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Der Mond

kennzeichnet die jeweilige Orientierung und Färbung der Empfindungen. Der Erdbegleiter symbolisiert die (subjektive) Innenwelt - mit welchen Inhalten die Gefühlsregungen beschäftigt sind, wo bzw. bei wem wir uns beheimatet ("zuhause") fühlen, wie unsere Bedürfnisse und Wünsche ihre Erfüllung suchen und finden. Insbesondere steht der Mond für Kindheitserinnerungen, allgemein für das Kindhafte in einem, für das eigene Wesen bzw. die Identität - darüber hinaus beim Mann für sein unbewusstes Frauenbild, bei der Frau für ihr Verhältnis zur Mutterrolle.

 

Der Mond im Stier

Wichtig sind einem zwischenmenschliche Wärme, Geselligkeit, sich bei den Leuten geborgen/ in einer Gemeinschaft aufgehoben zu wissen. Der Anschluss an eine Gruppe stärkt entscheidend das Selbstwertgefühl; ein emotionaler Rückhalt wird sehnlich gewünscht, eine gesellschaftliche Verankerung bzw. Verwurzelung gebraucht. Gewissheiten, gerade soziale, gelten einem viel! Im Grunde des Herzens werden stabile Verhältnisse benötigt - dementsprechend Tugenden wie Treue und Verlässlichkeit hoch geschätzt.
Die - eigtl. positiv zu wertende - Anhänglichkeit kann allerdings darauf hinauslaufen, an Personen oder Dingen allzu lange bzw. auch noch wider besseres Wissen festzuhalten. Und eine mangelnde Sicherheit bezüglich der eigenen Identität verleitet einen gern dazu, sich zu stark zu binden (u.a. an Vorbilder), überhaupt sich emotional abhängig zu machen, bzw. umgekehrt andere zu sehr zu vereinnahmen oder übermäßig in Beschlag zu nehmen, sie (aus Verlustangst) nur schlecht wieder loslassen zu können... Grundsätzlich besteht vor Veränderungen, vor neuen oder ungewohnten Situationen (zumindest unterschwellig) eine Riesenangst.
Ansonsten ist viel Naturverbundenheit gegeben, Bodenständigkeit, auch Urwüchsig-Derbes im Charakter (wenn polternd, so doch gutmütig). Ausgestrahlt wird Gemütlichkeit, eine Art innerer Ruhe - diese selbst komischerweise jedoch oft gar nicht so empfunden. Die Qualitäten des Beharrungsvermögens, der Zähigkeit und der Ausdauer, haben zum Nachteil eine gewisse Inflexibilität und Schwerfälligkeit. Schließlich existiert noch eine recht passive, träge, bequeme Seite in einem, die sich ganz schön gehen lassen kann, allen möglichen Vergnügungen - Lust und Genuss, sog."Lastern" - frönend.
Leider wird bisweilen allzu vordergründig und grob gedacht - etwa nur nach Maßgabe einer Gier. So glaubt sich das Verlangen nach Nähe, jener drängende Hunger nach Liebe gerade in jungen Jahren oft sinnlich-konkret - stofflich, "handfest" - stillen bzw. befriedigen zu müssen, z.B. mittels physischer Intimität. (Die Sinnenfreude will die Dinge eben spüren, sie "greifen", "schmecken" können - obwohl Zärtlichkeit und Hautkontakt meist schon ausreichen würden...)
Dabei steht die Triebnatur in Diskrepanz zur - in der Regel ebenso ausgeprägten - geistig-intellektuellen Seite der Persönlichkeit - ein Konflikt, der in Spannungen, in Unzufriedenheit und seelische Zerrissenheit münden mag. Doch müssen die inneren Gegensätze nicht unvereinbar sein! Voraussetzung für eine Lösung des Problems wäre: beides, die körperlichen Bedürfnisse wie auch die geistigen Ambitionen, als schlichtweg existent hinzunehmen und sie als gleichberechtigt anzuerkennen.

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