlichkeit; und geantwortet wird gern gemäß der sozialen Erwünschtheit und (subjektiven) Selbstattribution. D.h. die erfolgende Messung bzw. Operationalisierung der Persönlichkeitseigenschaften ist äußerst fragwürdig.

III. Der Begriff der OBJEKTIVITÄT ist ein Mythos. Es gibt sie nicht - kann sie gar nicht geben. Es handelt sich dabei eigtl. um eine Sache der (gesellschaftlichen oder intersubjektiven) Übereinkunft. Denn jedes Wahrnehmen und Erkennen ist subjektiv bzw. relativ, geht von bestimmten Voraussetzungen oder Vorannahmen aus. "Wahrheiten" zeigen sich nie unmittelbar, am wenigsten in der Wissenschaft - zumal schon die Beobachtung als solche vermittelt ist (durch Denkstrukturen oder Messinstrumente). Theorie und Empirie beeinflussen sich, sind ineinander verwoben; und die absolute Trennung von Forscher und Gegenstand ist ebensowenig haltbar (s. Quantenphysik).

IV. Vor jeder Diskussion über eine WISSENSCHAFTLICHKEIT der Astrologie müssten zuvorderst die Begriffe geklärt werden - ob etwa eine Geistes- oder eine Naturwissenschaft gemeint ist. So wie der Terminus z.B. in der DAV-Satzung Verwendung findet, ist er ein alltagsmythisches (d.h. naives) Postulat. Was eine Wissenschaft eigtl. ausmache, ist nirgends definiert (darüber streiten sich die Gelehrten). Hinzu kommt, dass das Einhalten anerkannter wissenschaftlicher Regeln keineswegs die Güte einer Forschung garantiert (s. Feyerabend).

V. Die heute vorherrschende aristotelische LOGIK (wenn-dann, ja-nein, entweder-oder) kann ana-logen Wirkverhältnissen ("wie oben - so unten", verschiedenen Entsprechungsebenen) kaum gerecht werden. Die astrologischen Symbole besitzen ihre ganz eigene (zwar archaische, aber nichtsdestoweniger folgerichtige) Logik, eine - mit dem Verstand nicht auszuhebelnde - Schlüssigkeit. Ein streng kausal oder positivistisch denkender Mensch kommt mit der vertrackten Vieldeutigkeit eines Horoskops nicht zurecht, auch nicht mit der darin steckenden Finalität (seiner Ausrichtung auf die Zukunft). Professionelle Skeptiker und Zweifler tun sich schwer mit der Sternenwissenschaft: schließlich sind der Symbolik Wertdimensionen immanent, rührt das gerade in der Beratungssituation fundamentale Sinnmoment an existenzielle (Glaubens-) Fragen...

VI. Für die Astrologie (wie für die Psychologie) ist der übliche naturwissenschaftliche Ansatz verfehlt/ eine Sackgasse. Er bringt nur heillose theoretische wie empirische Zersplitterung - sowie in der Regel triviale, ziemlich wertlose Ergebnisse. Astrologie ist eher geisteswissenschaftlicher Natur, ein EIGENSTÄNDIGES PARADIGMA, ein völlig anderer Blickwinkel auf die Welt, mit eigener Wahrnehmung und Begrifflichkeit, eigenen Mess- und Prüfmethoden - und lässt sich von außen (speziell materialistisch) weder fassen noch widerlegen.

VII. Im astrologischen Paradigma (wo sich der Himmel um Mensch und Erde dreht) ist das Subjekt existenzieller Ausgangspunkt, d.h. es handelt sich um eine explizit SUBJEKTIVE WISSENSCHAFT. An erster Stelle steht die Erfahrung des Individuums bzw. Astrologen - kombiniert mit dem kollektiven Erfahrungsschatz unzähliger Kollegen, einer Jahrtausende alten Überlieferung. Dabei erschließen sich die astrologischen Urbilder am besten durch eine Umsetzung/ Verwirklichung ("Verlebendigung") in der Person des deutenden Astrologen selbst, d.h. via einer nicht bloß theoretischen (wissenanhäufenden) Integration. Alles Persönliche bzw. Projizierte wäre im Verlaufe eines solchen Bewusstwerdungs- und Erkenntnisprozesses zu läutern oder transzendieren - um langsam zur reinen, transpersonalen Wirklichkeit (d.h. am Ende doch zur Wahrheit, Objektivität) vorzudringen.

VIII. ASTROLOGISCHE ERKENNTNIS lässt sich beschreiben als sowohl deduktiv wie induktiv, als zyklischer bzw. dialektisch fortschreitender Prozess. Es erfolgt ein steter Wechsel zwischen Modell- und Tatsachenebene, zwischen dem Bereich der abstrakten, ungefähr-vagen Schemata und deren konkreten Manifestationen - wobei sich (phänomenologisch) allmählich Muster und Strukturen, sprich: das Wesentliche eines Themas herausschält. Fruchtbarere Ergebnisse als quantitativ große Datenmengen versprechen qualitative Methoden (wie Einzelfallanalysen). Auch Intuition, Medialität und Evidenz sind gangbare Erkenntniswege - ja, eigtl. sogar näher dran an den im Unbewussten verankerten Urbildern, dabei nicht ohne regelhafte Voraussetzungen/ Bedingungen (derlei Methoden bedürften jedoch der kritisch-rationalen Kontrolle). Nicht zu unterschätzen ist schließlich die (persönlichkeitsbedingte, durch Krisen gewachsene) Reife bzw. Ethik/ Selbstverpflichtung des Forschers oder Beraters - die sich allerdings an äußeren Kriterien kaum festmachen lässt.

IX. Jede Geisteswissenschaft setzt die Existenz von abstrakten, ideellen Gegenständen voraus. Die in der Astrologie so zentrale Methode des ANALOGIESCHLUSSes verweist auf noch höhere (transzendente) Wirkebenen und -prinzipien (s. Neoplatonismus oder den Jesuiten A. Kircher). Von diesem Jenseitigen, Übersinnlichen bzw. Überirdischen kann die Himmelsschrift nicht sinnentstellend isoliert oder abgekoppelt werden!

X. Astrologie ist älter als die Spaltung in Subjekt und Objekt bzw. Theorie und Empirie, älter (d.h. dem ursprünglichen Zustand der Einheit näher) als künstlich trennende Logik oder kontextlose Arithmetik. Historisch war die Sternenkunde immer eingebettet in einen metaphysischen Zusammenhang, kurz: eine RELIGIÖSE KOSMOLOGIE. Dort liegen ihre Wurzeln (radices), findet sich ihre Identität. Auch heute ergänzen sich Astrologie und Glaube hervorragend; Konzepte wie Vorsehung, Karma, Dharma und die Sternenweisheit passen nahtlos ineinander. Der Astrologe war von altersher ein "Sprachrohr der Götter", ein Mittler (Medium) zwischen den Welten. Und die Erfahrung zeigt: Das Numinose bzw. Irrationale hat am transformativen Effekt (Erfolg) eines Beratungsgesprächs maßgeblichen Anteil.

XI. Um voranzukommen, müsste sich die Astrologie ihren Prämissen, ihren entwicklungsmäßigen Voraussetzungen stärker verpflichtet fühlen. Denn nur wer um seine Herkunft (seinen Mond/ Viertes Haus) weiß, kann wissen bzw. frei entscheiden, wo der weitere Weg hingehen soll! Zu klären wäre u.a., was an den Sternen überhaupt wirkt (und wie), um was für Kräfte es sich da eigtl. handelt (GRETCHENFRAGE). Anstatt blind drauflos zu forschen, nach Beweisen (für was oder wen?) zu suchen bzw. reihenweise Statistiken zu produzieren, wäre zuvorderst die erkenntnistheoretische Basis zu sichten bzw. Grundlagenforschung zu betreiben. Vermutlich wirken die kosmischen Energien auf einer tiefen, unbewussten Seelenebene, etwa projektiv-magisch, an der Schnittstelle von Person und Schicksal, Innerem und Äußerem, Körper und Geist. Bei der Untersuchung solcher Zusammenhänge könnte uns die naturwissenschaftliche Errungenschaft, jene kartesianische Haltung des Beschreibens, Vergleichens, Prüfens und Hinterfragens sehr zustatten kommen - um Licht in das Dunkel floskelhafter mystischer Pauschalaussagen (im Stile von "alles ist eins") zu bringen.

XII. ASTROLOGICA ASTROLOGICE: Astrologische Forschung hätte gemäß der Eigenart des Wissenssystems selbst zu erfolgen, d.h. mittels ureigener Methoden und Prüfinstanzen. Fremde Maßstäbe sind schlicht fehl am Platz. Jegliche Rechtfertigung oder gar Anbiederung gegenüber anderen Erkenntniswegen (wie etwa der Naturwissenschaft) ist unnötig und unwürdig! Wir sollten die Axiome unseres Denkansatzes nicht verwässern, uns keinem Urteilspruch "offizieller" Autoritäten beugen. Astrologie kann mit mindestens ebensoviel Berechtigung gelten wie andere Beschreibungen der Wirklichkeit. (Ein neuerlicher Einzug der Astrologie in die Universitäten wäre solange abzulehnen, bis diese Institutionen sich grundsätzlich gewandelt haben, u.a. abrücken von ihrem einseitigen, monopolistisch-normativen Anspruch sowie inhumanen Lehrbetrieb.)

(geschrieben 1992/ 93)