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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond im Wassermann

Persönliches Markenzeichen ist die "emotionale Frische". Falls gestattet bzw. von den Umständen nicht verhindert, sprudeln die Gefühle spontan heraus. Aufgeweckt und interessiert an der Welt, wird viel Abwechslung gesucht, wird immer mal wieder eine Veränderung des Alltagstrotts erstrebt. Entsprechend besteht Flexibilität, eine grundsätzliche Offenheit für Neues (bisweilen auch für Abenteuer bzw. für Exzentrisches). Eigentümlich ist nicht zuletzt eine Ader zum Lustigsein, für Witz und Humor. Da jugendlich locker, leicht aufgedreht (oder im Gegenteil "cool"), wäre über eine vertraute Clique zu verfügen ungemein wichtig. Freundschaften spielen überhaupt eine große Rolle im Leben! Daneben sind oftmals die gesellschaftlichen Hoffnungen ausgeprägt; eine soziale Utopie zu hegen ist nicht unüblich. Die Gesinnung hat etwas "Menschenfreundliches" ("Humanistisches"), ist tolerant, in politischer Hinsicht eher fortschrittlich ("progressiv") zu nennen.
Das enorme Freiheitsbedürfnis schüttelt Vorschriften und Bevormundung am liebsten ab. Jedwede Einengung oder Abhängigkeit wird nicht sonderlich gut vertragen; gerade in Beziehungen will man im Grunde nicht festgelegt oder vereinnahmt werden. Denn eine symbiotische Nähe hat etwas Erstickendes an sich. Unbewusst wird sozusagen "Luft zum Atmen" gebraucht, d.h. Freiraum und Abstand, eine gewisse Eigenständigkeit/ Unabhängigkeit auch vom Partner - was (positiv gesehen) ermöglicht, sich stets aktuell füreinander zu entscheiden und so die Liebe lebendig erhält...
Gerade Frauen wirken nach außen recht emanzipiert bzw. selbstbewusst (auch wenn dem eigtl. gar nicht so ist). Sie bevorzugen - Männer genauso - in Gefühlsangelegenheiten die kameradschaftliche ("kumpelhafte") Ebene. Eine klassische Mann-Frau-Rollenverteilung (wo einer der beiden dominiert) wäre im Privatbereich nicht anzuraten! Vielmehr gilt es sich bewusst von Tradition und Erziehung abzukoppeln, hieße es sich von den gesellschaftlichen Normen wie auch vom Elternhaus zu distanzieren.
Bei genauerer Betrachtung des Gemüts steht meist kein richtiger Halt zur Verfügung, liegt eine Art seelischer Instabilität vor (d.h. es existiert so einiges an Unruhe, Ungeduld, Nervosität und Hektik). Typisch wäre, sich innerlich wie auf dem Sprung bzw. relativ unsicher zu fühlen, dadurch für andere schlecht einschätzbar zu sein, immer für eine Überraschung gut. Und die Belastbarkeit (unter Stress) ist nicht sonderlich groß. Schließlich passiert sich aufzuregen oder abzulenken schnell und leicht, was natürlich jedwede Konzentration beeinträchtigt. Das innere Empfinden hat einfach etwas "Brüchiges" an sich; Stimmungsumschwünge können allzeit erfolgen - was einer Kontinuität (eine Sache zu Ende zu bringen) nicht gerade förderlich ist.
Seelische Intimität wird nicht selten gemieden; unbewusst ist so etwas wie Berührungsangst vorhanden (evtl. verspürt als Reinheitsbedürfnis); es herrscht eine Scheu, sich "mit Haut und Haaren" auf jemanden einzulassen. Dahinter steckt normalerweise eine Vertrauensstörung, als Kind eine geringe Verlässlichkeit von Bezugspersonen erlebt zu haben. Vermutlich wurde einem damals ständig widergespiegelt, zu stören, mit seiner Lebhaftigkeit zu "nerven"... Die davon herrührende Irritierbarkeit bzw. (Über-)Empfindlich- und Reizbarkeit bereitet so einige Probleme - auch im Hinblick auf eigene Kinder/ das Empfangen von Nachwuchs (die Empfängnisbereitschaft).
Heikler gestaltet sich jedoch die "Marotte", allem aufwühlend Emotionalem (sog. "Verwicklungen") möglichst aus dem Wege zu gehen. Statt sich zu konfrontieren, sich kritischen ("kitzligen") Situationen wirklich auszusetzen, wird meist von vorneherein (instinktiv) eine Art Vogelwarte eingenommen, wird über der Sache zu stehen versucht - rein diagnostizierend, mit gebührendem Abstand bzw. "gebotener Vorsicht" die Dinge beobachtend, sogar wenn sie einen selber betreffen.
Das subjektive Empfinden, etwas Besonderes zu sein, vom Durchschnitt/ der Masse verschieden (eben nicht 08/15), trifft schon den wahren Kern. Allerdings liegt eine Gefahr darin, abzuheben, d.h. anderen gegenüber überheblich zu werden, sich somit im Endeffekt zu isolieren (abzukapseln). Noch bedenklicher ist eine - im Gefolge übermäßigen Rationalisierens drohende - Oberflächlich- bzw. Leichtfertigkeit: nämlich in einer mental-verbalen Abwehrreaktion vorhandene Gefühle wegzuerklären (was darauf hinausläuft, sich von seinem eigenen Wesen zu entfernen)...
Die zueigene spezielle Originalität ist sowohl Geschenk wie Aufgabe. Dabei kommt es jedoch weniger darauf an, ob andere das Ungewöhnliche an einem tatsächlich anerkennen und würdigen, sondern dass man selbst zu seiner Individualität, zu der oft komplexen Identität steht, sowie diese - fruchtbar, kreativ, inspirativ - entwickelt und ausgestaltet!

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