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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond im Löwen

Die große Beliebtheit ist auf eine Art Echtheit und Ungezwungenheit zurückzuführen, die ausgestrahlt wird (wenn auch subjektiv gar nicht so empfunden). Mit dem - auch im Erwachsenenalter - immer noch "goldigen inneren Kind" sind Einfluss und Wirkung gerade auf Kinder hervorragend. Doch trotz des instinktiven bzw. natürlichen Charismas braucht das Selbstbewusstsein von außen ganz schön viel Anerkennung und Bestätigung.
Gegeben ist ein riesiges seelisches Potential, vor allem aber die Gabe, sein Inneres tatsächlich zum Ausdruck bringen zu können. Dies äußert sich in einer großen Herzlichkeit, in einer von anderen deutlich verspürten seelischen Wärme sowie in einer ausgeprägten Liebesenergie (sich verschenken zu können)... Es wird gern und viel gelacht; in Belastungssituationen kriegt die Emotionalität allerdings leicht eine dramatische Note, kann es zu recht pathetischen Gefühlsausbrüchen kommen. Potentielles Engagement und Initiative, die Einsatz- und Begeisterungsfähigkeit sind erstaunlich; das (projizierende) Schwärmen für andere und die Neigung zur Verausgabung lassen mit dem Alter glücklicherweise nach - insbesondere wenn dem Bedürfnis nach eigener Kreativität (Selbstverwirklichung!) Rechnung getragen, wenn dem Ruf (spontan-aktueller) Lebendigkeit gefolgt wird. Der spielerischen Lebensfreude bzw. der lustvollen Expressivität gelte es deshalb im Alltag möglichst einen geeigneten Raum und Entfaltungsbereich zu verschaffen.
Typisch für einen ist ein "gewisses Etwas", eine Art Seelenadel, ein sozusagen aristokratisches Selbstgefühl - d.h. sich in gewissem Sinne "besser", "größer" bzw. "klüger" und "schlauer" zu empfinden als andere. Dieser Selbstsicht kann im Grunde kein Vorwurf gemacht werden; ist sie doch einesteils normal und besitzt andererseits in einigen Bereichen durchaus ihre Berechtigung. Doch liegen Egozentrik, Eitelkeit und Narzissmus nicht allzu fern, steht einem auch ein (kränkbarer) Stolz bisweilen erheblich im Wege. Als problematisch mag sich insbesondere erweisen, dass in zentralen Punkten, anstatt auf andere zuzugehen, eher - "eingebildet", und oftmals zu lange - gewartet wird, bis diese ihrerseits auf einen zukommen.
Durch das so empfundene "blaue Blut" in ihren Adern besitzen Frauen eine recht betonte männliche Seite; da "geboren zum Herrschen und Bestimmen" geben in Beziehungen gern sie den Ton an. Zu "verlieren", irgendwo den Kürzeren zu ziehen, fällt jedoch beiden Geschlechtern nicht leicht; bzgl. Infragestellungen herrscht überhaupt eine beträchtliche Empfindlichkeit. Aber das Ego geht solange zum Brunnen, bis es bricht... Da recht selbstbezogen, heißt es sich im Verlaufe des Lebens speziell eine Methode konstruktiver - d.h. aufbauender, nicht nur destruktiver - Selbstkritik zuzulegen!
Wann immer einem Befriedigungen versagt bleiben, wäre zu fragen, ob der betreffende Wunsch wesentlich (d.h. vom Herzen wirklich gewollt) war. Wenn andererseits ein purer, inhaltsleerer Genuss überhand nehmen sollte, hieße es - schon der eigenen Würde zuliebe - der dabei erfolgenden Vergeudung von Kräften sinn- und maßvolle "Zügel" anzulegen.

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