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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond im Skorpion

Die Wunschnatur ist stark, die Leidenschaft - zumindest phasenweise - heftig und intensiv. Die Gefühle sind meist an hohe Ideale oder an bestimmte Vorstellungen und Bilder gekoppelt (mit allen Vor- und Nachteilen). Ehrgeizig, mit großer Willensenergie bzw. mit ganzer Kraft können Ziele verfolgt werden, mag ein totaler Einsatz für ein Prinzip oder eine Idee, aber auch für ein Vor- oder Leitbild erfolgen.
Im Herzen gewissermaßen auf "Wahrheitssuche", sind die Sinne geschärft für allerlei Unstimmigkeiten. So wird "Faules" instinktiv gerochen ("gewittert"), wird überhaupt gern tiefschürfend gebohrt. Dabei kommen andere Leute sozusagen auf den inneren Prüfstand, werden hinterfragt und problematisiert (psychologische Interessen sind ausgeprägt!).
Doch auch an einen selbst sind die gestellten Forderungen hoch - was u.U. darauf hinausläuft, sich in eine Sache hineinzusteigern bzw. sich zu etwas zu zwingen, d.h. den Bogen tendenziell zu überspannen. Hierbei nimmt zumindest das Unbewusste Gebote und Moral recht absolut; ein Ungenügen ("Versagen") gegenüber gehegten Ansprüchen hat nicht selten schlimme Auswirkungen, mündet mitunter in zerstörerischer Unzufriedenheit.
Das Gefühlsleben gestaltet sich gerne extrem, um nicht zu sagen radikal; Affekte können bis zum Zerreißen gehen. Es besteht eine Neigung zum "Entweder-oder", zu einem "Alles oder nichts", zur Glorifizierung oder Verdammung, generell zur Schwarz-Weiß-Malerei. Emotionale Zwischentöne, differenziertere Betrachtungen fallen oft schwer.
Dabei hieße es gerade jene "dunklen Schatten", d.h. ungeliebte ("negative") Eigenschaften als in der eigenen Seele vorhanden anzuerkennen, in dieser also auch Abgründiges wahr- und anzunehmen (und nicht bloß es versuchen "auszurotten"; bei genauerem Besehen entdeckt man in ihnen stets einen positiven und ungemein fruchtbaren Kern)! Es ist nunmal so: in einem existieren Engel und Dämonen, Heiliges und Teuflisches, gibt es ein Bedürfnis nach reiner (platonischer) Geistigkeit, aber auch eine massive Triebhaftigkeit (besonders mit der körperlichen Vereinigung sind oftmals Hoffnung und Glaube von Vollkommenheit innigst verknüpft).
Auf das andere Geschlecht wirkt (mehr oder weniger unbewusst) eine große erotische Anziehungskraft. Der Sexualhaushalt spielt sowieso eine nicht zu unterschätzende Rolle im Leben. Die kritische Frage wäre, ob dieses Thema zufriedenstellend verläuft - und für die entsprechende innere Ausgeglichenheit sorgt. Ein Stück weit ist das Ausleben der Triebe nämlich notwendig! Denn eine reine Sublimation gelingt in den seltensten Fällen bzw. meist nur unvollständig - so dass die feststeckende, gewaltige produktive (Zeugungs-)Kraft negativ ("böse") (zurück-)wirken kann (vor allem auf einen selbst)...
In einer Partnerschaft ergeben sich insbesondere Schwierigkeiten, wenn die hochgehaltenen Werte (als Erwartungen) zu sehr auf den anderen gelegt (projiziert) werden. Kritisch wäre jegliche (allerdings beinahe unvermeidliche) emotionale Fixierung, aneinander festzuhalten bzw. eifersüchtig zu klammern. Und die an sich wunderbare Fähigkeit zur Selbstaufopferung kann leider bis zur Selbstaufgabe oder gar Abhängigkeit gehen, gerade vor einem Hintergrund von Unselbständigkeit und Schwäche, bei einer undeutlichen eigenen Identität. Die typischen, symptomatischen Machtkämpfe signalisieren emotionale Unsicherheiten, eine mangelnde Verbindung mit der inneren Quelle - denn von dieser flösse einem Liebe zu, geistiger Rückhalt und Trost - sowie die Fähigkeit zur Toleranz.
Die Mutterbindung ist/ war meist problematisch - d.h. zwar eng und stark, aber belastet. Überhaupt wirken von früher (nicht nur von diesem Leben her) spezifische Prägungen und Gefühlsmuster, bestehen gewisse zwanghafte Reaktionsmechanismen bzw. emotionale Verwicklungen - woran enorme seelische Energien gebunden sind. Derlei Komplexe gelte es langsam aber stetig aufzulösen - was in der Regel nur über den Weg psychischer Krisen geht (d.h. über transformatorische Prozesse).
Neutral formuliert, bieten Schmerz und Leid die Gelegenheit, seine Anhaftungen zu überwinden, ermöglichen Niederschläge ein Sprengen der emotionalen Ketten. Zwar heißt es in diesen Prozessen Liebgewonnenes aufzugeben; wenn innerlich jedoch "Ja zum gefühlsmäßigen Tod" gesagt wird, kehrt das Verlorene mit Sicherheit (und umso schöner) wieder, erstrahlt das "Geopferte" in neuem Glanz, auf höherer Ebene - kommt es wieder wie der Phönix aus der Asche! Solche Wandlung (Reinigung, Läuterung) ist eine Chance zum Wachstum, die nicht jedem vergönnt ist. Beim Vorgang des inneren Sterbens (dem Verlust von Geliebtem) wäre es wichtig, so weit als möglich offen zu bleiben, negative Erlebnisse (Wut und Trauer), aber auch Freude bzw. Positives zuzulassen, die Dinge bewusst zu spüren. Tränen bringen Segen! Seinen spontan auftauchenden Seelenregungen gilt es keinesfalls vorzeitig den Mund zu verbieten oder sie gar abzutöten.

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