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Das Medium Coeli (die Himmelsmitte),

zeigt das "Ergebnis" eines Horoskopes, die Bestimmung, Aufgabe und das Lebensziel einer Person. Ablesbar ist hier die Richtung des seelischen Reifungsprozesses, wohin jemand will, wie die Lösung der inneren Gegensätze, Konflikte und Spannungen etwa aussieht, auf welche Eigenschaften es letztlich ankommt bzw. welche Qualitäten zu entwickeln nötig wären.
Als höchster Punkt im Horoskop sagt die Himmelsmitte auch viel über die Bedeutung und Funktion, die man in der Welt einnimmt - allerdings mehr über die BerufUNG als über die konkreten Arbeitstätigkeiten.

 

Die Himmelsmitte (das MC) im Krebs

Die ausgeübte Tätigkeit wechselt nicht selten. Nach dem "Richtigen" oder "Eigentlichen" wird so einige Zeit gesucht. In der persönlichen Biographie fällt bzw. fiel es erstmal schwer, in der rauhen Berufswelt zu bestehen. Einem Widerfahrenes muss grundsätzlich länger verarbeitet ("gekaut") werden, Missliches schlägt gern auf die Stimmung (den Magen). Statt der verlangten Härte und Förmlichkeit findet sich viel Subjektives und Empfindsames in einem, Weichheit und Anhänglichkeit, als Positivum zwar Rücksichtnahme, im Negativen jedoch nicht wenig Nachgiebig- und Beeinflussbarkeit.
Ausgerechnet im Beruflichen wird Geborgenheit und ein emotionaler Anschluss gesucht, bedarf man eines Rückhaltes und zeigt (kindlich-naiv bzw. blauäugig) Gefühle, zum Erstaunen der Umwelt mitunter das Innerste nach außen kehrend. Solches findet naturgemäß keinen allgemeinen Anklang, sondern führt oft zu Schwierigkeiten und Frustrationen - denn die Welt ist eben nicht "eine Familie"... Insgesamt summieren sich die individuellen Eigenheiten gern zu einer Art beruflichen "Schwäche", sich schlecht darstellen ("verkaufen") zu können, einfach nicht "abgebrüht" bzw. "professionell" genug zu sein.
Begabungen liegen im Musikalisch-Künstlerischen sowie im Fürsorglichen - beispielsweise in der Gartenpflege, insbesondere aber im privat-familiären Bereich; gegeben ist eine Ader für Gemüthaftes, d.h. für Psychologie. Eine Kindererziehung und -betreuung liegt gerade auch Männern, vorhanden ist bei ihnen viel Einfühlungsvermögen bzw. seelische Wärme. Frauen scheinen zur klassischen Hausfrau und Mutter wie geschaffen - diese (eigtl. naheliegendste) Rolle und das dazu nötige Selbstverständnis bereitet ihnen in der Praxis jedoch nicht selten Probleme.
Sich in seinem Job wohlzufühlen ist wie gesagt wichtig, dort über eine vertraute, vor allem aber eine stimmige Atmosphäre zu verfügen (weshalb auch am liebsten zuhause gearbeitet wird, z.B. freiberuflich). Dabei sollten die äußeren Bedingungen des beruflichen Wirkens möglichst zum inneren Empfinden passen, sprich: der jeweilige Rahmen muss sich für das emotionale Engagement auch lohnen, eine Identifikation mit der anvertrauten Aufgabe erlauben...
Kindheit und Erziehung waren meist streng; es gab eindeutige Regeln ("Zucht und Ordnung"). Dadurch wurde gelernt sich zu beherrschen, sowie leider auch so manches "runterzuschlucken". Eigene Bedürfnisse galt es im Familienverband unterzuordnen bzw. zurückzustellen (weshalb in puncto Gefühlen meist ein gewisser Nachholbedarf besteht). Folgen davon sind eine gewisse innere Härte und Selbstunterdrückung, auch hartnäckige Minderwertigkeitskomplexe und Hemmungen. Im scheinbaren Kontrast zum verbreiteten Image eines Gefühlsmenschen ("Softies") steht die Tendenz zur Anspannung und Verkrampfung - d.h. im Herzen eben doch reserviert, verschlossen ("abgeschottet") bzw. zugeknöpft zu sein ("weiche Schale, harter Kern"). Positive Früchte der Kinderstube sind das ausgeprägte Gewissen, die klare innere Linie und das große Verantwortungsbewusstsein - welches andere Menschen nicht so besitzen.
Sich Wünsche zu versagen, sich Lust (oder Unlust) nicht zu gestatten, führt zwangsläufig in melancholische Stimmungen oder gar in Depressionen. Freude und Spaß bei einer Sache zu haben darf im Leben keinesfalls vergessen werden! Der für einen typische Widerspruch zwischen Neigung und Pflicht ist ein generelles und längerfristig zu lösendes Thema... Gerade um Menschen wird sich viel gekümmert - das Zuständigsein für andere aber auch übertrieben. Desöfteren verbirgt sich dabei hinter dem "Helfenwollen" - etwas unehrlich - die eigene Bedürftigkeit, sogar eine gewisse Abhängigkeit, eine Art Angewiesensein auf gefühlsmäßige Zuwendung!
Im Zwischenmenschlichen kommt die unterschwellige Angst vor einem Abgelehntwerden zum Tragen - eine Negativerwartung, die sich in der Realität nur allzuleicht bestätigt. Speziell Partnerschaften sind praktisch immer aufreibend und krisenanfällig (was einem ganz schön zu Herzen geht). Doch wäre zu bedenken, dass es nie und nirgends hundertprozentig stimmt, sowie dass jede Erschütterung einer Gemeinschaft für diese eine neue Chance bedeutet, dass jeder Problemklärungsversuch für die Beziehung eine verjüngte und vertiefte Intimität verspricht.
Entscheidend ist, die Grenzen der eigenen Aufnahmefähigkeit und Belastbarkeit zu spüren und diese nicht zu überreizen, d.h. wieviel mute ich mir jeweils zu, will ich mich auf jemanden oder etwas Bestimmtes wirklich einlassen? Ungute Gefühle gelte es schon im Vorstadium wahrzunehmen (als Boten eines inneren "Neinsagens") - wenn z.B. zu sehr "lieb Kind" gemacht wird oder wenn in einer Situation faktisch eine Vereinnahmung durch andere erfolgt, wenn die Leute einen nur benutzen. Langfristiges Ziel ist das Erringen einer gefühlsmäßigen Selbständigkeit: seine wahre Identität zu entdecken, sich zu richten nach den Forderungen der persönlichen Individualität, des ureigenen Wesens. Dies bedarf einer konsequenten - und keineswegs einfachen - Abnabelung von Eltern und Nahestehenden, vor allem aber einer Befreiung aus anerzogenen Empfindungs- und Reaktionsmustern, einer Erhellung und Durchlichtung verfestigter Seelenknoten. Ein stabiles und verlässliches Zutrauen in einen selbst bzw. die aus einem soliden Selbstbewusstsein erstehenden inneren "Schutzmauern" erlauben dann aber auch, sich ohne Furcht oder Schuldgefühle deutlich abgrenzen zu können...
Das seelische Wachstum/ der Prozess des Erwachsenwerdens ist nie abgeschlossen. Allerdings gelte es dabei die Eigendisziplinierung ("Selbsterziehung") in Maßen zu halten - und zu der eigenen Verletzlichkeit zu stehen, seine vermeintlichen Schwächen anzunehmen. (Merke: Sensibilität und Offenheit sind im Grunde Tugenden, unschätzbare Stärken, die Vorbedingung jeder Kreativität, jeglichen fruchtbaren Schaffens.) Zu entwickeln wären Verständnis und Geduld für das "innere Kind", für dessen Bedürfnisse, aber auch für seine Launen. Es geht darum, aufmerksam zu achten auf die Aufs und Abs des Gemüts - ohne diesen hilflos ausgeliefert zu sein!

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