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Die Sonne

beschreibt das äußere Verhalten, durch welches die persönlichen Anlagen, inneren Empfindungen usw. sichtbar bzw. verwirklicht werden. Das Zentralgestirn kennzeichnet die charakteristische Färbung, die typische Art und Weise unseres (Er-) Lebens und Gestaltens der Dinge, das Wie und Wo der zu machenden Erfahrungen. Es geht hier darum, die einem zur Verfügung stehenden Gaben schöpferisch aus sich heraus zu stellen.
Bei diesem Selbstausdruck ist den verschiedenartigsten, in der Regel miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteilen Rechnung zu tragen, gilt es - via Bewusstseinsarbeit - die eigene Mitte zu finden bzw. auszubilden. Ein solches Erreichen des "Selbst" gelingt nie auf Anhieb, bedarf vielmehr eines ausführlichen Entwicklungs- und Reifungsprozesses ("Durch-Lebens").

 

Die Sonne in der Waage

Gegeben ist ein Sinn für Musisches, für Ästhetik und Schönes, quasi für die "Leichtigkeit des Seins"... Alles Geistige, u.a. Denken und Verstand sind ziemlich ausgeprägt, man ist in der Lage, etwas wirklich objektiv zu sehen - gerade auch von der eigenen Person abstrahieren, sich gewissermaßen außerhalb seiner selbst stellen zu können. Entsprechend erleben einen andere als sehr angenehm, als ihnen aufmerksam zugewandt; sie spüren hinter der zueigenen freundlichen und umgänglichen Art viel Wärme und Herzlichkeit; die ihnen entgegengebrachte Höflichkeit ist keine leere Floskel, keine bloße Fassade! (Da relativ weich und feinfühlig, kann sich allerdings fast zu sehr in andere Leute hineinversetzt werden.)
Eine soziale Ader pulsiert in einem, Altruismus und Hilfsbereitschaft sind stark entwickelt (wobei im Einzelfall aber Vorsicht walten sollte, dass durch ein Engagement keine falschen Erwartungen geweckt werden, dass sich der- oder diejenige nicht zuviel von einem verspricht). Sehr auf ein Gegenüber bezogen (um nicht zu sagen 'angewiesen'), spielen Verbindungen ("Connections") eine zentrale Rolle im Leben, d.h. über einen guten Draht zu vielen Menschen zu verfügen. In einer Gemeinschaft wird regelrecht aufgelebt - und bevorzugt in einem Team, d.h. mit anderen zusammen gearbeitet. Der eigtl. positiv zu wertende Wunsch, der Welt seine "Sonnenseite" zu zeigen, geht leider desöfteren einher mit der quälenden Furcht "nicht anzukommen"/ in seinem äußeren Erscheinungsbild abstoßend zu wirken, etc. Diese grundlegende Angst vor Ablehnung bzw. Sympathieverlust ist mitverantwortlich für die typische Konfliktscheu; auch deswegen soll keiner verprellt bzw. niemandem weh getan werden... Gewalt, Grobheit und Härten wird eh am liebsten aus dem Weg gegangen, Konfrontationen und Streit werden nach Möglichkeit vermieden - und nicht selten sogar zwischen Dritten zu schlichten ("harmonisieren") versucht.
Kritisch und bedenklich wäre so ein Verhalten immer dann, wenn es auf eine Selbstverleugnung hinausläuft, wenn es bedeutet, sich zu sehr nach einem Außen zu richten/ sich fremde Maßstäbe (oder auch Probleme) zu eigen zu machen... Denn jedes "Nicht-bei-sich-sein" birgt ja die Gefahr, dass - gerade in einer empfindsam-labilen Verfassung - andere einen erheblich aus dem Gleichgewicht zu bringen vermögen, schlimmer: dass sie einen negativ beeinflussen, gründlich verstimmen und natürlich verletzen können! Ein nahezu unvermeidliches Manko ist auch die Handlungsschwäche: d.h. prinzipiell eher indirekt und passiv zu (re-)agieren, in seinem Tun einfach gewisser Anstöße bzw. Anforderungen von außen zu bedürfen. Die berühmt-berüchtigte Schwierigkeit, sich zu entscheiden oder irgendwo definitiv festzulegen, rührt hingegen vor allem von der "Kopfbetonung" her - welche dazu verleitet, sich mehr in theoretischen ("potentiellen") Welten zu bewegen (mitunter "auf rosa Wolken zu schweben") als in der faktischen, konkreten Realität...
Es kann nicht angehen, anderen alles recht machen zu wollen! Eine klare Abgrenzung ist so manches Mal bitter notwendig (bzw. in seelischer Hinsicht sogar meist lohnend und fruchtbar). Das individuelle, ureigene Anliegen sollte in keiner Situation vernachlässigt oder gar vergessen werden. Auch bei aller "Zweisamkeit" gelte es doch stets innere "Rücksprache" zu halten, sich zu vergewissern, was das Herz eigtl. will - sowie seine insgeheim gehegten Wünsche tatsächlich zu äußern (was ja nicht heißt, dass sie erfüllt werden müssen). Wenn die Psyche nämlich ständig den Eindruck gewinnt, in allen wesentlichen Punkten zu kurz zu kommen, sucht sie sich irgendwelche versteckten/ unbewussten Kanäle, geht das Ego "krumme", "verkomplexierte" Wege.
Bitte beachten: "Begegnung" hat keiner Selbstaufgabe gleichzukommen, sondern bedeutet gerade auch Auseinandersetzungen, d.h. vom anderen durchaus etwas verlangen zu können. Überhaupt: Konflikte gehören schlicht zum Leben dazu bzw. sind darin mehr oder weniger vorprogrammiert! Wirkliche Übereinstimmung und Harmonie existiert nie von vorneherein, sondern muss immer erarbeitet werden - wobei die unterschiedlichen Ausgangspositionen jeweils kenntlich zu machen und auch - zumindest verbal - zu behaupten wären. (Das Ideal eines gerechten, symmetrischen Ausgleichs zwischen Fremd- und Eigeninteressen lässt sich nur annähernd, nie vollkommen realisieren.)
Generell sollte überlegt werden, ob für das Selbstverständnis eine ("die") Partnerschaft unbedingt das wichtigste Thema sein muss. Denn eigtl. wären im Leben vielerlei (und die verschiedenartigsten) Beziehungen zu pflegen; es können und dürfen etliche Hände ergriffen werden, im Austausch mit denen die Liebe strömt... Mit anderen Worten: es kommt mehr auf ein Verwirklichen und Gestalten der ideellen Werte an, weniger auf einzelne Dinge oder bestimmte Personen!

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