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Der Aszendent

zeigt das spezifische Anliegen, mit dem ein Mensch in diese Welt tritt - was er verwirklichen, umsetzen, sichtbar machen will. Das im Osten aufsteigende Zeichen kennzeichnet das Selbstverständnis einer Person, wie sie sich wahrnimmt bzw. wie sie sein möchte (wobei auf andere Menschen bisweilen überhaupt nicht so gewirkt wird). Hier ruhen ganz bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten verborgen, die es mit zunehmendem Alter immer mehr zu aktivieren, zu entwickeln bzw. auszugestalten gilt.

 

Der Aszendent in den Fischen

Ein großer innerer Reichtum sowie eine mannigfache und bunte Phantasie stehen im Kontrast zur äußeren Zurückhaltung und Sanftmut. In romantischer Tönung wird von Harmonie, von einer anderen, einer besseren Welt geträumt. Große Beeindruckbarkeit und Sensibilität sind vorhanden; letztere ist beinahe medial zu nennen, gleichsam eine Antenne für emotionale und geistige Schwingungen. Die Einfühlungsgabe, d.h. bei Menschen hinter das Vordergründige zu spüren, bringt Mitleid hervor, viel Anteilnahme (Empathie), Fürsorge und Hilfsbereitschaft.
Da eher unaufdringlich, hapert es leider an der Durchsetzung, an der bisweilen doch erforderlichen Stoßkraft. Es besteht eine Art Schüchternheit bzw. Ich-Schwäche: nicht so zu können wie eigtl. gewollt. Sich zu "trauen" fällt manchmal ganz schön schwer... Bei der großen Empfindlich- und Verletzbarkeit, der sprichwörtlich "dünnen Haut", wird allem Rohen und Gemeinen, aller Gewalt und Aggression möglichst aus dem Wege gegangen (obwohl solches doch irgendwo auch in einem selbst zu finden wäre). Ärger - welcher beispielsweise zwangsläufig dann aufkommt, wenn schlecht "nein" gesagt werden kann - wird meist in sich hineingefressen.
Für andere eher ein Außenseiter, unverständlich, als fremd oder gar komisch empfunden, herrscht die Angst, nicht für voll genommen zu werden bzw. unerwünscht zu sein (was an bestimmte Kindheitserlebnisse anknüpft). Wegen der zueigenen Ambivalenz oder Vieldeutigkeit - als einer quasi offenen Projektionsfläche - glauben andere zudem häufig, ihre (Wunsch- bzw. Feind-)Bilder in einem realisiert zu sehen. Kaum jemand erkennt, wie man wirklich ist - doch ist einem das ja selbst unklar. So werden auch - labilerweise - Eigenschaftszuschreibungen von außen gern nahtlos übernommen, speziell Anklagen und Vorwürfe werden (wegen unterschwelliger Schuldgefühle) schnell auf sich bezogen... Da sich abzugrenzen ein Problem darstellt, da es an deutlicher Härte, an einem dicken "Fell" bzw. Schutzpanzer mangelt, kann es gar zu einem hilflosen Ausgeliefertsein Außenreizen gegenüber kommen. So manches wird ertragen bzw. nachgiebig-passiv mitgemacht, bisweilen wird auch (beeinfluss- und steuerbar) in der Gesellschaft einfach nur "mitgeschwommen" - sich gegen Vereinnahmungen nicht gewehrt.
Intoleranz und Anfeindungen sind zu Recht von einem gefürchtet. In dem instinktiven Glauben, seine Absichten und Motive verbergen zu müssen, wird vorbeugend oft keine Kontur (kein "Gesicht") gezeigt, wird sich nicht festgelegt, keine Stellung bezogen, wird lieber "vage" geblieben - um bei den Leuten möglichst wenig Anstoß, kein Ärgernis zu erregen. Dies kann allerdings bis zur Selbstaufgabe gehen, mag zu unechtem Schein bzw. zur Unehrlichkeit führen (gerade sich selbst gegenüber), sich evtl. zu verstecken hinter - vermeintliche Sicherheit bietenden - Rollen oder Klischees. Minderwertigkeitskomplexe sind verbreitet, sich zurückgesetzt zu fühlen, grundsätzlich zu glauben nicht zum Zuge zu kommen. Es mag für einen so aussehen, als sei im Leben nichts zu holen, als dürfe von diesem nichts erwartet werden. Emotional einsam, sozial verarmt bzw. isoliert, liegt dann ein Abgleiten in traurige Resignation, in kummervolle Wehmut und Bitternis nicht fern, zu versinken in Depressionen, in Pessimismus oder gar in einer Sucht. (Bei der psychosomatischen Veranlagung finden Gemütsbefindlichkeiten eh oft unmittelbar ihren körperlichen Niederschlag.)
Schwierigkeiten bereiten Selbstdisziplin und -kontrolle, überhaupt Konsequenz. Um zielgerichteter ("pointierter") zu sein, wäre es erforderlich, seine "geheimen" Wünsche konturierter - greifbarer - werden zu lassen. Es ist einem im Leben zur Aufgabe gestellt, die im Innern gehegten Hoffnungen und Utopien zum Ausdruck zu bringen, sie irgendwie Gestalt werden zu lassen, sie zumindest zu artikulieren. Denn wenn nur in enttäuschten Rückzug verfallen wird, wirkt die Summe aller unerfüllten Sehnsüchte gefährlich nach innen, und zwar psychisch übersäuernd und vergiftend... Es geht darum, seine Träume nicht auf eine "ferne Insel" zu projizieren, sie vielmehr ein Stück in die Welt hineinzutragen, sie zumindest ansatzweise im Alltag umzusetzen. Dafür sind natürlich Anpassungsleistungen zu erbringen: es wäre zu lernen, mit den Realitäten umzugehen wie sie sind (nüchtern und pragmatisch), auf die jeweiligen Bedingungen angemessen zu reagieren, nicht bloß irgendwelchen Privatillusionen auf den Leim zu gehen.
Paradoxerweise tritt Vernunft, Vorsicht und Skepsis, ängstliches Denken und Planen ("der Kopf") gerade in Beziehungen zutage: über dieses Thema wird oft zu viel gegrübelt. Bei aller Torschlusspanik sollte jedoch das für einen typische Zarte und Feine, die persönliche Weichheit und Offenheit erhalten bleiben, dürfen die zueigenen Ideale dem bloßen "Haben" eines Partners nicht geopfert werden! - Aufgegeben ist ein Drahtseilakt, das Kunststück, zwischen "den Welten" trennen bzw. unterscheiden zu lernen, als erwachsener Mensch die Bereiche des Diesseitigen und des "Überirdisch-Jenseitigen" nicht blind zu vermengen, Innen und Außen nicht zu verwechseln. Das heißt, einerseits nicht naiv ein Paradies auf Erden zu erwarten, andererseits aber auch nicht die Maßstäbe der Welt zum allein-gültigen Kriterium zu erheben...
Um die Dinge sich setzen zu lassen bzw. damit sie verarbeitet werden können, wären immer wieder Zeiten der Stille vonnöten, ruhige Atempausen abseits vom "Getriebe der Welt". In solchen liegt die Chance eines Auftankens, von Stärke und Kraft; Krisen finden gerade dort ihren Sinn und Zweck! Die Phasen von Leere und Hoffnungslosigkeit wollen positiv genutzt werden, zur Besinnung, Kontemplation und Meditation - um zum Wesentlichen bzw. zu sich selbst zu gelangen.

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