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Die Sonne

beschreibt das äußere Verhalten, durch welches die persönlichen Anlagen, inneren Empfindungen usw. sichtbar bzw. verwirklicht werden. Das Zentralgestirn kennzeichnet die charakteristische Färbung, die typische Art und Weise unseres (Er-) Lebens und Gestaltens der Dinge, das Wie und Wo der zu machenden Erfahrungen. Es geht hier darum, die einem zur Verfügung stehenden Gaben schöpferisch aus sich heraus zu stellen.
Bei diesem Selbstausdruck ist den verschiedenartigsten, in der Regel miteinander konfligierenden Persönlichkeitsanteilen Rechnung zu tragen, gilt es - via Bewusstseinsarbeit - die eigene Mitte zu finden bzw. auszubilden. Ein solches Erreichen des "Selbst" gelingt nie auf Anhieb, bedarf vielmehr eines ausführlichen Entwicklungs- und Reifungsprozesses ("Durch-Lebens").

 

Die Sonne im Widder

Im Bewusstsein "wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", geht der Blick eigtl. stets unerschütterlich (optimistisch) nach vorne. Vorhanden sind eine unglaubliche Energie und Dynamik, eine starke, ausgeprägte Wunschkraft, diese (mehr oder weniger bewusst) auf Durchsetzung und Behauptung bedacht. (Merkwürdigerweise wirkt gerade eine physische Betätigung - körperliche Anstrengung und Sport - positiv auf das Selbstgefühl.)
Eigentümlich ist eine gewisse Schärfe, etwas Spitzes, eine jugendhaft-burschikose Art - welche jedoch (gerade bei Frauen) eher angenehm und erfrischend wirkt. Auf Reize wird im allgemeinen unmittelbar (reflexhaft) reagiert, mitunter zwar etwas voreilig und heftig, d.h. impulsiv, ungeduldig oder unüberlegt - doch durchaus resolut, mit beeindruckender (vermeintlicher?) Entschlossenheit. Die symptomatische Erregbarkeit mag Nahestehende bisweilen kritisch anmuten; normalerweise verraucht ein Zorn/ die "Hitzköpfigkeit" aber ebenso flugs wieder wie gekommen.
Wer oft so deutliche Konturen zeigt, bietet der Umwelt entsprechend viele Angriffsflächen, gibt sich dem Risiko möglicher Verletzung preis. Doch lässt sich dies durchaus auch positiv sehen: Die für einen typische Naivität bzw. Befangenheit bedarf ab und zu eben eines "Dämpfers"; Projektionen und Subjektivität erhalten auf diese Weise von außen ihre erforderliche Korrektur, werden gewissermaßen "zurechtgeschliffen"/ ihrer unseligen Einseitigkeit enthoben! Überhaupt vermitteln alle im Laufe des Lebens erfahrenen Widerstände und Hürden eine greifbare ("handfeste") Einsicht in die persönliche Begrenztheit. Und zu seiner Verbesserung und Weiterentwicklung ist das eigene Verhalten nunmal auf Rückmeldungen schlichtweg angewiesen - selbst wenn dies nach der eher schmerzhaften Methode von "Versuch und Irrtum" läuft...
Allerdings mag der Aktivitätsdrang - drauflos zu agieren, initiativ zu werden, Impulse zu setzen - ganz schön unbewusst-zwanghafte Züge tragen. Aber stets war "am Anfang die Tat"; und etwas anzupacken ist allemal besser als die Hände in den Schoß zu legen! Aus Fehlern kann schließlich gelernt werden; und die instinktive Selbstsicherheit steckt so manchen Misserfolg weg, lässt sich davon nicht wirklich beirren oder erschüttern. Eigtl. wird intuitiv sogar häufig genau das Richtige getan, existiert ein erstaunlicher Riecher für den jeweils passenden Moment.
An Direktheit und Spontaneität ist im Grunde nichts Verwerfliches - damit müssen andere eben klar kommen. Diesbezüglich gelte es auch keine krampfhaften Bremsmanöver durchzuführen - was bedeutet, beispielsweise aggressive und/ oder sexuelle Regungen weniger zu unterdrücken, ihnen (möglichst bewertungsfrei) einen gewissen Lauf zu geben... Eine ungezwungene und natürliche Selbstbeherrschung ergibt sich im Laufe der Zeit von ganz alleine; Kontrolle und Selbstdisziplin sind eine schlichte Frage von Erfahrung und Reife.
Wichtig wäre jedoch, seine Kräfte weniger zu verschleudern oder zu verzetteln, sie vielmehr produktiv einzusetzen bzw. sich dafür geeignete Wege und Felder zu erschließen. Um das große Potential an Schwung und Begeisterungsfähigkeit zu kanalisieren, sollten wirklich sinnvolle Aufgaben her! Denn ist das sich konkret gesteckte Ziel ein echtes Herzensanliegen, d.h. nicht nur von vordergründiger Imposanz bzw. von kurzfristiger Natur, stellt sich auch das dafür nötige Durchhaltevermögen ein.
Böse sind Situationen, in denen scheinbar auf keinerlei Weise zum Zuge zu kommen ist. Und am schlimmsten empfunden werden sog. Willkürakte; vor Ohnmacht - jemandem oder etwas hilflos ausgeliefert zu sein, sozusagen das Heft des Handelns nicht mehr in der Hand zu haben - herrscht eine irrsinnige, beinahe existenzielle Angst. Doch ist das Leben nunmal ein Wagnis - und im Grunde aufzufassen als ein "großes Abenteuer": in dieses gilt es sich mutig hineinzustürzen, darin wäre es auch mal angesagt loszulassen bzw. blind zu vertrauen - auf andere Menschen oder auf höhere Mächte, dass sie schon alles richtig machen bzw. es gut mit einem meinen...

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