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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond im Krebs


Die Innenwelt hat etwas ausgesprochen Romantisches, steckt voller intensiver Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte. Das Gemüt ist introvertiert, empfindsam und weich - d.h. sehr verletzlich, offen und beeinflussbar; leider auch mit Tendenzen zur Naivität und Subjektivität, Unsicherheit und Schwäche, mitunter gar schmollend. Wie bei einem Kind ist das Seelische außerdem gekennzeichnet durch äußerst verschiedenartige Seiten und Phasen, sowie unterliegt deutlichen Schwankungen: die Stimmungslage kann im Verlaufe eines Tages mehrmals rauf und runter gehen. Und ähnlich wechselvoll gestaltet sich oft das Privatleben...
Zu eigen ist viel Mütterliches (bei Männern nicht minder), eine warme, sich kümmernde Fürsorglichkeit, Einfühlungsvermögen, Gefühlstiefe und -reichtum. Zu anderen Menschen besteht schon von vorneherein eine gewisse seelische Nähe, eine quasi instinktive Vertrautheit - was allerdings auch die Gefahr mit sich bringt, dass man sich zuviel mit deren Problemen belastet... (Interessanterweise verfügen auch "Intellektuelle" oder sog. "Chaoten" über einen ausgesprochen guten Draht zum "einfachen Volk"; sie kommen allgemein gut an, gelten bei den Leuten trotz allem als "lieber, netter Kerl"...)
Eine Maxime hätte eigtl. zu sein, immer nur langsam auf Dinge zu reagieren - alles andere wäre ungesund bzw. wäre im Grunde eine (nach hinten losgehende) Selbstvergewaltigung. Zur Verarbeitung und Bewältigung von Erlebtem wird viel Raum benötigt; Eindrücke wirken lange nach bzw. brauchen Zeit zu ihrer Verdauung. Die Vergangenheit (insbesondere die Kindheit) spielt eine große Rolle im Leben: an "früher" gibt es viele Erinnerungen; von dorther leiten sich auch hartnäckige Empfindungsmuster bzw. tiefsitzende emotionale Prägungen ab. Typisch ist die starke Mutterbindung, sowie, gerade bei Männern, eine - bei allem Auf und Ab - fortwährende Verbindung zum Elternhaus; auch der ursprüngliche heimische Dialekt verliert sich selbst an einem fernen Wohnort kaum.
Der Familiensinn, neutraler formuliert, die Anhänglichkeit ist ausgeprägt - was bei schwachen Naturen auf Unselbständigkeit hinauslaufen mag bzw. auf eine Abhängigkeit von der nahen Umgebung. Das Bedürfnis nach Schutz, nach einer "Geborgenheit im Vertrauten" ist enorm; unbewusst wird überall ein "heimeliges Nest" gesucht.
Zum Finden und Verwirklichen der persönlichen Identität wäre eine Rolle in einer Art familiären Rahmens am besten. Doch gilt es sich in einer solchen "Kiste" keinesfalls zu verfangen (sich darin passiv bzw. symbiotisch aufzulösen); vielmehr wäre dafür Sorge zu tragen, dass neben den familiären Pflichten weiter der individuelle Weg verfolgt wird. Dies hieße, sich gerade auch von Kindern abgrenzen zu können, überhaupt sich nicht zu viel Fremdes (= letztlich Unverträgliches) aufzuladen. Vorsicht wäre andererseits aber geboten hinsichtlich emotionaler Verhärtungen, vor einer übertriebenen Strenge mit sich und anderen - die nämlich dazu führen würde, mit enormem seelischen Schaden, das eigene Wesen zu unterdrücken, den Kontakt nach innen abzuwürgen.

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