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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond in der Waage

Gegeben ist viel Ästhetik und Feingefühl. Dies kommt meist in der Gestaltung des häuslichen Bereichs zum Tragen - kann sich darüber hinaus aber auch als Sinn und Geschmack für Musik, Kunst oder Literatur bemerkbar machen. Zu- und Abneigungen, Sympathien und Antipathien spielen eine große Rolle im Leben. Charmant, freundlich und aufmerksam wird auf andere eingegangen, liebenswürdig und nett, umgänglich und hilfsbereit sich in sie eingefühlt, überhaupt über eine angenehme, soziale Natur bzw. über ein gutes Gespür für Menschen verfügt, sich gerade auch mit den Schwachen identifiziert.
Typisch wäre, emotional mehr (passiv) zu reagieren als selbst zu agieren. Die Beeindruckbarkeit bedeutet im Positiven, recht anpassungsfähig und flexibel zu sein; im Negativen bringt sie jedoch eine ziemliche Beeinflussbarkeit bzw. leicht umgestimmt werden zu können und schnell aus dem Gleichgewicht zu kommen. Entscheidungsschwach werden Entschlüsse gern anderen überlassen; Und vor harten, konfrontativen Auseinandersetzungen, vor eindeutigen Stellungnahmen oder gar vor Aggressionen (auch eigenen, d.h. vor einer Selbstbehauptung!) wird eher ausgewichen...
Bei Unstimmigkeiten in der näheren Umgebung entsteht instinktiv der Wunsch zu vermitteln und auszugleichen (wofür, nebenbei bemerkt, ein ausgesprochen diplomatisches Geschick besteht). - Doch inwieweit wird das (subjektive) Harmoniebedürfnis den tatsächlich herrschenden Verhältnissen gerecht? Nicht selten liegt jenem Mechanismus des Ausgleichens eine emotionale Schwäche zugrunde, aus der heraus die Dinge zwanghaft positiv ("rosig" scheinend) gemacht werden müssen. Die kritische Frage wäre, ob Widersprüche und Unversöhnlichkeiten auch stehen gelassen bzw. ertragen werden können.
Die Empfänglichkeit, Aufnahmebereitschaft und Offenheit für andere ist enorm, der Wunsch nach Beziehung und Austausch intensiv. Das Gefühl spricht stark auf erotische Reize an: sich zu verlieben passiert leicht und schnell. Mit dem ausgeprägten Liebesbedürfnis wird insbesondere die Zärtlichkeit (Berührung, "Streicheleinheiten") sehr gebraucht. Irgendwie scheint man vom Herrgott auf ein "Du" angelegt zu sein, angewiesen auf die Unterstützung und Zuwendung eines Gegenübers - fürchtet aber auch sehr, abgelehnt zu werden bzw. jemanden zu verlieren - und kann nicht gut alleine sein...
Sich auf einen Menschen einzulassen führt allzu häufig dazu, zuvorderst dessen (statt der eigenen) Bedürfnisse wahrzunehmen. Generell liegt eine große Gefahr darin, sich zu sehr nach dem Außen zu richten - was einen "Rattenschwanz" fauler Kompromisse nach sich ziehen mag oder gar eine Überfremdung der eigenen Identität. Die Neigung zur Identifikation mit anderen Menschen bringt einen unvermeidlich weg vom eigenen Wesen! Und es ist dieser mangelnde Kontakt mit der inneren Quelle, der einen so verletzlich und abhängig macht. Die fehlende Verbindung nach innen - bei gleichzeitig überbetontem Denken bzw. bisweilen exzessivem Grübeln - bedingt so manche Stimmungsschwankung (Depression oder Euphorie), ruft immer wieder eine störende Labilität wie auch eine nervös-flackernde Unruhe hervor.
Seelische Ausgeglichenheit zu finden, emotional in die Mitte ("ins Lot", "ins Reine") zu kommen ist eine Lebensaufgabe. Zu solchem Ausgleich gehören selbstverständlich die Mitmenschen und Partner dazu. Allerdings sollte keine Fixierung der (im Grunde universellen) Liebesenergie auf nur eine spezielle Person erfolgen - und man darf sich selbst nie vergessen zu lieben! Dann können im Bedarfsfalle nämlich auch "die Zähne gezeigt" und sich abgegrenzt werden - d.h. die erforderliche Selbstbestimmung und Eigenständigkeit bleibt kein bloßer Wunschtraum.

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