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Die Sonne

beschreibt das äußere Verhalten, durch welches die persönlichen Anlagen, inneren Empfindungen usw. sichtbar bzw. verwirklicht werden. Das Zentralgestirn kennzeichnet die charakteristische Färbung, die typische Art und Weise unseres (Er-) Lebens und Gestaltens der Dinge, das Wie und Wo der zu machenden Erfahrungen. Es geht hier darum, die einem zur Verfügung stehenden Gaben schöpferisch aus sich heraus zu stellen.
Bei diesem Selbstausdruck ist den verschiedenartigsten, in der Regel miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteilen Rechnung zu tragen, gilt es - via Bewusstseinsarbeit - die eigene Mitte zu finden bzw. auszubilden. Ein solches Erreichen des "Selbst" gelingt nie auf Anhieb, bedarf vielmehr eines ausführlichen Entwicklungs- und Reifungsprozesses ("Durch-Lebens").

 

Die Sonne im Skorpion

Zur Verfügung steht ein starker Wille (der seine Ziele meist erreicht), eine ausgeprägte Leistungsfähigkeit. Dabei ist dem Verhalten eine Neigung zum Extremen zu eigen, zu einem "Entweder-oder" bzw. "Alles oder nichts". Diese Unbedingtheit rührt daher, dass das Herz für unglaublich hohe Werte schlägt - z.B. für die "Liebe", die "Wahrheit" oder die "Gerechtigkeit"... Die ethischen Prinzipien sind der Motor des Tuns; falls von ihnen bzw. von - die Ideale verkörpernden - Vorbildern motiviert, erfolgt dafür ein ganzer Einsatz (sich bis zum letzten aufopfernd), kann dafür ungeheuer geschuftet werden. In beeindruckender Manier wird dann keine Sache bloß "halb" gemacht, wird den Dingen auf den Grund gegangen, insbesondere aber ein einmal eingeschlagener Weg konsequent weiter beschritten - selbst angesichts erlebter Niederlagen (auch bis zu einem bitteren Ende).
Ausgesprochen bindungstreu, wird auf tiefe, intensive Beziehungen großes Gewicht gelegt. Gerade eine feste Partnerschaft wird sehr gewünscht, an einem Gegenüber ziemlich gehangen - wobei allerdings die Grenzen zu Abhängigkeit, Vereinnahmung und Eifersucht fließend sind. Und so kommt es nicht selten dazu, aneinander absolut festzuhalten, sich festzuklammern - und dementsprechend miteinander zu zanken, sich gegenseitig heftige Vorwürfe zu machen... Und dies alles nur wegen den - an andere Menschen gleichermaßen gestellten - überhöhten Forderungen und Ansprüchen. Überhaupt ist die Gefahr einer gewissen Rücksichtslosigkeit nicht von der Hand zu weisen, speziell aber - in jenem typischen Streben nach "Selbstüberwindung" - die eigenen (unerwünschten) Affektregungen niederzwingen zu wollen!
Entschiedenheit und Bestimmtheit kennzeichnen das Wirken und Schaffen. Wenn etwas in den Kopf gesetzt wurde, ist man nicht so leicht wieder davon abzubringen. In Auseinandersetzungen mit (mutmaßlichen) Gegnern tritt aber auch die Fähigkeit zu einem taktischen und strategischen Überlegen zutage; in solchen "Gefechten" zeigt sich dann nicht wenig Verschlagenheit und Raffinesse... Merke: grundsätzlich produziert jede Art von Fixierung - selbst eine in subjektiv edelster Absicht - irgendwann negative Resultate (dies gilt für ein Verrennen oder Verbohrtsein sowieso). D.h. es wäre gut, zu erkennen, wann irgendwo "Schluss" ist, wann eine Geschichte definitiv ad acta gelegt und (flexibel) in eine andere Richtung geschaut werden kann.
Die lenkende ("vorschreibende") Funktion des Denkens wird vor allem dann übermächtig, wenn es darum geht, emotionale Minderwertigkeiten und Ängste zu kompensieren. U.U. entsteht ein regelrechtes "Leben in oder aus der Vorstellung" - welches die jeweilige Realität gemäß den einmal aufgebauten Erwartungen formt. Jedes übermäßige Projizieren - d.h. in seiner Wahrnehmung im Endeffekt selbstgebastelten Konzepten aufzusitzen - verschließt einen natürlich für die tatsächlichen aktuellen Gegebenheiten. Sich in einer Situation zu entspannen oder fallenzulassen wird dann extrem schwer - da es auch bedeutete, den kontrollierenden "Kopf" abzusetzen (bzw. die typische Eigenart zu grübeln/ angestrengt Probleme zu wälzen).
Einen Lösungsansatz bietet interessanterweise die (teilweise heftige) Leidenschaft: nämlich dieser nachzugeben, sie ein Stück weit auszuleben. Die Triebhaftigkeit, das oft sehr widersprüchliche Gefühlsspektrum in einem, bildet ja einen deutlichen Kontrast zu der starken geistigen Betonung. Bei genauerem Hinsehen stecken nun speziell hinter den sich destruktiv gebärdenden psychischen Impulsen kostbarste Seeleninhalte, findet sich darin letztlich Wichtiges und Konstruktives... Denn (Selbst-)Hass, alles sogenannt "Böse" in einem, beruht im Grunde auf einer emotionalen Unausgeglichenheit und Unzufriedenheit; jegliche Negativität ist eigentlich ein untrügliches Zeichen kreativer Potenz - welche nur leider aufgestaut, umgeleitet (in falsche Bahnen gelenkt) und deshalb komplexbehaftet wurde!
Es ginge darum, seine momentanen Empfindungen und Gefühle so weit als möglich zuzulassen - d.h. auch alles "Dunkle" und Instinkthafte in einem erstmal als schlichtweg existent hinzunehmen. Die problematischen Wünsche und Bedürfnisse, Schwächen und Fehler gelte es nicht "auszumerzen", sondern sie (möglichst liebevoll) zu akzeptieren - schließlich machen sie einen zentralen Teil der eigenen Natur aus. Dies wäre der einzige Weg, um wirklich über sich hinauszuwachsen; alles andere liefe auf eine (krankmachende) Selbstunterdrückung hinaus! ("Loszulassen" führt eben nicht zu einer maßlosen Enthemmung - mithilfe von Aufmerksamkeit, (Selbst-)Achtung und -Verständnis finden die vermeintlich destruktiven Energien garantiert die Mitte bzw. ihren positiven Kern.) Was nun die in der Vergangenheit so schmerzlichen Erfahrungen von Ohnmacht betrifft, bieten gerade Beziehungen die beste Gelegenheit neu damit umzugehen, sich beispielsweise in einem konkreten Konflikt zu fragen, was will ich hier und jetzt eigentlich, etwa auch nicht mehr ein so kritisches oder moralisches Gehabe an den Tag zu legen...
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