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Die Sonne

beschreibt das äußere Verhalten, durch welches die persönlichen Anlagen, inneren Empfindungen usw. sichtbar bzw. verwirklicht werden. Das Zentralgestirn kennzeichnet die charakteristische Färbung, die typische Art und Weise unseres (Er-) Lebens und Gestaltens der Dinge, das Wie und Wo der zu machenden Erfahrungen. Es geht hier darum, die einem zur Verfügung stehenden Gaben schöpferisch aus sich heraus zu stellen.
Bei diesem Selbstausdruck ist den verschiedenartigsten, in der Regel miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteilen Rechnung zu tragen, gilt es - via Bewusstseinsarbeit - die eigene Mitte zu finden bzw. auszubilden. Ein solches Erreichen des "Selbst" gelingt nie auf Anhieb, bedarf vielmehr eines ausführlichen Entwicklungs- und Reifungsprozesses ("Durch-Lebens").

 

Die Sonne im Krebs

Es liegt seelischer Reichtum vor, eine vielfältige Innenwelt - dadurch auch künstlerische Potenz, insbesondere Musikalität. Das äußere Verhalten ist weich und sensibel, empfindsam und beeindruckbar, zugleich jedoch verletzlich und bisweilen etwas naiv. Mitfühlend wird an anderen Anteil genommen; ein ausnehmend "mütterliches Herz" sorgt sich um sie bzw. strahlt viel Geborgenheit aus. Familiäres ist einem überhaupt wichtig, der Vergangenheitsbezug stark - d.h. eines emotionalen Rückhaltes und Schutzes, einer gefühlsmäßigen Sicherheit und Stütze wird sehr bedurft. Das Tun und Wirken braucht eine vertraute, heimelige Atmosphäre zur Voraussetzung! Wurde (nach einem anfänglichen Zögern) erst einmal zu jemand Vertrauen gefasst, erwächst daraus in der Regel eine bleibende Anhänglichkeit, die allerlei Widrigkeiten überdauert.
An Dinge wird eher intuitiv als rational herangegangen. Introvertiert, richtet sich der Blick zuvorderst nach innen; dort werden die Erlebnisse mit der Welt reflektiert, dort werden sie intensiv ausgetragen und verarbeitet. Das Handeln hat oft etwas Instinktives an sich, da es gefühlsbezogen ist, einfach vom Empfinden ausgehend. Das jeweilige Außen erhält so stets seine spezielle Note (eine romantische oder auch beunruhigende Färbung und Tönung); alle äußeren Eindrücke unterliegen einer im Endeffekt doch sehr subjektiven Bewertung.
Ganz wie bei einem Kind herrscht u.a. Furcht vor einem Alleinsein; und es kommt leicht Angst auf bzw. eine gewisse Schüchternheit und Unwohlsein. In der Stimmungsabhängigkeit, in der typischen Labilität und Beeinflussbarkeit, liegen erhebliche Gefahren - z.B. aus unerfindlichen (unbewussten) Gründen phasenweise "schlecht drauf" zu sein. Unversehens kann einem eine Laus über die Leber laufen, kann das Selbstgefühl irritiert sein - so dass dann die Emotionen nicht mehr spontan hervorsprudeln, vielmehr verstörte oder verstockte Reaktionen erfolgen mögen. Mitunter wird an unerfüllten Wünschen schmerzlich gelitten, genaugenommen nicht richtig aus sich heraus zu können, seine tatsächlichen Bedürfnisse gar nicht zu artikulieren wagen, geschweige das Stillen von gehegten Sehnsüchten zu verlangen. (Gedankengänge dieser Art sind symptomatisch für ein phlegmatisches Selbstverständnis.) Auftreten können gar Depressionen und Resignation (sich mehr oder weniger aufzugeben)...
Hiermit in Verbindung steht der Punkt "Aggression". Ärger und Frust wirken häufig "übersäuernd" nach innen/ gegen einen selbst. Wohl aus Angst vor Ablehnung werden Wutimpulse kaum geäußert, werden sie eher indirekt und versteckt losgelassen (z.B. in Gestalt unbeabsichtigter Nachlässigkeiten) - oder wird Aggressives gar nur passiv, als Bedrohung von außen (d.h. in der Projektion) erfahren. Feste, abstrakt-theoretische Prinzipien überdecken dabei gerne eine mangelnde Selbstbehauptung (sich etwa nur mühsam Gehör verschaffen zu können); ein stabiles geistiges Gerüst (der "Kopf") sucht die symptomatische Durchsetzungsschwäche dann zu kompensieren.
Niemand kann einem die - zugegeben schwere - Aufgabe abnehmen, innere Klarheit zu gewinnen: darüber, was in Situationen genau los ist, was eigtl. gerade in und mit einem abläuft. Nach seinen diesbezüglichen Wahrnehmungen sollte man sich jedoch konsequent richten, die aufsteigenden Seelenregungen gewissermaßen als Leitstrahl auffassen, sie als Stimme des Gewissens beachten. - Allerdings hieße es die echte, die jeweils aktuelle Innenbotschaft zu "vernehmen", sich entschieden gegen bloß reproduzierte ("gemachte", von Bildern und Erwartungen geprägte) Empfindungen zu verwahren! Wichtig wäre desweiteren, zwischen sich und anderen deutliche Grenzen zu ziehen, dabei seine individuelle/ ureigene Identität herauszustellen, insbesondere auch die große Identifikation mit Nahestehenden ein Stück weit zu lösen. Solches wäre aber zu leisten ohne Verhärtung: die für einen typische Offenheit sollte so weit als möglich erhalten bleiben. (Es geht schlicht darum, andere wie sich selbst frei zu lassen.) Um der wirklichen Liebe, der Wahrhaftigkeit bzw. eines "lebendigen Fließens" willen, müssen gewisse Verletzungen - eigene wie fremde - in Kauf genommen werden!

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