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Das Medium Coeli (die Himmelsmitte),

zeigt das "Ergebnis" eines Horoskopes, die Bestimmung, Aufgabe und das Lebensziel einer Person. Ablesbar ist hier die Richtung des seelischen Reifungsprozesses, wohin jemand will, wie die Lösung der inneren Gegensätze, Konflikte und Spannungen etwa aussieht, auf welche Eigenschaften es letztlich ankommt bzw. welche Qualitäten zu entwickeln nötig wären.
Als höchster Punkt im Horoskop sagt die Himmelsmitte auch viel über die Bedeutung und Funktion, die man in der Welt einnimmt - allerdings mehr über die BerufUNG als über die konkreten Arbeitstätigkeiten.

 

Die Himmelsmitte (das MC) in der Jungfrau

Beruflich sind Vernunft und Analyse, Nüchternheit und Sachlichkeit gefragt. Da gleichzeitig Einfühlsamkeit, Fein- und Mitgefühl vorhanden sind, läge eine passende Tätigkeit im Medizinisch-Pflegerischen oder in der Sozialarbeit, im Bemühen um gesellschaftliche Randgruppen. (Mit Außenseitern wird sich vermutlich deshalb identifiziert, weil einem die Situation des "schwarzen Schafes" nur allzu bekannt ist.)
Als dienstbarer Geist, fleißig und sich nützlich machend, kann und muss normalerweise viel gearbeitet werden. Das Pflichtbewusstsein gebietet, die persönlichen Bedürfnisse dementsprechend zurückzustellen (schließlich geht die "Arbeit vor Vergnügen"). Die zugewiesenen Aufgaben erfordern eine Anpassung an die gegebenen Bedingungen, ein Zurechtkommen mit den jeweils vorliegenden Verhältnissen.
Es herrscht ein pragmatisches Zweckdenken: da schlicht und einfach ökonomischen Zwängen unterworfen, soll ein Job möglichst der Not Abhilfe schaffen, also zuallererst den Lebensunterhalt sichern; deshalb wird ein solcher auch des Geldes wegen gemacht. Befristet und übergangsweise können also durchaus unterqualifizierte Stellen angenommen werden – etwa wenn bei Frauen Kinder dazwischenkommen oder die beabsichtigte Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist. Üblich ist ein "normales" Beschäftigungsverhältnis (keine Selbständigkeit) - d.h. mehr oder weniger untergeordnet/ irgendwo angestellt zu sein (ein regelmäßiger Rhythmus, eine gewisse Kontinuität tut einem in jedem Falle gut!). Wichtig auf Arbeit wäre Gründlichkeit, exakt, genau und zuverlässig (u.a. pünktlich) zu sein, "langweiligen" oder "lästigen" Kleinkram nicht allzu lange liegen zu lassen, auch einer sog. "Dreckarbeit" nicht aus dem Wege zu gehen. Verlangt ist von einem, letztlich ein korrektes, sauberes Ergebnis abzuliefern, ordentlich zu sein (statt nachlässig), sich ernsthaft und geduldig mit einer Sache zu befassen. Es geht darum, sich gerade in stupiden Wiederholungs- oder Routinearbeiten zu bewähren; so entsteht im übrigen auch ein fundiertes Sachwissen bzw. Kompetenz, auf diese Weise entwickelt sich mit Sicherheit ein Experte auf seinem Fachgebiet (Übung macht den Meister)! Dabei will insbesondere das Haushalten gelernt sein: die Dinge (wie auch seine Kräfte) einzuteilen, Schritt für Schritt voranzuschreiten...
"Schlamperei" (sich gehen oder hängen zu lassen) ist stets die Folge von emotional Ungelöstem. Und solches hat zu tun mit der "Kopfbetonung", mit dem Übergewicht von Denken, Verstand und Logik: schließlich nehmen Kalkulieren, Planen und Überlegen im Leben meist entschieden zuviel Raum ein. Den Instinkten wird dagegen nur wenig vertraut, die (obwohl so wichtige) Welt der Gefühle wird eher mit Vorbehalten und Skepsis bedacht; dieser Bereich unterliegt nicht selten den Mechanismen von Verdrängung, Rationalisierung und Kompensation (ehrliche und kritische Selbsterforschung brächte es an den Tag). Doch gerade das Private entpuppt sich häufig als persönliche Schwachstelle - diesbezüglich versagen regelmäßig die zurechtgelegten Rezepte, hier wird man leicht "auf dem falschen Fuß" erwischt und reagiert dann ziemlich unvorbereitet und hilflos. Typisch ist, in familiären Belangen ausgesprochen weich, labil und beeinflussbar zu sein, nachgiebig und inkonsequent, zu vieles passiv geschehen bzw. mit sich machen zu lassen.
Generell vermag einem das Unbewusste "dicke Striche durch die Rechnung" zu ziehen. So können lähmende, sentimental-melancholische Stimmungen von einem Besitz ergreifen. Und in den Tiefen der Seele lauern dunkle, unergründliche Ängste (s. Alpträume), sowie - leider Gottes - riesige Schuldgefühle. Es mögen sogar regelrechte Krisen auftreten, d.h. in "Löcher" oder eine Art Leere zu rutschen. Und dies alles, weil die Selbstfindung ("wer bin ich?") so kompliziert, die Identität so undeutlich und verschwommen ist, weil kein fester innerer Halt zur Verfügung steht, kein richtiger Boden unter den Füßen...
Zur "Lichtseite" des Unbewussten zählen dagegen die genährten Sehnsüchte und Utopien - welche sich allerdings mit der Realität schlecht vertragen. Die insgeheim gehegten Wünsche und Hoffnungen sind im äußeren Leben kaum erfüllbar - so dass es fast zwangsläufig zu bitteren Desillusionierungen kommen muss. Innerlich abgewandt, in sich zurückgezogen, mag dann eine reservierte Vorsichtshaltung der Welt gegenüber entstehen, eine Unsicherheit darüber, was man sich erlauben bzw. überhaupt noch wünschen darf. Von solcher grundsätzlichen Enttäuschung ist der Weg nicht weit zu einer existenziellen Verlorenheit, sich innerlich einsam und verlassen zu fühlen, überhaupt unverstanden und ungeliebt, nirgendwo wirklich geborgen.
Minderwertigkeitskomplexe treffen jedoch nicht den Kern der Sache! Im Grunde ist einem bloß eine ungewöhnliche Sensibilität zu eigen, eine ausgesprochen introvertierte und intuitive Natur, in seinem Herzen verträumt, verletzlich und scheu zu sein - weshalb es auch aufzupassen heißt: jede Leistungsfähigkeit auf Kosten der Empfindsamkeit lohnt auf lange Sicht nicht!
Die "Andersartigkeit" des inneren Wesens (im Vergleich zu Otto-Normalverbraucher) lässt sich auf Dauer sowieso nicht unterdrücken oder verbergen. Der verzweifelte Versuch, sich - als sog. "Problemkind" - den gängigen Normen und Konventionen einzufügen, muss früher oder später scheitern. Die Frage wäre weniger, ob es klappt, den gesellschaftlichen Anforderungen zu genügen, sondern ob und inwieweit diese einem überhaupt gemäß sind bzw. es gelte am besten von vorneherein nicht zuviel an (fremden, unangebrachten) Lasten zu übernehmen...
"Rechenschaft" ist im Prinzip nur vor sich selbst abzulegen - und zwar vor allem über die dem eigenen Tun zugrunde liegenden Motive; diese wären intensiv zu hinterfragen und reflektieren, sprich: die dahinter steckenden eigentlichen Bedürfnisse und Nöte herauszufinden. Übersicht und Ordnung hieße es in erster Linie im eigenen Leben herzustellen (anstatt bei anderen), d.h. das verwirrende seelische "Chaos" aufzuräumen, Erlebtes/ einem Widerfahrenes gründlich zu verarbeiten. Hineinzuleuchten in den Abgrund der eigenen Psyche wäre die von einem zu bewältigende Aufgabe, Klarheit und Bewusstheit über seine Innenvorgänge zu erringen (so weit als möglich), diese zu untersuchen und zu prüfen, achtsam zu sein bzgl. dessen, was jeweils gerade in einem abläuft (auch an vermeintlich Negativem). Wichtig bei dem Ganzen wäre, die zueigene irrationale Seite zu akzeptieren: die auftauchenden Phantasien, Assoziationen, Inspirationen, usw. nicht nur als "versponnen" abzutun, sondern sie in das äußere Tun zu integrieren, sie zumindest ein Stück weit in den Alltag einfließen zu lassen (ohne sie natürlich wortwörtlich zu nehmen). Bei genauerer Betrachtung sind die Anregungen des Unbewussten nämlich keineswegs völliger Unsinn; sie erweisen sich für die Erledigung der weltlichen Geschäfte im Endeffekt sogar als äußerst dienlich und hilfreich.

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