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Der Aszendent

zeigt das spezifische Anliegen, mit dem ein Mensch in diese Welt tritt - was er verwirklichen, umsetzen, sichtbar machen will. Das im Osten aufsteigende Zeichen kennzeichnet das Selbstverständnis einer Person, wie sie sich wahrnimmt bzw. wie sie sein möchte (wobei auf andere Menschen bisweilen überhaupt nicht so gewirkt wird). Hier ruhen ganz bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten verborgen, die es mit zunehmendem Alter immer mehr zu aktivieren, zu entwickeln bzw. auszugestalten gilt.

 

Der Aszendent im Skorpion


Gelenkt von bestimmten Ideen bzw. Prinzipien (wie der "Wahrheit" oder "Liebe"), wollen diese von einem in der Welt realisiert werden. Aus diesen Vorstellungen leitet sich geistige Stärke ab, eine enorme Willenskraft. Außenstehenden sind die ungeheuren Energiereserven oft unbegreiflich, wenn nicht furchteinflößend. Fähig zu intensiver Anspannung und Konzentration, wird sich für ein Ziel, ein Leit- oder Vorbild mit ganzem Herzen aufgeopfert. Was einmal in den Kopf gesetzt wurde, wird konsequent zu erreichen gesucht - und sei es durch Überanstrengung, sei es auf Kosten von Körper und Seele.
Von der Realität wird sich allerdings oft zu schnell ein Bild gezimmert. Was da nicht hineinpasst, wird - unbewusst, aber systematisch - ausgeschlossen bzw. ignoriert. So mögen andere Menschen anhand eigtl. ungerechter Schablonen fixiert werden, entweder (positiv) idealisiert oder (negativ) verdammt... Überhaupt besteht eine Neigung zur Schwarz-Weiß-Malerei; Zwischentöne, geistige Flexibilität, sich zu lösen von vorgefassten Konzepten und eingefahrenen Denkschemata fällt recht schwer.
In der Partnerschaft wird (theoretisch) die absolute, höchste Einheit erstrebt. In der Praxis dient aber der Partner gern zur Sicherheit und Stütze, evtl. gar zur existenziellen Absicherung, wird leicht in eine einseitige Dominanz oder Abhängigkeit gerutscht - und geht es auch um Macht. (Typischerweise kippt nach einer Enttäuschung der erwarteten "Treue" heißentbrannte Liebe schlagartig um in Hass.) - Den anderen festzuhalten oder zu vereinnahmen verhindert im Grunde jedoch die eigene Freiheit und Unabhängigkeit! Im Verlauf einer Beziehung ist oft schmerzlich zu lernen, den Partner (bzw. das Bild von ihm) loszulassen...
Wegen der gehegten Ideale ist einem eine gewisse Radikalität zu eigen, kann man sehr fordernd und verlangend sein, bisweilen hart und unerbittlich (wenn nicht rücksichtslos), gerade zu einem selbst, unduldsam hinsichtlich eigener wie fremder Schwächen, vernichtend im Urteil. Da solchem Perfektionsanspruch eigtl. nur Übermenschen genügen können, bleibt Unzufriedenheit nicht aus - welche kritisch wird, wenn die gewaltigen Energien - autoaggressiv - gegen einen selbst gerichtet werden, d.h. sich geringschätzend, niedermachend, usw.; dann liegt der Weg in eine Sucht gefährlich nahe.
Selbstliebe, ein positives Selbstwertgefühl wäre wichtig aufzubauen! Solches ist aber nur tragfähig auf der Basis gründlicher Selbsterforschung. Meist überdeckt ja die aufgebaute Vorstellungswelt persönliche Komplexe, z.T. extreme Ängste (über andere Personen wird sich eh so einiges vorgemacht, so manches Falsche eingebildet)... Es ist nicht leicht, die dunklen Seiten der eigenen Persönlichkeit wahrzunehmen, Abgründe auch in sich zu sehen, dem "Bösen" ins Auge zu blicken, es als innerlich existent anzuerkennen (statt in die Außenwelt zu projizieren). Seinen "Schatten" abzuwehren, zu leugnen oder zu verdrängen führt jedoch in die seelische Spaltung. Hin- und hergerissen zu sein zwischen Gegensätzen ("zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust") ist sowieso symptomamatisch: da ist einerseits das Ideelle, rein Geistige, das Streben nach Vollkommenheit, nach einer asketischen Selbstüberwindung - andererseits das Tierisch-Instinkthafte, ein exzessives Verlangen, ein leidenschaftlicher Hunger nach Leben. Geist und Körper stehen sich fast unversöhnlich gegenüber! (Die daraus resultierende Unausgeglichenheit bzw. mangelnde emotionale Erfüllung lässt einen allzugern zu materiellen (Sucht-)Mitteln/ vermeintlichen Befriedigungen greifen, um dem Frust abzuhelfen.)
Da sich in psychischen Notsituationen bevorzugt sexuelle Wunschbilder aufdrängen, ist der Umgang mit der Sexualität zentral, zeigt sich eine eventuelle Lust- oder Lebensfeindlichkeit hier am deutlichsten. Wird die große Triebhaftigkeit als normale körperliche Regung angenommen, wird sie in die Persönlichkeit integriert? Oder ist sie problematisch, über- oder unterbetont, ist sie mit moralischen Geboten, Tabus bzw. Schuldgefühlen behaftet - was ja auch bei einer nach außen hin liberalen ("progressiven", "anti-autoritären") Einstellung der Fall sein kann?
Über die Sexualität kann der Körper (auch der des Partners) als Teil der Schöpfung, d.h. als im Wesentlichen göttlicher Natur geachtet werden. "Sex" ist der Königsweg zur Verbindung von Ethisch-Spirituellem, des hellen, geistigen Bewusstseins mit dem Naturhaften, "dumpfen" psychophysischen Unbewussten - um letztlich in die Mitte zu kommen. (Nicht von ungefähr nennt das Alte Testament den Beischlaf ein "Erkennen"; und im Tantra wird er als rituelle Handlung/ sakraler Akt vollzogen.)
Jegliche Negativität ist das Ergebnis einer Fehlleitung von Energie. Alles Destruktive erwächst aus unterbundenen Wünschen, aus sich versagten emotionalen Regungen, aus entstandenem Gefühlsstau. Es sind in erster Linie die unterdrückten Bedürfnisse, ja die Bedürftigkeit überhaupt, welche ins Selbstbild gehört und akzeptiert werden sollte!

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