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Die Sonne

beschreibt das äußere Verhalten, durch welches die persönlichen Anlagen, inneren Empfindungen usw. sichtbar bzw. verwirklicht werden. Das Zentralgestirn kennzeichnet die charakteristische Färbung, die typische Art und Weise unseres (Er-) Lebens und Gestaltens der Dinge, das Wie und Wo der zu machenden Erfahrungen. Es geht hier darum, die einem zur Verfügung stehenden Gaben schöpferisch aus sich heraus zu stellen.
Bei diesem Selbstausdruck ist den verschiedenartigsten, in der Regel miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteilen Rechnung zu tragen, gilt es - via Bewusstseinsarbeit - die eigene Mitte zu finden bzw. auszubilden. Ein solches Erreichen des "Selbst" gelingt nie auf Anhieb, bedarf vielmehr eines ausführlichen Entwicklungs- und Reifungsprozesses ("Durch-Lebens").

 

Die Sonne im Löwen

Der - zumindest unterschwellig - beeindruckenden, natürlichen Autorität wird von anderen instinktiv Respekt und Beifall gezollt. In der Tat können speziell Frauen dieses Zeichens ganz schön resolut sein; sie sind recht aktiv - und in Beziehungen meist dominant. (Sie verfügen nunmal über eine ausgeprägte männliche Seite.) Vorhanden ist aber auch bei Männern eine gehörige Kraft und Vitalität - die irgendwo und irgendwie zum Ausdruck gebracht werden will... Unterhaltung und Spaß zu haben, spielt entsprechend eine wesentliche Rolle im Leben! In Gesellschaft mit anderen Menschen wird regelrecht aufgelebt; die im Grunde doch sonnige Art kommt sozial gut an: ausgestrahlt wird schließlich Herzlichkeit und Großmut; ein hin und wieder auftretender Groll macht schon bald wieder der grundsätzlichen Gutmütigkeit bzw. einer alles verzeihenden Großherzigkeit Platz.
Die extravertierte (nach außen gerichtete) Verhaltensart möchte in der Welt mehr oder weniger sichtbare Wirkungen erzielen. Der Wunsch nach Anerkennung und/ oder Erfolg ist von daher nur zu verständlich. Doch werden leider Vordergründiges (sog. "Äußerlichkeiten") gerne zu wichtig genommen! Ein weiteres Negativum bzw. ein großes Hindernis auf dem eigenen Weg ist die mitunter überzogene Subjektivität: nämlich in einem selber befangen zu sein, Dinge und Geschehnisse (naiv) in erster Linie auf einen selbst zu beziehen...
Unabhängigkeit, ein freies Betätigungsfeld zu haben, ist eine fast unabdingbare Voraussetzung zum aktiven Handeln. (Um sich als ganzer Mensch zu erfahren oder "ausleben" zu können, kommt übrigens auch der Liebe bzw. Sexualität eine besondere Bedeutung zu.) Äußere Widerstände, noch häufiger aber seelische Hemmungen und Ängste führen allerdings leicht zu einem inneren Stau. (Es wird dann darunter gelitten, für das enorme Energiepotential keine geeigneten Kanäle zu finden.) Die beachtliche Leistungsfähigkeit mag anderen ziemlich lustabhängig erscheinen; hinter einer mangelnden Motivation stecken in der Regel jedoch tiefere Ursachen.
Obzwar Außenstehende einen als ziemlich selbstbewusst einschätzen, sieht man sich selbst meist gar nicht so. Innere Unstimmigkeiten bzw. psychische Probleme werden bisweilen sehr unangenehm verspürt - das Selbstgefühl ist dann gedämpft, getrübt oder verunsichert; das optimistische Lebensvertrauen des 'Königs der Tiere' "schläft" ganz schön viel! Das Ich-Bewusstsein empfindet sich oft als eher geschwächt und angeknackst, wird schließlich chronisch von Selbstzweifeln untergraben. Dabei kann einen gerade das Auseinanderklaffen von Ideal und Wirklichkeit schier verrückt machen; Krankheitskeime liegen in dem typischen Hader des Innen mit dem Außen, in jener Diskrepanz zwischen insgeheim gehegten Wünschen und ihrer im Realen unbefriedigenden Erfüllung...
Um sich rund und ganz ("im Jetzt") fühlen zu können, sollten zum einen gezielt Situationen der Konfrontation aufgesucht werden. Ordentliche Auseinandersetzungen (wo gar "die Fetzen fliegen" mögen) bzw. fundamentale persönliche Infragestellungen erweisen sich merkwürdigerweise als ungemein fruchtbar für den persönlichen Reifungssprozess! Zum anderen wäre eine sinnvolle Lebensmaxime, die jeweils aus dem Inneren auftauchenden Impulse so aktuell und frisch wie möglich aufzugreifen und umzusetzen - ohne die Regungen erst einer großartigen Bewertung zu unterziehen (was darauf hinausliefe sie zu unterdrücken); sowie sich auch um die mutmaßliche Meinung der Leute weniger zu kümmern.
Das Augenmerk gelte es insbesondere mehr auf die sog. kleinen Dinge des Lebens zu richten; gerade in der Beschäftigung mit Alltäglichem (dem Haushalt, usw.) wären Spontaneität und Kreativität gefragt! Dort fängt das nämlich an, mit der Selbstverwirklichung, d.h. seine individuellen/ ureigenen Talente nach außen zu stellen... Zwar wird es einem nie völlig ("perfekt") gelingen, die Fülle aller in einem schlummernden Anlagen und Potenzen nach außen zu bringen; doch ist es allein der Versuch/ das Wagnis, welches zählt! Vor allem aber findet sich in einem gestalterischen Schaffen echte Lebensfreude; und, damit verknüpft, offenbart sich die Mitte der Persönlichkeit, kommt man in einem praktischen Tun und Wirken zu sich selbst...
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