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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond im Schützen

Gegeben ist Weitsicht und Erkenntnisfähigkeit, ein Verstehen von Zusammenhängen, oft auch Religiosität. Im Konkreten besteht eine Umtriebig- und Weitschweifigkeit, und (zumindest theoretisch) ein Zug in die Ferne - d.h. mittels Reisen fremde Sitten und Gebräuche kennenzulernen; auch in der freien Natur aufzugehen. Bei aller Abenteuersehnsucht ist das Bedürfnis nach Vertrautheit, nach (seelischer) Intimität groß. Begegnungsorientiert, will man sich in einer Gemeinschaft geborgen, d.h. doch irgendwo zuhause wissen.
Im Umgang mit Menschen kommen psychologische Fertigkeiten zum Tragen: verfügt wird über Mitgefühl und Verständnis, über Toleranz, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft. Generell herrscht eine positive Grundeinstellung zum Leben (ein Glaube an das Gute im Menschen). Das grundsätzliche Vertrauen in Gott und die Welt wird allerdings gern zur Leichtgläubigkeit (mag also auch ausgenutzt werden); und die Wahrheitsliebe ist oftmals zu plump bzw. zu direkt.
Der große Optimismus, die Begeisterung und Euphorie für eine Person oder Sache unterscheidet sich bisweilen kaum von Schwärmerei (von einem traumhaften Idealisieren) - so dass ein Hineinsteigern auf dem harten Boden nackter Tatsachen bitter enden kann. Übertriebene Hoffnungen, Wünsche und Phantasien reiben sich zwangsläufig mit der nüchternen Realität!
Entsprechend schwankend ist das Selbstwertgefühl. Phasenweise schätzt man sich - überdreht, "manisch" - zu hoch ein und es geht einem gut; dann wiederum schlecht; d.h. es herrscht eine periodische Anfälligkeit für Niedergeschlagenheit. Kritisch werden kann gerade die Neigung zur Selbstüberschätzung: sich zuviel vorzunehmen oder auch anderen zuviel zu versprechen. Probleme bereiten mag außerdem das sporadisch auftretende Gefühl von Überheblichkeit; und damit verbunden nicht selten ein Moralisieren oder Besserwissen...
Überzeugungen sind ausgesprochen gefühlsbesetzt; vorhanden sind heftige und intensive Empfindungen - selbst wenn dies nach außen hin nicht so aussehen mag. Den ungeheuren inneren Schwung/ die starke Emotionalität gilt es zu beherrschen lernen, heißt es irgendwie in den Griff zu bekommen. Damit einem nicht "die Pferde durchgehen" bzw. das Ganze nicht destruktiv wird, braucht die Energie gewissermaßen Zügel, benötigt sie eine Art Kanalisierung, bedarf es generell im Leben eines vielversprechenden Inhalts - schon um sich nicht zu verschwenden bzw. um den zueigenen Seelenadel und die Würde zu bewahren... Für das persönliche Wohlergehen ist eine sinnvolle Aufgabe entscheidend, an einem guten Zweck teilzuhaben, von etwas "Erhabenem" zu wissen (für welches das Herz schlagen kann). Ohne Aussicht oder Perspektive auf Erfüllung der gehegten Sehnsüchte drohen Depressionen.
Ein lohnendes Ziel wäre Selbsterkenntnis. Damit können Fehler und Schwächen, "niedrige" Regungen bzw. Instinkte eher zugestanden werden (anstatt sich oder andere dafür nur zu verurteilen). Am wichtigsten, gerade in Krisen, wäre jedoch Selbstvertrauen, ein (gesunder) Glaube an sich selbst. Anstelle bloß nach weltlicher Anerkennung zu schielen bzw. seine Erwartungen nur auf bestimmte Personen oder Dinge zu richten, sollte der kostbarste, nämlich der im eigenen Inneren befindliche Schatz entdeckt und erstrebt werden. Schließlich zählen Gemütswerte mehr als alle Äußerlichkeiten! Die privaten oder subjektiven Ideale haben für die emotionale Entwicklung eine wesentliche Funktion. Es wäre ratsam, auf die damit verbundene - sowohl trostspendende als auch den Weg weisende - innere Stimme zu hören, auf die hochsteigenden Intuitionen sorgsam zu achten - und sie möglichst zu befolgen.

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