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Der Aszendent

zeigt das spezifische Anliegen, mit dem ein Mensch in diese Welt tritt - was er verwirklichen, umsetzen, sichtbar machen will. Das im Osten aufsteigende Zeichen kennzeichnet das Selbstverständnis einer Person, wie sie sich wahrnimmt bzw. wie sie sein möchte (wobei auf andere Menschen bisweilen überhaupt nicht so gewirkt wird). Hier ruhen ganz bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten verborgen, die es mit zunehmendem Alter immer mehr zu aktivieren, zu entwickeln bzw. auszugestalten gilt.

 

Der Aszendent im Steinbock

Auf den ersten Blick handelt es sich hier um einen ruhigen Typ, zurückhaltend, fast schüchtern zu nennen. Die Tendenz zur Selbstkontrolle und -disziplin verschafft eine nach außen korrekte, untadelige (Schutz-)Haltung. Vorhanden ist ein ausgesprochenes Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein, gegeben eine "grundehrliche Haut". Zuverlässig und ordentlich, belastbar und geduldig, werden die jeweils anfallenden Aufgaben ernst und wichtig genommen - man weiß schließlich, "was sich gehört"...
In dem grundsätzlichen Bestreben, die Fassung bzw. Form zu wahren wird oft etwas gezwungen und steif gewirkt, irgendwie befangen. Die "Kopfbetonung" (über-bewusst, über-beherrscht zu sein) kann sogar so weit überhand nehmen, dass sich ständig überprüft/ zur Wachsamkeit gerufen wird... Das ausgeprägte Gewissen (Über-Ich) ist in der Regel Ergebnis einer strengen Erziehung bzw. einer - materiell oder emotional - kargen Kindheit. "Folgsamkeit" erbrachte ja früher regelmäßig Lob und Zuwendung, auf Ungehorsam war eine konsequente "Strafe" zu erwarten.
So erklärt sich auch der oft spürbare Ehrgeiz bzw. die hohen Forderungen, die an die persönliche Leistung gestellt werden. Sich zuviel abzuverlangen/ zuviel an Arbeit aufzubürden, Stress und Anspannung mögen allerdings chronisch werden. Dann kann kaum noch Selbstzufriedenheit entstehen, dann vermag man es sich selbst nicht recht zu machen, sieht sich u.U. gar als minderwertig, der Norm nicht genügend, etc. an bzw. dann hat man nur geringes Zutrauen in die eigene Person und deren Fähigkeiten.
Die Selbstbehauptung ist insgesamt nicht einfach. Es treten negativ-pessimistische Vorerwartungen auf; und das viele Rumüberlegen und Planen versucht zu einer anstehenden Situation schon im vorhinein die adäquate Einstellung zu finden. Meist wird bei Vorhaben schon vorher mit Schwierigkeiten bzw. Widerständen gerechnet... Die daraus resultierende Selbstbeschränkung ist jedoch in vielen Fällen von den Gegebenheiten eigtl. nicht gerechtfertigt! Desöfteren liegt eine schlichte Durchsetzungsangst bzw. eine Art Aggressionshemmung vor (u.a. wegen befürchteter Sanktionen); damit im Zusammenhang zeigt sich dann gern eine äußerliche (Schein-)Ruhe, ein z.T. krampfhaftes Zusammenbeißen der Zähne.
Für das Selbstverständnis hilfreich wäre die Einsicht, dass auftretende (bzw. unterdrückte) Aggressionen eigtl. ein Ventil sind für bestimmte nicht zugelassene (angestaute) Bedürfnisse - Wünsche, die in der Kindheit verboten waren und auch heute noch "brav" abgewehrt werden. Mit solchem Selbstunterdrückungsmechanismus läuft man allerdings Gefahr, sich zu sehr abzuschotten bzw. zu verhärten, sein eigentliches Wesen zu verleugnen. Der vermutlich unbewusst gefasste Entschluss (aufgrund negativer Vorerfahrungen), "cool" zu sein, keinerlei Regung zu zeigen, sich keinesfalls zu entblößen, "dunkle Flecken", Schwächen bzw. Anstößiges zu verbergen, sich vor möglichen Infragestellungen zu verschließen, etc., isoliert einen nicht nur sozial, sondern auch von der eigenen Identität! Als Zwangsläufigkeit ergibt sich: je weniger (aus Angst oder gar Stolz) auftauchende Gefühle zugelassen werden, desto mehr müssen diese im Außen gesucht, desto mehr müsssen sie auf Mitmenschen projiziert, an oder mithilfe von anderen wahrgenommen werden. Gerade potentielle Partner verkörpern gewissermaßen die eigene Weichheit und Labilität, die eigene emotionale Abhängigkeit und Verletzlichkeit, sprich: "das Kind in einem" (welches scheinbar belehrt, "erzogen" werden muss). Über eine Beziehung/ ein Gegenüber wird der hinter der eigenen "sauberen Fassade" befindliche "chaotische Dschungel" sichtbar! Nahe Bezugspersonen sind sozusagen die "offene Flanke" - wo man angreif-, beeinfluss- und steuerbar ist (u.a. auch eine leichte Beute von Verliebtheit)... Kurzum: Gefühle sollten nicht nur an einen Partner (oder ein Kind) delegiert, sondern als unabtrennbarer Teil von einem selbst gesehen werden!
Es gilt, sich den Zugang zur Innenwelt (zu den Lebensquellen, "Müttern") wieder zu erschließen, die diversen errichteten "Dämme gegen das Unbewusste" allmählich abzubauen, sich in diesem Bereich als nunmehr reifer Erwachsener zurechtzufinden. Aufgegeben ist, bewusst, aber ungezwungen den Kontakt mit den leisen, zarten und oft verworrenen Regungen des Empfindens zu pflegen - ohne sich jedoch darin zu verlieren bzw. ohne vom Weg der Klarheit abzukommen. (Durch eine stärkere Öffnung und Aufmerksamkeit für einen selbst wächst auch das Vertrauen in andere!) Es geht für einen darum, praktisch von innen heraus - möglichst frei von Aufsicht oder Bevormundung, ohne irgendein Hineinreden und ohne falsche Zugeständnisse (an das, "was man soll") - seine ureigenen Maßstäbe und Richtlinien zu entwickeln. In sich gegründet zu sein bedeutet u.a. Stimmigkeit, mit sich "im Reinen" zu sein, seinem wahren Wesen treu zu bleiben.
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