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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond im Steinbock

Das Gewissen/ Pflichtgefühl und die Verlässlichkeit sind entwickelt - was allerdings auch bedeutet, sich leicht verantwortlich, für die Probleme anderer zuständig zu empfinden, sich generell zu sehr nach Geboten und Verboten zu richten. Die Belastbarkeit ist groß, vorhanden die Fähigkeit vieles zu tragen und auszuhalten. Gegeben sind Ausdauer, Geduld, Selbstbeherrschung, sowie normalerweise die Tugenden der Ehrlichkeit und Treue (die aber auch von der Umwelt erwartet werden). Schon als Kind wurden recht erwachsen anmutende Eigenschaften gezeigt - wie sie ja auch von einem gefordert wurden. Man war altklug, zumindest nach außen hin "ordentlich und brav" bzw. (in der Pubertät) gern frühreif.
Im Privaten wird eine eher klassisch-traditionelle (Familien-)Struktur, eine innige Vertrautheit mit den Angehörigen gewünscht; überhaupt wird sehr ein emotionaler Anschluss bei den Leuten gesucht. Doch scheitert dieses Anliegen oft an den Umständen, am falschen Rahmen oder unpassenden Setting. Aufgrund negativer Erfahrungen in der Vergangenheit werden die "romantischen" Sehnsüchte dann bisweilen gar nicht mehr zu äußern gewagt... Selbst wenn auf den ersten Blick locker und unkompliziert, existieren bei genauerem Besehen doch allerlei Hemmungen in einem, gibt es da eine Art Verschlossenheit; spürbar sind zumindest Ernst und ein gewisses Unterkühltsein. Und sich innerlich auf Veränderungen bzw. Neues einzustellen fällt nicht gerade leicht.
Die gefühlsmäßige Zurückhaltung oder Distanz mag künstlich, ja gezwungen erscheinenen (als Zugeknöpftsein). Schüchternheit und Scheu erklären sich in der Regel jedoch als Schutzmechanismen (gegen mögliche Verletzungen), vor allem aber gegen eine emotionale Ablehnung. Im Grunde verbirgt sich hinter der "rauhen Schale" ein äußerst weicher Kern. (Die große Sensibilität zeigt sich u.a. in der Empfindlichkeit gegenüber Unstimmigkeiten bzw. in den Schmollreaktionen, d.h. relativ schnell missgelaunt - "sauer", eingeschnappt - zu werden...)
Komplexe flüstern einem ein, zu klein oder zu groß, zu dick oder zu dünn, zu jung oder zu alt, zu hässlich oder zu dumm zu sein. So wird häufig freiwillig (schon vorsorglich) eine Verzichthaltung eingenommen - in dem Glauben, nichts verlangen zu dürfen, sich die jeweilige Befriedigung und Erfüllung versagen zu müssen. An der damit verbundenen inneren Einsamkeit, an "emotionalem Notstand" wird nicht wenig gelitten.
Die Dinge werden überhaupt schwer genommen im Leben. Im Unbewussten herrscht Pessimismus vor, d.h. oft keine sonderlich gute Stimmung, eine eher negativ-skeptische Grundhaltung. Die Zuversicht in die Welt und in die Zukunft lässt zu wünschen übrig, ebenso das (Selbst-)Vertrauen. Das Gemüt neigt zur Resignation, zu Schwermut und Melancholie, besitzt einen traurigen Grundton. Immer mal wieder geht es einem ziemlich schlecht (depressiv). Und typischerweise wird gemeint, an sich arbeiten, sich - oder einen Partner/ ein Kind - einschränken, maßregeln ("erziehen") zu müssen, also mit sich und den Nächsten hart ("streng") zu sein. Doch liegt hier der "Hase im Pfeffer" - da zugleich oft wesentliche Seiten der eigenen Seele unterdrückt bzw. beschnitten werden!
Sich ständig abzuwerten/ runterzumachen kann in chronischer Unzufriedenheit münden. Zu viel (Selbst-)Kontrolle führt dazu, nicht mehr offen zu sein, sich nicht frei zu geben, sondern grundsätzlich angespannt und befangen zu sein. Dass sich hinter dem, was oftmals so ängstlich - als "schlecht", "böse" - im Innen und Außen abgewehrt wird, eine große schöpferische Potenz/ eine ungeheure Lebenslust verbirgt, wird kaum geahnt.
Innere Eigenständigkeit zu gewinnen ist sehr wichtig, sich (von den Eltern und Nahestehenden) tatsächlich "abzunabeln". Aber dies sollte nicht krampfhaft und unter Druck erfolgen - nach jener Devise "andere keinesfalls brauchen, auf niemanden angewiesen sein zu wollen". Und es gilt sich zwar abgrenzen zu lernen, besonders in den engen bzw. intimen Beziehungen (u.a. damit eine momentan empfundene Nähe nicht gleich zur erdrückenden Symbiose wird); auch geht es darum, sich nicht allzu viele - der Umwelt vermeintlich nützliche - Jobs aufzuhalsen (als evtl. Ausgleich für deren mangelnde Zuwendung). Bei jeglicher Reglementierung und Disziplinierung heißt es jedoch darauf zu achten, dass die Verbindung zum "inneren Kind" gewahrt bleibt, dass keine Abtrennung von den inneren Wurzeln oder Quellen (den seelischen "Müttern") stattfindet. Oberstes Ziel wären Echtheit und Authentizität, was gerade auch bedeutet, seine Bedürfnisse und Gefühle anzunehmen und zuzulassen - so wie sie nunmal sind, sich zu akzeptieren trotz bzw. mit den zueigenen Fehlern und Schwächen.
Denn in den sog. Instinkten steckt höchste Weisheit; im Inneren liegen Halt, Ordnung und Klarheit, ruht der "Schlüssel" zu sämtlichen Türen... Und die im Außen erlebten Enttäuschungen haben eine nicht minder bedeutsame Funktion: sie geben nämlich paradoxerweise entscheidende Hinweise für den Lebensweg. Jede widerfahrene Abweisung ist eine "Hilfestellung" des Schicksals - für die wahre innere (Aus-)Richtung. "Frust" stößt einen auf das, was man wirklich will!

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