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Der Aszendent

zeigt das spezifische Anliegen, mit dem ein Mensch in diese Welt tritt - was er verwirklichen, umsetzen, sichtbar machen will. Das im Osten aufsteigende Zeichen kennzeichnet das Selbstverständnis einer Person, wie sie sich wahrnimmt bzw. wie sie sein möchte (wobei auf andere Menschen bisweilen überhaupt nicht so gewirkt wird). Hier ruhen ganz bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten verborgen, die es mit zunehmendem Alter immer mehr zu aktivieren, zu entwickeln bzw. auszugestalten gilt.

 

Der Aszendent in der Waage

Beziehung(en) und Partnerschaft sind das primäre Anliegen - von der Kindheit her auch stellvertretend für die Eltern - deren Liebe bzw. Energiefluss irgendwann versiegte. Begegnung als solche rangiert immer höher als z.B. Sex! Das Ziel ist, bei den Leuten anzukommen, sich auszutauschen, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten. Geradezu angewiesen auf Menschen, wird bei diesen Objektivität, vor allem aber Anregung/ Stimulanz gesucht, ist es für einen wichtig, (heraus)gefordert zu werden.
Höflich und freundlich, existiert eine Offenheit für alle möglichen Leute bzw. vielerlei Ansichten. Man wird allgemein geschätzt, gilt als sympathisch, umgänglich und sehr verträglich - weil ein echtes Bemühen um andere da ist, diese tatsächlich berücksichtigt werden, weil von den eigenen Interessen abgerückt werden kann, die Bereitschaft besteht sich zurückzunehmen bzw. sich auf fremde Situationen einzustellen... Augenfällig wird die soziale Ader auch am instinktiven Eintreten für Schwache und Benachteiligte.
Negativ an der Außenorientierung ist die Beeinflussbarkeit. Der erste Handlungsimpuls ist stets, gemäß der sozialen Erwünschtheit zu reagieren (d.h. je nach der gerade anwesenden Partei). Eine große Gefahr liegt dabei darin, sich zu sehr nach der Meinung anderer zu richten bzw. das jeweilige Gegenüber zu idealisieren (und auf sich selbst wenig zu geben). Äußere Gegebenheiten können einen überhaupt leicht aus dem Gleichgewicht oder Konzept bringen, einen ablenken bzw. stören und verunsichern; Lob und Zuneigung mögen einen gar abhängig machen.
Eine Folge dieser Beeindruckbarkeit bzw. passiven Veranlagung ist die Durchsetzungs- und Entscheidungsschwäche. Grundsätzlich kann schlecht nein gesagt werden (d.h. sich positiv abzugrenzen). Leicht lässt man zu viel mit sich machen - d.h. es wird nachgegeben um der Harmonie willen. Eindeutige Stellungnahmen fallen schwer. Lieber wird sich nicht so viel eingemischt, es sich mit keinem verdorben... Zu schaffen macht solche Neigung besonders Männern, da sie in Konflikt geraten mit ihrer sozialen Rolle, gern als zu feminin ("Softies") angesehen werden. - Doch dafür ist die intellektuelle Auffassungsgabe hervorragend ("typischer Denker"): da jeweils ausführlich das Für und Wider abgewogen wird, liegt die Eignung vor zu einem "Geistesarbeiter" - welcher andere mithilfe seiner Gedanken und Pläne motiviert (und sich so schließlich doch, wenn auch indirekt behauptet)...
Es wäre allerdings zu fragen, ob die zur Schau gestellte Friedfertigkeit ehrlich, ob die Sanftmut - das "keep smiling" - authentisch ist. Verbleibt bisweilen nicht ein innerer Stau, wird nicht ein gehöriger Rest an Ärger (weil nicht zum Zuge gekommen) unterdrückt oder verdrängt? Allzu "lieb und nett" aufzutreten kann verdächtig bzw. künstlich sein - vor allem wenn faktisch innere Vergrämung herrscht, eine Übersäuerung erfolgt. Dann entstehen jene gefürchteten, einem selbst wie anderen unverständlichen emotionalen Aus- (oder auch Zusammen-)brüche - nach der Logik "was lange gärt, wird endlich Wut"...
Unmerklich (unbewusst) verläuft auch die sog. Schattenprojektion: nämlich unwillkommene Seiten seiner selbst in anderen zu sehen und sie dort (also in der Umwelt) zu bekämpfen. So wird geschimpft und verurteilt, sich aufgeregt über vermeintlich negative Eigenschaften anderer - welche aber sehr wohl auch bei einem selbst bestehen, worüber die eigene Persönlichkeit (wie in einem Spiegel) besser kennengelernt werden könnte!
Gerade seine aggressiven Seelenanteile wahr- und anzunehmen brächte die so schmerzlich ersehnte Stärke. Und Frieden in einem selbst, inneren Ausgleich bzw. Ausgeglichenheit gilt es im Lebensverlauf eigtl. erst noch zu erringen - und zwar über den Weg eingegangener Einseitigkeiten. So wäre u.a. ein Gleichgewicht herzustellen zwischen expressiven, kreativen Elementen einerseits und emotionalen Hemmungen, Kontrolle und Disziplin andererseits, zwischen Bewusst und Unbewusst, zwischen Geist und Körper... Erst dann können im Außen gespannte oder disharmonische Verhältnisse belassen werden wie sie sind, erst dann wirkt nicht mehr jener chronische Zwang zu vermitteln und zu besänftigen; dann kann erforderlichenfalls auch "egoistisch" für die eigenen Interessen eingetreten werden.
Im übrigen bergen lebendige Beziehungen immer Konflikte. Die dort stattfindenden Auseinandersetzungen werden sogar gebraucht (und gewünscht), um persönlich voranzukommen! Von entscheidender Bedeutung ist, konstruktiv und fruchtbar streiten zu lernen, mit seiner Kritik nicht hinterm Berg zu halten, sich einzubringen/ zu engagieren, die eingeschliffene "vornehm-abwartende" Zurückhaltung bzw. Distanz zu überwinden. Vermittelst der Projektionsrücknahme - der Prüfung, ob Vorwürfe an andere nicht auch mit einem selbst zu tun haben - wäre schließlich zur Eigenständigkeit zu gelangen bzw. zu einem realistischen, ausgewogenen Verhältnis zwischen Ich und Du...
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