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Die Sonne

beschreibt das äußere Verhalten, durch welches die persönlichen Anlagen, inneren Empfindungen usw. sichtbar bzw. verwirklicht werden. Das Zentralgestirn kennzeichnet die charakteristische Färbung, die typische Art und Weise unseres (Er-) Lebens und Gestaltens der Dinge, das Wie und Wo der zu machenden Erfahrungen. Es geht hier darum, die einem zur Verfügung stehenden Gaben schöpferisch aus sich heraus zu stellen.
Bei diesem Selbstausdruck ist den verschiedenartigsten, in der Regel miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteilen Rechnung zu tragen, gilt es - via Bewusstseinsarbeit - die eigene Mitte zu finden bzw. auszubilden. Ein solches Erreichen des "Selbst" gelingt nie auf Anhieb, bedarf vielmehr eines ausführlichen Entwicklungs- und Reifungsprozesses ("Durch-Lebens").

 

Die Sonne im Stier

Die Liebe zu Pflanzen, zu Gärten und zur grünen Natur ist ausgeprägt, die Bodenständigkeit oder Solidität bisweilen sprichwörtlich. Beharrlichkeit und Zähigkeit sind enorm: ausdauernd können Situationen durchstanden, geduldig Belastungen ertragen werden. Zur Verfügung stehen erstaunliche Kraftreserven - deren Mobilisierung aber auch einen gewissen Eigensinn (eine "Sturheit") zeitigen mag, ein Trotz- bzw. Widerstandsverhalten.
Bei der eher zurückhaltenden Art bleiben doch Wärme und Gutmütigkeit bzw. der gesellige Charakter immer spürbar. (Hinter einem gehemmten/ komplexbesetzten Auftreten verbirgt sich meist Sinnlichkeit, ein starkes Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit.) Geborgenheit spielt eine große Rolle im Leben, insbesondere in eine Gruppe oder Gemeinschaft eingebunden zu sein. Wenn eine soziale Integration nicht möglich erscheint, kann es zu erheblicher Unruhe sowie zu nervösen Störungen kommen. Da grundsätzlich bezogen auf die Mitmenschen, wird deren Anerkennung, ein Angenommensein von ihnen, irgendwie eine Bestätigung von außen gesucht. Geben einem die anderen keinen Rückhalt (fehlt es beispielsweise an Solidarität), wird an sich gezweifelt und leicht eine Selbstwertproblematik aufgebaut! Sicherheit, sowohl in materieller als auch in emotionaler Hinsicht, ist ausgesprochen wichtig für einen - gerade auf zwischenmenschlichem Gebiet Verbindlichkeit und Gewissheit zu haben, d.h. sich auf jemanden oder etwas wirklich verlassen zu können.
Die Angst vor einer fehlenden Verwurzelung oder mangelnden Verankerung kann allerdings dazu führen, jedwede Veränderung zu fürchten - was dann leider eine (dem Leben nicht adäquate) Inflexibilität zur Folge hat bzw. in einer geringen Risikobereitschaft resultieren mag. Und da sehr anhänglich, kann sich speziell in Beziehungen (auch aus einer anfänglich eher lockeren Bekanntschaft) unversehens ein "Haften" entwickeln, d.h. sich auf eine Person zu versteifen, gewissermaßen mit sämtlichen Trieben ("blind") an ihr festzuhalten, und nur unter beträchtlichen Mühen wieder loszukommen.
Der eigenen Individualität zuliebe bedarf es jedoch - trotz oder gerade bei aller Nähe und Vertrautheit - stets der deutlichen Abgrenzung, braucht man einen klar definierten Eigenbereich. Achtung, dass etwa "vor lauter Liebe" nicht zentrale inhaltliche Positionen verloren gehen oder aufgegeben werden! Zugunsten von Selbstbestimmung wäre generell nicht so viel Wert zu legen auf Äußerliches und Vordergründiges bzw. gilt es sich weniger nach gesellschaftlichen Kriterien, nach den (mutmaßlichen) Beurteilungen anderer zu richten. (Im Prozess des Erwachsenwerdens hieße es angsam, aber stetig ein ureigenes Wertesystem aufzubauen.)
Stabilität durch und in einem selbst zu gewinnen, ist kein Ding der Unmöglichkeit: dies geht über den Weg des Erfahrens, was alles an reichen Gaben, an kostbaren Schätzen in einem steckt! Seines schöpferischen Potentials gilt es sich bewusst zu werden, sowie es produktiv umzusetzen - egal was Dritte auch über ein bestimmtes Tun und Treiben denken mögen. Wenn das einem Eigentümliche, das für einen Typische und Originale herausgeschält ist, kann es dann umso besser losgelassen oder in Liebe verschenkt werden...

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