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Die Sonne

beschreibt das äußere Verhalten, durch welches die persönlichen Anlagen, inneren Empfindungen usw. sichtbar bzw. verwirklicht werden. Das Zentralgestirn kennzeichnet die charakteristische Färbung, die typische Art und Weise unseres (Er-) Lebens und Gestaltens der Dinge, das Wie und Wo der zu machenden Erfahrungen. Es geht hier darum, die einem zur Verfügung stehenden Gaben schöpferisch aus sich heraus zu stellen.
Bei diesem Selbstausdruck ist den verschiedenartigsten, in der Regel miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteilen Rechnung zu tragen, gilt es - via Bewusstseinsarbeit - die eigene Mitte zu finden bzw. auszubilden. Ein solches Erreichen des "Selbst" gelingt nie auf Anhieb, bedarf vielmehr eines ausführlichen Entwicklungs- und Reifungsprozesses ("Durch-Lebens").

 

Die Sonne im Wassermann

Dem Wirken nach außen ist etwas Besonderes zu eigen, eine gewisse Originalität, Exaltiertheit bzw. Unkonventionalität. Die - leider viel zu selten gezeigte - erfrischende, sprudelnde Spontaneität kommt bei den Leuten eigtl. immer gut an, zumal sie mit Humor/ einem ansteckenden Lachen und positiver Laune durchtränkt ist, sowie Freundlichkeit und Umgänglichkeit ausstrahlt. Ziemlich tolerant und aufgeschlossen ("international" orientiert), neigt die Gesinnung zum Progressiven oder Humanistischen (d.h. das Menschliche als solches über alles zu stellen); das Denken ist ganz und gar nicht borniert oder stur! Im Grunde sehr idealistisch, wird gerne von einer besseren, schöneren Welt geträumt...
Zur Verfügung steht ein immenser geistiger Reichtum, ständig kommen einem interessante Ideen und Assoziationen, insbesondere treffende Intuitionen - bisweilen aber auch recht hochfliegende (zwar beflügelnde, für Außenstehende jedoch bisweilen "spinnerhafte") Pläne. Mehr oder weniger unbewusst will das Gewohnt-Alltägliche durchbrochen werden, geht es darum, eine gewisse Abwechslung vom üblichen Trott zu erleben, reizen einen aufregende ("prickelnde") Abenteuer. Da alles Neue eine fast magische Faszination auf einen ausübt, fallen logischerweise Kontinuität und Routine schwer. Bedenklich bzw. kritisch ist dann manchmal die Inkonsequenz, d.h. Dinge nicht bis zu ihrem Ende durchzuziehen.
Sporadisch ergeben sich plötzliche Veränderungen - die sog. "Brüche" im Lebenslauf. Stets für eine Überraschung gut, haftet dem Verhalten generell etwas Unvorhersehbares, etwas selbst für Nahestehende Unberechenbares an. Andererseits ist viel Flexibilität vorhanden, die Gabe sich allzeit umstellen zu können, auf die unterschiedlichsten Situationen gefasst zu sein. Für die tägliche Existenz birgt dies allerdings so einiges an Unruhe und Nervosität; das Handeln in der Außenwelt ist ganz schön irritier- und störbar bzw. unsicher... Mit der hiermit verbundenen, charakteristischen (Selbst-)Infragestellung, mit den für einen typischen Selbstzweifeln, heißt es umzugehen/ muss klarzukommen gelernt werden!
Bei jedwedem Tun werden Vorschriften oder Bevormundung schlecht vertragen. Gegen hierarchische Strukturen bzw. gegen eine Unterordnung erfolgt ein instinktives Aufbegehren; drückende Fesseln werden zumindest unbewusst abzuschütteln versucht; schon ein leiser Zwang kann unangenehm wirken. "Komm mir nicht zu nahe", lautet die entsprechende Botschaft an die Mitmenschen. Das Näheprobblem ist auch der Grund, weshalb Beziehungen gerne scheitern; denn vor seelischer Intimität besteht insgeheim eine irrationale Angst: Bindungen werden leicht als zu eng bzw. als zu einschnürend empfunden. Aus gefühlsmäßigen Verwicklungen will man sich im Grunde möglichst heraushalten, sich oft von vorneherein nicht allzusehr einlassen.
Irgendwie wird Abstand benötigt, wird eines Überblicks/ einer Art höheren Warte bedurft. Von dort kann das (so verfängliche) Treiben der Leute exzellent beobachtet werden... Natürlich bedeutet dies eine gewisse Isolation, wird so auf andere mitunter ein kühl-spröder Eindruck gemacht. (Da es subjektiv jedoch in erster Linie darum geht, die eigene Verletzlichkeit zu schützen, erstaunen einen abschätzige Beurteilungen der Umwelt - als "arrogant" oder "überheblich" - doch sehr.) Schlimmer als eine soziale Abkapselung wäre jedoch eine (real drohende!) Distanz zu sich selbst, sich zu entfernen vom eigenen Inneren, von den tatsächlichen seelischen Regungen.
Es sollte nie vergessen werden: Gerade in Beziehungen wird emotionale Unabhängigkeit, ein Raum für sich selbst gebraucht. Deshalb sollte in ihnen das Gefühl der freien Wahl oder Entscheidung unbedingt erhalten bleiben! Strenge Grenzen oder Einschränkungen, absolute Festlegungen bzw. Verpflichtungen wären ungesund, allzu starre Regeln gefährlich: nicht der Buchstabe sollte zählen, sondern der Geist! Die Selbständigkeit der Partner ist entscheidend; Solo-Unternehmungen etwa müssen erlaubt sein. (Empfindlichkeit kann auch hinsichtlich unausgesprochener Erwartungen herrschen.) Wenn eine Bindung nicht klappt(e), wäre zuvorderst nach gehegten (unangemessenen) Vorstellungen über den anderen zu fragen, sodann nach dem Vorliegen einer unterschwelligen emotionalen Abwehr bzw. nach dem - aus der Kindheit stammenden - Fluchtreflex. Aber in der Regel steckt hinter Beziehungsabbrüchen, dass die persönliche Eigenart in der Partnerschaft nicht gewahrt werden konnte bzw. nicht gebührend gewürdigt wurde. Denn von oberster Priorität im Leben, gerade um mit sich zufrieden zu sein, ist die Verwirklichung der Individualität (und das Höhere Selbst richtet die äußeren Umstände genau dafür ein).
Schließlich spielt der Austausch mit Freunden und Gleichgesinnten, mit Kumpels und Kollegen eine große Rolle im Leben. Die Kommunikation mit diesen ist von enormer Wichtigkeit für einen, d.h. sich nicht nur auf eine einzige Person ("den Partner") zu fixieren...

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