zurück zu den Vorbemerkungen

 

 

Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond in der Jungfrau

Aus der Kindheit resultiert das Gefühl, sich üblicherweise hintan stellen zu müssen, nicht unmittelbar die Erfüllung seiner Wünsche erlangen zu können. Die Befriedigung von Bedürfnissen zeigt(e) sich als abhängig von den Verhältnissen (etwa dem Vorhandensein von Geschwistern). Entwickelt wurden Anpassung und Vernünftigkeit als die für einen beabsichtigten Zweck dienlichsten Mittel... Doch gelte es bei sämtlichen Kompromissen zuvorderst das eigene Wesen, seine innere Natur zu berücksichtigen, diese keinesfalls zu ignorieren oder gar zu leugnen!
Im Alltag wird viel überlegt (im Sinne von "hoffentlich passiert nicht", "was wäre wenn"), wird ängstlich kalkuliert, geplant, vorgesorgt - damit ja nichts schiefläuft, damit kein Missgeschick oder eventuelles Versäumnis unterläuft. Die Wahrnehmungsfähigkeit ist ausgeprägt, exzellent die Beobachtungsgabe: so wird wachsam aufgepasst/ detailliert registriert, was um einen herum vorgeht, werden aufmerksam die jeweils gegebenen Bedingungen und Möglichkeiten geprüft. Bei alledem besteht anderen Leuten gegenüber eine gewisse Skepsis (eine Vorsicht, Reserviertheit), d.h. sich emotional eher bedeckt zu halten.
Kein Wunder! Denn das Gemüt ist ausgesprochen empfindsam und verletzlich. Durch äußere Faktoren wird die Belastbarkeit desöfteren auf die Probe gestellt, durch emotionalen Stress mag die Anspannung des Nervenkostüms beträchtlich wachsen. Und es lässt sich kaum vermeiden, dass seelische Probleme und Komplexe sich irgendwann auch körperlich (psychosomatisch) niederschlagen. Leider geht es dabei jedoch meist weniger um eigene, sondern überwiegend um fremde Probleme (welche zu eigenen gemacht werden), die zu bewältigen/ verarbeiten sind...
Einer befriedigenden Arbeitstätigkeit kommt eine Schlüsselrolle für das Selbstwertgefühl zu. Generell besteht eine recht praktische und pragmatische Ader, eine Eignung gerade für sonst so verpönte Routinearbeiten (bzw. Wiederholungs-/ Übungsaufgaben). Das Bestreben ist, möglichst zuverlässig, ordentlich, pünktlich, usw. zu sein. Mitunter existiert gar ein fast peinlich zu nennendes Bemühen um eine technisch saubere, gründliche, präzise Leistung - die einem ja überhaupt nicht leicht fällt: denn ständig schleichen sich irgendwelche ärgerlichen Fehler bzw. Nachlässigkeiten ein...
Eine Art Perfektionsanspruch, das Bewusstsein, was alles an einem zu verbessern sei, produziert leicht Missmut und Unzufriedenheit (d.h. es sich selbst nicht recht machen zu können). Statt an der eigenen Person - bzw. an der Situation oder nächsten Umgebung - zu mäkeln und herumzukritteln bedürfte es eigtl. eines Mehr an Selbstliebe! Die an sich notwendige Selbstkritik entwickelt sich nämlich schnell (einseitig) negativ, nagt ständig am Selbstgefühl und mag in ziemlicher Zerknirschung münden; das für einen typische Problematisieren und Hinterfragen läuft vor allem aber darauf hinaus, den eigenen Gefühlen und Empfindungen nicht mehr zu trauen. (Zwar wollen im allgemeinen "die Dinge verdient" sein, ist "jeder seines Glückes Schmied" bzw. die Arbeit an einem selbst die Voraussetzung von Erfolg - aber es bringt letztlich wenig, sich nur fertig zu machen!)
Eingegangene Partnerschaften sind anfällig für Hingabe- bzw. Vertrauensstörungen. Es fällt schwer, etwas ganzen Herzens, mit gutem Gewissen zu wagen/ riskieren, d.h. seine negativen Vorerwartungen und Zweifel aufzugeben, das Denken mal loszulassen bzw. zum Stillstand zu bringen. Nachteilig wirkt in Beziehungen besonders, wenn der "Finger in des anderen Wunde" gelegt wird... oder wenn - fälschlicher-, projizierenderweise - beim Partner seelische "Reinheit" oder eine emotionale Keuschheit aufzuspüren versucht wird (welche ja genaugenommen in einem selbst der Entdeckung harrt).
Den inneren Ängsten gilt es sich irgendwann zu stellen, sich ihnen auszusetzen, ihnen nicht fortgesetzt auszuweichen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zeigt sich dann, dass doch alles nicht so schlimm ist, ja, dass in oder hinter dem so Gefürchteten sogar viel Positives und Fruchtbares steckt. Vertrauen in die Welt und in einen selbst lässt sich letztlich nur gewinnen über den Weg der Erfahrung: indem man sich z.B. seinen spontanen Regungen probeweise mal überlässt, sich nach ihnen richtet - unter vorläufigem Beiseitestellen des (störenden, lästigen) "mentalen Beiwerks".
In der Tat wäre eine Art Psycho-Analyse, sich selbst zu untersuchen und erforschen, die sinnvollste und geeignetste Methode den "Kopf" zu beschäftigen (neben der täglichen Arbeit natürlich). Allerdings ist sich kennenzulernen ein nie endender Prozess, in dessen Verlauf sich vormalige "Erkenntnisse" oft als relativ bzw. als Rationalisierungen (emotionale Schutzbehauptungen) herausstellen. In jedem Fall käme es bei solcher "Innenwendung" an auf Neutralität und Urteilsfreiheit, auf eine eher nüchtern bilanzierende Selbstwahrnehmung; gefragt wäre ein schlichtes, aber wachsames und frühzeitiges Registrieren aller jeweils aktuellen - anfangs stets noch zarten, "leisen" - Seelenregungen.

zu den Mittelalter-Texten

 

zu den mittelalterlichen Deutungstexten